Bitcoin-Streit in CS: Analyst gegen Thiam

Intern-Report zu Crypo-Hype: „Real asset“ statt Währung – Thiam widerspricht: Nur spekulativer Bubble – Analyst weg von Posten.

Dietmar Peetz hat ein Doktorat gemacht und arbeitete 14 Jahre lang für die CS. Seit Anfang Jahr ist er bei der Simag AG, einem Joint-venture von ETH und CS und präsidiert von Ex-UBS-Mann David Solo.

Peetz sorgte im Herbst für Aufruhr mit einem Papier zu Bitcoin. Die Crypto-Währung sei gar keine Währung, sondern ein Real Asset: ein echtes Aktivum, so wie ein Rohstoff oder ein Edelmetall.

Der Report soll CS-intern zu Debatten geführt haben. Die Frage in der CS wie bei allen grossen Banken lautete: Wie stellen wir uns zu Bitcoin, dessen Kurs gerade durch die Decke ging?

CEO Thiam beantwortete dies an der Medienkonferenz zum 3. Quartal der CS am 2. November. Und zwar unmissverständlich. Bitcoin, das sei reine Spekulation.

Die Botschaft fand Niederschlag, die Medien gingen auf das Thema ein, obwohl dieses nicht direkt mit den Resultaten von Thiams CS zu tun hatte.

„Tidjane Thiam warnt vor Bitcoin-Blase“, titelte beispielsweise die „Finanz und Wirtschaft“. Die Zeitung bezog sich auf Thiams Ausführungen, wonach es keinen vernünftigen Geschäftsgrund für Bitcoin gebe.

„Per Definition eine Blase“: Thiam in der Finanz und Wirtschaft

„From what we can identify, the only reason today to buy or sell bitcoin is to make money, which is the very definition of speculation and the very definition of a bubble“, führte der CS-Chef im November vor den Medien im Originalton aus.

Damals war das interne Papier von CS-Doktor Peetz schon bekannt. Es stammte laut einer wissenschaftlichen Datenbank von Anfang September.

Darin argumentierte Peetz differenzierter, als es sein oberster Chef 2 Monate später tun sollte. „Bitcoin is software and needs energy to exist. Therefore, it is a real asset“, meinte er.

Auch Peetz sprach von einem übertriebenen Preis und durchs Dach schiessendem Hype. Doch er meinte, dass die Reise vorerst weiter nach oben gehen würde.

„For the above-mentioned reasons, we believe the most realistic scenario for Bitcoin (…) is that it will continue to rise in price in the short to medium term with increased institutional demand (…).“

Mit Nachfrage meinte er jene von institutioinellen Anlegern, sprich Banken, Versicherungen, Pensionskassen. Für Peetz war Bitcoin damit in der grossen Finanzwelt angekommen.

Das sagte er im September. Thiam konterte im November: ”I think most banks in the current state of regulation have little or no appetite to get involved in a currency which has such anti-money laundering challenges.“

Bitcoin ausschliesslich ein Ding für lusche Leute in der Grauzone also. So die Sicht von Thiam.

Laut einer Quelle haben die zwei diametral auseinander liegenden Meinungen intern zu Debatten geführt. Dies wollte die CS letzte Woche nicht bestätigen.

Im Gegenteil, aus der Bank hiess es, dass Thiams Ansichten und jene von Peetz in dessen Report ja weitgehend deckungsgleich seien. Auch Peetz würde von einem Hype sprechen.

Die Sache ging in den Wochen nach Thiams öffentlichen Meinungsäusserungen zu Bitcoin hinter den Kulissen weiter.

Plötzlich wurde bekannt, dass Peetz die CS verlasse. Dies nach fast anderthalb Jahrzehnten und einer grossen internen Bekanntheit.

Per Anfang 2018 begann Peetz wie gesagt bei dem Joint-venture. Aus der CS hiess es, dass dies der beste Beweis dafür sei, dass es zu keinem Eklat gekommen sei.

Ist dem wirklich so? Thiam gilt als ein CEO, der nicht gerne Widerspruch erhält. Er gehört zu jenen Geschäftsführern, die von ihren Mitarbeitern erwarten, Vorgaben eins-zu-eins umzusetzen.

Peetz äusserte eine fundiertere Meinung zu Bitcoin und dem Crypto-Hype als Thiam. Dass Thiam darauf eine interne Gruppe eingesetzt hätte, die das Phänomen studieren würde – davon ist nichts bekannt.

Dafür ist verbrieft, dass Peetz nicht mehr bei der CS arbeitet.

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42 Kommentare zu “Bitcoin-Streit in CS: Analyst gegen Thiam

  1. Zwei einfache Punkte:

    1.) Ein Real Asset hat einen Nutzen, d.h. einen Gegenwert aufgrund seiner Brauchbarkeit im realen (Aha!) Leben. Bitcoins haben dies eben gerade nicht (von ein paar Hippie-Cafés und dem DarkNet mal abgesehen, aber da auch nur als Währung, nicht als Real Asset). Genauso könnte ich behaupten, meine Kommentare hier seien ein Real Asset. Sie sind auch Software und brauchen Strom, über ihren Nutzen dürfen andere streiten.

    2.) Oben gesagtes hat auch Tidjane Thiam verstanden. Dazu benötigt es nur weniger Worte. Nur weil Peetz seine fehlgeleitete Interpretation eines Real Asset mit mehr schön klingenden Worten ausschmückt, heisst das nicht, das an dem Unfug etwas dran ist.

    Fertig.

  2. Spricht für TT, dass er eine klare Meinung hat. Ist allerdings, wenn man einigermassen bei Verstand ist , nicht schwierig. Was soll eine Währung die niemand ausgeben möchte, um was zu kaufen, weil er hofft dass sie morgen mehr wert ist?
    Deflationäre Tendenzen sind per se mit eingebaut .

    • „Magier“ – ist das mal wieder die CS Pressetelle unter einem anderen Pseudonym? Was soll denn an “From what we can identify, the only reason today to buy or sell bitcoin is to make money, which is the very definition of speculation and the very definition of a bubble” eine klare Meinung sein. CS Aktionär unten hat schon die richtigen Fragen gestellt. Würde sagen der Kaiser hat keine Kleider an.

  3. Widerspruch oder eigene Meinung ist nicht gefragt. Nur Kopf runter und „Ja“ sagen. Diejenigen mit gefragten Jobs werden inzwischen ihr CV aufpolieren, es gibt interessantere Arbeitgeber. Da helfen auch keine Marketingsprüche wie „Der Mitarbeiter ist unsere wichtigstes Gut“. Im Endeffekt sind Mitarbeiter nur ein Kostenfaktor den es zu reduzieren gilt.

  4. Autsch! Da hat jemand einen Portfolio Manager, der bei der CS mehrere Milliarden gemanaged hat, einfach mal zum Analysten degradiert. Das nächste Mal besser recherchieren, Luki!

  5. Fangt doch gleich wieder an mit Tulpenzwiebeln zu handeln!
    Gelernt habt ihr aus der Geschichte nichts, ausser mit der Schnudernase der Dorfmusik nachzusecklen!

    • hinter den Bond steht auch nicht mehr viel mehr…

      so gesehen ist heute wenn schon alles eine Tuplenzwiebel.

  6. Peetz hat wirklich einen Unsinn geschrieben. Er soll sich doch einmal mit Geldschöpfung, Offenmarktpolitik und Doppelter Buchhaltung auseinandersetzen. Vielleich geht im dann ein Lichtlein auf. – Ein Dr.-Titel schützt noch lange nicht vor Torheit.

    • Liebe Dr. Resi von Almen

      Ein Dr.-Titel schützt noch lange nicht vor Torheit?

      Tja, Sie müssen es ja wissen 🙂

      Händ Sie miir föif Stutz?

    • @ Resi, ich freue mich schon jetzt auf den Tag, an dem du an eben dieser Stelle einen Link zu deinem SSRN Bitcoin Paper posten wirst. Ach, nein, Moment mal, beim SSRN gibt’s schon eine gewisse Qualitätssicherung. So werden wir wahrscheinlich bis zum St.Nimmerleinstag auf dein Paper warten müssen.

  7. Als CS-Kunde sollte man hellhörig werden: Hr. Peetz ist weg, vielleicht sollte man ihm gerade an seine neue Wirkungsstätte folgen. DENN: Hr. Thiam mag doch Bitcoin nur deshalb nicht, weil die CS noch kein Business Model gefunden, dass sie drumherum bauen könnte und womit sich der Kunde melken liesse. Hr. Peetz hingegen scheint seine genuine Meinung kundzutun. Das ist allemal glaubwürdiger als die Retro-Abzocker-Truppe vom Paradeplatz.

    • Chandiramani warnte vor der Swissair, was zu dem Zeitpunkt schlecht für die SKA war, da diese ihre Beteiligungen zu verkaufen versucht hat. Zurecht, denn die Swissair war damals schon pleite, nur hat man den Knall noch nicht gehört. Hier ist es umgekehrt, denn ein Analyst versucht der Kryptowährung eine Sicherheit zuzuschreiben, welche sie definitiv nicht hat. Für mich sind Kryptowährungen das selbe wie Schrödingerkatzen: Sie haben nur so lange einen Wert, wie wir daran glauben, dass sie ihn haben, und wir jemanden finden, der das auch glaubt und uns diese gegen Realwerte (oder Währungen) wieder abnimmt. Den letzten beissen die Hunde, und das ist das Erkennungszeichen jeder Blase. Mit Fiat-Geld ist es zwar genauso, aber nicht so offensichtlich.

  8. Also rein von der Optik her gefällt mir der Dietmar auch besser. Und heisst Peetz nicht Bärli? Irgendwie herzig!

  9. the only reason to buy or sell bitcoins is to make money and is speculation – so Mr. Thiam

    the only reason to buy or sell „shares“ ist to make money and is also speculation in a way??

    Whats the difference Mr. Thiam ?

    • wrong. the only reason to buy CS shares is to pay the salary of Mr. Thiam. The same cannot be said about bitcoin. Capice?

    • other reasons to buy shares are voting in the general assemblies of the relevant company, participate in own company’s success (employee shares), funding a company, expressing belief in a good business idea, in aggregate with the other market participants provide a market valuation of company’s equity, investing money to preserve capital by diversifying portfolio, hedging from bank insolvency because financial instruments are protected from bank insolvency ETC ETC

      Von Tuten und Blasen keine Ahnung..

    • @ Arg Verwundert: ok, and for Crypto tokens I could just as well list the following reasons: funding a company/organization, expressing belief in a good business idea, aggregate with the other market participants to provide a market valuation of an organization’s wealth, investing money to preserve capital by diversifying portfolio, hedging from bank insolvency because financial instruments are protected from bank insolvency.
      PLUS I could add finding uncorrelated beta, generating quasi license fees from the token, securing against dilution of my assets (limited about of tokens issued) . Not so bad, ha?

  10. Da sind zwei CS-Angestellte: der eine legt schlüssig über einige Seiten hinweg dar, warum er Bitcoin für ein Asset hält. Der andere faselt etwas daher „von dem, was wir identifizieren können“ bla, bla, bla „ist es eine Blase“. Wer ist „wir“? Was wird da von ihnen „identifiziert“? Wie kommen sie zu ihren Schlüssen? Jetzt mal im Ernst, ich als Aktionär ärgere mich sehr, dass ich beiden ein Salär zahlen soll. Während der eine mir sehr seriös erscheint, erscheint mir der andere eher auf Taschenspieler-Niveau.

    From what we can identify,

    • From what I know: Aktionär ist man freiwillig. Man kann die Aktien von CS problemlos verkaufen. Der Preis ist historisch tief. Ob er ökonomisch tief ist, weiss man nicht. Ich glaube eher, „der Markt“ verbindet Hoffnung und Misstrauen und kommt so seit längerem auf einen Range von 10-24 CHF, je nachdem was gerade überwiegt. Auf jeden Fall sollte man keine Aktien von Firmen halten über die man sich ärgert (oder nur via ETF faute de mieux).

    • From what we can identify, means every serious analysis on Bitcoin price evolution. Calibrating a LPPL model for instance.

    • LPPL: Ach, tatsächlich? Und wer in der CS hat denn dieses Modell mal auf Bitcoin laufen lassen? Wenn du dich auch nur ein bisschen mit der Materie auskennst, dann weisst du, dass es von LPPL zu Didier Sornette nicht weit ist. Und wo ist Dietmar Peetz nun gelandet? Bei eben genau diesem Didier Sornette. Meine Vermutung ist: wenn irgendjemand in der CS LPPL auf Bitcoin angewendet hat, dann Dietmar Peetz und nicht Tidjane Thiam! Und Dietmar Peetz hat seine eigenen Schlüsse gezogen. Das sollte uns eigentlich eine Lehre sein, nicht immer das zu glauben, was irgendein CEO gerade in irgendeine Kamera brabbelt.

  11. „Thiam gilt als ein CEO, der nicht gerne Widerspruch erhält“

    Sehr guter Mann! Grundlage jeder erfolgreichen Geschäftstätigkeit ist es alle Meinungen ausser der eigenen konsequent zu ignorieren und sich durch nichts beirren zu lassen, schon gar nicht vom Markt. Der CS steht eine grandiose Zukunft bevor. Weniger vieleicht als Bank, auf alle Fälle jedoch als Unterhaltungsmedium.

  12. Bitcoin hin oder her: ich kenne Dietmar Peetz schon seit Jahren. Wenn man mich fragen würde, wen ich als CS CEO bevorzugen würde, dann würde ich garantiert Peetz sagen statt Thiam!

    • wir alle würden Peetz bevorzugen! Thiam ist einer der ungeeignetsten Ceos aller Zeiten.

    • Ihr schreibt so ein Wahnsinn, dass ich schon die extatische Erfahrung des Gewinn von Federer gestern vergessen habe….
      Was macht ein guten CEO? Tja, schau man nach Federer: Integrität, Fakten und keine Wörtern und er läss die Massen schreien: fast alle werden die 20 RF shirt kaufen…
      Es gibt andere beispiele… aber bitte, wer über „Luft“ schreibt ist doch nicht geeignet! Ich würde noch weiter gehen und behaupten: „die neue CEO Generationen in weniger als 20 Jahren, sind diejenige, die mir in einfachen Wörtern beschreiben können, wieso in dem Universum nicht die Gesetzte von Zeit und Raum gelten…so wäre den guten Anfang. Und jetzt Aufpassen, es ist keine „Kabis“ was ich schreibe hier… nicht vergessen, nie vergessen….

  13. Man muss hier TT uneingeschränkt Recht geben! – Wer es nicht glaubt, der beschäftige sich einmal ernsthaft mit der Frage, was Geld ist und wie es geschöpft wird (durch Kreditvergabe gegen ein ECHTES ASSET (z.B. Wertpapier, Hypotek mit Haus dahinter, Rohstoffcollateral) durch die Geschäfts- und Zentralbanken) und macht sich mit den Gesetzen der Doppelten Buchhaltung erst einmal vertraut. – Bubble, Bubble, mark Bitcoin to zero! – Die Blockchain-Technologie dahinter hat hingegen Potential.
    Zudem können anonyme Kryptowährungen auch aus verfassungsrechtlichen Gründen (postulierte Gleichheit der Individuen vor dem Gesetz) gar nicht toleriert werden und werden so von den Staaten im jeweils existierenden gesetzlichen Rahmen reguliert, kontrolliert und in den meisten Ländern auf die eine oder andere Art besteuert werden (sei es beim Spekulations-Einkommen oder beim Vermögen) MUESSEN!

    • schon wieder so einer…

      „macht sich mit den Gesetzen der Doppelten Buchhaltung erst einmal vertraut.“

      legt endlich mal eure Scheuklappen ab und sieht die Realität.

  14. Lukas Mühlemann liess damals einen Analysten der CS feuern, welcher von der Swissair-Aktie warnte. Dummerweise war Mühlemann im Seilschafts-Versagerrat der Swissair.

    Im Film „Grounding“ kommt dieser Analyst nochmals zu Wort.

    Der Artikel geht wohl in Richtung dieser berühmten Parallele.

    • Guter Punkt der mich zu einer wichtigen Frage bringt: Wo ist Pascal Najadi wenn man ihn braucht? Der hat schliesslich damals auch Grounding finanziert.

    • Genau.

      CS-Analyst Christopher Chandiramani hatte für die Swissair (bzw. deren Mutter SAirGroup) einen Verlust von 500 Mio prognostiziert, derweil der VR der SAirGroup – dem unlucky Lukas Mühlemann angehörte – für die gleiche Zeitspanne einen Gewinn prognostizierte …

      Das passte good ol‘ Luke nicht, also wurde Chandiramani gefeuert.

      Immerhin:
      Chandiramani lag auch daneben. Der tatsächliche Verlust betrug nämlich nicht 500 Mio, sondern ca. 2’000 Mio …

      So geht das.

      Auch hier darf man sich fragen, ob nicht besser der gute Monsieur Thiam des CS verlassen sollte …

    • Ausgezeichnet notiert, meine Hochachtung! Es war meinte ich zu wissen, ein Herr mit Indischem Hintergrund.

    • Bin ich eigentlich der einzige, dem dieses dümmliche Zitate posten auf den Sack geht? Wer inhaltlich nichts zu sagen hat oder keine eigenen Gedanken zum Besten geben mag, möge uns doch bitte mit den aus dem Internet kopierten Weisheiten grosser Persönlichkeiten aus der Zeitgeschichte verschonen. Danke.

    • Finde ich sehr passend! Insbesondere, da man Nichtwissen / wenig wissen immer schlechter zugeben kann.
      PS: 50 % der Journalisten sind wenig wissende Schnellschreiberlinge!