Beispiellose Zeiten für Privatbanken

Es gibt kaum ein Land, das als Standort so prädestiniert ist für generationenübergreifende Vermögensverwaltung wie die Schweiz. Stabile politische Verhältnisse, hohe Rechtssicherheit, unabhängige Zentralbank, gutes Ausbildungsniveau, Verlässlichkeit, Genauigkeit und viele Anbieter mit vielfältigsten Angeboten. Trotz dieser herausragenden Vorteile ist der jahrelang wichtigste Wachstumsbereich auf dem Finanzplatz Schweiz in Bedrängnis.

Es ist schier unerträglich, wie Wegelin sich dem Druck eines fremden Staates beugen musste. Diese bisher letzte Episode markiert einen neuen Tiefpunkt in dem seit Jahren schwelenden Steuerstreit. Unfreundliche Attacken von näheren und ferneren “Freunden” auf Personen und Institute als Mittel zum Zweck, nämlich Geld bei ihren eigenen Steuerpflichtigen einzutreiben, ist zumindest fragwürdig. Dass mit diesen Mitteln gleichzeitig noch ein starker Finanzplatz-Konkurrent geschwächt werden kann, wird wohl nicht ungern gesehen. Zwischen Staaten gibt es eben keine Freunde, nur Interessen.

Die Geschäftsmodelle, welche primär auf dem Bankgeheimnis beruhten, sind seit vielen Jahren wenig vielversprechend für die Zukunft. Hinzu kommt die immer dichter werdende Regulierung. Man fragt sich, was all die Gesetze und Regeln nützen, wenn sie mit Druck und destruktiver Energie ausgehebelt werden können. Der Rechtssicherheit in der Schweiz tut das sicher keinen Gefallen.

Unter Druck ist der Privatbankenplatz Schweiz nicht nur vom Ausland. Auch der Markt ist sehr anspruchsvoll. Für viele Jahre werden die Zinsen nahe bei Null liegen – so zumindest kündigt die US Zentralbank an. Die Welt hat ein Schuldenproblem. Zu hohe Schulden kann man nur mit Wachstum, Inflation, höheren Steuern oder Restrukturierung und Enteignung reduzieren. Am wahrscheinlichsten ist eine Kombination all dieser Wege. Ein Nullzinsumfeld zusammen mit erhöhten Enteignungsrisiken werden viele bisherige, auf historischen Modellen basierende Strategien ad absurdum führen. Doch tun sich immer auch neue Chancen auf.

Was braucht es, dass der Finanzplatz Schweiz eine gute Zukunft hat? In meinen Augen drei Dinge.

Erstens müsste sich die Politik und die Bevölkerung beherzt zur Wichtigkeit des Finanzplatzes Schweiz für unseren Wohlstand und unser Wachstum bekennen. Zweitens müsste sich der Finanzplatz auf die wirklichen Stärken konzentrieren und diese weiter ausbauen. Für mich sind dies: Servicequalität, globale Ausrichtung und Stabilität. Drittens schliesslich muss die Selbstzerstörungsfreude neidvoller Kreise in der Schweiz endlich ein Ende haben. Wenn ein Land unter Druck ist, gilt es zusammenzurücken und gemeinsam die bestehenden Probleme zu lösen

Ob die Schweiz einen starken Finanzplatz will, ist ein politischer Prozess und dessen Verdikt gilt es demokratisch mitzutragen. Für die Finanzbrache an sich bin ich zuversichtlich. Der Konsolidierungsprozess hat begonnen, es wird wohl eine Entwicklung in Richtung Bankfabriken einerseits und Boutiquen andererseits geben. Gerade Bankboutiquen müssen mit neuen Ideen und einem klaren Zielpublikum operieren. Gut aufgestellt sind jene Institute, welche dank einer flexiblen Kostenstruktur – sowohl operationeller Natur wie bei Personalkosten – keine kurzfristig gewinnmaximierenden Restrukturierungsmassnahmen vornehmen müssen. Noch immer wollen die meisten vermögenden Familien und Kunden einen langfristigen Vertrauenspartner. Sie schätzen Kontinuität, nur so können die Vermögen über Generationen gesichert und gemehrt werden.

Die Zukunft gehört weder den Selbstgerechten noch den Besserwissern noch modernen Kopfjägern. Destruktive Kräfte sind selten hilfreich. Natürlich gibt es Probleme, aber wir kennen sie. Nulltoleranz und Fehlerkultur beissen sich. Es ist Zeit aufzubrechen.

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2 Kommentare

Ich stimme Ihrer Analyse durchaus zu – auch dem Ansatz sich auf die Stärken zu konzentrieren, globale Ausrichtung, Servicequalität, Stabilität. Politische Sicherheit, ein starker Franken, konservatives und doch innovatives Banking wäre gefragt. – Doch die eigentlich “destruktiven” Kräfte sind nicht linke Kritiker, sondern waren die TopShots einzelner Banken, sei es UBS sei es CS. – Und wie in der Schweiz mutwillig Brands zerstört werden hat Brady Dougan jüngst mit der Zerschlagung der ClaridenLeu bewiesen, auch wenn dieser Schliessung eine Reihe von Fehlern von CS-TopShots vorausgingen.

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