Wie weiter an Börse?

Korrekturen machen Aktienkäufe wieder attraktiv – Stabiler Aufwärts-Trend ist aber nicht in Sicht.

Bis vor Kurzem waren die meisten Investoren noch sehr zuversichtlich. Und nachdem sich die Kurse im Verlauf der letzten Woche wieder stabilisiert hatten, waren diese Investoren wahrscheinlich wieder beruhigt. Das kann ja mal vorkommen – und wenn die Börse nun wieder weiter steigt.

Der SMI notierte zu Anfang der letzten Woche auf einem Kursniveau, auf dem er auch schon vor 18 Monaten gewesen war. Mal ehrlich: Bei einem stabilen Bullmarkt müsste das doch etwas anders sein.

Irgendwie scheinen die im Juli noch so zahlreich verfügbaren Berichte über „neue Hochs“ und „fehlende Alternativen“ also doch nicht alle Fakten aufzuzeigen.

Und wer hat eigentlich bei 10’000 selbstbestimmt verkauft, anstelle eingelullt auf weiter steigende Kurse zu hoffen?

Es gibt nicht nur einen Trend. Die Kurse steigen deshalb auch nicht gradlinig. Der langfristige Trend wird von mittel- und kurzfristigen Trends marmoriert, und wenn der Erste aufwärts zeigt, können die weiteren auch mal vorübergehend das andere tun. Der Erste bleibt bestehen, weil die anderen den kürzeren Atem haben.

Das alles hat seine zyklisch bedingten Hintergründe, und je nach Ausprägung versetzen diese den Markt mal phasenweise in die Lage, auch die übelsten Nachrichten ohne Murren und Zucken zu ertragen. Ein paar Wochen später erscheint er dann wieder mimosenhaft verletzlich.

Nachrichten machen deshalb keine Trends, sie können aber als Katalysator wirken. Gäbe es jemals einen klaren Verkaufsgrund, dann fände sich zu dieser Minute für die zu verkaufende Aktie gar kein Käufer, und es käme kein Handel zustande. Letztlich kaufen oder verkaufen auch nicht die Nachrichten Aktien, Futures und Optionen, sondern die Investoren.

Sind spätzyklische Investoren zu besonders grossen Teilen engagiert, dann lässt sich dies anhand des Marktverhaltens feststellen. Mitte Juli habe ich deshalb in meinem mittelfristig ausgerichteten „Standpunkt“-Video entsprechend insistiert.

Hier auf Insideparadeplatz ist auch ein Beitrag erschienen, in dem ich zu überlegen gab, dass man mit einem ETF immer mit dabei ist, an guten als auch an schlechten Tagen.

Es ist definitiv nicht so, dass der jüngste Kursrückgang aus heiterem Himmel kam. Wenn es Investoren gibt, die Market Timing für unmöglich halten und die stattdessen nachträglich Gründe für die gefallenen Kurse anführen, dann zeigt das ihre „Fähigkeiten“, aber nicht die Fakten.

Der SMI hat über die vergangenen Wochen eine Korrektur durchlaufen. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Kurskerbe tiefer gehende Hintergründe hat, mit denen man sich jetzt beschäftigen müsste. Der Markt hat jene Spuren hinterlassen, die er in Korrekturphasen zuverlässig immer wieder in die Kursgrafik stampft. Im vorliegenden Fall beziehen sich diese Spuren auf eine Entwicklung im Mehrwochen-Bereich.

Womit man sich dagegen beschäftigen muss, ist die Amplitude der Korrekturbewegung. Sie wäre nicht so hoch, würde der langfristige Trend noch wirklich gut im Sattel sitzen. Anders als Mitte Juli spielt das aber jetzt im Moment keine Rolle mehr.

Möglicherweise hat der SMI den absoluten Korrekturtiefpunkt noch nicht durchschritten – vielleicht liegt dieser noch 100 oder 200 Franken weiter unten. Im Vergleich zu den bereits 600 verlorenen Franken ist das aber ein Klacks.

Kommentare

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  1. In der heutigen Welt machen die Nationalbanken mit ihrer Druckerpresse und der Nullzinspolitik die Kurse. Diese stehen deshalb schon lange nicht mehr in direktem fundamentalen Zusammenhang. Es bleiben nur noch Aktien und Betongold neben dem Parken der gewaltigen Summen gegen Gebühr.
    Es gab mal eine Zeit wo Banditen Geld gedruckt haben, damit Aktien gekauft haben und mit diesem wertlosen Geld die Bevölkerung fleissig Dividenden erarbeiten liess, ohne je dafür eine echte Leistung erbracht zu haben. Damit noch nicht genug, diese wahnsinnigen Ökonomen haben auch noch die Inflation angeheizt, damit soga noch das erworbene Betongold über die Inflation ihnen über die Zeit gratis zuviel. Übrigens, diese Banditen leben immer noch und sind immer noch aktiv auf Diebestour…

  2. Guten Tag Herr Roland Vogt

    Wir müssen davon ausgehen, dass der Zusammenbruch dieser Finanzarchitektur bereits läuft. Das wir noch nicht unter einer Hyperinflation leiden, liegt an der ungleichen Verteilung des Geldes. Immer mehr Armut bei der Menschenmasse und immer mehr Reichtum bei einer sehr kleinen Gruppe ist der Grund. Langsam verstehen und spüren die Bürger die Worthülsen, wie Sicherheit, Total Return, Garantie oder Performance.

    • @Platon
      Liegt es NUR an der Verteilung des Geldes???
      Insbesondere Aktien sind immer (Sollten es zumindest sein.)Anteile an Unternehmungen.
      Entscheidend ist ob wie diese Firmen ins Gesamtwirtschaftliche Gefüge passen.Welchen Gesamtwirtschaftlichen Nutzen die bringen.
      Wenn der ganze Irrsinn kolabiert, das ist eine Frage der Zeit, dann geht auch der erdrückende Teil des Geldes der Reichen den Bach runter.
      Tja dann gibt es nix mehr zum Verteilen.

    • @Hans von Atzigen

      Durch Handel mit Aktien werden keine neuen Werte geschaffen. Dieses gilt für alle Arten der heute von der Finanzindustrie als „Finanzinnovationen“ angebotenen Produkte wie Derivate, Optionen, Zertifikate, Swaps u.a. ebenso wie für den Handel mit Devisen. Vorhandene Werte werden lediglich umverteilt. Wertzuwachs findet ebenso wie die Vernichtung von Werten nur in der Realwirtschaft statt. Frage an Sie: steigt der Preis des Goldes oder spiegelt diese Steigerung den Verfall der Währungen wider? Wenn Sie sich diese Frage beantworten können, verstehen Sie auch woraus ich hinaus will.

  3. Es würde nicht verwundern, wenn man sich in zukünftigen Geschichtsbüchern, die Frage stellen würde:

    “Wie konnten die Anleger damals nur so naiv sein, und im Sommer/Herbst 2019
    noch ETF’s kaufen?“

  4. Viele Klacks ergeben dann ein Crash.

    Warum eigentlich nicht. Die Zutaten dazu liegen längstens auf dem Börsen-Tisch.

    Nach den Negativzinsen folgt das Helikopter-Geld, auf welches die Notenbanken seit einigen Monaten hinarbeiten.

    • @Forensiker vom Dienst
      Helikopter-Geld.
      Der Helikopter fliegt seit satten 30 Jahren.
      Da gibt es nur noch ein hochfahren
      auf Jumbo-Geld = Schleusen voll auf.

  5. Wenn man es so betrachtet, sind der (festland-)chinesische Hang-Seng-Index, der britische FTSE 100 – Index, der kanadische TSX 60 – Index sowie der schwedische OMX 30 – Index seit 5 Jahren und der koreanische Kospi – Index sogar seit 8 Jahren nicht vom Fleck gekommen, d. h. ein buy and hold – Anleger in ETF hat im wesentlichen nur die Dividenden erhalten, jedoch keine Kursgewinne erzielt.

    Wer vor 5 Jahren in den spanischen IBEX 35 oder den portugiesischen PSI 20 – Index investierte, hat seither sogar einen Verlust erlitten.