3’500 CS-Leute kriegen Mobil-Daten von Kollegen

Super-GAU mit Swisscom-Verträgen bei der Grossbank: Alle Verbindungen von CS-Bankern offengelegt – Swisscom: Sorry.

GAU, grösster anzunehmender Unfall: Der Begriff aus der Atombranche erreicht das Duo Swisscom-Credit Suisse. Letzte Woche erhielten 3’500 Schweizer CS-Banker, die ein Geschäftshandy von der Swisscom haben, falsche Daten.

Statt die Gespräche und die Kosten von sich selbst sahen sie jene eines Kollegen. Sie wussten somit, wer mit wem telefoniert hat, wie lange, und was die Gespräche gekostet haben.

Die Swisscom steht in der Schusslinie, bei ihr ist der Fehler für das Massen-Datenleck passiert, wie eine Sprecherin der halbstaatlichen Telefongesellschaft am Freitag auf Anfrage einräumte.

„Heute haben rund 3’500 Mitarbeitende der Credit Suisse Gruppe eine E-Mail mit einem Verbindungsnachweis inklusive Kostenaufstellung für Swisscom Mobile Dienste erhalten. Bedauerlicherweise ist einem Mitarbeitenden bei Swisscom ein manueller Fehler unterlaufen.“

Die Folgen sind laut Swisscom-Sprecherin schwer: „Aus diesem Grund haben die Betroffenen die Informationen eines anderen Empfängers der Credit Suisse Gruppe erhalten.“ Was bleibt, sind Worte des Bedauerns. „Dieses Versehen tut uns ausgesprochen leid.“

Statt Bollwerk löchriger Emmentaler: CS-Tradingcenter Üetlihof (Bild: IP)

Die CS wollte sich nicht auch noch zum Vorfall äussern. Eine Sprecherin der Grossbank verwies auf die Swisscom. Diese versucht sich in Schadensbegrenzung.

„Wir haben umgehend eine E-Mail an die betroffenen Personen geschickt, um sie über die fehlerhaften Dokumente zu informieren und uns in aller Form zu entschuldigen“, meinte die Sprecherin letzte Woche.

Die Swisscom würde nun den Versand der korrekten Unterlagen „am kommenden Dienstag, 15. Januar 2019“, nachholen.

Was der Swisscom-Mitarbeiter für einen individuellen Fehler gemacht hat, wollte die Medienfrau des Telecom-Riesen nicht verraten. „Genauere Details zu den eingeleiteten Massnahmen wollen wir aktuell nicht nennen. Wir sind mit der Credit Suisse Gruppe in laufendem Kontakt.“

Sicher ist: Es handelt sich offenbar nicht einfach um eine Anhäufung dummer Zufälle, sonst würde die Swisscom-Frau einfach von Pech sprechen. Statt dessen macht sie eine andere Aussage, die auf ein tiefer gehendes Problem hinweist.

So sagt sie: „Wir haben bereits Massnahmen identifiziert, welche wir mit sofortiger Wirkung einführen. Darüber hinaus werden wir weiterführende Verbesserungsmassnahmen mit den relevanten Ansprechpartnern auf Kundenseite besprechen.“

Auf Deutsch: We’ve got a problem. Selbst wenn zuletzt ein einzelner Swisscom-Mitarbeiter einen Fehler gemacht haben sollte, so darf es trotzdem nicht sein, dass einer der grössten und entsprechend wichtigsten Geschäftskunden der Swisscom Tausenden von Leuten falsche Verbindungsnachweise schickt.

Ein Daten-Vorfall der Extraklasse, welche sogar noch die Behörden auf den Plan rufen könnten. Sämtliche Datenschutz-Geheimnisse, welche die Swisscom einhalten muss, wurden von der Telekom-Firma verletzt.

Nun wissen die CS-Banker, wen ihr Arbeitskollege in den letzten Wochen wie oft und wie lange angerufen hat. Es ist davon auszugehen, dass unter den 3’500 betroffenen CS-Angestellten auch viele hohe Kaderleute sind.

Beispielsweise Serge Fehr, Chef des Private Bankings, vielleicht auch dessen Chef Thomas Gottstein, der die ganze Schweizer Einheit der Credit Suisse lenkt.

Oder sogar Iqbal Khan, der zwar nicht als Schweizer Angestellter gilt, sondern als Chef von International Wealth Management eine globale Aufgabe wahrnimmt. Aber auch er könnte ein Swisscom-Handy haben, wie die meisten – Swisscom ist ja der Marktleader im Land.

Die Frage, die sich stellt, ist: Was ist bei der Swisscom los, die in den letzten Monaten immer wieder mit Daten-Lecks von sich zu reden machte?

Auf Seiten der CS soll hingegen nichts schief gelaufen sein, wie die Swisscom mehrfach wiederholte. Die Berner nehmen das Versagen zu hundert Prozent auf die eigene Kappe.

Kommentare

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  1. Wenn Kundenberater darunter waren wurden damit allenfalls auch Kundentelefonnummern an die Kollegen weiter gegeben. Das bedeutet nach dem „need-to-know“ Prinzip auch innerhalb der Bank eine Verletzung des Bankgeheimnisses. FINMA wieder auf Tauchstation?

  2. Bei solchen Vorkommnissen stellt sich immer dringender die Frage wie viel Digitalisierung, Blockchain usw. braucht der Mensch wirklich. Macht es Sinn alle Daten auf elektronischen Medien haben zu müssen mit dem Risiko des Verlusts. Logisch Programmierer und Hacker liefern sich seit Jahren ein Katz und Maus Spiel.

  3. Swisscom hat hat ihre Netze schon lange nicht mehr im Griff.
    Dann kommt mit 5G der Supergau
    Sie brauchen Wochen,bis sie Fehler finden.Aber das sind ja nur kleine Kunden die dann kein Netz haben.Bei denen muss man sich nicht mal entschuldigen?
    Die Leute verarschen oder abzocken sind sie die Nummer 1
    Ich vermute,dass Sie an den Angestellten und Unterhalt sparen.
    Die Schweitz passt sich immer mehr an der Eu an
    Die Ausschüttung an die Aktionäre ist wichtig nicht
    die Qualität und Unterhalt

    • Wer braucht eigentlich das ultra-teure 5G?

      Von den Menschen die ich kenne weniger als 0.5%

      Warum muss dies eigentlich weltweit so rasch eingeführt werden?

  4. Eine fette Busse wegen Verstoss gegen das Datenschutzgesetz wäre angebracht, plus allfällige Schadensersatzzahlungen an die Betroffenen…

    Was mir jedoch weit mehr zu denken gibt, sind die millionen von Werbegeldern der Swisscom, um breitflächig in allen MS-Medien ihr geplantes, unsägliches 5G-Netz anzupreisen!
    Wenn uns bis da hin der Systemkollaps noch nicht hallo gesagt haben sollte, wird dies dann 5G erledigen und unseren gesundheitlichen und mentalen Untergang bereiten. Hauptsache wir haben dabei endlos viel Bandbreite zur Verfügung um unsere 50 Lieblingsfilme und Songs simultan reinzuzwitschern. Damit wird unser Leiden und Sterben dann doch noch zum absoluten Partyknüller und verhilft uns zu einem wunderbar bunten Schlussbouquet…

  5. Ich finde die Polemik in dem Artikel völlig fehl am Platz. Sicher ist es nicht schön, wenn solche Pannen passieren, aber ich sehe das Problem nicht wirklich.

    1. Das scheinen Geschäftshandys zu sein, bzw. werden die Rechnungen von der CS bezahlt/ finanziell unterstützt.
    2. Ein Kollege sieht jetzt Telefonnummern und Dauer von Telefonaten, aber keine Namen.

    Wenn der Kollege also zu viel Zeit hat kann er herausfinden, dass ich am Sonntag 10min mit einer Nummer telefoniert habe, die womöglich meiner Oma gehört. Na und?

    Meine Firma zahlt auch meine Handy-Rechnung. Natürlich wissen die mit wem ich wie lange telefoniert habe und was für Kosten ich verursache. Wenn meine Firma jetzt entscheidet, dass mein Kollege diese Rechnungen kontrollieren soll, dann ist das so und ich kann nichts tun.

    • am besten weiterschlafen in der geschützten Werkstatt und auf die Pension warten, Opa Hans Swisscom😄. Genau das ist das Problem und die Einstellung des Management in dieser Firma: wir sehen das Problem nicht, ist ja nichts passiert – das nennt man Kundennähe und Kundenverständnis bei Swisscom

  6. Nun kommt mal wieder auf den Teppich runter.

    Es gibt überall manuelle Prozesse, überall werden Fehler gemacht. Einige sind grösser, andere fallen niemandem auf.

    Dass die Swisscom von einem menschlichen Fehler spricht, ist für mich ein grosses Zeichen, im Normalfall gibt man einfach den Computern die Schuld.

    Und wer glaubt, die anderen Provider würden anders arbeiten … willkommen in der Realität. Es ist viel günstiger monatlich einen CS-spezifischen Rechnungslauf von Hand auszuführen, als eine entsprechende Software-Erweiterung zu schreiben.

    • @Peter: selten so was Doofes gelesen. Gute Nacht, wenn solche Listen manuell erstellt / verschickt werden müssen. Hat auch nichts mit CS als Kunden zu tun.

  7. In einem so „professonell“ geführten „IT-Unternehmen“ garniert der Chef mindestens 3-fache eines Bundesrates plus Bonus!!!!
    Für 2018 KEINEN BONUS für den CEO und den verantwortliche Dep Chef.

    • Ist Swisscom eine IT-Firma? Ach ja, stimmt, sie haben an der Reception ein VoIP Telefon, also müssen sie eine IT Company sein.

      Und mit „professonell“ und garnieren hat Ihr Statement auch nichts am Hut.

    • @die eigene Nase ist am nächsten:
      Beteiligen Sie sich doch besser als Kommentarschreiber bei Themen, bei welchen Sie etwas beizutragen haben.

      Doch, Swisscom ist eine IT-Firma, denn die Telco-Anbieter haben mit „Invoicing“ eine der komplexesten IT-Lösungen am Laufen zu halten – abgesehen vom Banking! Thema: Wer hat mit wem wie lange, über welche Wege, mit/ohne (mehrfach-)Rouming telefoniert? Wenn das nur 2 Menschen gleichzeitig tun, ist das noch überschauber, tun dies jedoch ein paar Millionen gleichzeitig und über’s Kreuz, wird’s ziemlich schnell ziemlich komplex und Recourcen intensiv.

      Selbstversändlich ist dies überhaupt kein Grund, um Mobile-Daten falschen Adressaten zuzustellen, zumal für diese Komplexität auch horrend in die Tasche gegriffen werden muss…

  8. Kenntnis nur wenn nötig – gilt auch bei der CS 🙂

    Unglaublich was bei dieser Bank alles schief läuft. Sie kann von Glück reden haben wir eine schwache FINMA. In den USA würde die Bank schon längst wegen horrenden Bussen bankrott sein.

    • Was bitte hat dies mit der CS IT zu tun? Betreiben sie ihr Handy bei sich Zuhause oder was?!
      Und lieber LH, die Informationen sind nicht ganz korrekt. Es kann sich um Geschäftshandys handeln aber meistens sind es Abos für uns Angestellten – wir bezahlen die Rechnungen, profitieren aber von günstigeren Konditionen. Also hört bitte auf aus dise Geschichte ein CS-Story zu machen. Die Betroffenen wie ich haben es übrigens schon wieder vergessen.

  9. Eigentlich wären Geschäfts-Handy kostenlos oder? Wobei man darf meistens sein eigenes Gerät benützen. Dafür hat man keine Geheimnisse mehr. Immerhin ist man nicht schwanger oder der Prostata-Check ist erfolgreich, die Headhunters haben kürzlich nicht angerufen usw.

    Grundsätzlich sind einzig Mobil-Daten „kostenlos“, Privatsphäre Tschüss!

  10. Swisscom reisst sich alles unter den Nagel, beherrscht nichts, ist bei Betrieb und Problemen auf Dritte („Fachleute“, „Berater“, „Senior Consultants“, …) angewiesen, welche ihrerseits auch keine Ahnung haben, … – und so dreht sich das Rad, bis jemand eine zündende Idee zur Lösung eines Problems hat 🙂 Meist der Kunde selber („Habe eben den Stromstecker selber eingesteckt“), *** Zynismus off ***

  11. Passt! Nach erfolgter Aufhebung des Bankgeheimnis geht es nun Schnur stracks an das Ende des Fernmelde – Personen-Schutz. Motto: Alles off : erspart den Zoff. Swisscom erhöht von Monat zu Monat die Leaks , damit der Konsument sich an das neue Zeitalter gewöhnt. Die Infrastrukturen dazu und dafür bezahlt erst noch der „Kunde“.

  12. Swisscom quo vadis? Die Fehler häufen sich und Swisscom scheint es nicht im Griff zu haben….. ein Beweis mehr, Verträge auf einen anderen Provider zu wechseln

  13. Bis heute hat mir keiner begründen können, warum man als vernünftig denkender Mensch bei einem ehemaligen Monopolisten, der sich noch immer so benimmt, als wäre er das, einen überteuerten Mobiltelefon-Vertrag haben soll.

    • Im Gegensatz zur NASA hat die Swisscom immerhin nicht die Daten „verloren“ oder die Technik „zerstört“

  14. Die Swisscom möchte im zukünftigen Markt des elektronischen Patientendossier eine grosse Nummer spielen. Na dann können wir uns ja schon freuen wenn dereinst der medical record unseres Nachbarn ins Haus flattert. Aber einmal mehr der Beweis, dass persönliche Daten eben niemals persönlich bleiben.

    • Dafür brauche ich keine Swisscom. Das erledigt hier der Postbote. Hausnummer 3, 3a und 3b auseinanderhalten ist halt schon eine echte Herausforderung. Zum Glück musste ich die Arztrechnung meines Nachbarn nicht bezahlen, und noch viel besser: Ich habe nicht seine Krankheiten. DAS wäre wirklich schlimm.

    • die Swisscom möchte (Betonung auf „möchte“!) gerne vielfach vorne dabei sein, tritt aber auf der Stelle. Um nach vorne zu kommen, müsste der Beamtenladen radikal modernisiert werden, wirkliche Leader an Board und Qualifikation als Kriterium gelten. Das ist noch ein langer Weg, da bei Swisscom bei Stellenbesetzungen nicht die Qualifikation, sondern fast ausschliesslich Seilschaften zählen. Wirklich gute, motivierte und dynamische Mitarbeiter werden rausgeekelt bzw suchen selbst das Weite und übrig bleiben die Freunde von den Freunden die oft nicht qualifiziert sind

    • @Nick: By the way – habe neben Arztrechnungen von verschiedenen Nachbarn auch schon Steuerrechnungen, Mahnungen (grosse Beträge!), Post von Gerichten und anderen Amtsstellen, Erbbescheinigungen, Korrespondenz mit Treuhändern oder Rechtsanwälten, adressierte Versandkataloge (ich meine nicht Wallbusch) u.s.w. in meinem Briefkasten vorgefunden. Post: „Sorry“!

  15. „…Bedauerlicherweise ist einem Mitarbeitenden bei Swisscom ein manueller Fehler unterlaufen.“
    Wenn manuelle Eingriffe eines Swisscom Mitarbeiters notwendig sind um Kunden Verbindungsnachweise zukommen zu lassen scheint nach meinem bescheidenem Dafürhalten leider ein gröberes Problem bei der Swisscom vorhanden zu sein.

  16. Typisch schweizer konzerne, man sagt sorry und niemand kann im was. Schadensersatz für das nichteinhalten des vertrages würden sowieso nur an den staat gehen

  17. Na ja, jetzt weiss auch der Wasserträger aus dem CS CH Private Banking, bei welcher Dame der Chef in die Massage geht.

  18. Erstens ist es eine Sicherheitslücke by Design, dass in einer relationalen Tabelle alle Kundendaten zusammen sind. Darauf steht jedoch die Welt seit den 1970ern.

    Zweitens: besitzt die Swisscom keine (automatisierten) Softwaretests? Wenn Kunde A telefoniert, und man die Daten herausholen will, dann sollen seine, und nicht fremde angezeigt werden.

    Vielleicht gab es diese Tests, aber sie wurden eingespart. Oder der Test-Experte wurde „eingespart“.

    • Denke auch die „Verantwortlichen“ wurden weggespart. Und auf Seite der CS, wenn interessierts, die sind mit sich selber beschäftigt.

    • „Relationale Tabelle seit den 1970ern“? Arbeiten Sie in der IT oder tun Sie nur so?

      Hier gehts um einen simplen Programmfehler. Unter den Angerufenen sind sicher auch Kunden zu finden. Well done, Swisscom.

    • Oder sitzt in der Schweiz und weiss nicht was er macht. Schweiz gleicht nicht Qualitat…