Nach Ende von Präsident: Bär-CEO Hodler vor Aus?

Daniel Sauter hat nie durchgegriffen, als bei der Privatbank Sex und Rock’n’Roll liefen – Nun muss Six-Präsident Romeo Lacher ran.

Romeo Lacher ist der Mann der Stunde auf dem Finanzplatz Schweiz. Der einstige Romeo Who von der Credit Suisse zerlegte zunächst die lahme Six-Börsenfirma. Nun packt er bei der schlingernden Julius Bär zu.

Lacher wird neuer Präsident der führenden Zürcher Privatbank. Er löst Daniel Sauter ab, ein Ex-Glencore-Manager, der in seinen 7 Jahren als Chairman der Julius Bär vor allem durch eines auffiel: seine Passivität.

Lachend an Lacher: Sauter übergibt (JB)

Nie griff Sauter durch, als unter dem früheren CEO Boris Colladi die Post bei den Bären abging. Russen, Venezuelaner, Brasilianer, Fifa-Exponenten, Pierin Vincenz – you name it. Bei den Kunden waren fast alle willkommen, Hauptsache, sie versprachen hohe Neugeld-Zuflüsse.

Sauter geht damit als Präsident in die Annalen ein, der fast immer beide Augen zudrückte und sich lieber um sein Privatleben und seine persönlichen Geschäftsinteressen kümmerte

Er hat eine eigene Beteiligungsgesellschaft, nota bene mit Bär-Insidern. Und er ist mit einer neuen Frau liiert, mit der er ein Baby hat. Dazwischen orchestrierte Sauter den Abwehrkampf des Sika-Managements; und zwar gegen die Sika-Familienaktionäre, die seit Jahren Bär-Kunden sind.

Nun kommt Lacher. Und der müsste vorwärtsmachen. Die Bär-Aktie fiel zuletzt teilweise fast senkrecht. Der Zauber rund um die Bahnhofstrassen-Privatbank ist längst verflogen. Es braucht einen Neuanfang, ein nächstes Kapitel, neue Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft.

Baustellen: Six-Präsident Lacher, neu auch bei Bär zuoberst (Bild: Six)

Sonst verschwindet die Bär-Bank: Sie könnte von einem Konkurrenten aufgekauft werden. Das Szenario geht längst um an der Börse. Bisher blieb es eine Möglichkeit. Doch wenn der neue Mann auf der Brücke nicht rasch einen Weg nach vorn aufzeigt, kann es schneller Realität werden, als viele denken.

Lacher hat somit einen Job, wie er an die Six erinnert. Er muss die Julius Bär sanieren. Das glaubt man zwar fast nicht, doch nach den Vorfällen der jüngeren Zeit ist dies der Fall. Die Bank ist aus dem Tritt geraten.

Welche Aktien hättens gern? Bär, Vontobel, SMI (Quelle: Swissquote)

Damit ist auch klar, was ganz oben passieren dürfte. Die Leute an der operativen Spitze werden nun wohl rasch ausgewechselt. Allen voran Bernhard Hodler, der CEO wider Willen. Nie konnte der Nachfolger von Boris Collardi den Eindruck erwecken, dass es ihm wirklich ernst ist mit dem Aufbruch zu neuen Ufern.

Als Hodler an seiner ersten grossen Medienkonferenz vor Jahresfrist gefragt wurde, ob er mehr als ein Übergangs-CEO sei, gab er umständlich Antwort. Die Folge: Die Medien fragten, ob Hodler die Julius Bär wirklich auf längere Frist operativ führen und ihr den Stempel aufdrücken würde.

Mehr Last als Lust: CEO Hodler, Bär-Kollegen (Bild: Bär-Twitter)

Jetzt beschleunigt sich das Szenario einer erneuten Stabsübergabe auf CEO-Stufe. Der neue Präsident Lacher braucht ein starkes Team fürs Tagesgeschäft. Mit Bernhard Hodler als CEO erhält er kein solches – zu wenig strahlt Hodler aus, dass er wirklich führen will.

Bernie der Zauderer. Bernie der Unwillige.

So der Eindruck. Und das färbt ab auf die ganze operative Führung. Dort herrscht längst nicht mehr der Eindruck vor von einer verschworenen Truppe, die gemeinsam am Strick ziehen würde – und zwar in die gleiche Richtung.

Vielmehr scheint jeder das Vakuum durch die Führungsschwäche des CEOs für sich zu nutzen, um rasch noch das zu tun, was ihm selbst am meisten am Herzen liegt – oder am nächsten beim eigenen Portemonnaie.

Wie gross die Misere zuoberst bei der Julius Bär ist, wird klar, wenn man sich die Frage stellt, wer von Bernhard Hodler das operative Steuer übernehmen könnte. Da fallen die Namen des Risk-Chefs, der von der UBS dazugestossen ist, sowie eines Jungspunds, der lang mit Boris Collardi unterwegs war.

Beide haben bisher keine grossen Stricke verrissen: Der Riskchef mag ein guter Fachmann sein, aber für den CEO-Job wirkt er so farblos wie der aktuelle Mann am Steuer. Und der Collardi-Mann ist das, was er eben ist: ein Collardi-Mann.

Daneben gibt es noch die Schlachtrösser, allen voran Rémy Bersier. Der Chef für Monaco, Middle East und Russland ist eine umstrittene Figur im Private Banking. Er ist selbst sehr reich geworden, indem er die Tür für „heisse“ Kunden stets weit geöffnet hat.

In der Schweiz schwingt ein gewisser Gian Rossi die Peitsche. Wobei: Was er schwingt, ist vor allem sein Golf-Schläger. Rossi soll oft schon auf dem Green sein, wenn andere Freitags noch Kunden betreuen; dies, obwohl Bär in der Schweiz die grösste Baustelle hat. Hier kommt die Bank erstaunlicherweise nicht vom Fleck.

So steht der neue Bär-Präsident Lacher vor der Aufgabe, die wichtigsten Figuren in der Geschäftsleitung rasch auswechseln zu müssen, um der Bank frische Dynamik einzuspritzen. Gleichzeitig muss Lacher die Altlasten aus den diversen Skandal-Fällen bewältigen.

Und das alles neben seinem Six-Auftrag. Dort will Lacher nämlich bleiben. Der Mann mutet sich selbst viel zu. Und die Verantwortlichen bei Bär, sprich die grossen Aktionäre, sind offenbar überzeugt, dass Romeo, der lange Unbekannte, dies alles bewältigen kann.

Kommentare

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  1. Romeo als VRP? Gescheiter wäre es, er würde sich als Pensionär zurückziehen. Rossi, Bersier als CEO? Es geht bergab mit der Bär – dem meist überschätzten Laden, schon zu Collardis Zeiten.

    • Die Komplianze-Abteilung voll mit Dukemäusen, Lamborghini-Fahrern, ehemalige Elektriker etc

  2. Lacher ist auch ein eifallsloser McKinsey Pinsel, der ausser sich selbst gütlich zu stossen, seinen Unternehmen keinen Mehrwert bringt.
    Stellen streichen, um damit einzusparen, kann jeder Berater-Idiot (ohne Gewissen).
    Neue Arbeitsplätze schaffen, durch Visionen und Ideen, dazu sind er und sein Gross-Zögling gänzlich unfähig.
    Schade, aber es ist wichtiger, dekadente Zertifikat-Träger zu halten, als Menschen mit Verstand nachzuziehen, welche das Unternehmen langjährig kennen und treu waren.

  3. Lieber Herr Hässig,

    mir fehlt die Schlüssigkeit bei Ihrem heutigen Blog:

    1. Wieso muss ein neuer (und erst noch non-executive) Chairman den CEO auswechseln? Das wird R. Lacher garantiert nicht machen.
    2. Wieso soll Bär auf einmal ein Übernahmekandidat sein? Doch nicht etwa, weil der Aktienkurs um 40% korrigiert hat? Das ist nun wirklich kein Problem. Keine Grossbank würde auch nur im Traum daran denken, Bär zu kaufen, denn sie würden ein leeres Haus vorfinden. Kunden, wie auch RMs, würden die Bank verlassen. Einzige, aber nicht zwingende Möglichkeit: ein Merger unter Gleichen, also mit Pictet oder Lombard Odier.

    Bär ist in der Privatbanken-Landschaft im Ausland, wie auch in der Schweiz immer noch ein hervorragender Name und deshalb bin ich überzeugt, dass Bär auch weiterhin selbständig existieren wird und zwar mit Hodler an der Spitze.

    • Bravo W Churchill..
      Absolut auf den Punkt getroffen.. Ich würde die Bär auch am liebsten als selbständige Bank sehen, sobald nun alles aufgeräumt ist, wird das Roh Diamant wieder strahlen.. Den es gibt sehr gute Leute in diesem Unternehmen.
      Das schlimmste ist vorbei und das war Collardi, jetzt kann es nur noch Bergauf gehen.

  4. Sauter hat auch bei den Themen rund um die Digitalisierung ‚geschlafen‘ und sie gar verhindert.

    Darunter musste der ganze Bereich der Bank leiden, da grosse Projekte in dem Bereich nicht wohlwollend vom AR angenommen wurden und nun ist es schon recht spät.

    Da gehen andere AR mit besserem Beispiel voran.

    Rossi: das ist doch alles Hörensagen und wenn er mehr Geschäft auf dem Green macht, dann soll es so sein.

  5. Oh nein der Lacher. Ich wusste gar nicht, dass der SIX-Präsident ist. Er war ja schon bei der CS ein Lacher, äh, eine Lachnummer.

    Tja, typisch, typisch… Sauhäfeli Saudeckeli. Der Wirtschaftsfilz in der Schweiz…

  6. Romeo soll die Bär aufräumen?!?
    Bezeichnend, dass dies einer tun soll, der den Laden nullkommanix kennt! Seine (In)Kompetenz hat er doch schon an der Seite von Örs gezeigt.
    Der Kalauer sei mir verziehen: Danke für den Lacher des Tages!

  7. Endlich ist, nach Vukotic, nun auch der letzte Raymond Bär „Spezi“ weg. War längste Zeit, sonst gehen bei JB bald die Lichter aus…

  8. Für Führung bei Baer ist schwach, alles introvertierte, Administrations-MA und kaum mehr MA im Management mit Fronterfahrnis, Baer ist am Ende, eine Frage der Zeit bis sie übernommen wird.

    • Der GWG-Chef, Martin Eichmann, wohl das beste Beispiel für die angesprochene Inkompetenz. Zuerst wegschauen und dann den externen Beratern die Schuld zu schieben – sein bewährtes Rezept.

    • @ Observer: Ich empfehle Ihnen GwG das nächste Mal auszuschreiben, sonst versteht der Martin nicht was Sie meinen, wenn er Ihren Text liest 😂

    • Der Eichelmann ist doch MDA, oder nicht? Viel Kohle für viel wegschauen! Aber nicht nur der. Die gesamten anderen Fritzen in der Komplinanze sind ebenso inkompetenT

    • Das gesammte Management von Legal & Compliance ab Stufe ED besteht aus willfährigen Adlaten im Dienste der Frontfürsten. Zuerst kommt der eigene Machterhalt, dann der Bonus. Gesetzliche und regulatorische Vorschriften sowie Policies & Procedures sind pro forma soweit zu befolgen, dass Audit und Finma zufrieden sind. Und dafür brauchts weiss Gott nicht viel!

    • Dann kann Collardi seinen ehem. heruntergewirtschafteten Laden noch schneller beerdigen. Für ein paar Millionen Bonus wäre er sicher bereit.

  9. Aber Lacher hat bei SIX Stricke verrissen??? Die Katastrophe nistet sich auch überall ein! Da braucht es tatsächlich jemand mit Profil und kein RL! Er tut in der SIX nichts, warum denn also bei Bär?

    • @ Grosses Kopfschütteln

      Ich habe genau dasselbe wie Sie gedacht. Einfach unglaublich!

    • Ich glaube nicht, dass sich Pictet hütet. Die Idee ist doch einleuchtend. Bär runterschrumpfen und so offiziell wertlos machen. Aber bedenken Sie, dass bei der Bär gute Leute anschaffen. So gesehen bei uns in der Komplianze Abteilung. Hier stellen wir Elektriker und Metzer ein.

    • @ Pinocchio

      Sowohl bei der Kredit Swiss als auch bei der Phär werden solche Korifähen in der Komplinaze eingestellt. Leute die wirklich was vom Business verstehen wurden schon lange vor die Türe gestellt.