Bank am Bellevue stand kurz vor Verkauf

Mit Geheimplan „Globe“ wäre Traditionshaus im Ausland gelandet – Grossaktionär Bisang zog Notbremse – VR zerbricht.

Die Bank am Bellevue gehört zu den kleineren, aber bekannten Zürcher Finanzinstituten. Dies betrachtete eine Gruppe von ausländischen Investoren als Chance. Sie wollten Bellevue kaufen.

Nun ist der Deal unter dem Codenamen „Globe“ vom Tisch. Am 24. Februar informierten Bellevue-Präsident Walter Knabenhans und sein VR-Kollege Thomas von Planta die Investoren über das Scheitern.

„We unfortunately have to inform you that the Board of Directors of Bellevue Group has decided to discontinue Project Globe“, schrieben die beiden Bellevue-Spitzenleute.

Der Grund ist ein überraschender und urplötzlicher Gesinnungswandel von Bellevue-Hauptaktionär Martin Bisang, der rund 20 Prozent an der Privat- und Brokerbank hält.

„The decision comes following a project review in light of latest discussions with the largest shareholder of the Group, who is no longer supporting the Project.“

Das Bekanntwerden des geplanten Verkaufs der Bellevue wirft ein neues Licht auf den am 23. Februar angekündigten Abgang von Walter Knabenhans als Präsident der Bellevue-Gruppe.

Knabenhans, ein früherer Kapitän der Julius Bär Privatbank, war ein Treiber für den Verkauf. Er suchte für die seit Jahren im Private Banking stagnierende Bellevue einen Weg nach vorn.

Der Verkauf von rund 60 Prozent der Bellevue-Bank an das ausländische Investoren-Konsortium hätte diesen Aufbruch in den Augen von Knabenhans offenbar versprochen.

Die neuen Kapitalgeber hätten gemäss „Globe“ frisches Kapital über 180 Millionen Franken in die Bank eingebracht.

Dies geht aus einer E-Mail eines Beraters der M&A-Firma Moelis vom 6. Dezember 2014 hervor. Moelis war von der „Globe“-Investorengruppe beauftragt worden und koordinierte die Verhandlungen mit der Bellevue-Seite.

Es sei geplant, dass Bellevue zunächst „new equity capital of up to CHF 180m for the implementation of a new business strategy“ erhalten würde.

Dieses Geld käme „from a number of cornerstone investors“. Details würden besprochen in Verhandlungen mit dem Management von Bellevue „before the holiday period or during January, from 12th Jan onwards“.

„Globe“ sei „strictly confidential“, nahm der Moelis-Mann die Beteiligten in die Pflicht. „Under no circumstance“ dürften Bellevue-Angestellte, Kunden, Berater oder sonstige Personen kontaktiert oder informiert werden.

Dafür mussten alle Investoren und die Involvierten auf Bellevue-Seite ein sogenanntes „Non Disclosure Agreement“ unterzeichnen.

Der geplante Ablauf der Grosstransaktion und damit der faktischen Machtübernahme durch die Ausland-Investoren stand damals, also Anfang Dezember, präzis fest.

Die neuen starken Männer sollten mit den Bellevue-Verantwortlichen ein sogenanntes „Capital Commitment“ mit Zeitpunkt „end of January 2015“ abschliessen.

Dieses hätte die Kapitalerhöhung vertraglich geregelt. Offiziell beschlossen worden wäre sie dann an der ordentlichen Generalversammlung der Bellevue diesen Frühling.

Was zum abrupten Stop von Operation „Globe“ geführt hat, ist unbekannt.

Weder der scheidende Präsident Walter Knabenhans noch sein Nachfolger Thomas von Planta, ein Ex-Goldman-Sachs-Banker, wollten Stellung nehmen.

Knabenhans und von Planta verwiesen an die Bank, dort spielte man den Ball weiter an Grossaktionär Martin Bisang.

Dieser liess Anfragen unbeantwortet.

Dabei kann nur Bisang die entscheidende Frage beantworten.

Der bekannte Banker, der sich seit dem Medienrummel im Nachgang zur Fusion von 2005 mit der Swissfirst, einer anderen Zürcher Bank, zurückgezogen hatte, ist die Schlüsselperson von „Globe“.

Bisang hat sich bei der Bellevue-Bank, die er von Beginn weg massgeblich geprägt hatte, wegen des Falls Swissfirst auf die Rolle des Grossaktionärs beschränkt.

Möglicherweise nicht ganz freiwillig. Die Finanzaufsicht könnte ihm eine weitere operative Tätigkeit bei der Bank am Bellevue untersagt haben.

Bisang, so ist aus den vorliegenden Dokumenten zu schliessen, war lange einverstanden mit der massiven Kapitalerhöhung, die seine Rolle als Ankeraktionär verwässert hätte.

Seine heutigen 20 Prozent an der Bellevue wären auf unter 10 Prozent geschrumpft. Seine langjährigen Aktionärspartner hätten an der vergrösserten Firma sogar noch weniger gehabt.

Das wollte Bisang, möglicherweise in Absprache mit den Partnern, nicht. Ende Februar zog er die Reissleine.

Ins Bild passt, dass Thomas von Planta das Präsidium der Bellevue-Gruppe übernimmt, die mit ihrem Assetmanagement vorankommt, im Bankgeschäft aber seit Jahren stagniert.

Als VR-Mitglied rückt Bisangs Ehefrau nach. Damit hat Bisang die Bankengruppe auch im VR unter seine totale Kontrolle gebracht. Von Planta galt schon bisher als Bisangs Vertrauensmann.

Die Ausland-Investoren, die nach „Globe“ die Bellevue im Sack gehabt hätten, sehen sich düpiert. Für sie gab’s nichts ausser Spesen.

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17 Kommentare zu “Bank am Bellevue stand kurz vor Verkauf

  1. Und wieder einmal mehr verpasst LH die Topstory des Tages, weil er halt doch nicht so gute Informanten wie finews.ch hat: Bei der CS geht die Post ab!

    @LH: Weniger Ski fahren, mehr netzwerken und recherchieren.

  2. Gerne geht jeweils vergessen, dass sich auch ein Thomas Matter nicht zu Schade war, sich mit zwielichtigen Figuren, wie z. B. Rumen Bogdanov Hranov „in’s Bett zu legen“…

    Sollten nicht die Alarmglocken bereits läuten, wenn man nur schon diesen Namen hört?

    • Gut das dies hier erwähnt wird. Matter war ja eigentlich unten durch nach dem unsäglichen Swissfirst/Bellevue-Lausbubenstück. Dass er nicht aus dem Verkehr genommen wurde, sondern mit einer neuen Bank weitertreiben darf, verdankt er wohl in erster Linie seiner Parteizugehörigkeit und der Protektion des Herrlibergers. Dieser hat ihm schliesslich auch seinen Sitz im Nationalrat abgetreten.

  3. Solche Verwechslungen wie Swissquote/Swissfirst sind sehr ärgerlich, deshalb meine Empfehlung an Lukas Hässig: Texte unbedingt gegenlesen lassen. Vier Augen sehen mehr als zwei.

    • Sinnlose Empfehlung, denn SWISSFRIST ist absolut richtig. Das war die Bank von Thomas Matter. Ob die VR-Verstärkung gut kommt ist fraglich: Thomas v. Planta & Frau Bisang sind beides keine Ökonomen.

  4. Wie kann LH eine Bank, die seit 1993 besteht, im Untertitel als „Traditionshaus“ bezeichnen? Welche Traditionen darf/muss man sich hier vorstellen?

  5. Vor 4 Jahren hiess es noch „Bank am Bellevue kurz vor dem Aus“. Nach etlichen grenzwertigen Deals wie Swissfirst, SIA und Sonova war irgenwann mal das Mass voll. Die FINMA gab sich damals mit einem befristeten Kundenakquisitions-Verbot zufrieden; dafür musste Bisang weg von der Brücke.

  6. …stellt sich dann noch die Frage, ob diese ausländischen Investoren das OK von der Finma erhalten hätten und ob demzufolge die Banklizenz bestehen geblieben wäre. – Möglicherweise lag hier der Hase begraben.

    • @Alex Schild;

      Bevor Sie kommentieren und losschiessen mit Shit immer zuerst lesen:

      Zitat Anfang:
      „Der bekannte Banker, der sich seit dem Medienrummel im Nachgang zur Fusion von 2005 mit der Swissfirst, einer anderen Zürcher Bank, zurückgezogen hatte, ist die Schlüsselperson von “Globe”.
      Bisang hat sich bei der Bellevue-Bank, die er von Beginn weg massgeblich geprägt hatte, wegen des Falls Swissfirst auf die Rolle des Grossaktionärs beschränkt.“
      Zitat Ende

      Wo steht hier „Swissquote“ wie von Ihnen behauptet? Hoffentlich sind Sie nicht Sie an der Börse tätig, sonst müsste ich davon ausgehen, dass sie Kaufen mit Verkaufen verwechseln! Schönen Tag noch und hoffentlich bis am Mittag dann wach!

      .

    • @Legas..
      Zuerst studieren – dann schreiben. Der User Alex Schild hat den Kommentar um 08.13 abgeschickt. Wie bekannt, wird das neue Insideparadeplatz um ca. 08.00 Uhr veröffentlicht. Wie Sie auch aus anderen User-Beiträgen ersehen können, war zuerst die Swissquote im Text erwähnt (anstelle der Swissfirst). Herr Hässig hat dies in der Zwischenzeit korrigiert!

      P.S. Es gibt halt Leute, die schon vor Ihnen wach sind! (und im Büro)

    • @ Legas: Hätten Sie schon um 8.10 den Bericht gelesen, wäre dort noch Swissquote anstelle von Swissfirst gestanden. Lieber früher Aufstehen, als hier ungerechtfertigte Angriffe zu starten. Siehe auch Kommentar von Saletti. Auf jeden Fall – der Bericht ist nun korrekt!

    • @ Alex Schild

      Es gibt auch noch worker, die noch früher aufstehen und zuerst die Kundenmails und den Markt studieren und sich auf die Morgensitzung vorbereiten, bevor sie IP lesen! – Immerhin hatten Sie so einen Informationsvorsprung wie Sie aufgrund Ihres Hinweises auf die Uhr hinweisen. Bravo!