Die ZKB hilft

Ich möchte hier auch einmal ein persönliches, sehr positives Erlebnis mit einer Schweizer Bank schildern: mit der Zürcher Kantonalbank nämlich.

Es war im letzten September. Mein Bruder, der 2014 auf die Philippinen ausgewandert ist, schrieb mir, er habe schlechte Nachrichten, er müsse dringend nach Manila, um ein Geschwulst im Hals untersuchen zu lassen. Er gehe dazu ins St. Luke, ein von der WHO empfohlenes Hospital.

Nur habe er ein Problem: Ende September seien die Jahresprämien seiner internationalen Krankenkasse fällig, diese habe ihm eine Mahnung zukommen lassen, dass die Zahlung noch nicht eingetroffen sei. Ob ich mich darum kümmern könne, weil wenn er in wenigen Tagen im Spital ankomme, dort eine Kostengutschrift der Krankenkasse vorliegen sollte, ansonsten würden sie ihn vielleicht gar nicht aufnehmen.

Ich beginne also gleich mit der Arbeit. Die sehr teure Krankenkasse zieht jedes Jahr via eine Belastung der AMEX-Karte von meinem Bruder die Police ein. Dieses Jahr wurde die Belastung abgelehnt. Erst nach mühsamer Recherche wussten wir weshalb: Die Kreditlimite war diesmal überschritten.

Ein Tag vergeht, bis ich weiss, dass der Vorschlag an die Krankenkasse, die Forderung in zwei kleinere Beträge zu splitten, nicht funktioniert: Es ist eine Monatslimite auf der Karte. Die Limite zu ändern, dafür bin ich nicht autorisiert, ich werde rasch abgewiesen.

Ein erster Teilbetrag konnte also eingezogen werden, der zweite blieb zurückgewiesen. Mittlerweile wusste ich auch, dass die Krankenkasse auf jeden Fall den vollen Betrag sehen wollte, um eine Kostengutschrift an das Spital zu übermitteln.

Nervös telefonierte ich der ZKB, wo mein Bruder sein Pensionskassengeld liegen hat, von dem er sich monatlich den Lebensunterhalt auf die Philippinen überweisen lässt. Kein Problem, lässt mich der Kundenberater der ZKB wissen, ich könne vorbeikommen, und wir würden die Zahlung zusammen sogleich vornehmen.

20 Minuten später bin ich an der Bahnhofstrasse 9, werde freundlich empfangen, und 15 Minuten später ist die Zahlung ausgeführt. Der Berater versichert mir, dass er den SWIFT bezüglich einer möglichen Fehlermeldung im Auge behalten werde.

Am nächsten Tag telefoniere ich der Krankenkasse, die die Zahlung via technischen Support bestätigen konnte; die Kostengutschrift geht ans St. Luke. Am Tag darauf trifft mein Bruder dort ein und wird ohne grosse Formalitäten aufgenommen.

Sie werden vielleicht sagen: eine Selbstverständlichkeit. Sicher, und doch weiss ich jetzt, wie wichtig und hilfreich in einer Stresssituation eine freundliche und unkomplizierte Selbstverständlichkeit sein kann. Ich bin diesem Kundenberater sehr dankbar.

Denn mein Bruder hatte nicht immer Glück mit Banken. Er war ein ausgezeichneter Handwerker und hat als hervorragender Flugzeugmechaniker über 20 Jahre bei der Swissair gearbeitet. 2001 nach dem Grounding hatte er seine Stelle verloren, und wir wissen, dass die Banken dafür mitverantwortlich waren.

Über diesen Verlust ist er nie mehr hinweggekommen, ist nie mehr zufrieden geworden; er war Flugzeugmechaniker mit Herz und Seele. 2014 ist er ausgewandert, nachdem der Abrisstermin für das Mietshaus in Zürich Albisrieden unmittelbar bevorstand.

Am 10.April 2018 ist Peter im St. Luke Spital in Manila gestorben.

Ich wollte auf der Plattform der Ehemaligen-Vereinigung der Swissair, für die ich auf Bitten von Peter hin bis 2017 immer den Mitgliederbeitrag bezahlt habe, einen Text für ihn publizieren. Dies wurde rüde und teilnahmslos abgelehnt.

So dankbar, wie ich über die hilfreiche Geste der ZKB war, so traurig war ich später über die von der Ehemaligen-Vereinigung. Weil ich weiss, dass er dort noch einmal ein paar von den Menschen erreicht hätte, die ihm wichtig waren.

Mein Text für Peter ist hier auf meiner Homepage zu finden.

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11 Kommentare zu “Die ZKB hilft

  1. Sehr geehrter Herr Saller,

    vielen, vielen Dank für diesen Beitrag. Ich finde es nicht nur toll, sondern sehr, sehr wichtig, auch einmal die positiven Seiten unserer Banker zum Ausdruck zu bringen.

    Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, 90 % von allen Bänker/innen hätten Ihnen nur schon aus menschlicher Sicht geholfen. Das Banker-Bashing ist bei diesen 90 % nicht am Platz.

    Das Banker-Bashing betrifft ca 10 % meines Erachtens und das sind meiner Meinung nach menschlich verluderte Geldsäcke, die alles für Geld hergeben würden und nicht nur die eigene Schwiegermutter! Letztlich auch den Ruf der Schweiz in der Welt massiv belasten, obwohl wir unglaublich tolle Arbeitskräfte haben. Ich erlaube mir dies zu behaupten, denn ich habe 25 % meiner Berufskarriere im Ausland verbracht.

    Mit freundlichem Gruss

  2. Danke für diesen positiven Beitrag. Ich dachte schon, das die gesamte Schweiz bzw. alle Institutionen und Personen, die auch nur einen Hauch mit Bank- & Finanzwesen zu tun haben, zutiefst hinterhältig sind.
    Wenn ich jetzt die Kommentare lese, steht jedoch nicht mehr das Schicksal des Bruders oder die Taten des ZKB Beraters & des dortigen Teams im Vordergrund, sondern es wird gleich wieder abgelenkt auf das Grounding oder es werden Leistungen runtergespielt. wirklich traurig.

  3. Lieber Toni

    Die Geschichte deines Bruders (gelesen auf deiner Homepage) hat mich sehr bewegt. Sehr einfühlsam geschrieben. Du hast recht, Peter hätte sicher noch ein paar gute Jahre mehr verdient.

    Banking ist ein People’s Business und wie in jeder Branche gibt es eine gausche Verteilung der Kompetenz und Hilfsbereitschaft. Ich denke, du hast deinen Berater gut gewählt.

    • Lieber Edgar, schön von dir zu hören.
      Auf der Page vom BCAlbisrieden habe ich eine weitere traurige Nachricht gelesen.
      Melde dich doch mal, wenn du in Zürich bist!
      Grüsse Toni

  4. 愿上天的青睐始终授予您!
    Yuàn shàngtiān de qīnglài shǐzhōng shòuyǔ nín!
    (Möge ihnen die Gnade des Himmels IMMER beschieden sein)!

  5. Es waren nicht „die Banken“ für das Grounding verantwortlich, sondern Ospel von der UBS spielte eine unrühmliche Rolle.

    • Zu den ‚Banken‘ zähle ich auch folgendes: Bei der Swissair sass Mühlemann ’nichtsahnend‘ im Verwaltungsrat und hat als CEO bei der CS warnende Mitarbeiter abgestraft. In den 90ern hat er als McKinsey Chef der Swissair die Strategie aufgeschwatzt, die letztendlich zum Grounding führte.

  6. Schön einmal etwas Positives von einer grossen Bank lesen zu können! Der Bericht über Peter hat mich berührt, ganz im Gegensatz zu den Zeilen betreffend SWISSAIR, das trübste Kapitel Schweizer Wirtschaftsgeschichte! Kürzlich konnte man lesen, dass die Mitglieder des ehemaligen VR noch rund 5 Mio ausbezahlt bekamen. Aber eben, gemäss unserer Verfassung ist Unfähigkeit und Dummheit nicht strafbar!!

  7. lieber Toni Saller. Der Held in Ihrer tragischen Kurzgeschichte aus dem Leben ist definitiv der vife Kundenberater in Person. Dieses unkomplizierte und ev. sogar „neben dem Reglement vorbei“ handeln, hätte exakt dieser KB auch als Angestellter einer anderen Bank ebenso gehandhabt.
    Der Kundenberater glänzt hier als Ihr Held dank seinem gelebten Menschenverstand in ungewöhnlicher Situation. Das ist allein sein Verdienst. Somit hier den Federschmuck gleich über das ganze Haus an der Bhfstr 9 zu stecken, ist schon etwas zu viel des Guten.

    • Das stimmt, es war wohl mehr eine persönliche Geste wie das Verdienst der Bank. Immerhin glaube ich, dass Peter mit seinem eher bescheidenen Pensionskassengeld bei einer anderen Bank gar keinen Kundenberater bekommen hätte, dem man einfach telefonieren und vorbeigehen kann. Da bräuchte es wahrscheinlich mehr Kapital.

    • Im privaten, wie im Arbeitsleben steht hinter einer Person meist ein ganzes Team, eine Familie, Freunde. So wie hier ja auch Brüder für sich einstehen.
      Es ist daher traurig zu behaupten, dass es „nur“ den einen „Held“ gibt, der nicht von seinem Team und seiner Leitung getragen wird. Dann nämlich würde solch eine „Heldentat“ schnell die letzte gewesen sein.