Aufstieg und Fall einer Züri Zunft-Familie

Von Erfolgs-Unternehmern zu Pleitiers – Schulden bei CS, Dave Blumer, Gerichten – Heute Versteigerung Zollikoner Privatvilla.

Vater und Sohn waren ein enges Gespann. Sie hatten alles: Erfolg, Geld, Ansehen – bis hin zum eleganten Holzboot auf dem See.

Sogar Aufmerksamkeit in den Medien kam ihnen zugute. Sie standen Red und Antwort rund um die Frage, was die wirtschaftliche Nähe zur EU dem Land bringen würde.

Das war vor 15 Jahren. Dann kam der Absturz. Der erreicht heute seinen Tiefpunkt. Versteigerung des Familienanwesens in Zollikon. Öffentliches Minimalangebot: knapp 5 Millionen.

Auszug aus dem Paradies: Versteigerung (Homegate)

Damit will sich die Credit Suisse als Hypo-Gläubigerin schadlos halten. Was übrig bleibt, kommt der Pensionskasse des untergegangenen einstigen kleinen Telekom-Imperiums zugute.

Der vierte in der Gläubiger-Reihenfolge dürfte kaum mehr etwas erhalten. Es ist David „Dave“ Blumer, ein bekannter Finanzmann mit stolzer Karriere bei der CS, der Swiss Re und Blackrock.

Blumer lässt über seinen Sprecher ausrichten, dass er mit dem Sohn der Unternehmerfamilie „lose befreundet“ gewesen sei und diesem „über einen finanziellen Engpass hinweggeholfen“ habe.

Das Engagement des Bankers war nicht klein. 3 Millionen hatte Blumer seinem Freund ausgeliehen – und musste diesem Geld danach mit Betreibungen und Klagen jahrelang hinterher rennen.

Heute seien einzig noch „Forderungen aus Zinsen, Verzugszinsen, Gerichts- und weiteren Kosten offen“, lässt Blumer ausrichten.

Ein Betreibungsauszug von Anfang 2019 führt Blumer allerdings weiterhin mit einer offenen Forderung von 1 Million auf. Daneben sind auf 8 Seiten des zuständigen Amts zahlreiche Gläubiger aufgeführt.

Sie alle wollen Geld vom Unternehmersohn, einem ETH-Ingenieur, der bis vor wenigen Jahren Zunftmeister war – genau so wie sein Vater vor ihm.

Nun hat es Schulden, wohin man schaut: Krankenkassen, AHV, Gerichte, Gemeindeverwaltung am Wohnort, aber auch Zügelfirma, Internet-Firma und viele mehr.

Eine Spirale aus offenen Rechnungen, Verfahren und Versteigerungen, in die Vater und Sohn geraten sind – deren Namen öffentlich niemand nennen darf, weil sonst gleich eine Klage droht, wie das diesem Medium passiert ist.

Die Pleite der einstigen Vorzeigepatrons ist eine Geschichte des alten Zürichs. Sie beschäftigt die Gerichte, weil Vater und Sohn sich in verschiedenen Verfahren zur Wehr setzen, bei der es immer ums Gleiche geht: Wer erhält das Geld, das noch flüssig gemacht werden kann?

Zuvorderst steht die Pensionskasse. Sie vertritt die Interessen der Versicherten der alten Telekom-Firma, darunter viele ältere Leute mit ausländischem Background.

Der Vertreter der PK, ein Zürcher Anwalt, sagt im Gespräch, dass er weiter für die Rechte der Versicherten kämpfen würde.

Ob er erfolgreich sein wird, bleibt offen. Als vor einiger Zeit das Geschäftshaus der konkursiten Firma in Zürich-Wiedikon öffentlich versteigert wurde, gab es lange Gesichter.

Nur ganz wenige Bieter fanden sich an der Versteigerung ein, zuletzt erhielt einer den Zuschlag für 10 Millionen.

Zuvor lag ein Angebot von 16 Millionen auf dem Tisch.

Für die Pensionskasse ein Desaster. Wieder Millionen, die fehlen. Insgesamt beträgt das offene Loch in der PK ein mittlerer einstelliger Millionenvertrag.

Es ist kaum damit zu rechnen, dass dieses je ganz aufgefüllt werden kann.

Aufstieg und Fall der Goldküsten-Familie beschäftigt auch die Strafermittler. Ein Verfahren ist hängig – bei jenem Staatsanwalt, der mit seinem Grossteam Raiffeisen-König Vincenz jagt.

Letzterer hat Priorität: Im Fall des Telekom-Unternehmers – es geht um den Sohn – ruhen offenbar die Untersuchungen. Dieser ist erneut mit einer Firma im Telekom-Business unterwegs; von der gleichen Adresse aus, wo ursprünglich sein KMU hauste.

Der einstige Glanz, der nun in Verpfändungen und Versteigerungen ein unschönes Ende findet, fällt aufgrund der unzähligen Untersuchungen und Gerichtsverfahren aus dem üblichen Rahmen solcher Geschichten.

Seit Jahren wird nun schon gestritten, um Geld und Schuld. Wer die Sache publik macht, wird gleich auch mit Klagen eingedeckt.

Zuletzt sind es dann wie meist die Banken, hier die CS, die ihr Geld sehen wollen.

So kommt es zur Zwangs-Versteigerung. Und was macht die Familie, die Mitarbeiter beschäftigt hatte, welche zum Teil immer noch auf ihre Ansprüche warten?

Sie macht weiter. Mit Klagen und Prozessieren.

Das geht soweit, dass nicht genehme Urteile von Zürcher Gerichten gerne nach Lausanne ans Bundesgericht weitergezogen werden.

In einem Fall ging es um den Wert des Privathauses in Zollikon. In einem Nebenpunkt stritt sich sodann die Ehefrau des einstigen Telekom-Patrons mit den Konkursverwertern um den Wein im Keller.

Der Weinbestand hatte sich nämlich über die Zeit reduziert, doch die Behörden stellten alle Weine, die sie zuvor aufgelistet hatte, für die Pfändung in Rechnung.

„Weine zum Teil getrunken?“, fragte die NZZ in einem Artikel vor anderthalb Jahren über einen Zürcher Gerichtsentscheid, der gegen die Frau ausging. Streiten bis zum Umfallen.

Kommentare

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  1. Naja. 1 Mio für David Blumer entsprechen 5 Rappen für mich. Daran sollte eine Freundschaft wohl nicht scheitern.

  2. Jetzt fallen sogar die Zünfter…. Kann passieren, aber trotzdem ein Indiz für die Schweiz, für die ach so reiche Schweiz. Das Problem? Wir sind keine Drehscheibe mehr.

    Ein paar wenige wissen, was ich mit Drehscheibe meine.

  3. Spätestens als man sich um 2016 mit dem dubiosen Financier N ins Bett legte, war das Schicksal der Traditionsunternehmung wohl endgültig besiegelt. Der hat oft verbrannte Erde hinterlassen. Man erinnert sich an seine grossspurigen Pläne mit einer Internet-Telefoniegesellschaft in den frühen 2000er Jahren und wie er das Geld von anderen mit beiden Händen ausgab. Am Schluss nix IPO, dafür Verluste im dreistelligen Bereich und ein Verfahren. Heute wieder völlig unbekümmert unterwegs.

    • Oho, mein Kommentar wurde geradezu zünftig entschärft! Aber kein Wunder, denn die „Exponenten“ sind für ihre Prozesswut bekannt. Dazu ist die Kohle immer noch vorhanden. Alles möglich in unserem grotesken Rechtssystem.

  4. Airports worldwide still are operating this companies voice communication systems.

    According to a former employee the new generation of the system in development, based on internet protocols, had outstanding market opportunities due to the worldwide installed base of the predecessor systems and due to satisfied customers.
    In addition the next 10 years all systems worldwide will have to be replaced by systems based on internet protocols. The new system was designed such that customer could upgrade their existing systems step by step to keep them fresh, with reasonable costs compared to organizing a tender for a new system.

    To sum it up, a great opportunity was lost.

    It’s a pity.

  5. Bei aller Liebe, aber dieser alte Kasten ist keine „5 Millionen Franke“ wert. Ich bin selber Immobilien-Profi und würde maximal 1,5-2.000.000 Fr. für dieses Objekt bezahlen. Der aufgerufene Preis ist völlig überrissen.
    Natürlich versucht man nun, mit diesem Mondpreis seine Schulden zu bezahlen- Aber der Schuss wird nach hinten losgehen… Sollte jemand wirklich 1,5-2.000.000 Fr. für dieses Objekt bezahlen kämen noch Abbruch -Kosten hinzu, da es sich um ein altes und unansehnliches Objekt handelt, eine langweilige Bauschande.
    Man hofft natürlich einen dummen Käufer zu finden, aber wahrscheinlich wird niemand mehr als den Grundstückspreis bezahlen.

    • Korrekt, aber der Grundstückspreis liegt schon bei 3.5 Mio. Wer lesen kann ist klar im Vorteil !

  6. Sodeli, soeben kam ich von der Versteigerung zurück: die Hütte wechselt für schlappe CHF 5.25 Mio. den Besitzer…

  7. Solche Geschichten tun mir sehr leid.
    Schade um das Lebenswerk dieser Familie und um die verlorengegangenen Arbeitsplätze.

    Unternehmen ist oft ein steiniger Weg voller Schweiss und Tränen. Deshalb wird so wenig unternommen und alle wollen nur noch für den Papi Staat eine ruhige Kugel in einer windgeschützten Werkstatt schieben. So geht Europa langsam drauf.

    • Da ich die Firma und die Players dort gut kannte muss ich leider dem Europa Gejammer wiedersprechen.
      Management Fehler und Inkompetenz haben diese Firma ruiniert. NUR DAS.
      Der JuniorChef wollte nie arbeiten, nur Glamour, sonst nix. Schöne Kleider, schöne Schuhe, schöne Auto’s und ein nettes Boesch auf dem See. Sonst nix.

    • Frau Villalon sollte ohne Kenntnisse der Geschichte besser nicht kommentieren.

      Dafür trifft Herr Happy I. Left den Kern des Malheurs.

      Hochmut kommt vor dem Fall.

    • @Happy I Left

      Ich widerspreche Ihnen : der weltweite Markt der Regionalflughäfen ist ein Trübsal. Da wird viel palavert, jedoch nichts gekauft. Der einzige grosse Managementfehler war, den Stecker nicht vor etwa 18 Jahren rauszuziehen und sich bis zu den Knochen zu verschulden, um den Laden am Leben zu behalten. Ihre Dankbarkeit dafür kann man hier anhand Ihres Kommentars entnehmen.

    • @ Happy I Left
      … Und was bei der Aufzählung vergessen gegangen ist: eine riesige Glitzerhochzeit in Südfrankreich und das Amt des Zunftmeisters. Kunden und Lieferanten waren für PS dagegen völlig nebensächlich, wenn es um die Wahrung von deren Interessen ging. Ich musste mir zwar nichts ans Bein streichen, aber lange um mein Geld kämpfen. Schade um die Firma und die Mitarbeiter tun mir leid.

  8. Eine kurze Recherche im Internet (Geschichte der Zunft und Homegate Zollikon) sowie ein Blick ins Telefonbuch spült eine Stabübergabe dieses hohen Amtes ans Tageslicht, die für den aussenstehenden Betrachter in dieser Zunft zeitweise nach feudalistischen Grundsätzen erfolgt zu sein scheint.

  9. Other airports systems still are operating these systems. Worldwide.

    According to a former employee the new generation of the system in development, based on internet protocols, had outstanding market opportunities due to the worldwide installed base of the predecessor systems and fully satisfied customers. But also because in the next 10 years all systems worldwide will have to be converted to systems based on internet protocols and the companies strategy enabled customers to upgrade their systems step by step.

    A great opportunity was/is lost.
    It’s a pity.

  10. aber wenn man die Adresse von homegate her nimmt, kommt man ja gleich auf eine Firma. Die hat ja so wie es im Handelsregister steht schon gegen den Konkurs erfolglos geklagt. Ausserdem steht ja auch ein Bericht im Tagi bei dem von Konkurs die Rede ist. Was hat die … AG in Baar damit zu tun? Und dann gründet er einfach eine neue Firma und macht weiter? Warum ist so jemand wie in Deutschland nicht gesperrt, solange überhaupt nur ein Verdacht hängig ist oder nach Konkurs etliche Jahre gesperrt? Die Schweiz ist da schon sehr nachsichtig. Und wer beliefert ihn nun? Verkauft er wieder an den Staat nach der Aktion?

  11. Genau, das Unternehmen war in der Binz zuhause. Der Vater war grundanständig und hat zeitlebens hart gearbeitet, bevor er das Unternehmen dem Sohn „übergeben“ hat. Dann ging es bergab. Selbstverständlich fährt der Sohn einen mit allen Extras ausgerüsteten Porsche Panamera, da er ja „Unternehmer“ ist. Und nebenbei glänzte der Sohn als Zunftmeister einer Zunft bis vor wenigen Jahren in der Öffentlichkeit, und konnte nicht genug Publicity bekommen (darum hatte er auch Ex-Missen ans Sechseläuten eingeladen). Und wenn alles den Bach runtergeht, darf man nicht mehr schreiben?

    PS: Sicherlich hat er sein eigenes Haus ins Trockene gebracht, bevor der Sturm gekommen ist.

    • Der Vater hat den Grundstein gelegt für das Desaster, das der Sohn vollendet hat. Zeichen aus der Basis wurden ignoriert, vorlaute Mitarbeiter fristlos entlassen. Die treuesten Mitarbeiter wurden mit dem grössten Lohnverlust und massiv reduzierten Leistungen der zugrunde gerichteten PK belohnt.

    • Warum soll man sich schadenfreuen, wenn jemand finanziell pleite geht?

      Diese Neidkultur werfen wir doch immer dem benachbarten Ausland vor. Dachte immer, wir sind besser…

  12. Es ist manchmal nicht so peinlich, seines Weinbergs verlustig zu gehen, als darum zu prozessieren.
    Zitat von Michel Eyquem de Montaigne
    Michel Eyquem de Montaigne
    französischer Humanist
    * 28.02.1533, † 13.09.1592

    • Der hat Weisung vom Anwalt, nichts mehr öffentlich zu sagen..
      „wenn de wäisch, wär i mäine…“

  13. Ich will dem Betruge seinen Rang nicht nehmen. Das hieße die Welt schlecht verstehen. Ich weiß, daß er sehr oft nützliche Dienste geleistet hat und daß er die meisten Stände der Menschen nährt und erhält.
    Essays 3, 1
    Zitat von Michel Eyquem de Montaigne
    Michel Eyquem de Montaigne
    französischer Humanist
    * 28.02.1533, † 13.09.1592

  14. … sogar der Himmel weint, wenn diese „Bleibe“ in Zollikon zum geschätzten Preis von CHF 5 Mio. unter den Hammer kommt.

    Wenn alles in die Brüche gegangen ist, hilft weder Namen noch Reputation über das endliche Schicksal hinweg. Bald wird auch das Prozessieren aufhören, da kein Fleisch mehr am Knochen ist.

    Fazit: Es lauern überall ähnliche Fallstricke, weil in den letzten Jahren Dutzende, wenn nicht Hunderte, von Boom-Millionären mit heissen Bank-Krediten und Privatschulden eine heile Welt vortäuschten. Wer diese Signale nicht wahrnimmt, dem ist nicht mehr zu helfen.

    • Mag sein nur werden Zünfter eher weniger fallen gelassen, nicht das noch einer auf einmal ausplappert und die fast schon ewigen Machenschaften dieser Oligarchen entlarvt was sie wirklich im Schilde führen.

  15. Wen es interessiert, die Steigerungsbedingungen sind einfach zu finden. Homegate oder zuständiges Betreibungsamt (alles öffentliche Quellen). Bin gespannt, ob der sportliche Schätzungspreis erzielt wird.

  16. Eben Unternehmer mit vollem Risiko, nicht wie Blumer Angestellter in einer doch weitestgehend geschützten Werkstatt, wo einem für wenig Millionen wunderbar nachgeworfen werden.