HSBC-Chef Morra: Auf- statt Absteiger

Ex-UBS-Topshot entliess viele, nun übernimmt der Private-Banking-Chef die Führung in der Schweiz.

Franco Morra kehrte bei der HSBC Schweiz mit eisernem Besen. Unter dem Chef Private Banking Schweiz mussten in den letzten 18 Monaten viele Kader der Nummer 3 in der Schweizer Vermögensverwaltung den Hut nehmen.

Nun steigt er weiter auf und nicht ab, wie das heute morgen vermeldet wurde. Zuerst gab HSBC Schweiz intern bekannt, dass Morra neu die Schlüsselkunden im Schweizer Private Banking der englischen Grossbank betreuen würde. Am Freitag Abend wurde dann das Personal informiert über Morras neue Position. Er wird Europa-Chef und CEO der HSBC Schweiz.

Morra habe in seiner bisherigen Zeit bei HSBC “extrem gewirbelt”, sagt ein Kadermann, den die Bank vor die Türe stellte. Er ist einer von über einem Dutzend Führungspersonen des oberen und mittleren Kaders, das unter Morra den Job verloren hat.

Ex-Boston-Berater Morra ist bekannt für kurzen Prozess. Einen Namen machte er sich als Shootingstar bei der UBS. Unter der Übergangsregierung von Marcel Rohner und Peter Kurer stieg der Mann, der das Banking als langjähriger Consultant vor allem von der Theorie her kannte, zum mächtigen Schweiz-Chef auf.

Im Frühling 2010 kam das abrupte Ende. CEO Oswald Grübel, der noch etwas kaltschnäuziger ist als Morra, servierte den Schweiz-Chef eines Abends mit einem einzigen Satz ab. “Ach übrigens, morgen kommunizieren wir Deinen Nachfolger”, soll das Entlassungsgespräch in etwa verlaufen sein, wie eine Quelle den Moment beschreibt.

Erfolgsmanager Morra war geschockt. Nachdem er selbst unzählige Manager und Spezialisten abgesägt hatte, ohne mit der Wimper zu zucken, fühlte er sich bei seiner eigenen Absetzung unfair behandelt. Schmollend vergrub er sich in seinem Zuhause am Zürichsee und leckte seine Wunden.

Endlich kam das Angebot vom englisch-asiatischen Finanzmulti HSBC. Morra sollte das Schweizer Private Banking unter HSBC-Schweiz-Chef Alexandre Zeller in Form bringen.

Das war eine Herausforderung, die es verdient hatte, von ihm angepackt zu werden, muss sich Morra gesagt haben. Immerhin handelt es sich beim Schweizer Ableger der Weltfirma HSBC um kein Mini-Bänkli.

Mit über 200 Milliarden Franken Kundenassets zählt HSBC Schweiz hinter den beiden Grossbanken zum Verfolgungsfeld mit Pictet, Julius Bär und Safra-Sarasin. Am Schweizer Hauptsitz in Genf arbeiten rund 1500 HSBC-Leute, in Zürich kommen 300 weitere hinzu. Damit ist HSBC Schweiz leicht grösser als Clariden Leu.

Ab Ende 2010 war Morra im Element. Seine Strategie sah vor, dass sich HSBC auf vermögende Kunden fokussieren würde.

Mindestens 3 Millionen Dollar, noch besser 5 Millionen sollte ein Kunde in aufstrebenden Wachstumsmärkten bei der HSBC Schweiz liegen haben, um weiter vom globalen Bankenkonzern betreut zu werden. In anderen Gebieten genügte 1 Million.

Vermögen, die unter dieser Limite lagen, würden mit den erzielbaren Erträgen die steigenden Kosten nicht mehr gewinnbringend decken können, waren Morra und seine Vorgesetzten überzeugt.

Morras Aufräumen fielen nicht nur untere HSBC-Chargen zum Opfer. Der Finanzchef im Private Banking ging von Bord, nachdem er zuvor lange Jahre für die Bank tätig gewesen war und quasi zum Inventar gehörte. Ein weiterer Kadermann wurde vom Zürcher Ableger der HSBC nach London transferiert.

In Genf geht das Gerücht um, dass die Bank rund 300 Arbeitsplätze abbauen würde. Es herrsche “Management by fear”, sagt der Ex-HSBC-Manager. “Das war der Stil von Morra, und das verunsichert die ganze Belegschaft.”

Einen Verwandten im Geiste fand Morra offenbar in Privatbanker Roger Lehmann. Lehmann ist eine schillernde Figur auf dem Platz Zürich, nicht zuletzt weil er mit Milliardärs-Erbin und Multi-Verwaltungsrätin Carolina Müller-Möhl liiert ist. Lehmann sitzt bei der HSBC in Zürich.

Möglicherweise sei Morra von der HSBC-Spitze in England extra fürs harte Sanieren ausgewählt worden, weil sich der Konzern von ihrem Schweizer Private Banking trennen möchte. “Die Braut wird geschmückt und dann abgestossen”, vermutet die Quelle.

Für die Engländer sei die Schweizer Private-Banking-Tochter immer ein Fremdkörper geblieben.

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