Mirabaud im Venezuela-Sumpf, Genf am Zittern

Chef Aeschlimann dementiert Kunden aus Korruptionsland, dann muss Bank diese eingestehen. Auch CBH, Gonet in Skandalen.

Die Mirabaud gehört zum Genfer Dreigestirn. Pictet, Lombard, dann Mirabaud. Man ist stolz auf die lange Geschichte mit Gründung 1819.

201 Jahre später gerät die Mirabaud ausgerechnet in jenen Sumpf, der zu den grössten rund um Geldwäscherei und Korruption von Regimes und Potentaten zählt: Venezuela.

Was die Genfer im explosiven Fall derzeit aufführen, lässt die Frage aufkommen, ob man den Aussagen ihrer Spitzen trauen kann.

In einem Interview mit Finews meinte Mirabaud-Senior-Partner Lionel Aeschlimann vor 2 Wochen auf die Frage, ob die Bank „any Venezuelan clients at all“ habe: „No“. Punkt.

Es vergingen nur 10 Tage, dann meldete Finews mit Bezug auf US-Gerichtsakten rund um das Geständnis eines Venezuela-Geschäftsmann 180 Grad Anderes.

Man habe „a very limited number of ‚old‘ (historic) clients of Venezuelan nationality“; dies, nachdem die Mirabaud im US-Prozessfall aufgeleuchtet war.

Der Sprecher betonte gegenüber dem Finanzmedium, dass die Privatbank „vor mehreren Jahren“ entschieden habe, keine neuen Venezuela-Kunden bei sich aufzunehmen.

Stimmt wenigstens diese Aussage? Auch da tauchen Fragezeichen auf, wie aus einem Bericht der NZZ von Ende 2018 hervorgeht.

Die Zeitung beleuchtete damals im Detail die tiefe Verstrickung der Zürcher Julius Bär mit Venezuela-Kunden und deren Geldwäscherei.

Bei einem dieser Kunden handelte es sich um Raul Gorrin, ein Geschäftsmann aus dem mausarmen Land, das von der Regierung ausgenommen wird.

Gorrin hat ein Anwaltspatent und ist gross im Mediengeschäft. Er wird wegen Geldwäscherei im grossen Stil gejagt.

Zweistellig von Zürich nach Genf (NZZ)

Gorrin war Kunde bei der Julius Bär, bei der mehrere Kundenberater mit Venezuela-Klienten grosse Boni generierten. Die Berater landeten vor US-Richtern.

„Im Mai 2018 löste sich Bär von Gorrín“, schrieb die NZZ vor 2 Jahren. „Wenige Monate später, am 20. November, wurde er von den US-Behörden wegen Verschwörung zur Geldwäscherei im Fall PDVSA angeklagt.“

Und dann kommts: „Eine inoffizielle Liste zeigt weitere Banken, mit denen Raúl Gorrín eine Kundenbeziehung gehabt haben soll. So soll Gorrín im Mai dieses Jahres einen zweistelligen Millionenbetrag von der Bank Bär an die Genfer Privatbank Mirabaud überwiesen haben.“

Mirabaud wollte sich laut der NZZ nicht dazu äussern, die Bank habe aber hervorgestrichen, dass „kein Enforcement-Verfahren“ gegen sie laufe.

Der Zeitpunkt des behaupteten Wechsels von Venzuela-Unternehmer Gorrin von der Bär zur Mirabaud ist heikel. Im Jahr 2018 leuchteten rund um Geldwäscherei und Korruption von Regierungsleuten und Chefs der staatlichen Ölfirma PDVSA sämtliche Lampen grell auf.

Laut einer Quelle stimmen die Aussagen der NZZ von damals. Das würde heissen, dass die Mirabaud-Chefs zu einem Zeitpunkt, als Venezuela im Geldgeschäft längst als toxisch galt, einen der prominentesten und umstrittensten dieser Kunden entweder bei sich aufgenommen hat.

Oder, falls Gorrin schon Kunde war bei den Genfern, diesem erlaubt hätten, noch mehr Geld zu sich zu transferieren.

Bei der Mirabaud gabs keine neuen Auskünfte auf Fragen zum damaligen NZZ-Artikel. Die Bank ist inzwischen in weitere Stürme geraten, so rund um 100 Millionen Dollar vom Saudischen König an den Ex-König von Spanien.

Das Geld von Don Carlos wurde der Mirabaud im 2012 zu heiss, als der Spanien-König mit einer Affäre und einer Elefantenjagd in Afrika für Schlagzeilen sorgte.

Mirabaud überwies die 100 Millionen vom Scheich respektive Don Carlos auf ein Konto der Bank Gonet in der Karibik, das der einstigen Geliebten des Ex-Monarchen gehörte.

Gonet hat ihren Sitz in Genf. Die Bank taucht in einem weiteren stark beachteten Fall auf: jenem des Mexikaners Emilio Lozoya.

Es handelt sich um den Chef des staatlichen mexikanischen Ölkonzerns Pemex. Lozoya wurde vor Jahresfrist via Interpol zur Verhaftung ausgeschrieben, wie der Tages-Anzeiger damals berichtete.

„Die Familie Lozoya soll hinter mehreren Firmen auf den britischen Jungferninseln stehen, die Konten bei der Genfer Privatbank Gonet & Cie. besitzen“, meldete die Zeitung.

CBH 21 Mal erwähnt (Miami Herald)

Und noch eine dritte Genfer Privatbank sorgt für wenig erspriessliche Neuigkeiten aus der Rhone-Stadt: die CBH, ausgeschrieben Compagnie Bancaire Helvetique.

Zusammen mit der Zürcher EFG taucht die CBH prominent rund um Geldwäscherei mit der Venezuela-Elite auf, wie der Miami Herald Anfang Jahr in einer langen Reportage vermeldete.

Die Zeitung legte dabei einen Fokus auf einen Ex-Banker der CBH.

„The Swiss banker in the middle of the alleged money-laundering scheme: Charles Henry De Beaumont, who was employed by Compagnie Bancaire Helvetique until 2012 and later became an independent asset manager conducting transactions with his former bank and others, according to law enforcement and legal sources familiar with the U.S. Investigation.“

Gegenüber dem Herald dementierte die CBH jegliches Fehlverhalten. „For avoidance of doubt, CBH does not and has never engaged in or facilitated money laundering or any other unlawful banking transactions.“

Und weiter: „CBH has always fully complied with all applicable laws and regulations that govern its business and has always maintained rigorous internal anti-money-laundering safeguards and controls to identify and prevent unlawful transactions, as repeatedly confirmed and approved by outside auditors. … If Mr. De Beaumont has engaged in money laundering activities as alleged, CBH has no knowledge of those activities.“

Mirabaud, Gonet, CBH: Der Genfer Bankenplatz ist im Begriff, von den grossen Geldwäscherei-Skandalen in Lateinamerika erschüttert zu werden.

Kommentare

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  1. Per Definition ist es unmöglich, dass sozialistische oder kommunistische Regierungen wie die in Venezuela korrupt sind oder das Land plündern. Ausgeschlossen. Sozialisten und Kommunisten sind gute Menschen, die anderen Helfen und sich ganz besonders für die Schwächeren einsetzen. Die Genfer Banken haben nichts zu befürchten. Sozialistisches Geld ist immer gutes Geld.

  2. https://infodio.com/091119/us/department/justice/luis/oberto/anselmi

    PDVSA officials wired the loan payments through Banco Espirito Santo to the brothers’ various Swiss accounts between 2012 and 2014, sources familiar with the U.S. investigation said. (Espirito Santo, Portugal’s biggest bank, collapsed in 2014 amid allegations of fraud and money laundering. Espirito Santo operated a branch in downtown Miami that is now known as Brickell Bank.)

  3. Hat denn hier irgendwer gedacht das es keine Venezuela Kunden in Genf hat?
    CS, HSBC, PKB, JB UBS, Pictet (Bahamas), LODH (Panama), … Glen ore , Trafigura und die vielen EAM zB ex Clariden haben doch alle in den gleichen Marriott Hotles in Venezuela gelebt, gesoffen und ge… und dabei überall in Bar bezahlt um schön günstig zu feiern. Nebenbei konnte man kurz noch Im Business Center die Konto Statements herunterladen die M. Vergessen hatte zu löschen. Freitags 16:00 waren dann alle Banker in der American Airlines Lounge um vía Madrid nach ZRH oder Genf zu fliegen zu den Ehefrauen. Jede noch so Kleine Bank wollte oder hatte Venezuela Berater .
    Am Montag drauf dann schnell ins Büro Aida DHL warten mit den neuen Konto Eröffnungen. Und ganz wichtig!!! Die Spesen Abrechnung !! Denn die billigen Bolivar konnte man dann zum offiziellen Wechselkurs vermehren und schon hatte man 2-3 tausend verdienen. Konsquenz: Die Parties waren umsonst!!! Was für ein geiles Land !! Traurig aber so ist es Herr Mirabaud ich hatte nie Venezuela Kunden!

    • Ha ha ha!!! Warum sollten sie?
      Ein guter Freund von mir meinte einmal, als er von der Abschaffung des Bankgeheimnisses und der fast gleichzeitigen Unterzeichnung von FATCA hörte: „Well, the americans are certainly not in the business of destroying their own business!“
      Die sind nicht so doof wie die Schweizer, die erst eine Parteiverräterin im EFD akzeptieren und diese dann auch noch zur Schweizerin des Jahres küren…
      Und wer noch immer glaubt, EWS habe damit nichts zu tun, der glaubt sicher auch an die 3.3% Arbeitslosen im Land oder an die 8-10’000 Einwanderer seit der PFZ.
      Weiterträumen im Alpenidyll!

  4. Warten wir doch mal ab, bis neben Mirabaud, Gonet und CBH auch Pictet dank des Wirkens von Boris Collardi und seinen ex-Bär-Kumpanen in den Fokus von Geldwäsche-Affären kommt.

  5. Es ist eigentlich schade, dass Insideparadeplatz nur diejenigen Artikel veröffentlich, die ihnen positiv gestimmt sind. Ist ein Artikel nicht zu ihren Gunsten, veröffentlicht sie Insideparadeplatz nie.
    Wer austeilt, sollte auch einstecken können!!!!!!

    • Aber wieso denn?

      FINMA heisst doch Fehler, Inkompetenz, Nachlässigkeit, Mängel, Ahnungslosigkeit. Oder Furchtbar inkompetente Nieten mit Amtsstatus.

  6. Wo ist Finma? CBH verachtfachte (!) Gewinn dank Venezuela

    /outtake/:
    Investigations show that the CBH Bank „multiplied eightfold since 2006“ as Venezuela customers made millions doing business with the regime and used the financial institution to hide the money. A Swiss bank keeps cropping up in Venezuela corruption cases. CBH: the Swiss bank that held millions of dollars stolen by Chavismo. A bank or „a … machine“: The CBH has become a monetary haven for dozens of Venezuelans involved in million-dollar corruption cases. U.S. prosecutors contend that CBH banker Beaumont pocketed $22 million by charging a 0.75% fee for all incoming and outgoing wires routed through CBH to the shell companies he helped set up. – Los Angeles Times. https://en.m.wikipedia.org/wiki/CBH_Bank

    https://infodio.com/21082020/compagnie/bancaire/helvetique/money/laundering

  7. Ich kann das nicht mehr lesen. Immer wieder dieselbe Story. Gibt es denn nichts Neues auf dem Finanzplatz Schweiz! Insideparadeplatz kommt jetzt auch noch hinterher wie die alte Fastnacht.
    Das zeigt mir deutlich, dass der Finanzplatz Schweiz langweilig geworden ist. Schade eigentlich, denn es gäbe interessantere und vor allem neuere Geschichten.

    • Bringen Sie doch Ihre Geschichte. Falls sie einigermassen Hand und Fuss hat, wird sie bestimmt aufgeschaltet. ‚Ned lafere, lifere‘.

  8. langsam aber sicher kommt die wahrheit
    der edlen banker in genf hervor.
    das ist erst der anfang.
    sobald dann die trust mal genauer
    hinterfragt werden, können die
    hälfte der genfer banken geschlossen
    werden. frechheit was die banken
    als erklärungen abliefern.
    die finma schaut zu und ist mit
    sich selber beschäftigt.
    in der normalen kunden welt müssen
    wir über jeden kunden peinlichst
    protokolle über jede transaktion führen.
    und beim kleinsten fehlverhalten wird
    uns mit drakonischen strafen gedroht.
    in genf interessiert das niemand.
    eine schweinerei vom feinsten

  9. Warten wir doch mal ab, wie lange es dauert, bis Pictet dank des Wirkens von Boris Collardi und seinen ex-Bär-Kumpanen neben Mirabaud, Gonet und CBH im Scheinwerferlicht von Genfer Geldwäsche-Affären auftaucht.

  10. Ganz einfach:
    Als das Europageschäft im Zuge des Bankgeheimnis Niedergangs, sich revolutionierte und entsprechend tiefere Margen und Kundengelder Abflüsse eintraten und nach wie vor ist diese Dynamik vorhanden, fokussierten sich diese Banken auf die sogenannten Emerging Markets (Latin Amerika, Middle East und Asien). Jedoch Asien ist stark umkämpft und da fehlt massiv Know How in diesen Märkten und vor allem Infrastruktur vor Ort. Middle East ist auch ein schwieriger Markt zu bearbeiten.
    Da bleibt halt der „Abfall“ der vier grossen Players zu übernehmen.
    Ist diese Strategie nachhaltig?
    Onshore….?

  11. 2020 – 1819 ergeben 201 Jahre nicht 101 .

    Habe dazu den Taschenrechner nicht gebraucht. 😂

    Mit Tradition ist heut nicht mehr zu brillieren. Carlos aus Spanien, Maduro aus Caracas und Bolsanaro aus Rio benötigen nur wasserdichte Verstecke.

    Am besten in Briefkästen in Liechtenstein 🇱🇮, in Curacao u/o Virgin Island 😳. Goldbarren im 12,5 Kilo – Format in den Swiss Alps! 🇨🇭🇨🇭🇨🇭Welcome Heidiland !

  12. Solche unappetitlichen Geschichten laufen immer nach demselben Muster ab: Dementieren, bagatellisieren, Schuld auf andere abschieben, drohen (mit superprovisorischen Verfügungen, Verleumdungsklagen etc). Welcher Anleger mit ehrlich verdientem Geld würde einer solchen Bank überhaupt noch vertrauen?

    • Keine Venezuela Kunden bei der Mirabaud? Da gibt es sogar ein Venezuela Desk Namens J. Es sind immer die gleichen Muster das Geld kommt von Banken wie Julius Bär die gewisse Kunden aus „Compliance“ Gründen nicht mehr halten könne und einen neue Bank brauchen die sogenannte Grauzone….

  13. Die Banken und die FINMA sollten sich einmal für die Bankkunden interessieren, die Zweit- und Drittpässe auf andere Namen und andere Nationalitäten haben. Die Suche wäre anspruchsvoll, aber auch vielversprechend.

  14. In Genf hats noch mehr undurchsichtige „Bänkli“ und ausländisch beherrschte FinanzBlasen….. ein interessanter Platz, gut für weitere Geschichten und Mauscheleien, die am Ende des Tages im undurchsichtigen Nebel versiegen….. das internationale Plätzli ist ein guter Nährboden um undurchsichtige Netzwerke im halblegalen politischen/gesellschaftlichen Bereich gedeihen zu lassen. So farbig die Interessenvertreter, so farbig die Auslegung der Moral! Dazu brauchts solche Banken, wie das Schmieröl im Motor.

  15. und es kommt der tag, da werden auch noch die ganzen über genf initiierten ubs-machenschaften zum thema. diesbezüglich weit mehr interessant, weil die ubs-machenschaften von seiten bundesrat und finanzmarktaufsicht finma in absprache unter den teppich gekehrt wurden.

    ein sachverhalt der die frage aufwirft, ob man da gedacht hatte, was ubs kann/darf, können/dürfen wir auch.

    nun, man lasse die korrupte finma weiter ihren fragwürdigen tätigkeiten nachgehen und die politik soll ihre oberaufsicht weiter vernachlässigen. zur beruhigung reicht ja jeweils, das eine oder andere bauernopfer zu präsentieren, am besten noch durch einen kommentar von finma-direktor mark branson unterlegt…