Haben die Banken nichts gelernt?

Verschiedene Banken haben in den letzten Tagen und Wochen angekündigt, die Boni für Mitarbeitende vor allem aus dem Bereich des Investmentbankings wieder zu erhöhen. Nicht selten wurde gleichzeitig der Abbau von Hunderten von Stellen angekündigt. Trotz Minder-Initiative und Bonus-Beschränkungen innerhalb der EU erscheinen die damals gemachten Versprechungen vieler Banken in diesem Licht nur (…)

Verschiedene Banken haben in den letzten Tagen und Wochen angekündigt, die Boni für Mitarbeitende vor allem aus dem Bereich des Investmentbankings wieder zu erhöhen. Nicht selten wurde gleichzeitig der Abbau von Hunderten von Stellen angekündigt. Trotz Minder-Initiative und Bonus-Beschränkungen innerhalb der EU erscheinen die damals gemachten Versprechungen vieler Banken in diesem Licht nur noch als Lippenbekenntnisse.

Die Ankündigung einer erneuten Erhöhung von Bonuszahlungen lässt den Schluss zu, dass die Bankenwelt die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt hat. Dass gute Leistungen Anerkennung finden sollen, ist unbestritten und bildet ein zentraler Bestandteil der persönlichen Motivation von Mitarbeitenden. Doch die zu starke Fokussierung auf rein geldwerte Anerkennung führt zu einer übermässigen Ausrichtung auf den bonusrelevanten Nutzen einzelner Entscheidungen und Handlungen. Das Argument der Banken für grosszügige Boni ist bekannt: Man will die besten Talente behalten und vermeiden, dass sie abgeworben werden.

Rein volkswirtschaftlich gesehen haben die Finanzinstitute in den vergangenen Jahren den Bürgern oder Ländern keinen Mehrwert gebracht. Im Gegenteil: Milliardenschwere Stützungspakete waren notwendig, um viele  Banken und damit indirekt auch Volkswirtschaften nicht untergehen zu lassen. Zusätzlich zur direkten Stützung kosteten diese Aktionen die betroffenen Staaten Steuerausfälle in Millionenhöhe.

Nur einige wenige Branchen, wie beispielsweisse die der Luxusgüter, erzielten dank dem Konsum von Nutzniessern dieser Bonuszahlungen höhere Umsätze. Unter dem Strich hat aber keine Volkswirtschaft davon profitieren können. Das war früher anders. In der Zeit, bevor die „Bonuskultur“ Einzug gehalten hatte, bescherte die Finanzwelt den Volkswirtschaften einen spürbaren Mehrwert in Form von sowohl direkten als auch indirekten Steuereinnahmen.

Die aktuelle Geschäftspolitik vieler Finanzinstitute, bei der ausserhalb des Investmentbankings massenhaft Leute entlassen und gleichzeitig die Boni für den Investmentbereich erhöht werden, ist gesellschaftspolitisch bedenklich und gefährlich. Die Allgemeinheit wird für diese Stellensuchenden aufkommen müssen, während einige wenige Leute (Spezialisten und natürlich die Chefetage) von den Bonusexzessen profitieren können.

Das Argument, dass nur mit einem angemessenen Lohnpaket die besten Leute gehalten oder angelockt werden können, entpuppt sich bei näherem Hinsehen lediglich als Rechtfertigung dafür, das eigene Salär nach oben anpassen zu können. Die Bankenwelt folgt der Irrlehre: je höher die Bonuszahlungen, desto grösser die Leistung.

Mit dieser Politik vergoldet man (kurzfristig) Leute, welche sich in erster Linie nur von finanziellen Anreizen beeinflussen lassen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Leute durch bessere finanzielle Angebote abwerben lassen. Diese kurzsichtige Praxis fördert eine destabilisierende Entwicklung nicht nur in Unternehmen des Finanzsektors, sondern in der gesamten Volkswirtschaft.

Ein nachhaltiger Unternehmenserfolg ist demnach mit anderen Mitteln zu suchen. Langfristig wird sich eine Unternehmenspolitik auszahlen, die auf Werten beruht, mit denen sich Mitarbeitende identifizieren können. Motivation über Sinn und Werte ist nachhaltig und wesentlich befriedigender. Grundvoraussetzungen dafür sind:

Strikte Marktorientierung: Die Rückbesinnung auf die Bedürfnisse der Kunden sichert die Zukunft der Unternehmung.

Hohe Identifikation: Mitarbeitende, die hinter den Produkten und Leistungen ihrer Firma stehen, tragen zu derer Weiterentwicklung bei.

Klare Kommunikation: Unternehmenswerte, die klar kommuniziert werden, vermitteln Orientierung für Mitarbeitende und Kunden.

Starke Vorbilder: Führungskräfte, welche die Unternehmenswerte glaubhaft vorleben, prägen die Firmenkultur und motivieren damit ihre Mitarbeitenden.

Mit einer Geschäftspolitik auf dieser Basis können Firmen motivierte Mitarbeitende finden und halten. Auch das Vertrauen der Kunden lässt sich so wieder zurückgewinnen und weiter ausbauen.

Die Mechanismen der Festlegung von Boni müssen im Finanzbereich zweifellos überdacht werden. Es muss wieder stärker das Wohl der ganzen Unternehmung – und dazu gehören auch deren Kunden – in den Vordergrund gerückt werden.

Der Unmut der Bürgerinnen und Bürger beginnt sich bereits in mehreren Ländern Luft zu verschaffen. Mit einer Rückkehr zu einer massvollen Bonuspolitik und einer Firmenkultur, welche sich auf wirkliche Werte zurückbesinnt, kann eine Beruhigung eingeleitet werden. Diese wird sich nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern insbesondere auch für die Unternehmen positiv auswirken.

Kommentare

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  1. Die Banken lernen nie etwas.
    Sie versuchen es einfach wieder, sich zu bereichern.
    Dazu braucht es aber dumme und dreiste Politiker, die ihnen das ermöglichen.
    Es braucht keine Detailvorschriften für jeden Fall, den wirklichen nächsten Ernstfall wird ohnehin damit nicht getroffen.
    Es braucht nur massiv mehr Eigenkapital!
    20% wäre nicht untertrieben und würde dem Ansehen der Schweizer Banken gut anstehen.
    Der Unsinn, dass damit weniger Kredite für die KMUs zur Verfügung stehen würden, ist längst widerlegt und beeindruckt nur noch „Halbaffen“ und andere Ungebildete.

    • Doch, doch, die Abzocker haben schon lange gelernt und mittlerweile ein System etabliert, das der Zockerzunft die Zockerzukunft sichert. Minder-Initiative hin oder her. Die Zocker schieben sich die Kohle nicht nur intern zu, sondern auch unter den Gesellschaften. Die paar schwarzgewandeten Herren in der ersten Reihe werden die hinter ihnen grölenden Privatinvestoren auch weiterhin haushoch im Griff haben. Vor allem dank der Institutionalisierung der grossen Vermögen. Dort, in diesem dunklen Geschäft, haben die Zocker ihre Finger ganz gross drin. Minder hin oder her.

  2. Eine Bank und namentlich die beiden Großbanken zahlen Boni nur sehr selten in Bezug auf Leistung! Die UBS hat ein ausgeklügeltes (?) Performance Measurement System mit dem auf einige Nachkomastellen genau die Leistungen der Mitarbeiter berechnet werden. Von Anfang an ist aber immer schon klar, dass 15-20% der Mitarbeiter als ungenügend bzw, knapp genügend eingestuft werden. Das Gros der Mitarbeiter ca 50% erhalten ein „Genügend“. Genügende Leistungen bzw. ungenügende Leistungen erhalten keinen bzw. nur einen kleinen Bonus. Dies ergibt, dass 20% rund 80% vom Bonus-Kuchen erhalten. Die einfache Rechnung für die UBS ergibt dies CHF 230’000 durchschnittlich für das Top-Management bzw. Traders und Zocker etc Alle übrigen Mitarbeiter erhalten durchschnittlich CHF 13’000.
    Dies ist aber nicht alles! Die Bank will sich auch von langjährigen und wenig beweglichen oder flexiblen Mitarbeiter verabschieden. Das heißt Mitarbeiter mit Familien sind unerwünscht, weil sie erstens nicht vollständig der Bank „gehören“ und zweitens mehr Geld zum Leben ihrer Familie benötigen. Gesucht sind junge Singles, die völlig unabhängig sind und was noch wichtiger ist, Singles, die ohne zu überlegen dem Willen des oberen Managements folgen! So macht dies die UBS – Sie entlässt altgediente Mitarbeiter und ersetzt diese durch junge flexible, willige Studienabgänger. Auf diese Weise werden Kosten reduziert, die Firmen Flexibilität erhöht und die Firmenkultur gleichgeschaltet.
    Es ist eigentlich nur Schade, dass der alte Bankfachmann ausgestorben ist! Die neue Bankergeneration hat wirklich nichts gelernt und die neuen Banker werden geführt von machthungrigen, Geld gierigen Emporkömmlingen. Die nächste Krise wird kommen, dies ist sicher! Leiden müssen dann wieder die einfachen Angestellten und der Steuerzahler. Gelernt hat aber auch der Staat nichts, der die Regulierungen nicht verschärft! Schade! Wir werden wieder leiden!

    • Geht bei der CS genau so! Bonuskürzung bei den Schweizern und Vergolden der IB’ler, so dass dort der CI-Ratio über 100% liegt! Ein schlauer Unternehmer würde solch unprofitablen Bereiche schliessen! Auch HU Meister hat seinen Leadership gegen schnöden Mammon und blinden Gehorsam gegenüber Dougan eingetauscht!