Würde Niklaus Meienberg noch leben, er wäre 86 Jahre alt. Vielleicht würde er hinter einem Rollator durch die Bahnhofstrasse schlurfen, oder er sässe mit einem Schreibblock in einem Altersheim, umgeben von Bücherstapeln.
Doch diese Bilder gibt es nicht. Mit 53 Jahren entschied sich der damals bekannteste Journalist des Landes, diese Welt zu verlassen.
In der Nacht vom 22. September 1993 nahm er sich in seiner Wohnung in Zürich-Oerlikon das Leben. Marianne Fehr schildert in ihrer Meienberg-Biografie seine letzten Minuten:
„Er zieht sich aus, schlüpft in den Trainer, nimmt ein Zäpfchen gegen das Erbrechen. Eine Handvoll Schlaftabletten schluckt er mit Rotwein hinunter. Niklaus Meienberg löscht das Licht, legt einen Watteverband um den Kopf und stülpt einen Kehrichtsack darüber.“
Damit endete ganz still ein publizistisches Leben, das die Schweiz in den 1970er- und 1980er-Jahren aufgewühlt, ja sogar verändert hat.

Die Gründe für seinen Freitod sind vielfältig. Ein Überfall, der Tod der Mutter, ein Motorradunfall und eine zerbrochene Beziehung überschatten seine letzten Lebensjahre.
Zudem löst sich mit dem Ende des Kalten Krieges die ideologische Blockstarre auf, die Meienbergs Denken und Schreiben massgeblich beeinflusste.
An die veränderten Umstände kann er sich nicht anpassen, der Golfkrieg brachte ihn in einen wahnhaften Zustand. Meienberg versuchte, sich vom Journalismus zu lösen und Richtung Schriftstellerei zu entwickeln.
In der „Geschichte der Liebe und des Liebäugelns“, schlug er neue, intime Töne an. Weggefährten erkannten darin den einstigen polternden Politbeobachter nicht wieder.
Geboren am 11. Mai 1940 in St. Gallen, hatte sich Meienberg nach dem Geschichtsstudium in Fribourg dem Journalismus zugewandt und hier grosse Pflöcke eingeschlagen.
Einerseits galt sein Interesse den Entscheidungsträgern, wie General de Gaulle, Regierungs- oder Bundesräten (besonders Kurt Furgler), andererseits trat er als „Rächer aller Verschupften“ (NZZ) in Aktion.
Auf die Leute, für die niemand eintrat, die vom Schicksal unter die Räder kamen, wollte er hinweisen. „Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.“, jüngst neu verfilmt, seine Recherchen zum Hitler-Attentäter Maurice Bavaud oder die Artikel-Serie über Armeechef Ulrich Wille brachten landesweit die Gemüter in Wallung.
Meienberg polemisierte, gleichzeitig wollte er bewundert werden. Auf Instagram hätte er heute wahrscheinlich Zehntausende von Followern.
Doch heute verwischen sich seine Spuren. Nichts erinnert vor der Eisfeldstrasse 6 in Oerlikon an den einstigen berühmten Bewohner, auch gibt es keine Grabstelle (seine Asche wurde in die Seine gestreut), ein Denkmal schon gar nicht.
Meienberg hatte sich ausdrücklich gegen jede „bürgerliche Erinnerungskultur“ ausgesprochen. Die „Meienbergstrasse“ in St. Gallen wurde dennoch realisiert, der „Niklaus Meienberg-Weg“, als Fortsetzung vom Max Frisch-Platz zum Annemarie Schwarzenbach-Weg in Oerlikon, ist jedoch seit 1996 ein blockierter Planungsbeschluss.
Meienbergs Nachlass ruht im Schweizer Literaturarchiv, etliche seiner Bücher sind noch erhältlich, doch die Zahl derer, die sich an N.M., wie er sich abkürzte, persönlich erinnern, nimmt laufend ab.
Vieles, was er damals aktuell beschrieben hat, ist inzwischen historisch geworden. Doch abgelaufene Aktualität ist kein Qualitätszerfall.
Wer dies bezweifelt, braucht nur „Heimsuchungen – ein ausschweifendes Lesebuch“ in die Hand zu nehmen. Niklaus Meienberg fehlt – auch nach 33 Jahren.
Gleiche Bilder gehören meistens zum gleichen Kommentator.
Sorry, den vermisse ich gar nicht.
Gleiche Bilder gehören meistens zum gleichen Kommentator.
Klassisches Schweizer Zersetzungs- und Mord-Opfer der geheimen faschistischen CIA/MI6/Mossad/NATO-Gladio Terror-Orgnisationen in der Schweiz. Die Welt als Wille & Wahn und den schön durchlauchten Geburtstag des alten Hochadels wurden ihm auch nie verziehen. Und so wurden viele zum Schweigen gebracht, so dass die Öffentlichkeit heute von noch mehr Anpassern und rechst-reaktionären Arschlöchern dominiert wird.
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Ich habe Niklaus Meienbergs Meinung selten geteilt. Aber ich erinnere mich gerne an seinen Schreibstil. Er war dermassen virtuos, dass ich seine Artikel oft mir Begeisterung gelesen habe. Ich habe kein Problem, mit anderen Ansichten und finde es sehr schade, dass er von den Medien gemobbt wurde.
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Der wurde von den Medien nie gemobbt sondern auf Händen getragen, weil er ein Ultralinker war.
Blochen in Assen…ein Lesegenuss…schreiben konnte er, der N.M. und der Rest ist nur Beigemüse.