Raiffeisens Immo-Portal: Stecker gezogen

Vor 4 Jahren gross angekündigt, jetzt bereits offline – Partnerin Homegate wollte nicht mehr – Null Info an Kunden.

Die Aufregung am Paradeplatz kommt der Raiffeisen-Gruppe zupass. Niemand spricht mehr von der Genossenschaftsbank. Dabei passiert auch in St.Gallen wenig Erbauliches.

So zog die Bank soeben ihrer Webseite casa.raiffeisen.ch den Stecker. Dort erscheint nur noch eine dürre Meldung über das Ende des eigenen Immobilienportals.

„Der Immobilienmarktplatz RaiffeisenCasa, powered by homegate.ch wurde per 18.09.2019 abgeschaltet“, heisst es.

Kunden, die auf der Webseite landen, sind überrascht. Von der Raiffeisen haben sie nichts von der Einstellung des Angebots erfahren.

Eine Sprecherin der Raiffeisen Schweiz zeigt auf die Partnerin. „Homegate hat aufgrund einer strategischen Neuausrichtung entschieden, zukünftig Dienstleistungen nur noch unter der eigenen Marke anzubieten.“

Chronik eines schnellen Tods: Raiffeisens Immobilien-Portal (RCH)

Bei Homegate, an der die Tamedia 90 und die Zürcher Kantonalbank 10 Prozent halten, liess man eine Email-Anfrage zunächst unbeantwortet.

Die Raiffeisen betont, dass Immobilien-Informationen im Digital-Raum wichtig bleiben würden.

„RaiffeisenCasa wird weiterhin die relevanten Kundenbedürfnisse im Bereich Wohnen auf dem Online-Portal abdecken“, meinte die Sprecherin.

Eine Ende mit Knall – den alle am liebsten möglichst still verhallen lassen möchten.

Kein Wunder. Die zwei Partner hatten ihr Vorhaben im 2015 mit Pauken und Trompeten in die Welt hinausposaunt.

„Raiffeisen lanciert neuen Immobilien-Marktplatz ‚casa.raiffeisen.ch’“, verkündete Homegate im Dezember 2015.

Das führende Immobilien-Portal des Landes zeichnete die Zusammenarbeit miit der grossen Raiffeisen damals in leuchtenden Farben.

„In Zusammenarbeit mit homegate.ch lanciert Raiffeisen ihren eigenen Immobilien-Marktplatz ‚casa.raiffeisen.ch‘. Besitzer privater Immobilien können gratis Verkaufsinserate platzieren.

„Weitere Services sind im Jahr 2016 geplant, die ‚casa.raiffeisen.ch‘ mit spezifischem Raiffeisen-Know-how aufwerten werden.“

Es blieb bei den schönen Worten. Offenbar hielt sich das Interesse am Immobilienportal der Raiffeisen, gespiesen von Homegate mit den Inseraten ihrer Kunden, in Grenzen.

Das White Labelling, wie man diese Form von Zusammenarbeit im Banking oft nennt, wenn ein Angebot eines Zulieferers unter dem eigenen Namen vertrieben wird, ging nicht durch die Decke.

Nun wirtschaftet wieder jeder für sich selbst. Und die Raiffeisen, die mit ihren Hypotheken die absolute Nummer 1 im Land ist, muss weiter schauen, wie sie mit einem eigenen Immo-Portal auf Touren kommt.

Thank God It’s Credit Suisse, bleibt den Genossenschafts-Chefs zu sagen, nachdem ihre Affäre mit dem Ex-CEO und dessen Strafverfahren im letzten Jahr nonstop Schlagzeilen geliefert hatte.

Kommentare

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  1. Das gehört zum Geschäftsalltag Herr Hässig: Ab und zu versucht man etwas Neues, wenn es nicht funktioniert hört man damit auf. Das ist Unternehmertum!

  2. Ich habe meine Eigentumswohnung 2018 durch Raiffeisen Casa verkauft und war über die Leistung sehr enttäuscht die geboten wurde.Dies war kein Ausngeschild der Raiffeisenbank (außer Kosten nichts gewesen)

    • Konntest du deine Wohnung 2018 verkaufen oder nicht? Also, wo liegt das Problem?

      Oder wurden deine überrissenen Preisvorstellungen etwa nicht erreicht?

    • Ich bin mit der Arbeit der Raiffeisen Immo-Spezialisten sehr zufrieden. Im ersten Schritt erhielt ich 3 verschiedene Schätzungen, diese wurden durch die Bank vor Ort zusätzlich „verifiziert“. Danach wurden tolle Fotos sowie ein 360 Grad Rundgang erstellt und das Inserat auf verschiedenen Plattformen publiziert. Da nur im Erfolgsfall Kosten entstanden sind, habe ich das gerne bezahlt, da der Preis ebenfalls für alle Beteiligten gut war.

  3. Grandioser Luki,
    dachte Raiffeisen habe ein Avaloq Waterloo? Nichts funktioniere? Man müsste alles stoppen? Und jetzt, ein bzw. zwei Jahre danach?

    • Es funktioniert auch nicht. Frag mal bei den RBs. Performance und Workflows sind eine teure Katastrophe. Die RB halten sich nur zurück, um in der Öffentlichkeit nicht wieder in den Fokus zu geraten. Intern brodelt es.

    • @ @Holdi: ACS läuft viel besser als jemals erwartet. Die Kreditprozesse müssen noch optimiert werden, aber ansonsten sehr stabil!

    • Ich bin
      Enttäuscht
      von
      Der
      Spitze
      Und
      Management
      Bei
      Raiffeisen

      Die
      Genossenschaftsbanken
      In den Dörfern
      Und Städten
      machen einen
      guten
      Job!

  4. Wer sind nun die Bösen? HOMEGATE!!!
    Eine Sprecherin der Raiffeisen Schweiz zeigt auf die Partnerin. „Homegate hat aufgrund einer strategischen Neuausrichtung entschieden, zukünftig Dienstleistungen nur noch unter der eigenen Marke anzubieten.“

    • Weil die Zusammenarbeit mit Raiffeisen eben äusserst mühsam und am Ende zu teuer für Homegate war. Kein guter Partner diese Raiffeisen. Weit weg von Win/Win. Die Versprechungen von Raiffeisen, wie sie Homegate gross machen wollen, waren von Anfang an überzogen.

    • @ Elias: Wer wollte wen gross machen? Sie haben da wohl etwas falsch verstanden! Homegate ist Markführerin.
      Homegate hat Raiffeisen falsche Versprechen gemacht.

  5. Ein weiteres Projekt, das auf dem Digitalisierungsfriedhof landet. Von denen gibt es viel und wird es noch viel mehr geben. Irgendwann wird es auch dem Management bewusst, dass die Digitalisierung ihr Potential (insbesondere an der Kundenschnittstelle nie wirklich ausschöpfen kann). Bin froh wenn dieser Hype abklingt und man sich auf die wirklich wichtigen Themen fokussieren kann (gibt es auch im Bereich Digitalisierung).

  6. Aber letztes Jahr haben doch alle über die Raiffeisenbank gesprochen und geschrieben. Die hatten doch ihre 5 min in den Medien.
    Dieses Jahr ist natürlich credit suisse dran mit TT & co.
    Welche Affäre kommt nächstes Jahr? 🤔

    • Raiffeisen hat einfach auf die Schnelle eine eigens zurechtgebastelte Insellösung aufgeschalten. Ist doch klar, dass man bei schlechtem Geschäftsgang versucht den Kuchen nicht mehr mit anderen zu teilen. Raiffeisen hat letztes Jahr doch deswegen auch eigene Immobilienmakler angestellt und eine Tochterfirma gegründet. Grosse Träume bei den RB = grosse Abhängigkeit vom Immobiliengeschäft.

    • @RBler: Unter Profis nennt sich das die Wertschöpfungskette verlängern. Das Geschäft läuft so gut, dass nicht genügend Leute eingestellt werden können! Unglaublich aber wahr!

      Und RaiffeisenCasa ist nicht eine Insellösung die schnell aufgeschaltet wurde, sondern die Master-Lösung 🙂

    • @Ostschweizer

      Mitten in einen saftigen Alpendiskus!
      Auch Sankt Gülle genannt …

      PS: Wie geht es eigentlich dem Olm S. Dahl?

  7. Für mich von Anfang an unverständlich, warum Raiffeisen neben Homegate etwas eigenes lanciert hat. An Homegate kommt man einfach nicht mehr vorbei – so einfach ist das.

    • Raiffeisen hat ja nichts eigenes kreiert, sondern die White Label Lösung von Homegate genutzt. Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
      Homegate muss kostenlos werden, sonst gehen die ein.