Julius Bär sperrt Karten und Konti von Fifa-Chefs

Privatbank kriegt kalte Füsse in Korruptionsaffäre – blockiert Gelder von Beschuldigten – Fifa, Petrobras: What’s next?

Die Zürcher Privatbank Julius Bär steckt viel tiefer im Fifa-Sumpf als bisher vermutet. Das zeigt eine überhastete Aktion über das letzte Wochenende.

Die börsenkotierte Bank sperrte in einer Blitzübung alle Konten mehrerer Funktionäre des Weltfussballverbands Fifa. Diese stehen im Verdacht, korrupt zu sein.

Ebenfalls blockierte die Bär-Bank alle Kreditkarten dieser Funktionäre, die mit den entsprechenden Konten beim Zürcher Finanzhaus verbunden sind.

Damit wird klar, dass Bär eine der Hauptdrehscheiben im Fifa-Korruptionsskandal sein dürfte. Die aufstrebende Privatbank zählte offenbar zu den bevorzugten Häusern der Fifa-Spitzenleute.

Die Informationen, die von einem Insider stammen, blieben gestern unkommentiert.

Ein Bär-Sprecher meinte auf Anfrage, dass seine Bank „zu den im FIFA Indictment genannten Banken“ gehöre, „durch die angeblich verdächtige Transfers vorgenommen worden“ seien.

Bär habe „eine interne Untersuchung gestartet“, die Bank kooperiere „vollumfänglich mit den Behörden“.

Ein Sprecher der ermittelnden Bundesanwaltschaft reagierte gestern nicht sofort auf eine Anfrage. Laut Bundesanwalt Michael Lauber hätten Banken 53 verdächtige Transaktionen gemeldet.

Die Bank Bär gehörte seit der spektakulären Verhaftung von Fifa-Funktionären im Zürcher Hotel Baur au Lac vor 3 Wochen zu den von den USA genannten Finanzinstituten.

In seiner Anklageschrift gegen die festgenommenen Fifa-Leute sowie weitere Personen der internationalen Sportindustrie nannte das amerikanische Justizdepartement die Bär-Bank an 2 Stellen.

Beide Male geht es um die Firma FPT Sports, die zum Unternehmen Torneos y Competencias des Argentiniers Alejandro Burzaco gehört.

Am 17. Juni 2013 überwies eine ebenfalls involvierte Firma von einem Konto bei einer US-Bank die Summe von 5 Millionen Dollar auf ein Korrespondentenkonto bei der JP Morgan in New York.

Begünstigter war ein Konto der FPT Sports bei der Julius Bär in Zürich.

3 Monate später, am 11. September 2013, ging es um knapp 1,7 Millionen Dollar von einem Konto bei der Zürcher Bank Hapoalim.

Das Geld wurde über Korrespondentenkonti bei der Citibank und der JP Morgan in New York ebenfalls auf das FPT-Sports-Konto überwiesen, welches bei der Julius Bär in Zürich liegt.

Der Mann hinter dem Konto bei Bär, der erwähnte Alejandro Burzaco, ging den Polizisten bei ihrer Razzia im Baur au Lac als einziger Gesuchter durch die Lappen.

Wenige Tage später stellte sich der von den Amerikanern angeklagte Sport-Manager, dem aktive Bestechung vorgeworfen wird, in Italien den Behörden. Er könnte durch seinen italienischen Zweitpass geschützt sein.

Für die in den bisherigen Skandalen medial verschont gebliebene Julius Bär und ihren erfolgsverwöhnten CEO Boris Collardi drohte der Fifa-Sumpf zum Waterloo zu werden.

Collardi reagierte, wie er bei der Verwicklung in gefährliche Ermittlungen der Behörden immer reagiert: Er wandelte sich ohne mit der Wimper zu zucken vom Saulus zum Paulus.

Nachdem seine Bär-Bank zuvor offenbar beide Augen zugedrückt hatte, als es darum ging, mit dem nun angeklagten Argentinier Geschäfte zu machen, griff die Bank nach Auffliegen der Affäre scheinbar rigoros durch.

Die Konto-Blockierung und Kreditkarten-Sperrung aller beschuldigter Fifa-Funktionäre – bei denen handelt es sich vor allem um solche der kontinentalen Unterverbände und nicht der Zentrale in Zürich – sollen der Privatbank ein Musterknaben-Image verschaffen.

Ob das Kalkül aufgeht, muss sich weisen. Die Anzahl von Skandalen, in denen Bär eine gewichtige Rolle spielt, hat sich jüngst gemehrt.

Nach einer Ablasszahlung in Deutschland und einem Strafverfahren im US-Steuerkonflikt tauchte Bär diesen Frühling auch prominent im Petrobras-Korruptionsfall auf.

Der Ex-Chef des staatlichen brasilianischen Öl-Multis und einer der Hauptbeschuldigten hat gemäss Ermittlern den Grossteil von Bestechungsgeldern von 2 Konten bei der Genfer Lombard Odier auf 2 bei der Julius Bär in Monaco überwiesen.

Es geht um knapp 21 Millionen Euro, die nach einer Reihe von Banküberweisungen rund um den Erdball auf den Konten bei der Julius Bär im Fürstentum landeten.

Der Zeitraum ist brisant. Laut Behörden hätten die Zahlungen zwischen 2009 und Herbst 2014 stattgefunden.

Deutsches Schwarzgeld, amerikanisches Schwarzgeld, brasilianische Korruption, Fifa-Korruption – immer mit prominenter Beteiligung der Zürcher Privatbank.

What’s next?

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14 Kommentare zu “Julius Bär sperrt Karten und Konti von Fifa-Chefs

  1. Es fehlt die RECHTSGRUNDLAGE für solche Kontensperrungen! Wann endlich hält sich die Bank Bär an die Spielregeln?

  2. Die Julius Bär hat sich wieder mal nicht gerade mir Ruhm bekleckert. Gestern Hoeness, heute FIFA, morgen vermutlich die Steueraffaire.
    Wann hört das auf? Die Bankherren in ihren grauen Trauergewändern sehen wohl keine andere Möglichkeit, an die Droge Geld zu kommen. Zürcher Suchthilfe: Helft!

  3. Bei den beschuldigten FIFA-Funktionären handle es sich „vor allem um solche der Kontinentalen Unterverbände und nicht der FIFA Zentrale in Zürich.“

    Dies stimmt so nicht ganz, da am 27.5. auch Jeffrey Webb verhaftet wurde. Als CONCACAF-Präsident sitzt (resp. sass) er auch als Vizepräsident im FIFA-Exekutivkomitee. Wo er mit seinen jugendlichen 50Jahren geradezu ein Exot in diesem Altherrengremium war.

    @Brasil Boy

    Ob die FIFA die Hotelspesen von Alejandro Burzaco zahlt: Who knows? Er ist ja ein privater Geschäftsmann, welcher daran interessiert ist, Fussball-TV-Rechte günstig für Torneos y Competencias einzukaufen. Und falls „geschmiert“ werden musste, dürfte er eher derjenige sein welcher zahlt? (ähnlich wie beim Katarer bin Hamam) Burzaco’s langjähriger Amigo war der legendäre, vor einigen Monaten verstorbene Argentinische FIFA-Boss Julio Grondona. Welcher auch bei Einladungen (z. B. in London) der Kentaro AG, Mels ehemals Will SG, gesehen wurde.

  4. Nichts über die Entlohnung von Strahlemann Boris ? Oder sein neues Haus in Schindellegi mit Blick auf der Kantonsstrasse nach Biberbrugg ?

  5. Komisch, dass das erst nach den Ermittlungen der USA aufgefallen ist. Anscheinend gab es bis dahin keine „komischen“ Transaktionen.

    Also ist schon wieder die Reinigung von aussen angestossen.

    • Erstaunt Sie das, Frau G.? Selbstregulierung funktioniert nur beim ABS, Selbstreinigung nur beim Backofen. Geht es hingegen um Schwarzgeld, Diktatorengeld, Blutdiamanten, Rohstoffdeals oder andere Drecksgeschäfte, ist Reinigung garantiert das allerletzte Item auf der Banken-Agenda. So lange die Rendite stimmt, fühlen sie sich inmitten der grössten Schweinereinen buchstäblich sauwohl.

    • Dem muss ich widersprechen. Mindestens das Dolder Grand hat eine eigene Reinigung bzw. (Hotel)Wäscherei für die Fifa-Leute (und deren Geschäftpartner).
      Ob diese Kunden bei Bär neben Ueberweisungen z.B. auch noch vom Night Trading à la „Uli, der Zauberer“ oder eher langsam verbuchten DTGs o.a. profitiert haben, wäre interessant. Aber Libor-Mark will das doch gar nicht wissen.

  6. Man sollte mal beim Baur au Lac nachfragen, ob Señor Alejandro Burzaco beim hastigen Auschecken die Hotelrechnung mit der Bär-Kreditkarte bazahlte?

    Ueber den CEO von Torneos y Competencias habe ich übrigens hier in diesem Forum bereits am 5.6.15 Wegelin-Untergangsstory (2. Teil) und am 9.6.15 Besitzer Dolder Grand (Schwarzenbach) Kommentare verfasst.

    „Sandra Niggli“ erinnert sich bestimmt?

    Bei vielen Argentiniern ist übrigens so, dass sie italienische Wurzeln haben. Wahrscheinlich zum Glück für Alejandro, resp. Alessandro.

    P.S. Hoffen wir, dass der Bank Bär-interne Sicherheitsdienst dem Whistleblower nicht auf die Schliche kommen wird!

    • Wahrscheinlich bezahlt Señor Alejandro Burzaco seine Hotelrechnung selber. Das übernimmt natürlich die FIFA.
      Selber bezahlen nur Idioten.