Six: Blutbad in Züri-West

Gemeinschafts-Werk wird unter neuer französischer Herrschaft rund 700 Leute abbauen – Chefs seilten sich frühzeitig ab.

Die NZZ sieht den gestrigen Verkauf der Six-Zahlungssparte an die französische Worldline als „Win-Win“.

Die Frage ist, für wen. Sicher nicht die Mitarbeiter. Ihnen droht massenhaft die Entlassung.

Das geht aus einer umfassenden Präsentation zum Deal hervor. Diese führt zum Schluss: Es kommt zu einem Blutbad am Six-Hauptsitz in Zürich-West.

Die Franzosen wollen in den nächsten Jahren 110 Millionen Euro einsparen. Im 2019 und 2020 sollen je 25 Prozent dieser 110 Millionen gekürzt werden, sprich total gut 50 Millionen.

Der Rest von nochmals soviel soll dann im 2021 eingespart werden.

Was heisst Sparen? Ganz einfach: weniger und günstigere Mitarbeiter.

Die Rechnung ist schnell gemacht. Bei der Six rechnet man intern mit rund 150’000 Franken Durchschnittslohn inklusive Sozial- und Nebenleistungen.

Teilt man die anvisierten 110 Millionen Euro Kosteneinsparung durch diese 150’000 Franken pro Kopf, so kommt man auf gut 700 Personen. Im Minimum.

Sie alle sind gefährdet. Es wäre mehr als die Hälfte der heutigen Mannschaft.

Ein Six-Sprecher dementiert. „Wir haben extra einen Industriepartner gesucht, damit unser Zahlungsgeschäft wachsen kann“, sagte er heute früh. „Für unsere Angestellten bieten sich dadurch Chancen.“

Laut dem Sprecher würde die anvisierte Steigerung um 110 Millionen Euro „zum allergrössten Teil aus Revenue- und IT-System-Synergien“ bestehen. Der genannte grosse Jobabbau sei „reine Panikmache“.

1’300 Mitarbeiter umfasst die Six-Zahlungssparte heute. Der überwiegende Teil davon sitzt an der Hardturmstrasse, im aufstrebenden Geschäftsviertel der Limmatstadt.

In unmittelbarer Nähe hat die Six für ihren Restbereich, den sie behält, kürzlich ein neues Gebäude bezogen.

Man ist also bereits physisch getrennt. Hier die Six-Angestellten, die überleben; da die Six-Leute, die um ihren Job zittern.

Der Kahlschlag könnte sogar noch weitere Personen erfassen. Unter der alten Six-Führung wurde eine riesige zentrale Informatik aufgebaut.

Ein grosser Teil dieser zentralen IT arbeitete fast ausschliesslich für die Six-Zahlungssparte. Ein Insider schätzt die Zahl dieser Informatiker auf rund 200.

Was wird aus ihnen? Die neuen Herren aus Paris haben eigene Spezialisten. Diese dürften deutlich günstiger als die im teuren Zürich angesiedelten Six-Ingenieure sein.

Insgesamt könnte also der Stellenabbau in Zürich bei der Six noch höher ausfallen. Möglicherweise stehen gegen 1’000 Jobs auf dem Spiel.

Die Strategie der Worldline-Verantwortlichen ist nämlich klar. Sie spielen das Kostenspiel.

Das heisst: Verlagerung von Jobs in Billiglohnländer, um den Kunden in den reifen Märkten ein preislich konkurrenzfähiges Angebot zu unterbreiten.

Die Stellen wandern somit nach Polen oder in andere Ostländer. In Zürich bleiben nur ein paar Organisatoren und Manager zurück.

Für die „Chosen few“ mag der Ausverkauf nach Frankreich „Win-Win“ sein. Aber nur für sie.

Zu verdanken haben die um ihre Stelle fürchtenden Six-Mitarbeiter ihre ungemütliche Lage dem alten Management. Dieses ist längst über alle Berge.

Mit guten Abfindungen und gefüllten Taschen.

Ex-CEO Urs Rüegsegger hat 10 Jahre die Six-Zahlungssparte mit ihren kleinen Bargeldlos-Kästchen in den Läden und Supermärkten zu einem Leader machen wollen.

Davon übrig geblieben ist der Sitz im Seitenwagen eines französischen Anbieters, der von Ex-Staatsdienern kontrolliert wird.

Rüegsegger, Jürg Weber („Wir holen Apple vom hohen Ross“) und Job-Hopper Markus Melching (rasch sinkende Job-Halbwertszeit) wurden mit Boni und Golden Goodbyes beglückt.

Die Zeche zahlen die anderen; die Tausend Six-Mitarbeiter. Für sie heisst es nicht Extra-Bonus, sondern:

Warschau oder Ciao.

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42 Kommentare zu “Six: Blutbad in Züri-West

  1. Die Mitarbeiter, ex-Mitarbeiter, Rentner, Aktionäre sollten das ehemalige sowie aktuelle Mgmt auf ungetreue Geschäftsführung verklagen…wie kann ein Bereich im Wert von 2.75 Mrd nur 332 Mio. bringen…klingt als das Verbrechertum neue Züge erreicht. Die Zeche zahlen die Mitarbeiter und der Schweizer Markt

  2. Dilettantischer geht es nicht. Als angekündigt wurde, dass unsere Jobs nach Warschau verlagert werden sollen, habe ich sofort gekündigt und mit mir das gesamte Team. Das ist gerade mal ein Jahr her. Jetzt sind die Stellen wieder ausgeschrieben. Das war wohl nix…
    Zurück zu SIX? Nicht einmal fürs doppelte Gehalt.

  3. Sei doch drsuf gesch***en! Endlich kann ich noch ungezwungener im Grossraum Luxemburg agieren. Die Schweizer sind zu blöd, um überhaupt etwas zu kapieren.

  4. Der Personalaufwand pro Mitarbeiter bei der Six beläuft sich auf ca. 167 tsd/Jahr also nicht ausserordentlich viel (im Banken-Sektor). Bei der ZKB ist er z.B. 198 tsd/Jahr, bei den Grossbanken noch höher.

    Interessanter Text aus dem Geschäftsbericht 2017 der ZKB:

    „Der grösste Kostenfaktor einer
    Bank ist der Personalaufwand.
    Manche Konkurrenten verlagern
    daher Arbeitsplätze ins Ausland.
    Müller-Ganz: Als Zürcher Kanto-
    nalbank bekennen wir uns zur Qua-
    lität des Arbeits- und Werkplatzes
    Zürich. Das Verlagern von Stellen ins
    Ausland steht nicht zur Diskussion.
    Scholl: Wir haben vor Jahren ein
    Kostendach implementiert. Das dis-
    zipliniert uns und sorgt dafür,
    dass wir keinen Personalabbau im
    grossen Stil durchführen müssen.
    Jene, die Arbeitsplätze in Tieflohn
    länder verlegt haben, merken in-
    zwischen, dass dort die Löhne steigen
    und sich über die Arbeitsqualität
    diskutieren lässt.“

  5. Jürg Weber („Wir holen Apple vom hohen Ross“) ?? WTF Etwas Goessenwahnsinnig der Weber. Nicht vergessen das wir immer noch die Schweiz sind und nicht Cupertino, San Jose usw.

  6. Die Aussage des Six-Sprecher riecht förmlich nach Bullshit:
    „Wir haben extra einen Industriepartner gesucht, damit unser Zahlungsgeschäft wachsen kann“, sagte er heute früh. „Für unsere Angestellten bieten sich dadurch Chancen.“

    Bitte, wie wird denn der Markt des Zahlungsverkehrs überhaupt wachsen? Werden die Leute in der Zukunft die Zahlungen in Raten machen? Oder sogar mehrmals die gleiche Rechnung zahlen?

  7. Was die Franzosen alles fertig bringen, Trapattoni würde sagen ‚Flasche leer‘ zeigt aktuell am besten Holcim…….la grande catastrophe. Da bin ich vom alten Management und Mehrheitsaktionären ziemlich enttäuscht. Shareholder value sei dank, alles andere bleibt auf der Strecke

  8. Und wann wird man den Verkauf bereuen …. oder tut man das bereits. Gewisse Dinge darf man nie aus den Händen geben!

    • Wir Schweizer sind halt einfach so strohdumm, dass wir aus den vergangenen Fehlern immer noch nichts gelernt haben. Wir sägen weiter und weiter und weiter an unserem Ast…

  9. Sie mögen ja Recht haben Herr Hässig. Aber die Überschrift
    „Blutbad in Zürich West“ finde ich voll daneben! Gerade in dieser
    Zeit wo täglich über Tötungsdelikte berichtet wird, sowieso.

    • Anita, gehen Sie doch Kühe melken, wenn Sie der Tatsache nicht ins Auge blicken können! Oder schliessen Sie sich doch wie alle anderen Einfallspinsel an den Häschtääg MeToo an!!

    • Herr Will E. Bald Petit was soll der Angriff. Wohl mit dem falschen Fuss aufgestanden? An de Häschtaag MeToo würde ich mich im Leben nie
      anschliessen auch als „Einfallspinsel“ nicht. Dann gehe ich doch lieber Kühe melken.

  10. Oh Vaterland magst ruhig sein, oh Finma schlaf weiter, oh Bankers zockt weiter ab, oh Steuerzahler zahle weiter Kohäsionsbeiträge um die Infrastruktur in Polen oder anderswo aufzubauen, oh welch bitterer Verrat der Schweiz, ihrer Arbeitsplätze, ihrer Menschen und ihrer kulturellen Werte.

  11. Die Six reussierte zu einem Gemischwarenladen, der nächste Schritt wird sein, dass die Six an die Deutsche Börse verkauft wird, Ubs und CS brauchen Geld, diese zwei sind jederzeit bereit ihren Anteil zu verscherbeln.

  12. Es ist ein wenig amüsant, wie die SIX Hauspresse sich zu diesem Deal äussert.
    Ich halte es da mit LH. Für die Belegschaft ist diese Wahl die Unglücklichste der möglichen Varianten.
    Die „Synergien“ werden ganze Abteilungen in Zürich betreffen, deren Existenz künftig wenig Sinn macht.
    Was dies auf die Service Qualität für einen Einfluss haben wird, ist in den kommenden zwei Jahren abzusehen.
    Desweiteren ist man nun einer von vielen Partnern eingepfercht in einer Gruppe ohne grossen Entscheidungsspielraum. Worldline ist auch nicht bekannt für einen grossen Innovationsdrang. Vielmehr als Dienst nach Vorschrift Anbieter. Insofern sind die Beiden dann vielleicht doch nicht so weit auseinander…

  13. Damit geben sie die gesamte Abrechnung des Maestro und Kreditkatengeschöfts ans Ausland. Komisch dass ein outsourcing eines so zentralen Services ein Ok von der Finma bekommt.

  14. Verstehe nicht, dass ein Zahlungsverkehrssystem nicht zu den Aufgaben des Staates gehört und noch weniger dass sowas ins Ausland verkauft werden kann. Wir leben heute schon in einer ganz eigenartigen Welt. Nur Abzocken und keine Werte mehr.

  15. Schlechte Nachrichten für den Finanzplatz Schweiz und den IT-Markt. Obwohl man leider auch sagen muss, dass die SIX sich in den letzten Jahrzehnten ein echtes Sammelsurium an Taugenichtsen aufgebaut hat, die genauso gut in einer Bundesverwaltung angegliedert sein können.

    Die Kombination von feudalen Saläre und Nebenleistungen (8000 CHF für Hypo jedes Jahr, 5-6 Wochen Urlaub usw) und keiner richtig effektiven Aufgabe (SIX Apparat ist total aufgebläht) sind eine schlechte Mischung, um „qualifiziertes“ IT-Personal zu züchten.

    Einige werden sicherlich in anderen aufgeblähten Betrieben unterkommen (SwissRe, Swisslife, UBS, CS, Swisscom usw), trotzdem schaut es langsam wirklich düster aus für den IT-Markt Schweiz.

  16. «Worldline beteiligt sich an TWINT» und «strategische Partnerschaft im Kartengeschäft» schreibt Twint in ihrer Medienmitteilung.

    Erfolgs-Story, möchte man meinen bzw. Twint lässt es so ins rechte Bild rücken. Die Beteiligung ist wohl eher ein Nebenprodukt aus dem Verkauf der Six-Zahlungssparte zu verstehen.

    In der Fusszeile der Medienmitteilung von Twint steht, «800’000 registrierte Kundinnen und Kunden». Die bunte Welt von Twint – zu meinen, Eintragung in eine Liste seien Kunden.

    Fake-News und alternative Fakten ist längst nicht nur Trump und Co, sondern hat längst Einzug gehalten auch in Schweizer Unternehmen und (Online-)Zeitungen.

    • Worldline kauft nur die teile von SIX die unrentabel sind. Teile von divisionen die Geld bringen warden überraschenderweise behalten. Da Weiss man direct woran man ist: die Kundendatenbank wird verkauft, die Mitarbeiter warden rausgeschmissen.

    • @Norbert: Der Markt scheint das anders zu sehen. Die Worldline-Aktie war gestern >5% im plus und heute >8%

  17. heute auf dem Boulevard die Videos geguckt. Das Six Mgmt sollte man auf Chinesisch bestrafen. Unter jeder Sau. Und nur damit UBS und CS etwas mehr Boni bekommen? Die Six DPS Kollegen tun mir wirklich leid.

  18. Die abgebauten IT-Fachkräfte lindern sicher den Fachkräftemangel und ausgetrockneten Arbeitsmarkt.

    Bei knappen Gütern steigen die Preise, wenn sie begehrt sind. Sieht man bek Öl und Gold.

    Wenn man Arbeitsgebern und der Presse glauben darf, finden diese Leute bald einen Job.

    🤥

  19. Die Kosten sind in der Schweiz einfach zu hoch und müssen runter. Man kann nicht gleichzeitig die Kosten (und Lohnstruktur) aus Schweizer Niveau halten und gleichzeitig in globaler Konkurrenz stehen. Das geht nicht. Entweder man macht global mit und passt sich an um konkurrenzfähig zu bleiben oder man schottet sich ab – aber dafür ist die Schweiz viel zu klein.
    Für den Schweizer ‚Sonderfall‘ ist bald Game Over.

    • Kommt drauf an welche „Kosten“. An der Speckschicht im Management? Ganz sicher. Manager werden stets besser bezahlt als IT-Entwickler. Wer hat wohl die schwierigere Aufgabe?

      Bei der CS sind die „Centers of Excellence“ schlussendlich nur 20% günstiger. Die hätte man auch woanders einsparen können.

    • Es geht um Infrastruktur und Lohnkosten. Die sind zu hoch. Insbesondere so für kleinere Firmen, welche nicht die Markmacht (und die Vergünstigungen) einer CS haben. Der angebliche Qualitätsunterschied ist heute auch kein Thema mehr, die ist im Ausland mittlerweile gleich gut, wenn nicht oft sogar besser.

    • Ja, die Kosten in der Schweiz sind sehr hoch und Schweizer Produkte und Dienstleistungen werden immer weniger wettbewerbsfähig. Aber ohne diese hohen Löhne könnte man hier gar nicht leben. Denn auch die Kosten für die Arbeitnehmer sind hoch. Bei uns kostet alles 30-50% mehr als im EU Ausland.

      Wenn, dann müsste man komplett Tabula Rasa machen. Damit meine ich, wegen mir kann man mein Gehalt um 1/3 kürzen. Aber nur wenn dann auch meine Miete, der Preis für mein neues Auto und der Restaurantbesuch für meine Familie um 1/3 runter geht.

      Aber das ist utopisch.

    • @Oliver Fehr: Dann gehen Sie bitte zu Schritt 2 und sagen, WIE das geschehen soll. Jeder kann klagen „Die Kosten sind zu hoch!“

      Die Mieten für Neuwohnungen in Zimmer richten sich nach der Formel: Anzahl Zimmer * 1000, oder ähnlich.

      Für eine Familie mit 3 Kindern (früher normal) braucht man Fr. 10‘000 brutto, mit Jobgarantie!

      In San Francisco ist die Mietformel: #Zimmer * 1000 + 1000. 2-Zimmerwohnung kostet 4400 $ pro Monat im Durchschnitt.

      In Zürich gehen mehrere Tausend Franken für Miete, Steuern und Krankenkasse weg bevor man etwas gegessen hat!

      Wir können Sardinien von Italien abkaufen, und dort alles verschieben. Dann hätten wir Sonne, Meer, und tiefere Kosten!

      Ausser wir lassen unsere Kinder in der Ukraine leben, wo ein Polizist 100 $ pro Monat verdient. In Kuba verdient ein Arzt 40 Franken pro Monat. Dort schicken wir diejenigen, welche die Kranenkasse nicht bezahlen können.

      Also, wie lautet Ihr Rezept?

    • Oliver Fehr… ich arbeite bei Six und bin überhaupt nicht gleicher Meinung dass die ausländischen Mitarbeiter qualitätsgleich oder vielleicht besser arbeiten. Wir haben dies als Mitarbeiter ganz anders erfahren. Arbeit mit vielen Fehler….

  20. Verkauf, Verlust der Kontrolle über den Zahlungsverkehr, vermutlich Einkassieren eines schönen Bonus mit anschliessendem französischem Abgang – eine absolute Meisterleistung.

  21. Ja so kommt es eben mit all den angestellten, hochgehypten Laienschauspielern in vielen Geschäftsleitungen.

  22. Freut Euch liebe SIX Mitarbeiter, wenn ihr Franzosen als Chefs bekommt. Franzosen, die sich in der Schweiz nicht auskennen, sind verheerend, wenn man mit ihnen zusammenarbeiten muss. Sie hassen die Deutschschweizer und legen eine Arroganz an den Tag, die unübertreffbar ist. Armi Sieche, Ihr SIX-Mitarbeiter. Ich rate Euch, fangt ganz schnell mit der Job-Suche an bevor ihr entlassen werdet. DAnach wirds für einige ü50 schwer werden. Zu teuer, zu wenig flexibel.

    • Naja, eher nicht. Franzosen sind keine Romands und haben ein entspannteres Verhältnis zu den Deutschschweizern. Allerdings bevorzugen sie aus kulturellen und sprachlichen Gründen eher Franzosen und Romands und stellen auch eher diese keine. Abgesehen davon: Mit der Deutschschweizer Mentalität kommt eh keiner klar, weder Deutsche, noch Amerikaner, noch Australier, noch Briten, noch Franzosen.

    • When Air France took over KLM in 2004, I wrote in a French newspapper that KLM was completely wrong and that the price to pay for this stupid and bombastic project will be high on the Dutch side. Here we are.
      Kiki

    • @ Olivier Fehr

      … und wie kommt der Rest der Schweiz mit den Deutschschweizern klar?

  23. Der Zustand der SIX Gruppe als Gemeinschaftswerk der Schweizer Banken ist ein Abbild des Finanzplatzes Schweiz. Die Swiss Value Chain war und ist im Grundsatz eine gute Idee. Partikularinteressen, Pfründe, Vetternwirtschaft, etc. haben das Werk jedoch zerlegt. So wenig wie sich die einzelnen Banken auf sinnvolle Standards einigen konnten, so wenig war dies in der SIX reflektiert.

    Während die Banken noch immer glauben gegen andere Banken ankämpfen zu müssen und nicht verstanden haben, dass ihre Konkurrenz ganz anders gelagert ist (bspw. PSD 2), so kämpfte die SIX in ihrem Gebiet auf verlorenem Posten mit Schattenboxen.

    Wenn sich alle mal zusammenraufen, das Fett weggeschnitten würde, ein taugliches Management in den Banken und der SIX gemeinsam an einem Strick in die gleiche Richtung ziehen würden, dann gäbe es Hoffnung. In Anbetracht der qualifizierten Unfähigkeit und Unwilligkeit darf das aber weiterhin stark bezweifelt werden.

    Somit gibt es nur eine Himmelsrichtung für diese Branche; mit Vollgas gegen Süden.

    Dieser Trend ist seit Jahren absehbar und wer das Boot noch nicht verlassen hat, der sollte es sehr schnell tun, denn es ist kein U-Boot, sondern eher eine Titanic.

  24. Und bei solchen Nachrichten fragen sich die Leute noch, warum eine reisserische Stimmung gegen Leute wie Vincenz & Co herrscht und viele ihm und seinesgleichen manches an den Hals wünschen.

    Unten wird gespart bis zum Umfallen. Gute, langjährige Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, Hunderte, Tausende, und oben wird der Bonus verschüttet, als gäbe es kein Morgen mehr.

    Natürlich muss man sparen. Natürlich muss man Effizienz steigern. Natürlich geht das nur durch Einschnitte. Das Business wird immer härter und anspruchsvoller und wer nicht ganz untergehen will, muss etwas unternehmen.

    Aber es kann einfach nicht sein, dass sich ein paar wenige ganz oben an den vielen ganz unten bereichern. Unten geht es um die Jobs zum Überleben. Oben geht es nur noch um die nächste Jacht, die nächste Villa oder das nächste Möchtegernmodel als Geliebte.