Pleite bei Ex-Leonteq-Superstar viel grösser

Michael Hartweg und dessen Evolute haben Unsummen in Luxusbüros verlocht – Fremde Millionen verbrannt – Jobabbau, Lohnkürzung.

Michael Hartweg wollte hoch hinaus. Umso tiefer ist nun der Fall des einstigen Leonteq-Pioniers. Sein Fintech-Startup namens Evolute steht möglicherweise gar vor dem Aus.

Offiziell meinte Hartweg diese Woche, er wolle sich mit seiner Evolute aufs Wesentliche fokussieren. Eine zugekaufte Compliance-Firma würde deshalb separiert, wenige Jobs gestrichen.

Effektiv steht Hartweg vor einem Scherbenhaufen. Wie sein Ex-Kollege von Leonteq, Jan Schoch, der mit seiner Online-Privatbank Flynt fast Privatkonkurs erlitten hat, erlebt Hartweg seine grösste unternehmerische Krise.

In den letzten Wochen musste Hartweg schauen, wie er nicht noch mehr Geld verliert. Dazu stellte er mehrere Mitarbeiter auf die Strasse.

Nicht nur das. Den verbleibenden Leuten hat Hartweg die Löhne gekürzt. Sagen dürfen diese nichts. Hartweg hat ihnen einen Maulkorb verpasst: Stillhalte-Vereinbarungen.

Im Management griff Hartweg richtiggehend zum Zweihänder. Dort seien die Löhne „massiv“ zurechtgestutzt worden, meint eine Quelle. „Die Moral ist im Keller“, berichtet die Auskunftsperson.

Das Problem: Evolute ist im Kern gar kein richtiges Fintech-Unternehmen, also eine hochmoderne Tech-Firma. Sondern es handelt sich um ein Konstrukt, bestehend aus für viel Geld zusammengekauften Leistungen von Drittanbietern.

Den Kunden gegenüber würde aber „vorgegaukelt“, dass es sich bei Evolute um eine Top-Software handeln würde, die selbst entwickelt worden sei.

Nun bricht das Gebilde auseinander. Hartweg zerlegt es, weil er keine „dummen“ Drittinvestoren mehr findet, die ihm Millionen nachwerfen.

Kernproblem von Hartweg und seinen Mitstreitern ist wie so oft Überheblichkeit. „Sie meinen, etwas von IT zu verstehen, tatsächlich sind sie aber nicht auf der Höhe“, so die Quelle.

Nun fliegt ein nächster Überflieger auf.

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33 Kommentare zu “Pleite bei Ex-Leonteq-Superstar viel grösser

  1. Ich behaupte, dass 99% der Kommentatoren hier Angestellte sind und immer bleiben werde. Anstatt mit Häme Bashing auf Unternehmer zu machen sollte man sich besser überlegen, wie man die Schweizer Start Up Szene besser unterstützen kann. Es ist völlig normal, dass nicht jedes Start up fliegt. Trotzdem sollte der Mut belohnt werden. In den USA fliegen von zehn Start Up 1 von 50. Aber dort herrscht viel mehr unternehmerisches Denken als in der Schweiz und wen etwas nicht funktioniert lernt man aus dem Fehler und startet das nächste Projekt.

    Hier herrscht ein Neid- und Missgunstgesellschaft, und es wird viel zu viel Zeit darauf verwendet, über andere Leute schlecht zu reden anstatt selber etwas Positives auf die Beine zu stellen.

    • “ In den USA fliegen von zehn Start Up 1 von 50″ ???????????

      Mit so ein blöde Formulierung ich kann annehmen dass der sogenannte entrepreneur war oder ist eine der 98% pleite!

  2. Auch auf die Gefahr hin, mich hier unbeliebt zu machen, ein paar Fragen & Anmerkungen zum Thema „Föifi & Weggli“ in die Runde:

    – Jeden Tag wird Swiss Banking tot geschrieben, aber FinTech als Alternative soll dann auch nicht gut sein?
    – Die Kausalkette Evolute = Hartweg = Leontech = PV = schlecht ist doch ein wenig weit hergeholt, oder 🤨?
    – 9 von 10 Start-ups schaffen es nun mal nicht. So what? Gottseidank gibt es trotzdem genügend Optimisten und Idealisten, die es versuchen! Sonst gäbe es heute kein Google, Amazon, Apple oder Revolut.
    – Damit ein Start-up erfolgreich ist, muss sehr vieles zusammenpassen: das Marktbedürfnis, das richtige Team & Mindset, die richtige Lösung, das Timing und jede Menge Glück. Wieso ist es so dramatisch, wenn es hier nicht zusammenkommt?

    Anstatt weiter FinTech-Bashing aus der warmen, kuscheligen Comfort Zone des Angestellten-Daseins zu betreiben, sollte jeder die Freunde und Bekannte ermuntern, die darüber nachdenken, diesen beschwerlichen, aber ganz sicher persönlich, aber nicht zwingend finanziell, bereichernden Weg zu gehen!

    • Einverstanden.
      Aber Herrn Hässig muss man zugute halten, dass er selber Unternehmer ist. Der heutige Artikel ist auch deutlich weniger bissig als gewöhnlich, scheint mir.

  3. Deutschland sucht en Superstar – und wer’s da nicht schafft, darf’s bei uns probieren. Totalcrash – wie auch immer – garantiert!

  4. Jede weiss, dass das, was bimene Mitsubishi Evo Luut isch, v.a. uf ungsunder, heisser Luft berueht.
    Isch da offebar nöd andersch…

  5. Ich habe einmal das Produkt von Evolute präsentiert bekommen. Ein Me-too Produkt, mit damals unklarer Positionierung und meilenweit weg, für sich einen Markt zu schaffen. War in dem Zustand voll in Konkurrenz mit bereits etablierten, ausgereiften Lösungen. Da hat bei Evolute niemand recht über den Markt und die Kunden nachgedacht. Auch haben sie mit grosser Kelle angerichtet. Alles in allem ein Beispiel mehr, wie man es nicht machen soll. Scheinbar sind die Initiatoren zu leicht zu Geld gekommen und haben deswegen entweder sich selbst über- oder die Sache unterschätzt. Wenn Evolute schlussendlich ‚bust‘ geht, ist das ein normaler Vorgang: der Markt hat sein Urteil gesprochen.

    Ich kenne einige Leute auf der Payroll; auf die hätte ich jedenfalls für mein Startup nie gesetzt: zu viele kommen aus dem Consulting. Und hohe Löhne zahlen ist ohnehin ein No-Go für ein Startup. Es darf nur das Existenzminimum sein, der Rest muss über Aktien laufen. Wer dafür nicht reinpasst, lässt sich besser bei einer etablierten Firma anstellen.

  6. Have it your ways ..

    Wer investriert .. und ein Geschäftsmodell nicht versteht:

    1) sollte entweder die Finger davon lassen ..
    2) oder sich intensiver damit beschäftigen ..

    Ansonsten gilt, wer leichtfertig sein Geld auf ein Pferd setzt, ist selber schuld, nur wer sein Geld hart erarbeitet hat, investiert dieses nach intensiver und misstrauischer Betrachtung.

    Die Ausnahme der Regel ist, wenn jemand Spielgeld zur Verfügung hat, dass er nicht selber erarbeiten musste, der Fall der Raiffeisenbank ist ein gutes Beispiel hierfür. Die schlimmste Form überhaupt, ich spiele mit etwas, das mir gar nicht gehört (Diebstahl!).

    Betrügern gehört der Prozess gemacht, aber wer sich leichtfertig über’s Ohr hauen lässt, ist mit seinem Leben bereits schon genug bestraft, jeden Morgen steht ein ‘Dummer’ auf, man muss in anscheinend nur finden ..

    MfG Industrial

  7. ohne das grosse Raiffeisen-Kässeli, das einst von PV eigenhändig verwaltet wurde, funktioniert es eben nicht. Hartweg und Schoch wurden durch und nur durch PV steinreich, und ganz sicher nicht wegen ihrem Intellekt oder ihrem Unternehmertum. PV sah sich als Wirtschaftsförderer und hat den beiden Grosskotzis den Börsengang ermöglicht. Als Kommission hat PV selbstverständlich ein anständiges VR-Mandat eingesackt…
    So funktionierte es und nicht anders, alles andere ist kompletter Blödsinn. Woher sollten denn der Schoch und Hartweg das viele Geld haben die EFG rauszukaufen und den ganzen Quatsch an die Börse bringen um dann noch alles einzukassieren? Ich höre gerne zu !

  8. Kann mir jemand erklären, wieso es Firmen gibt, welche:

    A) immer wieder auf solche Pfeifen reinfallen
    B) sich finanziell noch an diesem Schrott beteiligen oder noch schlimmer
    C) Produkte/DL kaufen und/oder mit diesen Nullen Geschäfte tätigen?

    Ich frag mich nur wer blöder ist: die Betreiber der Gesellschaft oder die Vertreter von A/B oder C!?

    • Bärner: Sie haben ja Fragen für alles! Potz Blitz!
      Und und eine Feststellung haben Sie auch: dass alle andern Dümmer und Pfeifen sind.
      Gratuliere!

  9. Da fühlt man sich doch gleich an die Cash Burn Rate aus dem Tech Bubble erinnert.
    Alles schon mal da gewesen.
    Und natürlich wird es auch wieder kommen.
    Die aktuelle Frage ist aber: Wo sonst noch geschieht es gerade jetzt.
    Meine Wett: An mehr Orten als man so gemeinhin annimmt.

  10. Nur in den Geschützten Werkstätten wie den Geschäftsleitungen von Grossbanken (und anderen Konzernen), die von Generationen aufgebaut wurden, kann man als Mitläufer ohne wirklich eigenständigen Track-Record und basierend auf oft fraglichen Charaktereigenschaften (A****kriechen, Intrigieren, kein Rückgrat) und oft auch mit wenig tatsächlichem Sachverstand risikolos jahrelang ein Bedingungsloses Millionensalär (bzw. Compensation) kassieren (man hat ja Anspruch aus Vertrag), auch wenn es der Bude mies geht. Man hat ja auch nicht schon verdientes und gespartes Geld investiert (bewahrt mich bitte vor dem Bullshit von wegen Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen , das ist nicht das Gleiche, sondern ein zusätzliches Goodie!)!

    • @KiKi! Zug um Zug und nur Betrug. Du bist sehr gut vernetzt in der Steuer-Oase…… …. das Dorf mit der grössten Blase 🤣

  11. Passt irgendwie.

    Bei Leonteq (EFG FP) lief dazumals auch alles über irgendwelche krüppeligen Excel Sheets, bei welchen niemand mehr weiss, wie sie funktionieren und was sie wirklich machen…

  12. Wenn der Geldfluss versiegt, zeigt sich wie nachhaltig ein Geschäftsmodell funktioniert.
    Dieses Modell zeichnet sich, aus der Ferne betrachtet, im Kern als Cash-Drain-Modell aus.
    ex-Swissair lässt grüssen.

  13. Löhne kürzen: ? von 500T auf 400T oder so ähnlich – das ist ja ganz schrecklich – was sagt da die Frau zuhause? Hungertuch? Sozialfall?

  14. Bei Evolute dreht sich, so dünkt, alles um viele Leute, viel Geld, tolle Büros, Kooperationen mit Drittanbietern, tolle Büros, viel Geld und nochmals viel Geld.

    Quasi: Klotzen, um verlorene Zeit aufzuholen.

    Was fehlt bei Evolute? Richtig! Der Kunde. Wo liest man etwas über den Kunden? Nirgends.

  15. Ich wiederhole mich: IT-Menschen sind nur auf Geld und Luxus aus. Erlebe ich jeden einzelnen Tag, wenn ich mit diesen Leuten zu tun habe. Überheblichkeit – oh ja, und wie, sogar fast unübertroffen.

  16. Der Mann, der seine Arbeit nicht liebt,
    sondern nur für Geld arbeitet,
    wird wahrscheinlich weder wirklich Geld verdienen
    noch Spaß am Leben haben.

    Charles Michael Schwab
    * 18. Februar 1862 † 18. Oktober 1939

  17. Hier hat der VR wenigstens für Neuanfang gesorgt:

    Aduno: Der Kartendienstleister Aduno hat als neuen CEO zum 1. September Max Schönholzer ernannt.

  18. Die meisten Fintech Startups scheitern (oder werden scheitern), es gibt allerdings wenige, die werden sich durchsetzen und darin investiert zu haben ist wie der Sechser im Lotto. Die Kunst besteht nun darin, zu wissen, welche davon erfolgreich sein werden. Der Erfolg ist auch nicht nur eine Frage der IT, sondern auch des Timings und eventuell braucht man einen langen Atem, weil es evtl. Jahre braucht, bis sich solche neuen Technologien durchsetzen.
    Oder kurz: Ich würde niemandem vorwerfen, dass sein Startup floppte, wenigstens hat er was versucht. Was aber hier beschrieben wird, klingt eher nach einem Betrugskonstrukt getarnt als Startup – die gibts eben auch, aber die zu erkennen ist ja die Aufgabe der Investoren. Offensichtlich haben aber diese, neben fehlender Sozialkompetenz auch keine Fachkomptenz in ihrem Kernbusiness. Sie haben einfach Geld.

    • Kurz und bündig:
      Wer das in Bezug auf jeden Megatrend noch nicht bemerkt hat, ist schlicht und einfach selber schuld.

  19. am schluss zählt immer noch vertrauen und kompetenz.
    nur warme luft braucht keiner.
    solider handwerk und qualität, ist das was bleibt.
    hokus pokus gibts im zirkus – oder in der politik.

  20. Die Jungs um Leonteq hatten mehr Glück als Verstand, als Raiffeisen-Pierin bei ihnen eingestiegen ist und der Leonteq so zu Millionen-Einnahmen mit Raiffeisen-Kunden verholfen hat. Nun ist Ende Feuer und die Jungs um Jan Schoch & Co. werden bald merken, dass die Welt nicht auf sie gewartet hat.

  21. Im „Tech“-Bereich funktioniert nur etwas richtig und kann schnell skalieren: Bedienung einfachster Bedürfnisse und (fast) Gratis-Zugang für Benutzer (Facebook, Google, Amazon etc.) – Es sei denn man sei Regierungssubventioniert (Palantir etc.)…

    • Äh ja, die Start-up Kultur (von heute):

      Fancy Front-end App für die dummen Nutzer und Expensive Back-End Datenzugang für die bezahlenden Firmen. Der Benutzer wird dabei gnaden- und schamlos gemolken, und die Gründer hoffen auf den Quick-Win mit einem Haufen Kohle oder Weiterverkauf an den Nächsthöherbietenden.

      Gleichzeitig betont das Volk laufend, wie wichtig Transparenz, Moral und Nachhaltigkeit sind und straft bei Abstimmungen laufend empört das Gebaren aller anderen Wirtschaftssektoren durch noch mehr Regulierung ab (Minder, 1:12 etc. lassen grüssen).

      „Jeder ist sich selbst der Nächste bzw. jeder Mensch hat seinen Preis.“