CS Big im Schiffs-Business: Wie getroffen?

International Wealth Management, von Iqbal Khan mit viel Kredit gross gemacht, leidet unter gefährdeten Trade-Finanzierungen.

Die Credit Suisse ist jene Schweizer Bank, die seit ihrer Gründung da ist fürs Finanzieren von weltweiten Geschäften. Deshalb ihr Name.

Kein Wunder, ist die CS besonders aktiv in Businesses, die global sind – und nun in der Pandemie-Krise oft besonders hart getroffen werden.

So die Schifffahrt, und dort jene im Frachtgeschäft. Da gehört die CS zu den Grossen, wenn es um Finanzierungen geht.

Nun sollen einige der Reedereien Mühe bekunden, ihre Kredite zu bedienen. Die Rede ist von Stundungen.

Die Banken, darunter die CS, sind nicht happy. „Es wurde die Beschlagnahmung von Schiffen geprüft“, sagt eine Auskunftsperson.

Die CS wollte sich nicht konkret zur Schifffahrt äussern, welche im Bereich International Wealth Management (IWM) angesiedelt ist.

Alte Kähne, stolzes Business – bis jetzt (Shipspotting.com)

Eine Sprecherin betonte aber auf eine Anfrage hin, dass es „keine Pläne für ein Umstrukturierungsprogramm im IWM“ geben würde.

Das IWM hat in den letzten Jahren einen steilen Anstieg hinter sich. Gewinn, verwaltete Kundenvermögen, Marktanteile: Alles ging hoch.

Basis dafür war die Befeuerung mit Krediten der Bank. Leverage nennt man das im Banking. Die Wetten der Kunden werden vergrössert durch Kredite der Bank.

Mit dem Vorgehen machte sich Iqbal Khan einen Namen. Der Leiter des IWM der CS galt als Überflieger.

Vor Jahresfrist sprang er ab, heute leitet er das globale Private Banking der Nummer eins, zusammen mit einem Amerikaner.

Zurück bleibt ein IWM, in dem Risiken schlummern. So wie die Schifffahrt.

In ihrem Jahresbericht 2019 hält die CS dazu fest:

„In der Division International Wealth Management war die Erhöhung der Wertberichtigung für Kreditverluste in Höhe von CHF 48 Mio. vor allem auf gestiegene Rückstellungen in den Bereichen Schiffsfinanzierung, Lombardkredite und europäische Hypotheken zurückzuführen, teilweise kompensiert durch Rückgänge in der Exportfinanzierung.“

Das Geschäft mit den grossen Reedereien und ihren Öl- und sonstigen -Frachtern kam schon 2019 unter Druck.

„Der Wandel der USA zu einer protektionistischeren Aussenhandelspolitik und die Ungewissheit im Hinblick auf das globale BIP-Wachstum wirkten sich weiterhin auf den weltweiten Handel und die Schifffahrtsmärkte aus“, steht im Geschäftsbericht.

Und weiter: „Während des Grossteils des Jahres 2019 zeigte sich die Branche sehr volatil und die Erträge und Werte reagierten äusserst empfindlich auf Veränderungen von Angebot und Nachfrage. Im vierten Quartal 2019 waren jedoch einige Verbesserungen zu verzeichnen.“

„Allerdings wirkte sich die die Ausbreitung von COVID-19 im ersten Quartal negativ auf die Erträge und Werte im Schifffahrtssektor aus.“

Kurzfristig schossen die Tankerpreise hoch. Als niemand mehr Öl wollte und die Lager am Land überquollen, stritten sich die Akteure um jeden Lagerraum in Schiffsrümpfen.

Was in der Jahresrechnung 2019 der CS besonders ins Auge sticht ist, dass das Risiko für Kredite und Investitionen in der Division International Wealth Management schon vor Corona in die Höhe schoss.

In Asien und im Investment Banking hingegen ging es zurück, während die Swiss Universal Bank ebenfalls einen Anstieg der Risiken auswies, dieser aber weniger stark war als jener im IWM.

Nun ist die globale Wirtschaft nach unten gerasselt, die ganze Transportbranche leidet, Schiffe stehen still. Und die CS ist hier mittendrin.

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Kommentare

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  1. Dass das Schiffsbusiness einer der Hauptertragspfeiler der CS ist, sollte weitherum bekannt sein. Aus diesem Grund ziert auch Segel das CS Logo.

  2. Deer Pakistani wird der UBS noch viel Schaden anrichten – die Aktionäre werden sich eines Tages die Augen reiben!

  3. Das Criminal investigation team der UBS ist voll von ex Polizisten. Die sind viel besser beim Ueberwachen. Die Ueberwachen auch diese Seite, samt Kommentare. Ich denke, dass alles Ok wird. Und die Kreditstrategie funktioniert ja auch nur wegen der Gier de Kunden. Manchmal leider auch, wegen des blinden Vertrauen der Kunden.

  4. Bei der CS geht es nur um Millionen in den eigenen Sack stecken, siehe TT und UR, alles andere interessiert nicht.

  5. Was hat das Kreditgeschäft im Wealth Management zu suchen? Nichts! Ausser dem klassischen Lombardkredit, sollte keine Bank das Private Vermögen eines Kunden mit dem kommerziellen Kreditgeschäft vermischen. Kopfschütteln kann man zudem nur darüber, dass sich die Geschichte immer wiederholen muss. Schiffsfinanzierungen sind nun doch wirklich schon seit Jahrzehnten für Desaster bekannt. Logisch, dass es für die CS einfach war, solche Geschäfte an Land zu ziehen. Die meisten internationalen Banken und Investoren haben sich mit Schiffs- und Flugzeug-Finanzierungen schon gewaltig die Finger verbrannt und überlassen dieses Geschäft lieber der gutgläubigen und CS und ihren jungen erfolgshungrigen Manager. Es Ist eine alte Weisheit, wenn etwas „too good to be true“ ist, dann sollte man übervorsichtig sein.
    Dass bei der CS aber im WM auch Exportfinanzierungen abgewickelt wurden, bezweifle ich schwer. Das wäre fahrlässig. Für diese Kreditform braucht es nämlich Sach- und Fachkenntnisse, welche im WM nicht vorhanden sind.

  6. Wird impliziert, dass dem IWM durch Tanker-Charterpreise (sogennanter Timecharter) ein möglicher Verlust wiederfahren ist? Die Referenzsätze für Supertanker sind seit der Coronakrise von 10’000 USD/Tag auf 40’000 USD/Tag gestiegen. Im März wurden Spitzen bis 264’000 USD/Tag (!!!) beobachtet dank der Speicherknappheit für Rohöl. Die Tanker stehen still weil sie als schwimmende Speicher gebraucht werden, Reedereien mit der richtigen Flotte verdienen sich gerade ein goldenes Näschen… Bitte in Zukunft ein bisschen besser recherchieren…

  7. Interessiert mich leider nicht, möchte nur wissen ob/wänn ich wieder normal arbeiten kann! Fokus Lukas, Fokus!

  8. Das ist wieder einmal typisch – die hochgelobten Super-Banker verlassen das sinkende Schiff rechtzeitig um an anderen Wirkungsstätten weitere Schiffbrüche in die Wege zu leiten und die Obrigkeit schaut wie immer tatenlos zu. Ausbaden können es wieder die normalen Leute infolge weiterem Personalabbau!

  9. Das stimmt nicht so ganz. Im Gegenteil konnte man in der letzten Zeit mit Aktien aus der Tankerbranche viel Geld verdienen. Wegen der gestiegenen Nachfrage nach Lagerplätzen fürs Rohöl wurden die Tanker-Gesellschaften (FRO, TK, TNK)mit gestiegenen Einnahmen direkt überschüttet. Zugegeben, die Bilanzen sind ein Horror für jeden Buchhalter aber in der Spitze konnte man sein Kapital innerhalb von drei bis vier Wochen verdoppeln.

  10. Es würde nicht erstaunen, wenn Khan die UBS, mit seinen gepushten Kreditvergaben, in ein ähnliches Fahrwasser führen würde.
    Nicht zu vergessen, der derzeitige Wirtschaftsabschwung und die vielen bekannten und noch unbekannten Prozessrisiken die weltweit noch auf die beiden Grossbanken CS und UBS warten!!

  11. DEBIT SUISSE

    Der Name – Change ist gerade dabei sich am Markt sich zu etablieren.

    Verwaltungsrat und Top Management werden ohne ihr Zutun die ankommende Pleite (Aktienkurs CHF 1.00) am eigenen Leibe erfahren müssen.

    Die seit den 90er-Jahren andauernde Pleite-Welle wird das Haus niemals überstehen. Dafür braucht es weder Astrologen, Geologen noch Oekonomen.

  12. Da fehlt noch ein Name. John Häfelfinger ging (nach dem ultra-kurzen Gastspiel bei der UBS) just von Bord, als die „Schifflibank“ das erste Mal von Iqbal Khan näher betrachtet und als wertvoller Teil von IWM erkannt wurde. Dass das Schiffsgeschäft ohne Oligarchen und Superreiche aus Staaten mit fragwürdiger Rechtsstaatlichkeit nicht zu betreiben ist, war aber schon lange davor klar. Die kläglich gescheiterten Versuche der Private Banker, mit Private-Plane- und Yacht-Finance den UHNW-Markt weiter zu beackern, haben schon vor der Ära Khan davon gezeugt. Khan hat dieses Geschäftsmodell nur auf eine neue Ebene gezogen, das Konstrukt ist viel älter und hat nichts mehr mit der Schiffshypothekenbank für die Rheinschiffart mehr zu tun, da geht es schon lange nicht mehr um „Corporate Banking“ im eigentlichen Sinn. Ein weiterer Beweis dafür, dass eine Strukturbereinigung bei den Grossbanken mehr als überfällig ist.

    • Ah ja stimmt: Griechenland und Singapur sind wirklich Staaten die für solches bekannt sind. Zuerst Hirn einschalten, denken und dann Tasten drücken – nur so als Tip.

    • Dass Zypern und Singapur Drehscheiben für Geldwäscherei sind, dürfte jedem klar sein, der nur einmal eine Bank von innen gesehen hat. Und dass hochpreisige Investitionsgüter (Schiffe!) mit entsprechender Volatilität bei den Preisen für „Parallel-Investitionen“ äusserst gut geeignet sind liegt auch auf der Hand…

  13. IWM hatte die tiefsten Rückstellungen im Q1 vs alle anderen Divisionen. So falsch kann es nicht sein. Well done Team IWM

    • Uiii, der Einäugige vergleicht sich mit den Blinden, da ist er natürlich zufrieden.
      Es steht durchs Band schlecht um die CS. Die UBS hatte mal einen gewaltigen Zwang, um einigermassen aufzuräumen.
      Die CS nicht, sie ist im freien Fall.

  14. Iqbal Khan hat die Risiken bei CS leider deutlich hochgefahren – Jetzt macht er das gleiche Spiel bei UBS.

    Es ist erstaunlich auf was für Managertypen UBS heute setzt.

  15. die Strategieteams hätten wohl eher auf Investments in ÖlTanker setzten sollen, die jetzt – vollgepumpt bis auf den letzten Barrel – von einem Hafen zum nächsten über unsere Weltmeere schiffen und nirgends Abnehmer für ihr schwarzes „Gold“ finden.

  16. „Tanker stehen still“… Dann versuchen sie heute mal einen Öltanker zu chartern. Fast nicht mehr möglich. Die werden gerade als „floating storage“ eingesetzt. Die Trader haben sich mit Öl zum Tiefstpreis eingedeckt und warten auf steigende Preise. Die Charter-Preise bei Tankern haben sich in den letzten 2 Wochen vervierfacht.

  17. Tanker stehen still. Dann versuchen sie heute mal einen Öltanker zu chartern. Fast nicht mehr möglich. Die werden gerade als „floating storage“ eingesetzt. Die Trader haben sich mit Öl zum Tiefstpreis eingedeckt und warten auf steigende Preise. Die Charter-Preise bei Tankern haben sich in den letzten 2 Wochen vervierfacht.

    • Gar nicht gewusst dass bei Clarksons auch Deutschschweizer arbeiten!

  18. Die CS hat mir Mario Béhé den wohl erfahrensten Shipping Banker weltweit an Bord. Dieser hat schon mehr als eine Krise der Schifffahrt miterlebt und die Bank erfolgreich durch diese Phasen manövriert. Wenn eine Bank in diesem Geschäft tätig ist und zu den Weltmarkt-Leadern gehört, dann ist es wohl schon so, dass sie in einem konjunkturellen Abschwung auch auf die Sicherheiten zurückgreifen muss. Wäre wohl so wie wenn man die CS in den Blog bringen würde, weil sie ein Haus zum Verkauf bringt, bei welchem der Pfandgeber die Hypothekarzinsen oder die Amortisation nicht bezahlte. Zeigt meines Erachtens, dass das Geschäft bei der CS besichert ist. PS. mehr als 90% aller Güter weltweit werden auf Schiffen transportiert.

    • Frägt sich, wie die nicht mehr benützten Container-Schiffe mit ihren hohen Betriebskosten, die vor Singapur auf dem Meer herumlümmeln, von gewissen Banken noch finanziert wurden. Die sind alle nach der Auskunft eines Schiffsmaklers aus Hamburg zum Untergang verurteilt und wer sie besitzt und wer sie kreditiert hat, kommt nicht mehr aus dem Schlammassel heraus.