Ermotti entgeht Weko-Strafe: Mit Selbstanzeige

Laut Zeitungsbericht büsst helvetische Wettbewerbsbehörde Ami- und England-Banken in Devisenbetrug – UBS frei, CS kämpft.

Zero Tolerance, verkündete Sergio Ermotti nach seiner Wahl zum UBS-Chef vor 8 Jahren. Null-Toleranz gab es dann für Ermottis Devisenhändler, als 2013 Betrugsvorwürfe aufkamen.

Nun ist Zahltag. Die UBS entgeht einer Strafe der eidgenössischen Wettbewerbskommission, wie die Financial Times heute berichtet.

Die Weko würde vier Auslandbanken büssen: JP Morgan, Citigroup, Barclays, Royal Bank of Scotland.

Total 90 Millionen Franken betrage das Bussgeld, so die Zeitung. Das Urteil erfolge noch diese Wochen. Die Credit Suisse als ebenfalls untersuchte Bank zeige sich kämpferisch, sie sehe sich unschuldig.

Die Rolle von Ermotti und seiner UBS sind bemerkenswert. Die Bank war in den USA zum notorischen Übeltäter geworden.

Als nach Schwarzgeld und Libor im 2013 auch noch bei den Devisen Tricks zum Vorschein kamen, ergriff die UBS die letzte Chance.

Engel Sergio: IP

Sie zeigte sich selbst an und offerierte sich als Kronzeugin für die Untersuchungen der Behörden. Ein Schachzug der Extraklasse. Die Bank entging Bussen, die aufhorchen lassen.

In Europa hätte die UBS gegen 300 Millionen Franken zahlen müssen. Sie kam kürzlich mit null davon – unbegrenzte Kooperation mit den Ermittlern sei Dank.

Die NZZ nannte die UBS „Kronzeugin“. Die Zeche zahlten jene Banken, denen ein Deal verwehrt blieb; eine Kronzeugin genügte den Behörden. Sie mussten über 1 Milliarde Euro auf den Tisch blättern.

In der Schweiz folgt nun der nächste Freispruch. Die Weko lässt die UBS laut Financial Times springen.

Freikaufen, könnte man dies nennen. Pragmatische Lösungssuche, würde Ermotti es nennen.

Gänzlich ungeschoren kam die Bank nicht davon. Im 2014 zahlte sie insgesamt gegen 800 Millionen Franken. Im Gegenzug konnte sie sich mit den Aufsichtsbehörden in der Schweiz, in England und in Amerika einigen.

Der Devisenfall zeigt, wie die UBS vorgeht, wenn sie ihre Chancen als gering einschätzt. Sie entlässt subalterne Mitarbeiter und wirft sich Behörden an die Brust. Die Mitarbeiter wurden von der Aufsicht bestraft.

Sie wehrten sich – und erhielten vor dem Richter recht. Die UBS wehrt sich auch, wenn sie gute Chancen sieht. So wie im Pariser Steuerprozess. Dort denkt sie, sie würde gewinnen.

Kommentare

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  1. Offenbar hat das Jammern, der Bundesrat helfe nicht, etwas genützt, wenn auch indirekt.
    Institutionalisiertes Whistleblowing erfolgt zur Recht straffrei.

    Dies bei der UBS.

    Dagegen steht in der freien Schweiz das private Whistleblowing noch immer unter Strafe.

    Wozu wählen wir eigentlich noch Politiker??

  2. #FINanzMArktmafia #CreditSuisse

    Ordentliches Verfahren gegen CS – Die Credit Suisse hat sich mit der Weko nicht geeinigt. Die Untersuchung gegen die Grossbank wird im ordentlichen Verfahren weitergeführt.
    Die Ermittlungen gegen Julius Bär und die Zürcher Kantonalbank wurden dagegen eingestellt.
    Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig und kann noch an das Bundesverwaltungsgericht weitergezogen werden.

    Man beachte die Untätigkeit der #FINMA gegen die zwei Kartelle, gegen die involvierten Banken und Personen!

    Anscheinend steht einmal mehr der Schutz des #FinanzplatzSchweiz über allen Machenschaften und dies unter dem Strich zu Lasten der Geschädigten!

  3. Banken werden gebüsst, bezahlen müssen dies logischerweise die (kleinen) Kunden, warum aber keiner der hochbezahlten Entscheidungsträger jemals sich verantworten muss interessiert kaum, warum auch immer.

    • Die „kleinen“ Kunden bezahlen wenig bis gar nichts; würdest du einen klaren Blick auf die Aktienkursentwicklung von beinahe sämtlichen Finanzinstituten werfen, würde dir möglicherweise ein kleine Licht aufgehen, wer da schlussendlich draufzahlt!

    • Der allwissende Suppenmario, ein vermutlich bezahlter 20min Kommentarschreiber der …. oder einfach ein, ist.

  4. Im Gegensatz zum Fall Frankreich hat UBS in dieser Sache sehr clever gehandelt. Was ich nicht verstehe ist die Inkonsistenz im Umgang mit Rechtsfällen:
    . in kleinen Angelegenheiten sehr durchdacht!
    . bei grossen Problemen vollkommen idiotisch und fahrlässig.

    Woran liegt das? Sind unterschiedliche Leute für die Entscheide im Umgang mit kleinen vs. grossen Fällen verantwortlich?

    • und doch zeigt der fall wie verwerflich die ubs handelte! nichts von ‚unschuldig‘, man konnte sich einfach unter fragwürdigen umständen unter einen schutzschild retten. ein schutzschild der übrigens von der politik gespannt wurde.

      wenn man dies nun auf frankreich abbildet und davon ausgehen kann, dass die staatsanwaltschaft genügend beweismittel zusammengetragen hat, dürfte es für die ubs eng werden. hier kann wohl ceo ermotti noch lange beteuern, es handle sich um ein politisches urteil. mitnichten, gerade profitiert die ubs im heimatland von politischem schutz.