Lage wird kritisch für EY-Chef Marcel Stalder

Nach Abgang von Freund und Talent-Verantwortlichem springt langjähriger, wichtiger Partner ab – Was plant Global-CEO?

Bei der Ernst&Young Schweiz bleibt kein Stein auf dem anderen. Am Freitag erfuhren die rund 2’500 hiesigen Mitarbeiter der globalen Beratungsfirma, dass einer ihrer obersten Chefs per sofort das Büro geräumt hat.

Heute folgt bereits ein nächster zentraler Abgang. Es handelt sich um Heinrich Christen, ein Urgestein von EY, der den Bereich „Familiy Business“ leitet und verantwortlich ist für die bekannte Preisverleihung „EY Entrepreneur Of The Year“.

Diese hat es zu grosser Bekanntheit gebracht. Christen zählt entsprechend zu den besonders wichtigen und zentralen Partnern von EY Schweiz.

Dass Christen nun von Bord springt, ist ein weiterer Schlag für EY-Chef Marcel Stalder. Der „CEO“ Schweiz, wie er sich nennt, kämpft um seine Stellung und sein Ansehen.

Stalder hat die EY in seiner zweijährigen Regentschaft statt auf die Überholspur auf die Verliererstrasse gebracht.

Er ist zwar oft in den Medien, insbesondere in den Blättern von Ringier, wo sein guter Bekannter Marc Walder das Sagen hat.

Doch umgekehrt proportional zu den Glamour-Auftritten im Scheinwerferlicht und in den Hochglanz-Magazinen des grossen Medienhauses im Zürcher Seefeld entwickelte sich das Geschäft von EY Schweiz unter Stalder.

Dieses wuchs deutlich langsamer als jenes der drei wichtigsten Konkurrenten. Auch die Zukunft verspricht wenig Gutes. Das Revisionsmandat der CS ging soeben an die PwC.

Statt sich ums Geschäft zu kümmern, muss Stalder nun eine Affäre um Sexual Harassment bewältigen. Dabei geht es zunehmend um Fragen an ihn selbst.

Laut Quellen war Stalder bei einem Fall, der inzwischen „explodiert“ ist, am Ende der damaligen internen Untersuchung ins Bild gesetzt worden. Trifft das zu, so half Stalder mit, dass es keine ersthaften Konsequenzen gegeben hatte. Zu Recht?

Das Verhalten der letzten 2 Monaten deutet auf Anderes hin. Als der Fall an die Öffentlichkeit kam, wählte Stalder den Rundumschlag. Er griff zu Medienzäsur und zu Klagen vor Handelsgericht. Wer so reagiert, hat in der Regel kein gutes Gefühl.

Bei Stalder lautet somit die Frage nicht mehr nur, was er rund um die Vorwürfe zu Belästigungen einer jungen Frau vor 2 Jahren gewusst hatte und was er damals unternahm oder nicht.

Fast noch zentraler scheint zu sein, wie offen er in den vergangenen Wochen, seit der Fall auf dem Tisch liegt, seine Vorgesetzten informiert hat.

Es könnte sein, dass Stalder alles in der Welt versuchte, die Affäre im engen Kreis zu behalten, damit ihm selbst ja nichts passieren würde. Das würde zumindest seine Reaktion mit den Klagen erklären.

Nachdem nun seine Vorgesetzten – wohl aus eigenen Karriereüberlegungen – am Freitag durchgriffen, muss sich weisen, ob sich Stalder im Amt halten kann.

Er trägt die letzte Verantwortung für die Kultur bei EY Schweiz. Reichen die Probleme tiefer, als dies bei einem Einzelfall zuträfe, so müsste er sich erklären.

Der heutige Abgang des hochrangigen Partners Christen könnte die Lage für Stalder verschärfen; je nachdem, wie dieser Absprung ganz oben bei EY, in New York, eingeschätzt wird. Dort dürfte man inzwischen nicht mehr amüsiert sein über die Entwicklungen am Fusse des Zürcher Prime Towers.

Kommentare

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  1. Die Lage wird nicht kritisch für den Stalder, sie ist auch nicht kritisch, sein Abgang ist völlig klar.
    Völlig ausgeschlossen, dass ein Länderchef einer Big4 nach einem solchen Fall im Amt bleiben kann.
    Und mit „Fall“ meine ich nicht das Harassment, sondern das amateurhafte Krisenmanagement.

  2. Der Stalder ist an seiner Arroganz gescheitert. Wer ernsthaft glaubt, er könne im Jahre 2018 einen MeToo-Fall mit Angriffen auf einen Journalisten vom Kaliber eines Lukas Hässig gewinnen, der leidet doch unter Realitätsverlust!
    Der Mann hat doch zu viel Mad Men geschaut!
    Jede Wette, dass Stalder innerhalb der nächsten 3 Monaten EY verlassen muss?

  3. NUR DAMIT ES JEDER WEISS (Oder zensieren Sie das?): HERR HÄSSIG HAT DIE VORINSTANZ GEGEN EY VERLOREN!!!!!

    Mit solchen News sind Sie zurückhaltend, was? Quelle surprise…

    • Fleischer, halt bitte einfach mal den Rand, ok?
      Dein Wirken führt nur dazu, dass noch mehr Leute zum Hässig rennen!

  4. Oh Mann.. hier werden Dinge verknüpft, die so rein gar nichts miteinander zu tun haben. Sie sind ein richtiger Verschwörungstheoretiker, Herr Hässig. Ihre Leserschaft muss wirklich extrem minderbemittelt sein, wenn jemand hier einen Zusammenhang zwischen A und B vermutet.

    • Die Verknüpfung ist die Schwächung des „CEOs“ u.a. wegen schlechtem Krisenmanagement. Wenn man einen CEO mit schlechten Resultaten dem Zeitgeist opfern kann, warum nicht? Feinde und Neider hat er sicher und vielleicht passen die auch besser in die saubere EY-Welt.

      Sag ich Mal so als Minderbemittelter.

    • Sie sehen das Falsch. Hier entschuldigen sich Fleischer und Stalder für ihre Fehler und kündigen ihren Rücktritt an! „Error (Fleischer) – Big Error (Stalder)“! Was wollen Sie denn noch mehr?

  5. Stalder ist erledigt. Er ist mit falschen Versprechungen an die Macht gekommen und nun sind seine menschlichen und fachlichen Defizite brutal an die Öffentlichkeit gekommen.
    Die Frage ist nur noch, wer übernimmt?

  6. Diesem Herrn M. Stalder von E&Y ist eben zum Verhängnis geworden, dass es einen Lukas Hässig gibt, der unschöne Dinge bei E&Y ans Tageslicht brachte, was der breit gelesene Tagi aufgriff. Jetzt ist es vorbei mit „die Affäre im engen Kreis behalten“, jetzt wissen hunderttausende davon, sie wissen, dass bei E&Y Schweiz hehre Prinzipien und Praxis nicht übereinstimmen.

  7. Stalder ist nur noch Geschichte, ein Relikt der Vergangenheit: Möglichst schnell ablösen.
    Die spannende Frage ist: Kann sich Julie noch halten? Die hätte auch besser weniger über Frauenrechte referiert, dafür mehr sich um den eigenen Laden gekümmert!

  8. Reminder: WP kurz vor Hochsaison

    Personalwechsel zu diesem Zeitpunkt sind unüblich. Es existieren meistens sogar arbeitsvertragliche Kündigungsverbote während der Wirtschaftsprüfer Hochsaison. Gleichzeitig werden dann jeweils die Aufträge für das Folgejahr eingeholt. Die Kunden sehen Personalwechsel nicht gerne.

    Ich persönlich erwarte darum wesentliche Personalwechsel erst in zwei drei Monaten.

  9. Seit 3 Jahren steht EY Schweiz auf der internen internationalen Watchliste. Grund: zu tiefe Einnahmen pro Partner. Zu hohe Kosten auch in der Schweiz.

  10. Dem ersten Anschein nach könnte man denken, dass dies so wie geschrieben ein Verlust für EY wäre. Fakt ist, dass Heinrich Christen einer derjenigen Partner war, die seit Jahren – vielleicht sogar seit über zehn Jahren – wirklich nix mehr gemacht haben. Auch keine. Umsatz brachte er dafür so viel heisse Luft, dass man an der Hardbrücke das ganze Gebäude heizen konnte. Ein verlust ist er nachweislich nicht – bottom line bringt er EY eine NettoprofitBilitätssteigerung von sicher CHF800k. Gefühlt musste er gehen, das hat Marcel Stalder definitiv gut gemacht! Übrigens muss man ihm zugestehen, dass er auch bei vielen anderen Partnern durchgegriffen hat!

    • @Watchdog: Oh ja, M.S. war im Durchgreifen schon immer ganz gross. Wie mutig und konsequent er ist und war, zeigt sich ganz besonders im aktuellen SH-Fall. Danke, selten so gelacht!

    • Dafür hat er gute, langjährige Leute (knapp vor 50) rausgeworfen und ein rücksichtslose, kariere-getriebene Frau befördert, die schon zur nächste Blume weiter sauste, um von dieser auf die Knochen zu profitieren. Wo ebenfalls vor allem Schutt und Asche zurückgeblieben ist.
      Ihr Vorteil: Enges Verhältnis mit einem hohen Finma-Mann???
      Ein Schelm, wer nach 1+1, die 2 konkludiert!
      Ein hoch auf die Beziehungen, wohl besser als fähige Führungskräfte zu fördern. Leider vor allem im Finanz-Sektor so-

    • Zuerst wird von Mietschreiberlingen systematisch auf das Opfer eingeprügelt. Und jetzt sogar noch auf „abtrünnige“, verdiente Partner. Wie kaputt ist dieses „System Stalder“ eigentlich? Als Alumni (seit 5 Jahren nicht mehr dabei) schäme ich mich dafür!
      Also wenn ich mir die Umsatzentwicklung der letzten Jahre anschaue, dann wird offensichtlich: Seit der Stalder am Ruder ist, ist das Wachstum von EY von allen Big-4 der Schweiz mit grossem Abstand das Niedrigste!
      Die Niete sitzt somit an der Spitze der Pyramide.
      Bruno, jetzt musst DU endlich durchgreifen! Jeder Tag, den der Stalder noch im Amt ist, schadet dem Guten Namen von EY!

    • @Ueli Knecht-Meister
      Nicht nur das, er hat auch weit jüngere, langjährige Leute gefeuert ohne Grund, ohne zu bedenken wie sich das auf das restliche Team auswirkt. Immer gross sagen, „never change a winning team“ aber nichts davon einheilten. Dafür hat er ja die kompetente G. (achtung Sarkasmus) befördert und was damit bei AIBD angerichtet wurde, war trotz den 1’000 Reorganisationen bisher das Schlimmste.
      Eigentlich geht einfach alles schief seit Stalder und seine Boys und G. was zu sagen haben. Auszusitzen hat es bisher gebracht, leider nun zum Schlechteren, doch wenn man lange genug wartet, wird bald wieder eine ReOrg stattfinden und dann wirds besser – denn schlimmer kanns nicht werden.
      Letzte ReOrg liegt ziemlich genau ein Jahr zurück, daher sollte es, wenn man die Vergangenheit ebtrachtet, in den nächsten 3-6 Monaten wieder eine grosse Änderung geben.
      EY Schweiz ist vieles aber nicht stabil.

  11. Echt jetzt, 2500 Mitarbeiter?! Bei ca. 500 Mio Umsatz!? Da müssen aber viele Ameisen für verhältnismässig wenig Geld krabbeln, um den Bossen ihr süsses Leben zu verschaffen.

  12. Der Christen geht?! Aber das ist doch ein Urgestein, der gefühlt mit EY eine Ehe auf Lebenszeit eingegangen ist! Und der seine Region im Griff hat.
    Wenn Christen nicht aus gesundheitlichen Geünden gehen musste (was ich nicht hoffe!), dann ist Stalder am Ende!
    Als Alumni finde ich das Verhalten von Stalder in dieser Affäre (ich hatte zu meiner Zeit in GSA nie mit ihm zu tun) sowieso verwerflich und skandalös.

  13. Vor zwei Jahren verkündete Stalder grossartig, EY werde PwC demnächst umsatzmässig überholen. In dieser Zeit ist aber PwC stärker als EY gewachsen.
    Was für ein Schaumschläger, dieser Stalder

  14. Gratulation. lieber Lukas, für die Journalisten-Auszeichnungen 2018!
    Sogar der Sonntagsblick hat dies erwähnt, allerdings nur die (auch verdienten) zweiten Plätze seines Reiches… das ist eben Pressefreiheit und „tell-the-important-things“ a la Ringier…

  15. Marcel S. ist der Einzige, der den Service am EY-Bitcoin-Automaten machen kann und daher für EYCH untentbeherlich.
    Für viel mehr reicht es beim ihm allerdings nicht…

    • Schneider-Ammann Johann hats auch versucht, hat sogar einen Award bekommen für sein Bitcoin Gestaggel als er mit unserem Heli nach St. Moritz flog.

    • Meinen Sie diese Bitcoin-Lächerlichkeit ohne irgendeine Idee dahinter, um den Eindruck zu erwecken, dass man da auch mitmischt? Meinen Sie das, wofür diese „Berater“ meinen Startup als externen Advisor mit dem vermeintlichen grossen Scheck motivieren wollten, damit wir Ihnen Ökosysteme und mögliche Business Cases erklären? Meinen Sie diese EY, von deren Seite sich über 30 Leute für eine allfällige Präsentation unsererseits vorangemeldet haben? Meinen Sie diese vermeintlichen „Spezialisten“, von denen sich dann rund 3/4 wieder abgemeldet haben, nachdem wir im Vorfeld klargestellt hatten, dass wir technische Umsetzungsfragen nicht beantworten werden?

      Wir haben dankend abgelehnt, weil wir diesen Quatsch nicht brauchen.

      Es ist immer dieselbe Masche mit diesem Schlag von Menschen: Die suchen fleissig nach Dummen im Markt, die deren Masse an unerfahrenem Staff ausbildet. Alles, was die können, ist die Ausbeutung der willigen und billigen, welche auf die grosse Karriere hofft. Im Prinzip ist das aber nur ein Verleih von Zeitarbeitern wie bei einem x-beliebigen Personalvermittler. Ist einfach hübscher verpackt, um eine höhere Marge zu erzielen. Das Verständnis von Strategie und Innovation ist aber in etwa identisch und strebt nicht gegen 5, 4 oder 3, sondern eher gegen Null. Völlig überschätzt. Die vielen Talente dort sollten besser anderswo anheuern, wo sie noch richtiges Handwerk lernen und nicht durch solche Wertbilder nachhaltig fehlgeleitet werden…