GAM Over?

Assetmanager blutet aus, neuer CEO kann wenig ausrichten. Das Problem ist nicht die Performance, sondern die Unsicherheit.

Ist GAM noch zu retten? Auch im dritten Quartal hat der Assetmanager mit Sitz im Zürcher Prime Tower verloren, wie er gestern bekanntmachte.

Die GAM-Fonds haben immer weniger Assets. „GAM hört nicht auf zu bluten“, titelte die Finanz und Wirtschaft.

Dabei hat GAM trotz Dauerkrise renommierte Investment-Manager, darunter Paul McNamara. Ein Star in der Branche.

Doch McNamaras Vorzeigefond hat im laufenden Jahr riesige Abflüsse. Die Kunden laufen dem Topshot davon.

Nicht weil der kein glückliches Händchen mehr hätte beim Geldanlegen. Sondern weil McNamara bei der GAM arbeitet.

Dieser vertrauen die Profis nicht mehr. Sie sehen einen Assetmanager, dessen Zukunft ungewiss ist.

Warum noch einen Rover kaufen, wenn es die Marke bald nicht mehr gibt?

So geht es GAM. Die brachte selbst in guten Zeiten nicht viel Gewicht auf die Waagschale.

„GAM hatte nie einen starken Brand“, so ein Insider.

Never give up (Sanderson, GAM)

Es brauchte stets eine Mutter. UBS, Julius Bär: Solange GAM zu diesen Bankhäusern gehörte, lief das Geschäft.

Man profitierte davon, dass die Berater der Mutterbanken ihren Kunden GAM-Fonds ins Depot legten.

Seit 11 Jahren ist GAM allein: als eigenständiges Unternehmen an der Börse kotiert. Ihre Chefs wurden mit dem Börsengang unendlich reich.

Um die Firma kümmerten sie sich nicht – oder dann schlecht. Die besten Fonds, welche GAM hatte, waren die alten von der Julius Bär.

Diese Julius Bär-Fonds landeten beim Börsengang von Ende 2009 bei der GAM, der Assetmanager bezahlte der Privatbank dafür Lizenzgebühren.

Vor ein paar Jahren ging der Deal zu Ende. Nun hiess alles nur noch GAM.

Dann explodierte der Fall um Tim Haywood. Der GAM-Manager liess sich ködern von Kunden, ohne dass die Spitze unter Ex-Chef David Solo eingriff.

Als Haywoods Kollege dies intern anzeigte, brachen alle Dämme. Seither ist GAM auf einem nicht enden wollenden Sinkflug.

Peter Sanderson, der neue CEO der GAM, sendet Durchhalteparolen aus:

„Die Anlageperformance unserer Strategien steht im Dienste unserer Kunden, und wir verzeichnen eine hohe Zahl an positiven Kundengesprächen mit einem starken Fokus auf Wachstumsmöglichkeiten.“

Eine Hoffnungs-Botschaft klingt anders. GAM kämpft ums Überleben.

Kommentare

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  1. Der einzige brauchbare Fondmanager der noch bei GAM ist: ERNST GLANZMANN

    Schaut euch mal die Performance seines GAM Japan Leaders Fund an!

    Unschlagbar. Well done Ernst!

    Liebe Gruesse aus Hong Kong

  2. In Zürich wird seit Jahren geflüstert, dass es im Londoner Fixed Income-Team von Tim Haywood nicht ganz koscher sei.

    Es scheint, dass der ARBF-Skandal um Greensill nicht das erste Abenteuer von Herrn Haywood in exotische Investitionen war.Sobald die vollständigen Fakten bekannt sind, werden die Rolle von David Solo und der Kontext des nachfolgenden Skandals klarer.

  3. Warum zitiert IP Finanz und Wirtschaft- oder spannen IP und F&W womöglich zusammen….?

    War es nicht auch die Finanz und Wirtschaft die über sehr viele Monate Stadler Rail im Vorfeld des Börsenganges- und noch danach massiv pushte als gäbe es kein Morgen?

    Als dann der Titel absackte wurde es still in diesem Käseblatt- auch schrieb F&W überhaupt keine Zeile, dass Peter Spuhler massiv eigene Aktien kaufte und kauft, um den Titel zu stützen….

    GAM und Co, alles sehr fragwürdig!

  4. Der Aktienpreis geht (für das Management; nicht aber für die Aktionäre) in die richtige Richtung. Sobald dieser noch weiter fällt, bietet sich für das Management von GAM eine nette Gelegenheit für ein sehr günstiges MBO. Nach dem erfolgten MBO wird vermutlich die „Private Label“ Einheit verkauft und mit dem Erlös kann das Management bereits einen grossen Teil ihrer MBO-Finanzierungsschulden zurückzahlen. Anschliessend reduzieren sie vermutlich die Anzahl der Fonds auf <10. Das "reduzieren" der Fonds wird durch den Verkauf von diesen stattfinden (analog GAM-Edelmetallfondsverkauf an ZKB im Juli 2019). Genialer Plan (für das Management): Sie bekommen GAM faktisch kostenlos. Das ist (englischer) Machiavellismus in aktualisierter Reinform.

    • Da könnte was drann sein!

      Übrigens, für Leute die es einfach nicht lassen können:

      Hochzeitsanzüge nach Mass gibts schon ab 600.00 Stutz…

    • Wenn ich noch bei GAM wäre würde ich mitmachen. Neben dem Japan Fonds gibt es noch ein paar weitere Perlen.
      Ob es GAM noch braucht? Wahrscheinlich nicht, aber warum alle in den gleichen Topf werfen nur weil sie eine Handvoll Topmanager in der Vergangenheit bereichert haben?

  5. 😳 es bröckelt unaufhaltsam :
    Die Spekulanten werden zahm!

    Wir sind im Baisse-Taumel :
    Verdampfen tut das Schaumel. 🤔

    ORF

  6. Für Finanz und Wirtschaft gilt- es ist ein Blatt mehr, welches nur eines kann- in die Wunden eines Unternehmens zu schlagen. Andere sagen, ein völlig überteuertes Idioten Blatt für Leute die Informationen haben wollen, welche schon Wochen bzw. Tage alt sind!

  7. Die anhaltende Präsenz von Managern, die am ARBF-Skandal von Haywood / Greensill / Gupta beteiligt sind, im Verwaltungsausschuss ist eine wichtige Abschreckung für die Aufrechterhaltung und das Wachstum des Geschäfts.

    Hinzu kommt das Damoklesschwert der Geldstrafen, das der Abschluss der FCA- und SEC-Untersuchungen mit sich bringt, und das Unternehmen wird uninvestierbar.

  8. Auffallend war, dass im Jahr 2019 soviele Leute kündigten bei GAM, darunter das halbe Communications-Team (egal, ob in Zürich oder London etc.).

  9. GAM hat kein besseres Ende verdient. Muss versuchen die von ehemaligen Leitungen abgefuehrten Gewinne vor Gericht zurueck zu holen, wird schwierig weil eine Kraehe der anderen kein Auge aushackt!