KPMG verliert Raiffeisen, schmeisst Juniors raus

Revisionsfirma unterlag gegen EY und PWC, obwohl sie extra über 40 Talente geholt hatte. Nun landet ein Dutzend auf Strasse.

Die KPMG wollte sich hinter der PWC als klare Nummer 2 im Schweizer Beratungs- und Revisionsmarkt etablieren.

Nun gehts in die andere Richtung. KPMG schmeisst ein gutes Dutzend junger Leute auf die Strasse. Diese fingen erst vor kurzem bei der Firma an. Die Entlassung trifft sie mitten in der Corona-Krise.

Die KPMG bestätigt die Entlassungen. Sie begründet sie nicht mit dem Virus-Schock und der immer grösseren Wirtschaftskrise.

Sondern mit fehlender Leistung. Das sagt KPMG nicht direkt, aber zwischen den Zeilen. So teilte ein Sprecher gestern auf Anfrage schriftlich mit:

„Bei den Abgängen, die vermutlich Auslöser Ihrer Anfrage waren, handelt es sich um Einzelfälle auf Junior-Stufe, wie sie im Rahmen der Bewirtschaftung unserer Kundenmandate völlig normal sind und im Zuge unserer regulären, wiederkehrenden Analyse der Mitarbeiterportfolios vorgenommen werden.“

Sprich: Up or Out. Wer nicht passt, der fliegt.

Ein Insider widerspricht. Die betroffenen Juniors hätten von ihren Vorgesetzten Top-Qualifikationen erhalten. „Sie wurden gelobt“, meint der Gesprächspartner. „Jetzt plötzlich sollen sie nicht genügen? Das geht nicht auf.“

Tatsächlich ist die KPMG im Rennen ums Revisionsmandat bei der Raiffeisengruppe ausgeschieden – gegen EY und PWC.

Die langjährige Raiffeisen-Prüferin PWC hat trotz Vincenz-Skandal offenbar noch Chancen. Laut einer Sprecherin entscheidet die Bank an ihrer Generalversammlung.

Auch bei der Zürcher Familienbank Vontobel ist die KPMG offenbar nicht zum Handkuss gekommen.

Zuvor hatte sie bereits die CS als zentrale Audit-Kundin verloren. Bei der Post steht die KPMG wegen 200’000 Betrugs-Buchungen bei Tochter Postauto im Visier. Auch dort droht das Ausscheiden.

Fürs Raiffeisen- und Vontobel-Rennen hatte der Chef für Banken und Versicherungen bei der KPMG extra ein kleines Heer von Junioren und Assistenten an Bord geholt. Die meisten kamen frisch ab der Hochschul-Presse.

Diese wurden monatelang zu überschaubaren Löhnen und mit langen Arbeitstagen eingesetzt, um bei Raiffeisen und Vontobel obenauszuschwingen.

Jetzt, da beide Mandate bei der Konkurrenz landen, fliegt ein rechter Teil dieser jungen Leute auf die Strasse. Statt ihnen zu sagen, man müsse sparen, gibt die KPMG als Grund an, die Jungen hätten die in sie gesetzte Hoffnung nicht erfüllt.

Kommentare

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  1. Die GL, intern auch „boys club“ genannt, sorgt in erster Linie für sich selbst. So konnte beispielsweise der COO trotz vieler Alarmzeichen während mehr als 5 Jahren Millionen für ein neues ERP verbuttern, das nie zustande gekommen ist, ohne dass er zur Rechenschaft gezogen wurde (bis man das Scheitern gegenüber der Belegschaft nicht mehr vertuschen konnte). Kein Wunder, muss man nun beim Personal sparen…

  2. Also, zwei Sachen sind schockierend hier:
    – KPMG stellt junge Leute ein und kündigt sobald der Auftrag verloren wurde
    – Es wird dann noch behauptet, die wären „Unterperformer“. Ernsthaft?

    Wie brutal und schamlos muss man denn sein, um so was durchzuziehen. Mann könnte diese Mitarbeiter woanders einsetzen oder zumindest die „Ei** haben“ ehrlich zu sagen was Sache ist. Aber dann noch auf dem Markt zu behaupten, dass es „Unterperformer“ wären, ist das Letzte… Somit hätten diese Leute keine Chance auf dem Arbeitsmarkt… Nicht fair. Gut, dass die ganze Sache durch InsideParadePlatz ans Licht kam.

    Mein Rat an die Betroffenen geht bitte in die Industrie, zu den Banken und zur Konkurrenz und zeigt diesen arroganten A****l******* bei KPMG wie gut Ihr seid!!! Aber bitte nie vergessen, wie diese Firma sich verhalten hat. Wie man sagt alles passiert zum Besten, zumindest hattet ihr nur kurze Zeit in so einer Firma mit dem miserablen Management verbraucht. Es wird leider kurzfristig sehr hart für Euch sein, aber langfristig hoffentlich wird’s gut enden.

    Und die jetzigen Kunden von KPMG sollten sich evtl. Gedanken machen, ob man mit solch einer unethischen Firma Geschäfte machen möchte. Man sollte m.E. schon ein Zeichen setzen, dass solch ein Verhalten absolut inakzeptabel ist. Es gibt ja regelmässige Meetings bzw. (jetzt) Telefonate, sprecht doch Eure KPMG-Kontakte auf dieses Thema ein. Ich bin mal gespannt, ob dann eine ehrliche Antwort kommt. Das hätte ich auch in der Geschäftsbeziehung berücksichtigt…

  3. Ja, der FS Leader ist ein seriöser Schaffer. Sympathisch und Leader ist anders. Hatte schon als Senior Manager typische Big4 Sprüche drauf, und es gab nur up oder out. Also kein Bedauern, dass sein Lohn sinkt. Sein Vorgänger war noch ein grösserer Aufschneider. Entweder man verstand sich mit ihm (keine Widerrede) oder man wurde geschnitten.

  4. Das ist nicht das erste Mal bei KPMG. Ich kann mich erinnern, dass bereits ca. 2003/04 optimiert wurde. Dann wurde auch vor einiger Zeit bei zu teuren Senior Manager und Directors der Lohn angepasst. Wer für KPMG arbeitet ist selber schuld. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich nur die Juniorenjahre als WP gearbeitet habe. Ich würde lieber in der Migros jetzt Büchsen auffüllen als für KPMG arbeiten (und das meine ich ernst).

  5. Es wurde ja auch Leuten gekündigt, die gerade erst vor 3 Wochen einen Vertrag bekommen hatten und noch nie einen Fuss in die KPMG Büros gesetzt hatten ausser zum Vorstellungsgespräch.
    KPMG Schweiz ist eine Losertruppe und das Ganze eine Panikaktion. Die sind auf der Spirale nach unten.

  6. Was erwarten die an überragenden Leistungen von einem Team aus Junioren? Wer kam auf die völlig verblödete Idee für diese Pitches total unerfahrene Absolventen zu nehmen? 🤦‍♀️

    Solch einer Beratungsfirma würde ich auch kein Mandat geben.

  7. Seit bei EY der Stalder nicht mehr „wirkt“ ist das Business für die Konkurrenz härter geworden.
    Völlig unangemessen ist aber, dass man die Juniors zuerst raus wirft. Eigentlich sollten die Partner Verantwortung übernehmen.

  8. Ich kann bestätigen, dass das so ist und es werden noch weitere folgen. Gleichzeitig werden den Kadermitarbeitenden hohe Boni ausbezahlt…

  9. Ja, aus eigener, leidvoller Erfahrung kann ich bestätigen, dass Big4’s wirklich miserable Arbeitgeber sind.

    Inkompetenz, Narzissmus, Überheblichkeit, veraltete Prozesse und Systeme … nicht mal bei Banken findet mann das in der Dichte, wie bei Big4s.

  10. Ich war dort über zehn Jahre Partner und durfte oder musste einiges miterleben. In dieser Firma ist so richtig der Wurm drin. Anhand des Beispiels KPMG kann definitiv bestätigt werden, dass der Fisch am Kopf zu stinken beginnt. Das Management, und dem Management sehr nahestehende Personen (zusammen intern genannt als „The blue rats“) kümmert gar nichts ausser ihr eigener Geldbeutel – und sie bereichern sich wirklich schamlos! Was aber besonders bedenklich ist, ist dass sie einfach nix auf die Reihe kriegen, nicht geeint sind und jeder nur für sich schaut – zuvorderst der FS-„Leader“, der ständig nur damit prahlt, wie gut er den Präsidenten der Nationalbank kenne etc. Dass er da auch noch eine Teilschuld den Juniors in die Schuhe schiebt überrascht Insider nicht – typische KPMG Kultur (die übrigens auch vom CEO sehr stark geprägt wird, auch wenn der mehr durch seine Abwesenheit durch Langlauf- und Biketrainings glänzt als mit sonst etwas). Ich kann nur allen empfehlen „Finger weg von dieser Firma“!

    • War auch mal bei der Firma und im Umfeld vom Herrn Leiter Banken gearbeitet. Ein Musterbeispiel eines bornierten, selbstherrlichen “old white man”. Immer überheblich, immer alles besser wissen. So was von boomer. Und wie der Vorredner sagt: Egoistisch und eigennützig. Teamwork: Fehlanzeige. Dazu kommen noch die ganzen Taschenspielertricks auf den Mandaten. Es geht vor allem ums eigene Geld. Und wenn die Partner unter sich sind, dann sind sie die Grössten. Aber ihren Kunden kriechen sie in den Allerwertesten – nonstop. Und machen alles mit; Hauptsache man behält das Prüfmandat. Siehe GAM, siehe FIFA, siehe Postauto, siehe was auch immer. Immer die gleichen irgendwo dabei wo rappelt im Karton.

  11. #Skandalfirmen #BIG4 . . . und der Skandal wäre noch grösser, wenn nicht noch Organe von Seiten Aufsichtsbehörden und Politik vor Strafverfolgung geschützt würden!

    • Werden dort auch Keylogger benutzt, um in die Bildschirminhalte der Mitarbeitenden einzusehen und die Freisprecheinrichtung der Telefone, um deren Gespräche zu belauschen?

  12. Nun ja, wer mit Hochschulabgängern frisch von der Presse so komplexe Mandate wie Raiffeisen und Vontobel gewinnen will, hat das Revisionsgeschäft nicht verstanden. Da kann man den Juniors keinen Vorwurf machen, aber eigentlich müsste KPMG den Leiter Banken entlassen. Er trägt die Verantwortung für den Misserfolg.

  13. Es ist ein absoluter Skandal! Den Leuten wird gekündigt, weil die Seniors und Manager absolut unfähig sind. Da gibts Leute, welche das ganze ziemlich persönlich nehmen.

  14. Nicht neu 🤨; trotz sehr guten Leistungen den Job verloren; das erleben 40- und ü50-jährige täglich! Die Ursachen dafür liegen woanders 🧐

    • Wo?
      Nein WOOOOOOOO DENN?
      Grosser Seher : Bitte sprich zu uns!
      Bitte benenne die Ursachen!
      Bzw. Zähle 3 plausible Gründe HIER auf:
      1.
      2.
      3.

      Okay? Ich bin einfach so froh um facts und TACHELES, anstelle von Andeutungen, welche jedermann wissen sollte (impliziert in deinen Sätzen, Seher!)
      Warte für einmal gespannt… Und danke natürlich. Für die Mitarbeit. Für IHR Engagement. Dafür, dass sich nun auch SEHER, SPÄHER, WOHLWISSENDE UND FURZTANNEN ALL IHR Innerstes AUSSPRECHEN DÜRFEN. TROTZ ALLEM…
      WE ARE THE WORLD… WE ARE THE…
      OK SEHER : ANTWORTEN?
      ICH WÜNSCH SIE DIR.
      Nun?

  15. Nun, die geldgierigen KPMG-Partner sind nicht lernfähig. Da hilft nur eins, liebe Kunden: Schreibt euere Mandate am Markt aus. Meine börsenkotierte Gesellschaft konnte im Vergleich zu EY -40% Prüfhonorar pro Jahr sparen. Und wir sind mit EY äusserst zufrieden!

    • Da muss man sich aber auch fragen, wie kann ein Unternehmen 40% weniger Honorar kompensieren. Alle Firmen müssen ständig die Offerten reduzieren und neue günstigere Lieferwege finden. Bauern erhalten für trotz gleichbleibender Tätigkeit und Aufwand z.B. für Milch immer weniger Rappen. Sie müssen sich dem Druck der Wirtschaftsmächte stelle. Und bei EY ist es genauso. Sie spart an der Qualität und Anzahl des Personals. Manager müssen oft ausbaden was Junior und Senior nicht leisten oder einfach zeitlich nicht leisten können. Naja, und da ist ja noch Indien. EY lagert alles aus was geht und mehr, egal wie effizient es ist. Nur weil EY für den Kunden 40% weniger Honorar erhält heisst es nicht das etwas bei der Marge davon übrig bleibt. Vermutlich geht EY eher mit einem Minus raus, aber es ist wichtig viele und namenhafte Kunden zu haben. Aber lange wird EY dies so nicht mehr durchziehen können und dann kommt der crash…

  16. Die guten Leute haben das sinkende KPMG Schiff schon lange verlassen. Ein paar hat man kurzfristig mit Beförderungen und einer Hand voll CHF zurückgehalten oder zurückgeholt. Jetzt haben wir, zumindest im FSI Audit, ein Duopol. Ich wage mal die Prognose, dass das duale Aufsichtsytem bald Geschichte ist.

  17. „ Diese wurden monatelang zu überschaubaren Löhnen und mit langen Arbeitstagen eingesetzt„

    🤣🤣🤣. Selber schuld

  18. Eine der schlechtesten Arbeitgeberinnen die man sich denken kann…aber dann wiederum empfehle ich niemandem zu einer wirtschaftsprüfungskanzlei zu gehen, da wird man nur ausgenutzt, das ist hinlänglich bekannt…

  19. Stellvertretendes Beispiel der Finanz- und Beraterbranche: Mehrheitlich dort abteitende Menschen haben selische Defizite und sind in Krisenzeiten total überfordert.

  20. Klingt brutal: Aber besser arbeitslos als für eine Big4 tätig.
    Besonders fies ist der Verweis auf „Leistung“, also das Nachtreten.
    Es ist offensichtlich, dass es KPMG gerade nicht läuft: Steht verdammt nochmal dazu und schlägt nicht auf die Mitarbeiter ein!

    • Stimmt, für ihre Gesund und das weitere Glück ist der Rausschmiss ein Segen. Habe vor über 10 Jahren gekündigt und bereue es nie😊.

    • Völlig korrekt. Es ist eine gute, aber physisch sowie psychisch teure Ausbildung. Ich bereue keinen Tag weg zu sein und nicht mehr 60+ Stunden leisten zu müssen, damit der Partner im Jahrestakt einen neuen 911er Turbo kauft.

  21. Der Leiter Banken bei KPMG scheint kein glückliches Händchen zu haben. Erst hilft er der GAM beim Tricksen mit den Büchern; jetzt gibts kein neues Bankenmandat. Ein Schelm wer sich was dabei denkt…

    • Nee, der sieht sich als Genie. Um die „kleinen“ hat er sich auch in besseren Zeiten keine Gedanken gemacht.

    • Und nicht nur der. Der andere Kopf und deren Handlanger COO sind auch nicht besser. Aber Hauptsache sie lächeln alle schön in die Kamera.

    • Ich kenne diesen Oberboss zufällig. Er ist sehr integer und kein Rock-Jäger, wie die meisten in solch Positionen.
      Zudem sollte man ihn nicht für Statements der zentralen Pressestelle verantwortlich machen, denn möglicherweise hatte er nicht mal Kenntnis davon. Bin mir sicher, er hätte das sensibler und besser hingekriegt.
      Ich hätte bei Risiken auf junge Mitarbeiter verteilt, weil die weniger Familie im Fokus haben und worst case (bei Mandats-Verlust) eher wieder was neues finden.
      Abschullzeugnisse wären wichtiger, zu beurteilen.

  22. Das ist doch jetzt einfach der Nachhall vom Postauto-Skandal. Die Firma hat sich ihre Reputation zerstört, bekommt keine Aufträge mehr und muss Leute entlassen, was ja meistens die Juniors zuerst trifft. In einer Marktwirtschaft normal, mit Corona hat das gar nichts zu tun…