Raiffeisen: Von naiv zu Eigenlob in 4 Wochen

Genossenschafts-Bank sagte Ende Februar, Covid-19 werde nur ein laues Lüftchen. Nun markiert sie im Blick die grosse Retterin.

Heinz Huber stieg vom Chef der überschaubaren Thurgauer Kantonalbank zum Boss der systemrelevanten Raiffeisen-Gruppe auf.

Ist Huber mit seiner Raiffeisen der Aufgabe gewachsen? Nicht er selbst, aber einer seiner wichtigsten Kollegen in der Bank meinte Ende Februar, dass die Corona-Krise kaum lange dauern würde.

„Rückwirkend dürfte sich Covid-19 wohl als weit weniger dramatische Episode herausstellen, als es momentan den Anschein mache“, tippte der Chief Investment Officer, der oberste Anlage-Guru der Raiffeisen, ins soziale Netz.

Er tat dies unmittelbar im Anschluss an ein Video seines obersten Chefs.

Unterschätzt (Twitter, inzwischen gelöscht)

Damals hatte Italien schon Teile des Landes abgeriegelt. Die Gefährlichkeit des Virus war längst klar.

Der Raiffeisen-Investmentchef glaubte nicht daran. Viele haben wie der Banker den Erreger unterschätzt. Soweit, so klar.

Umgekehrt geht nun die Raiffeisen in die mediale Offensive. Ihr CEO Huber inszeniert sich als Hands-on-Chef. „30 Minuten pro Kredit, das ist machbar“, meint Huber heute im Blick.

Im Interview stellt Huber seine Bank so dar, dass sie bestens gewappnet sei für die Bewältigung der Krise.

Das schaffen wir (Blick)

„Viele Raiffeisenbanken haben ihre Teams im Bereich Firmenkunden verstärkt“, sagt er im Blick-Interview.

„Darüber hinaus stehen schweizweit zusätzliche Experten zur Verfügung. Das Raiffeisen Unternehmerzentrum unterstützt unsere KMU zudem bei Fragen rund um Liquiditätssicherung- und planung.“

Am 29. Februar hiess es von ganz oben bei der Raiffeisen, dass die Virus-Krankheit eine „weit weniger dramatische Episode“ als befürchtet sein würde.

4 Wochen später meint der oberste Chef der Genossenschafts-Gruppe, dass bei der Nummer 3 des Landes alles bereit stünde zur Nothilfe.

So agil verhalten sich die Geldhäuser in Zeiten wie diesen.

Kommentare

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  1. Corona hin Corona her
    das gefährliche an der Situation wäre allein die Todesrate und,
    wen es trifft?
    Sobald vermehrt junge Menschen sterben, könnte es sehr gefährlich werden
    Leider haben wir mehrere Kriesen gleichzeitig

  2. Hab gerade das Gefühl, das bei den Raiffeisenbank ein grosser Sturm in Anmarsch ist….wenn ich daran denke wenn der ganze Immo-Markt in wenigen Monaten zusammenfällt…und die Hypotheken nur so um die Ohren fliegen werden…da ist wahrscheinlich der Corona -Virus wirklich nur ein laues Lüftchen…gewesen..

  3. Wer um Himmels Willen fragt denn bezüglich der Börsenentwicklung Raffaisen? Aber es gibt einen kleinen Trost: andere Banken lagen mit ihren Prognosen genauso daneben. Hätte jemand eine Kristallkugel und würde immer alles richtig machen, so wäre er unermesslich reich.

  4. Was ein Banker wie dieser CEO Huber von Raiffeisen zu einer Virus-Pandemie sagt, ist irrelevant. Er ist ganz einfach nicht kompetent dafür. Wenn ich Investitionsratschläge will, gehe ich auch nicht zu einem Virologen. Es wäre besser und klüger gewesen, er hätte in diesem Sinne den Mund gehalten.

  5. Wer einem Chief Investment Officer vertraut, dem kann man nicht mehr helfen. Warum sollte der auch mehr wissen als der Markt?
    Dass es rauf und runter geht, wissen wir alle. Nur keiner weiss wann. Die CIOs auch nicht, denn sonst müssten sie nicht für eine Bank arbeiten. Und hätten die Eier, richtige calls zu machen. Nicht einfach wie die Fähnchen im Wind nur 1% Aktienquote rauf oder runter. Wer anlegen will, braucht solche Typen – egal von welcher Bank – nicht. Wer spekulieren will, ist mit denen im zu spät.

  6. Das „beste“ was die Raiffeisen Bauernbank gegenüber der „Konkurrenz“ bieten konnte, war das äußerst reichhaltige Büffet und „erlesene“ Weine, ansonsten nichts.

  7. Sehr geehrter Herr Hässig
    Ihr Raiffeisen-Bashing wird langsam peinlich. Wenn Sie sich schon auf Drittaussagen aus Hubers Umfeld von Ende Februar beziehen, sollten Sie dabei bedenken, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Massnahmen durch den Bund getroffen wurden. Huber ist weder Mediziner noch Pandemie-Experte, die rigorosen Einschränkungen waren zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersehbar! Logisch haben die später verordneten Massnahmen eine Wirkung auf die Wirtschaft. Aber selbstverständlich sind Sie allwissend und haben dies alles vorhergesehen. Dem Bund, den Banken und der gesamten Wirtschaft muss also vorgeworfen werden, dass man Sie nicht vorgängig als Experte hinzugezogen hat. Ich bin sicher, dass Sie eine wesentlich bessere Idee haben um die KMUs in unserem Land schnell, einfach und effizient unterstützen kann. Und, selbstverständlich, Sie hatten das Wissen und die Voraussicht schon Anfangs Februar. Bitte lassen Sie uns an Ihrer Weisheit teilhaben, die ganze Bevölkerung wird es Ihnen danken! Immer nur mäkeln kann jeder, stellen Sie Ihr Wissen unter Beweis!

    • Das einzige was man vielleicht kritisieren könnte ist, dass andere Banken mit ihren Prognosen ebenso falsch lagen. Die ZKB hat z.B. noch nachdem die Corona Krise bereits begonnen hatte, von einer raschen Börsenerholung geredet und dass an Aktien nach wie vor kein Weg vorbeiführe. Danach folgte der Crash und das besagte Video des CIO wurde unterdessen von der ZKB Plattform gelöscht. Das ist sehr vertrauenserweckend. Und dieselbe Bank lancierte nun mitten in der Krise die 3A Vorsorge App „Frankly“ und fordert alle dazu auf, ihr 3A Geld auf Frankly zu transferieren und in ihre Anlageprodukte zu investieren. Sie verschweigt aber, dass sie damit für jeden Kunden, der auch nur einen Franken in Cash bei Frankly hält (also nicht 100% in ZKB Produkte investiert) Negativzinsen sozusagen durch die Hintertür zahlt. Dies deshalb, weil die all-in-fee von 0.48% nicht nur auf dem angelegten Betrag, sondern auf dem Gesamtbetrag belastet wird. Gleichzeitig behauptet die Bank, ihre 3A Fonds gehören zu den Besten, was sie aber in keiner Weise belegt.

    • Als Bank muss man Risiken einschätzen können. Huber und Geissenbühler stehen einen ganzen Stab von Analysten zur Verfügung. Bei einem kurzen Blick auf die Fallzahlen der betroffenen Länder wäre zu diesem Zeitpunkt deutlich gewesen, dass es uns auch hart treffen würde.

      Die Führungsspitze von Raiffeisen hat sich dafür entschieden das Risiko herunter zu spielen aus eigenem Interesse. Da war viel Wunschdenken im Spiel.

      Der Job von Analysten und „Risk Takers“ sind Risiken vorauszusehen. Für diese „Leistung“ bekommen sie horrende Geldsummen.

      Der Job eines Journalisten ist es Fehleinschätzungen solcher Personen aufzuzeigen. Die Zukunft ist nicht prognostizierbar und die Löhne solcher „Mike Shivas“ völlig ungerechtfertig. Vor allem in Relation zur Brauchbarkeit der Prognose.

  8. Der hier als naiv hingestellte Anlagechef hat am 20.2.2020 auf Cash (Börsen-Talk) ein Interview mit dem Titel „Warum der Aktienmarkt das Beste des Jahres schon hinter sich hat“ gegeben und zu Gewinnmitnahmen aufgerufen (Link unten). Das war der Tag als der SPI ein Allzeithöchst erreichte. Mehr muss man dazu nicht sagen… great call, great CIO.

    https://www.cash.ch/news/politik/raiffeisen-anlagechef-matthias-geissbuehler-warum-der-aktienmarkt-das-beste-des-jahres-schon-hinter-1483607

  9. Ja, naiv passt perfekt zu Raiffeisen!
    Raiffeisen wird in Zukunft noch mehrere massive Rückschläge erleiden, denn dieser „Saftladen“ wird aktuell geführt wie ein Kiosk hinter einem Bahnhofgebäude.
    Ich bin mir sicher, dass bald gewisse, bewusst versteckte „Leichen“ in den Vordergrund rücken werden. Lügen haben kurze Beine!

    • Welche Raiffeisen? Sie meinen die 229 eigenständigen Banken, welche das Geschäft machen? Das sind DIE Raiffeisenbanken!

      Und jede dieser Bank, hat eine eigene Führung.

      Darum muss ich ehrlich sagen: Entweder sind Sie von der neid geplagten Konkurrenz oder nicht lange dabei!

    • Wenn es so schlimm ist dann kündigen sie doch. Es wird sie sicher niemand bei der Raiffeisen vermissen.

  10. Eine kleine Fehleinschätzung – na und? Kann doch mal passieren. Raiffeisen ist trotzdem eine super tolle Bank mit dem besten Büro-Kaffee weit und breit. Apropos: ich gehe jetzt mal noch ein neues Kännchen aufbrühen.

    • St. Galler Trudy hat ja keine Ahnung von Kaffee. Grund: neues Kännchen aufbrühen. Wir sind ja noch nicht in den USA – dort wird aufgebrüht.

  11. Ich bin der gleichen Meinung wie Huber: Rückwirkend ist es nicht so dramatisch, wie es nun aussieht. Es sterben immer noch mehr Leute an der saisonalen Grippe als an Corona! Schaut mal die Zahlen an, Todesfälle pro Einwohner. Da sterben ja mehr Personen beim Öffnen der Steuerrechnung! Aber Journalisten möchten natürlich Action, Todesdramen und Weltpanik, damit lassen sich tolle Artikelchen schreiben und Geld verdienen, gell Hässig 😉

    • So viel Arroganz und Ignoranz, oder sei es bloss pure Dummheit, ist völlig verantwortungslos.

  12. Da hofft man sich nur, dass nun der PorscheHuber zur Vernunft kommt und möglichst vielen Mitarbeitern dass HomeOffice gestattet.

  13. Die Raiffeisen ist und bleibt eine Wald-und Wiesenbank, vorwiegend werden Teilzeit-Hausfrauen und EX-AWD Mitarbeiter beschäftigt, von Finanzen haben die alle wenig Ahnung.

    • Man spürt Ihren Neid auf diese erfolgreiche Raiffeisen-Gruppe richtig. Es ist einfach herrlich, schreiben Sie doch bitte noch etwas…

      Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid erhält man umsonst 🙂

  14. Ein Chamäleon sein in der Wirtschaft kann auch sehr förderlich sein. Mit der lokalen Vernetzung und den flächendeckenden Geschäftsstellen ist Raiffeisen sicher der prädestiniert Partner für diese Aufgabe. Die kleineren KMU’s wurden bei Raiffeisen immer gerne gesehen und nicht von oben herab behandelt.

  15. Vermutlich hatte er recht. Der jetzige Hype wird durch die Fakten nicht gestützt. So hat z.B. Deutschland bei einer normalen Grippe ca 25’000 Todesfälle. Und das, ohne dass eine Testbreite erfolgt wie hier. Deutschland nimmt Patienten aus dem Elsass und Italien auf und ist, obwohl man das Spitalsystem heruntergespart hat, derzeit nicht überfordert. In Italien sind die Spitäler notorisch überlasted und in schlechtem Zustand. Die Sterbezahlen infolge bakterieller Ansteckung sind deutlich höher (also z.B: Leute, die mit einem Beinbruch eingeliefert werden und dann aber Spitalinfektionen sterben). Von der Bevölkerung sind nur ca. 5% echt exponiert. Die Leute sterben nicht am, sondern mit dem Virus. Gleichzeitig sind die wirtschaftlichen und die gesellschaftlichen Folgeschäden immens. Aber dem jetzigen Hype kann sich keiner entziehen, und schon gar keiner kann zurückrudern. Hingegen sollte man die allgemeinen Hygienevorschriften in der Tat wieder vermehrt beachten.

  16. Nach der sagenhaften Fehleinschätzung von Huber wird kaum mehr eine Person, die halbwegs bei Sinnen ist, ihr Geld bei der Raiffeisen zu Anlagezwecken deponieren.

    Gut für die Bank, dass sie nun immerhin Kredite vergeben kann.

  17. Wer die grossen „Pfeiffen“ sind macht sich meistens in einer Krise bemerkbar ! Der Kleine Huber ist nur einer davon…

  18. Wendehälse haben im Corona-Umfeld grassierende Hoch-Kultur.

    Da ist auch eine Raiffeisen nicht gefeit davor.

    Lasst die „Sprüche-Klopfer“ in den sozialen Netzwerken herumgeistern, denn sie werden schnell von der Vergangenheit eingeholt!

  19. Soviel zur Weitsicht der so genannten Spitzenleute.
    Immerhin, Wendehälse haben sie, dem Bonus zuliebe.
    What else?

  20. Diese Bank kann Nichts.

    Meine Partnerin hat Anfang Februar ein Geschäftskonto eröffnet. Persönlich vor Ort. Am Zürichsee.

    Sie wartet immer noch auf die Kontokarte und eine Kreditkarte. Wir schreiben Ende März.

    Vollpfosten.

  21. …denke mal, dass im Rückblick man sich schon fragen wird, ob man nicht überreagiert hat. Zuviel Panik momentan.

  22. Vielleicht erzählt dieser sympathische Zeitgenosse auch noch heute seinen staunenden Genossenschaftern, dass seine Bank nur das Geld der Sparer verleiht!