UBS im France-Strudel – doch Ex-Chef steigt auf

Bank droht Megastrafe, Banker wird belohnt: Gabriel Castello wird Bigboss – vom Nummernkonto-Saulus zum Weissgeld-Paulus.

Der Geldwäscherei-Fall in Frankreich wird für die UBS zum Gau. Es drohen 2 oder mehr Milliarden Strafe. Ein Whistleblower will von der Grossbank bedrängt worden sein.

Die Verantwortung trägt niemand. Der Ex-Chef für UBS Frankreich, Gabriel Castello, macht vielmehr Karriere. Castello wurde letztes Jahr grosser Chef des Private Bankings Europa.

Die Perwoll-Behandlung für einen der obersten Vermögensverwalter der UBS scheint System zu haben. Ob Schwarzgeld, Adoboli oder Libor: Die UBS köpft die Kleinen und schont die Grossen.

Gabriel Castello wird zum Paradebeispiel für diese UBS-Kultur. Statt als hoher Chef Verantwortung für die Schwarzgeld-Ära zu übernehmen, fuhr er im Karrierelift nach oben.

Castello, 49, wurde als Länder-Chef der spanischen Caixa gross in Frankreich. 2007, als das Schwarzgeld-Business in den USA „heiss“ wurde, machte ihn die UBS zu ihrem CEO für Frankreich.

Sofort legte sich Castello ins Zeug. Aber nicht im Sinne von Aufräumen.

„In the next ten years no less than 50,000 French SMEs with between ten and 250 employees will have to cope with a problem of succession“, sagte er in einem Interview Anfang 2008. Dafür stehe die UBS bereit.

Wenige Monate später, als die USA die UBS im Schwarzgeld-Schwitzkasten hatten, verabschiedete sich Castello bereits wieder von der operativen Bühne, blieb aber VR-Präsident von UBS France.

Das kommt im offiziellen CV von Castello nicht vor, dort wird der VR-Präsidentenjob ab 2008 verschwiegen.

Die UBS lässt denn auch auf Anfrage durchblicken, dass Castello als Spitzenmanager im Markt Frankreich lediglich mit Aufräumarbeiten beschäftigt gewesen sei. Er sei unbefleckt und nur einige Monate zuständig gewesen.

Insider sprechen von einer anderen Rolle. Castello sei in der entscheidenden Phase, als die UBS in Amerika bereits am „Auffliegen“ war, in Frankreich am Drücker gewesen, zuerst als CEO, dann als Präsident.

Damit wäre Castello mitten in der Schusslinie. Die französischen Ermittler untersuchen nämlich die Zeitspanne von 2004 bis 2012.

Doch laut UBS habe es keine einzige Befragung Castellos durch die Frankreich-Strafhörden gegeben. Er sei nie auf dem Radarschirm aufgetaucht.

Vielleicht, weil es Castello mit Hilfe seiner Oberchefs in der Bank gelang, sich geschickt aus der Gefahrenzone zu manövrieren.

Castello wurde nach seiner Frankreichzeit plötzlich neuer Lateinamerikachef. Die Leute staunten. Weder hatte Castello Kunden aus der Region, noch galt er als Kenner des Markts.

Unter seiner Führung geschahen eigentümliche Personalien. Eine ganze Familiencrew der brasilianischen Grossbank Itau konnte sich im Brasilien-Offshore-Geschäft der UBS einnisten.

Ein sogenannter Itau-Star, der mit Pauken und Fanfaren zur UBS gewechselt hatte, holte zunächst seinen Cousin und wollte dann auch noch seinen Vater zur führenden Vermögensverwalterin bringen.

Die Sippe übernahm das Kommando im Brasilien-Geschäft. Gestandene Schweizer, die seit Jahren aus Zürich heraus das grosse Lateinamerika-Land betreuten, wurden verdrängt oder mussten gehen.

Chef Castello, der nun weg vom französischen Schuss war, wo die Schlinge um den UBS-Hals sich allmählich zuzog, blieb risikofreudig.

Im 2010 sah er eine grosse Opportunität mit einer Ex-CS-Beraterin. S., eine attraktive Deutsch-Brasilianerin, hatte Kunden mit 1 Milliarde Vermögen.

Nur ein Problem gab es: Ein Grossteil lag auf einem Nummernkonto. Es war wohl schwarz. Unversteuert.

Was tun? Für Castello damals kein Problem. Man müsse halt Wege finden, diese Frau mit ihren viel versprechenden Kundengeldern so an Land zu ziehen, damit keine Lampen aufleuchten würden.

Die Episode zeigt, dass Castello noch zu einem späten Zeitpunkt, als die Schweiz den USA längst Tausende von Schwarzgeld-Kunden offenlegte, wenig Hemmungen mit riskanten Geldern hatte.

Seiner Karriere war dies nur förderlich. Im 2013 wurde Castello ins Group Managing Board der UBS gewählt.

Die dort versammelten gut 100 Topmanager verdienen bis zum Vierfahren ihrer Kollegen auf der Stufe Managing Director.

Doch es wurde noch besser. 2015 erhielt Castello den Markt Europa im Internationalen Wealth Management der UBS, der Vorzeigedivision der Bank, unter Jakob Stott.

Sie muss nun die Transformation hinkriegen: Reiche Europäer sollen ihre neuerdings versteuerten Vermögen auf die Buchungsplattform Schweiz bringen.

Damit hat Castello seine eigene Transformation beendet.

Vom Nummernkonto-Saulus zum Weissgeld-Paulus.

Kommentare

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  1. in der UBS Frankreich „affaire“ müsste man noch weiter zurückgehen: – so gibt es auch noch einen damals als UBS Managing Director Frankreich, zuständigen Pierre Paris der heute Partner bei seiner eigenen Genfer Privatbank ist und die dicken Fische dort zu verwalten sucht. Aber wie immer, die armen Aktionäre (unsere Pensionskassen!!!!) zahlen die Zeche – für das Fehlverhalten der UBS Manager!

  2. Es ist zwar zutreffend, dass Gabriel Castello kurz CEO von UBS (France )SA war. Leider ist der Rest frei erfunden, denn C. war nie für das offshore-Geschäft mit französischen Kunden verantwortlich. Warum Sie als scheinbar Allwissender dem wahren, damals Verantwortlichen für Western Europe in Ihren Kolumnen Schonung angedeihen lassen, ist zumindest für Kenner der Szene unerklärlich. Auch ist es wohl nicht so abwegig, dass nach dem Abgang von Martin Liechti ein Kandidat – Gabriel Castello – mit entsprechenden Sprachkenntnissen für das Geschäft mit Lateinamerika gewählt wurde.

    • Entschuldigen Sie meine Frage aber Spanisch und Portugiesisch sind doch 2 paar Schuhe oder? Und Portugiesisch aus Portugal und Portugiesisch aus Brasilien sind auch wieder 2 paar Schuhe oder?
      (BTW: Sie müssen die Antworten nicht liefern ich spreche Portugiesisch aus Brasilien und weiss wo von ich spreche.) Das Problem liegt wohl eher in der Gewaltentrennung. Einige MDR’s haben so grosse Machtbereiche und Marketareas (teilweise auch Sinnlose Konstellation wie z.B. Osteuropa und Frankreich und Spanien. Mann muss kein Mackie-, BCG-, usw. Star-Berater sein um zu sehen dass dies schlicht und ergreifend einfach nur dumm ist. Interessant finde ich auch noch das dies Top MDR’s bei solchen Vergehen auch wenn nicht von Ihnen verursacht nicht konsequent zurücktreten. Es sieht danach aus als wären die UBS und CS zu Selbstbedienungsläden für MDR’s verkommen. Also wenn ich ich was verbocke, muss ich dafür grade-stehen. Oder wenn einer meiner Angestellten was verbockt dann muss ich auch dafür grade-stehen. Bei der UBS und CS… Fehlanzeige. Oder sehe ich das falsch? Zudem was für ein Signal wird den MA geliefert? Also ich bin mehr als nur enttäuscht über solches ein Gebaren.

  3. ..Whistleblower von Grossbank bedrängt..
    Im franz. Text steht: ..wollten ihn zum Schweigen bringen.. (voulu faire taire)
    Das ist starker Tobak: Erinnert an die Mafia, welche Zeugen einschüchtert, bedroht und auch mal überfährt.

  4. Well nice news as usual. Maybe all the employees should consider finding a job outside of banking. All this negative news. Seems that banking has become something like a not quite fully comliant organization.

  5. Ist doch schön, wie Sie richtig bemerken, auch die Bibel berichtet von solchen Geschichten. Paulus machte dann viele Reisen und legte so einen Grundstock für die abendländische Geschichte. Wenn diese Story stimmt, kann man das wohl hier nicht behaupten. Auf diese Weise werden eher die Grundpfeiler des Gemeinwesens eingerissen.Aber ein Teil der Bewohner der Teppichetagen in der Finanzindustrie fühlt sich diesem gar nicht mehr zugehörig bzw. verpflichtet.