Kriegt die Schweiz mal richtig Ärger vom US-Kongress wegen der SNB?

Der bekannte und berüchtigte Finanzblog Zerohedge widmete gestern einen ganzen Artikel der Schweizer Nationalbank (Titel: „Swiss National Bank Unexpectedly Sold US Stocks In Q3, Dumping Over 1 Million Apple Shares“). Der Bericht ist insbesondere interessant, da er die ganze Geschichte aus US-Optik anschaut.

Zunächst die belegbaren Fakten. Im 3. Quartal erhöhten sich die US-Aktienbestände der Nationalbank um 2 Milliarden auf 90 Milliarden (oder über 10’000 Franken pro Schweizer Einwohner). Dies aber – so eine Einschätzung von JP Morgan – nicht durch Zukäufe, sondern durch Wertvermehrung.

Die grössten Positionen sind immer noch Technologie-Aktien: Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet. Die SNB reduzierte aber ihre Tech-Bestände, allen voran bei Apple.

Schliesslich: Das SNB-Portfolio spült über eine Milliarde pro Jahr an Dividenden in die Schweiz.

Und nun die wichtigen Punkte: Das Konzept ist natürlich aus heutiger Sicht unschlagbar gut. Durch Gelddrucken kreiert die SNB aus dem Nichts Geld, schwächt den Franken und hilft der einheimischen Industrie, gegen die USA und am Weltmarkt kompetitiv zu sein.

Dafür müssen die Schweizer Unternehmen aber keinen Preis zahlen – ganz im Gegenteil: Die US-Unternehmen überweisen der SNB regelmässig gute Dividenden in Cash, welche die Notenbank dann an die Schweizer Kantone und Regierungen auszahlen kann, damit diese wiederum attraktive wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen oder beibehalten können.

Zudem können sich Schweizer Organisationen (beispielsweise Nestlé via Unternehmensanleihen) kostenlos verschulden.

Wie gross ist das Risiko, dass bei einem Crash oder aus US-Sicht negativen Währungsschocks die SNB (vermutlich ohne unmittelbare Kausalität) ins Visier der US-Politik gerät? Was würde passieren, wenn es zu US-Vergeltungsmassnahmen käme, sodass die SNB keine US-Titel mehr kaufen oder verkaufen darf?

Dahinter steht die Frage: Welchen Einfluss hat die SNB auf Marktkurse? Der Franken ist ja zur Zeit recht schwach unterwegs. Hat etwa gar die SNB die Verkaufswelle im Oktober ausgelöst?

Es bleibt spannend. Leider fiel der turbulente Oktober bereits ins Quartal 4, sodass wir erst in knapp 3 Monaten anhand der 13-F SEC Filings erfahren, ob die SNB tatsächlich als Verkäuferin aufgetreten ist.

(Extrakt für Inside-Paradeplatz-Leser; Originalartikel mit Kommentar „Longterm-Investor“ und weitere Investmentsdetails, siehe Longterm-Investor.)

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13 Kommentare zu “Kriegt die Schweiz mal richtig Ärger vom US-Kongress wegen der SNB?

  1. Im Ansatz richtig, die Frage daraus aber falsch! Die Frage muss lauten, welche Schweizer Unternehmen inkl. SNB können wir US Boys noch ausnehmen……

  2. Die SNB betreibt mit ihrer Politik der Negativzinsen Umverteilung an die Unternehmer der Exportindustrie und teilweise natürlich auch zu deren Beschäftigten vor allem zu Lasten der Sparer. Das machte zu Beginn sicher Sinn. Dass die SNB die gute Konjunktur der beiden letzten Jahre nicht zu einer Normalisierung genutzt hat und Sparer weiter enteignet, hat nichts mehr mit Geldpolitik sondern mit Umverteilungspolitk zu tun. Die SNB Spitze hat bei mir und wohl vielen anderen viel Vertrauenswürdigkeit verspielt.

  3. Die SNB stärkt auch die Euro-Zone, denn sie kauft überwiegend Euros mit den frisch geschöpften Fränklis, diese wechselt sie dann in Dollars, um US-Aktien zu kaufen. Dadurch wird der Euro gegenüber den Dollar geschwächt, und die Euro-Zone wird dadurch konkurrenzfähiger. Da der Franken wiederum an den Euro gekettet ist, tut das auch der Schweizer Wirtchaft gut.

  4. Habe mir diese Frage auch schon gestellt: die SNB Manipulation der EUR und USD Wechselkurse führt zu den enormen Beständen. Im positiven Fall weckt dies Begehrlichkeiten in Brüssel und Washington. Verschiedene Daumenschrauben existieren, um die Gewinne indirekt heimzuholen: Kohäsionsmilliarden, Unternehmenssteuerreform, Export von Sozialmigranten oder generell die Einbindung der Schweiz als Nettozahlerin in internationale Programme. Da wir die Souveränität schon lange abgegeben haben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Gang hochgeschaltet wird und wir auf einer weiteren schwarzen Liste landen, beispielsweise «unerlaubt tiefe Mehrwertsteuer».

  5. Man kann es als Langweiler nicht genung wiederholen. Wenn die SNB ihre 130 Milliarden Schwankungsreserve, die sie aus ihren bisherigen Gewinnen angesammelt hat, wirklich für die Schweizer Wirtschaft profitabel ausnützen will, soll sie wenigstens 60 Milliarden SFr. an den Bund überweisen und zwar je ein Drittel für die ETH, für den öffentlichen Verkehr und für die Sanierung der AHV, indem der Bund deren Vermögen aufstockt.
    Gleichfalls wäre dies ein Zeichen für diese Schatzkästli-Sucher (Schweizerfranken besser als Gold!), dass die Schweiz nicht gewillt ist, für deren Plaisir unsere Volkswirtschaft zu ruinieren indem der SFr. „up, up and away“ geht.

  6. Ernste Frage: kann nicht die SNB unsere AHV verwalten? Von 2 milliarden, 1 milliarde gewinn hört sich doch besser an als 1%….

    Das mit dem Gelddrucken geht am PC übrigens sehr einfach für die SNB. Sind ja nur digitale 1er un 0er die man so anordnen kann wie man will…

  7. Mit dem Gelddrucken aus dem Nichts könnte somit die SNB alle Aktiven dieser Welt aufkaufen und somit die Weltherrschaft übernehmen… Hahaha. Was auf der Aktivseite als Investitionen erscheint, ist auf der Passivseite von den Geschäftsbanken zur Verfügung gestelltes Fremdkapital… was passiert wenn die Investitionen an Wert verlieren? Die Passivseite wird uns um die Ohren fliegen.

    • Sowenig wie die Hypotheken der Banken durch „Sparbüechli“ der Kunden abgesichert sind, sowenig ist das gedruckte Geld der SNB durch Banken abgesichert. Es gibt keine Gläubiger (was hier schon öfter wiedersprochen wurde)….Das einzige Problem wäre, dass durch die Ausweitung der Geldmenge eine Inflation entstehen würde, was ja bekanntlich nicht ist. Warum die SNB nicht in der Schweiz ( zB Swissmetro) investieren darf, verstehe ich auch nicht.

  8. Können Sie bitte noch kurz erläutern, wie das mit dem Gelddrucken aus dem Nichts genau funktioniert? Können damit auch die Schulden der Eidgenossenschaft amortisiert werden? Und kann man mit diesem Geld aus dem Nichts nicht auch die AHV retten?

    • „Geld wird geschaffen über Kreditvergabe“ – so einfach ist das.
      Einer von zigtausenden erhellenden Artikeln z.B. hier: https://www.zeit.de/wirtschaft/2016-02/banken-krise-geldschoepfung-zinsen-ezb

      Mein persönliches Beispiel: Haus für 1.2M erworben, davon 1/3 an Eigenmitteln gebracht. Die restlichen 800’000.- werden nun als ‚Schuld‘ gebucht, die ich a) abzutragen habe und b) zu verzinsen habe. Der Finanzierungspartner hat keine eigentliche Leistung vollbracht, sondern ‚Buchgeld‘ in der Höhe meiner ‚Schuld‘ geschaffen.
      Dem gegenüber steht natürlich noch der eher virtuelle Wert der Immobilie, der nun in meinen Büchern steht.