Links-Parteien attackieren CS-Riesenbau Brunau

Alternative Liste, SP und Grüne verlangen von Zürichs Regierung Auskunft zu CS-Hochhaus-Flats – Geheimdeal Bank-Stadt?

Kurz vor Weihnachten wurde bekannt, dass die Pensionskasse der Credit Suisse ihr riesiges Areal in Zürich-Süd bei der Saalsporthalle und dem Shoppingcenter Sihlcity abrasieren und mit teuren Wohnungen maximieren will. Hunderte von einfachen Mietern bräuchten eine neue Bleibe.

Hipp statt Mief: Brunaupark-Studie (Bild: Stücheli Architekten)

Eine Steilvorlage für die vereinigte Linke. Die AL (Alternative Liste), die Sozialdemokraten (SP) und die Grünen, die zusammen das Geschehen in der Schweizer Wirtschaftsmetropole bestimmen, haben gestern im Gemeinderat einen Vorstoss lanciert.

Sie wollen vom Stadtrat von Zürich, also der Exekutive, wissen, was dieser mit den CS-Verantwortlichen bereits ausgehandelt hat und ob alte Abmachungen rund um den Brunaupark, wie das Geviert der CS Pensionskasse heisst, eingehalten würden.

In einer sogenannten Interpellation stellen die drei Parteien der Stadtregierung 13 Fragen, die stark ins Detail gehen und die Behörde herausfordern dürften.

400 Wohnungen für potenzielle Links-Wähler gefährdet (Quelle: Gemeinderat)

Interessant ist vor allem ein Vertrag zwischen der Stadt und der damaligen Schweizerischen Kreditanstalt von 1973, welcher es der Grossbank erlaubte, gleich zwei gigantische Bauvorhaben zu realisieren: den erwähnten Brunaupark und – einen Steinwurf den Hang hinauf Richtung Üetliberg – das Backoffice- und Trading-Zentrum der CS namens Üetlihof.

Diesen Vertrag wollen die Links-Parteien nun vom Stadtrat ausgehändigt erhalten. Es geht ihnen um den Punkt, wie die Stadt und die Kreditanstalt, also die heutige CS, das Problem des Wohnanteils gelöst haben.

Im Üetlihof gibt es logischerweise null Prozent Wohnanteil, denn dort arbeiten ja Tausende von CS-Leute. Entsprechend musste der Wohnanteil im Brunaupark erhöht werden, wie die Interpellanten vermuten.

„Trifft es zu, dass damals die Wohnanteilsverpflichtung für den Uetlihof auf die Brunaupark-Parzelle übertragen wurde?“, lautet entsprechend eine ihrer 13 Fragen. Darauf baut der Vorstoss aus dem Gemeinderat auf. Die nächste Frage ist:

„Der Vertrag (von 1973, Anmerkung der Redaktion) sah den Bau von 500 Wohnungen und diverse Landabtretungen vor (…). Realisiert worden sind aber nur 400 Wohnungen. Ist der Vertrag noch im Grundbuch eingetragen? Welche Wirkungen entfaltet dieser auf die laufenden Planungen?“

Die Links-Politiker sehen also eine Chance darin, wenn sie den 45 Jahre alten Vertrag studieren und dessen Eckpfeiler auf das neue Vorhaben der CS Pensionskasse übertragen können. Es geht ihnen darum, dass die CS PK nicht Luxuswohnungen baut, sondern solche für die untere und mittlere Klasse – die klassische Wählerschaft von AL, SP, Grünen.

Ihre Befürchtungen, dass die CS maximal auf Rendite abzielt, nähren sich aus einer eindrücklichen Erhöhung der sogenannten Ausnützungsziffer. Diese würde laut CS-Plänen auf 283 Prozent ausgeweitet.

Nun stossen die Linken zum Kern vor. Sie fragen die Exekutive nämlich: „Hält der Stadtrat die Realisierung eines derart massiven Verdichtungsprojekts mit mehreren Hochhäusern angesichts der Hanglage und den durchwegs niedriger zonierten Nachbararealen im Rahmen einer Arealüberbauung für bewilligungsfähig?“

Und stellen in den Raum, dass möglicherweise nicht einmal das genügen würde. „Ist dafür nicht eine Sondernutzungsplanung erforderlich (Bundesgerichtsentscheid Ringling)?“ Die Ringling-Überbauung in der Stadt Zürich ist der Musterfall für alle Rekurrenten von Grossvorhaben. Dort gewannen die Kleinen mit ihrer Einsprache.

Am Ende der Interpellation wollen die Kritiker wissen, ob es bereits geheime Absprachen zwischen Stadt und CS rund um das Brunau-Vorhaben gebe.

Gemäss einem Dokument von Juli 2018 stünde die CS-Pensionskasse „in engem Kontakt mit den städtischen Behörden“, steht in der Interpellation.

Und: „Wann und mit welchen Gremien gab es solche Kontakte? Welche Absprachen gab es, welche Bedingungen für die Planung sind ausgehandelt worden? Wann ist der Stadtrat bzw. die Wohndelegation über diese Gespräche informiert worden?“

Kommentare

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  1. Ganz grässlich ist die grauenhafte Chlötzli-Architektur. Ein Revival der Plattenbauten aus den Sechzigern. Muss heute immer alles möglichst billig und fantasielos gebaut werden? So etwas wird man längerfristig nicht zu guten Preisen vermieten können, trotz der Lage und Nachfrage in Zürich. Es beginnt jetzt zu kippen, solche auf Halde gebauten Schuhschachteln stehen schon jetzt en masse leer wie „die Geisterstadt von Schüpfheim“, jetzt in der Peripherie und in 10 Jahren auch in Zürich.

  2. Es ist den vereinigten stadtzürcherischen Linken sicher gestattet, den offensichtlich noch immer gültigen Vertrag von 1973 unter die Lupe zu nehmen und zu checken, ob das neue CS-Bauvorhaben ihm entspricht. Sie müssen dann allerdings das Ergebnis akzeptieren. Die CS-Pensionskasse sucht verständlicherweise im heutigen Niederzinsumfeld nach ergiebigeren sicheren Anlagen um später Renten auszahlen zu können. Das ist ihre Pflicht. Die stadträtliche Interpellationsantwort ist von hohem Interesse, für die CS und die jetzigen Brunauarkbewohner !

  3. Wiviel Kosten die Wohnungen im Neubau? Habe einige Chinesische Investoren die gerne in die Schweizer Immo investieren. Aber nur mit 10 Mill oder mehr. bump

  4. Seit wann sind Staatsbedienstete — das ist das klassiche linke Wählerklientel nebst hochdotierten Ärzten — „Unterschicht“? Die Rechnung stimmt so nicht. In den Liegenschaften der Stadt Zürich wohnen gutverdienende Sozis und Grün-Alternative.

    • …sowie an besonders attraktiven Lagen auch CVP-Nationalrätinnen und reiche Bundesratsschwestern.

  5. Das heisst also die Linksparteien haben 45 Jahre (!!!) nicht gemerkt, dass im Brunaupark 100 Wohnungen fehlen (nur 400 gebaut anstatt 500)??
    Riecht das nicht eher nach etwas undurchsichtigen Mauscheleien bei der Stadt?

    • Keine Angst, der Rechte Flügel, Schellen-Ursli, Kielschwemmholz und alle anderen vorherigen Versager, hatten sicher Zugriff, auf jene Verträge (wenn sie hätten wollen).

  6. Wurde genug geschmiert, verläuft die Spur verirrt ins verchwundene verirrt. So die Hoffnung, der Vorplaner. Wetten, hier rollt auch kein überbezahlter Versagerkopf?
    Es wird auch in der Schweiz längstens Zeit, die gelbe Weste umzuhängen, mit solch korrupten Behörden.
    Alles und überall korrumpierte Vetternwirtschaft.

  7. Links und Rechts sollten das Missmanagement und die baldige Pleite der CS kritisieren. Da gibt es mehr als genug zu kritisieren.

    Die CS könnte die -in Folge Stellenabbau- stetig freiwerdenden Büroflächen in Wohnungen umbauen lassen. Uetlihof 1 für Sozialfälle, Uetlihof 2 für reiche Hipster, oder direkt an Google verkaufen.

  8. Aus meiner Zeit bei der CS in den 80ern Jahren, war es so das in den Mietwohnungen viel High Kader der CS Ihre Wochenwohnungen hatten zu massiv vergüstigten Konditionen. In der zwischenzeit sind die Wohnungen vermutlich nicht mehr Stylish genug und zu klein für die BelEtage, da ist natürlich eine Abriss Stratgie aus 3/4 mach 1s wichtig um die Leute zu halten und in Zukunft bei Nichtbedarf teuer zu vermieten oder gar zu verkaufen. Böses wer da an eine Ende der CS in der heutigen Form denkt. Da spielt es doch keien Rolle ob nicht CS Kader Mitarbeiter Ihre Wohnungen verlieren. Zudem war ja meistens die Tiefgarage der grösste Zankapfel. Wer bekommt einen. Parkplatz und wer nicht.

  9. Wollen nicht die selben Politikerkreise den „Baulandverschleiss“ einschränken und machen sich dann stark gegen verdichtetes bauen? Einfach nur verlogen so was!

  10. Die Konsequenz aus den im historischen Vergleich niederen Einkommenszuwächsen während der letzten beiden Dekaden in Verbindung mit einer überalternden Gesellschaft wäre die Ausweitung des Angebots von preiswertem Wohnraum.

    Tatsächlich geschieht das Gegenteil.

    Dies ist auch eine Folge dessen, daß die EZB den europäischen Anleihenmarkt in eine Art tote Anlageklasse verwandelt hat.

    • Stimmt genau.

      Allerdings aus Sicht der CS ein unerwünschter Eingriff, eine weitere Regulierung des Marktes und somit als eine Art vorweggenommener „lucrum cessans“ unerwünscht.

      Traditionell sind ja Wohnbau-Genossenschaften mit der „Ausweitung des Angebots von preiswertem Wohnraum“ beschäftigt,
      und Aufgabe des Staates wäre es, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und zu fördern.

      Wenn dies jetzt vernachlässigt wird, dürften dem Staat in Zukunft noch mehr Unterstützungsleistungen für die untere, ärmere und älter gewordene Bevölkerung abverlangt werden.

      Das Geld dafür dürfte realistisch gesehen nur bei den Unternehmen und Grossverdienern in Form von höheren Steuern einzutreiben sein.

      Im Sinne einer „nachhaltigen“ Aufrechthaltung eines minimalen sozialen Friedens wären somit ausreichend gute Argumente vorhanden, um in geschickten Verhandlungen die Grosskonzerne, hier die CS, an ihre soziale Verantwortung zu erinnern, dh entweder jetzt ein wenig auf eine bloss gewinnorientierte Bewirtschaftung von Wohnarealen zu verzichten, oder dann später in Form von Steuererhöhungen zur Kasse gebeten zu werden.

    • Wenn man in Rußland Neubauwohnungen des einfachen Standards für umgerechnet sFr 500,00 / qm errichten kann, dann stellt sich die Frage, warum Vergleichbares hierzulande das Zwanzigfache und mehr kosten muß.

      Zumal der Preis des Grund und Bodens bei der hier üblichen Geschoßhöhe nicht mehr stark ins Gewicht fällt.