Bürkliplatz – massive Bedrohung für Paradeplatz

Bundesverfassung Artikel 99 Absatz 3 besagt: „Die Schweizerische Nationalbank bildet aus ihren Erträgen ausreichende Währungsreserven…“. Bei Reserven handelt es sich ex definitione um Eigenkapital. SNB muss Eigenkapital bilden.

Kürzlich meldete die TV-Tagesschau: „Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) … stiegen nach SNB-Angaben um rund neun Milliarden auf 429,3 Milliarden Franken.“ Wie bitte?

Falsch. Die Devisenbestände sind explodiert – die Devisenreserven implodiert. Letztes Jahr fielen diese auf knapp 5 Prozent der Bilanzsumme und erholten sich seither auf rund 10 Prozent – weniger als die SNB selber von den Grossbanken verlangt.

Gemäss Tagesschau verwechselt die SNB Bestandes- und Reservekonten. Dann aber weiss sie nicht, wovon sie spricht. SNB-Chef und Professor Jordan bezeichnet zudem Banknoten fälschlicherweise als SNB-Eigen- anstatt Fremdkapital.

Jordan behauptet auch, die SNB könne sämtliche Verbindlichkeiten immer „bedienen“ – einfach Banknoten drucken. Sie habe nie Liquiditätsprobleme. „Verbindlichkeiten bedienen“ heisst aber, Schulden, also Fremdkapital, abbauen. Passivseite verkürzt.

Druckt die SNB Banknoten, so verlängert sie hingegen das Fremdkapital auf ihrer Passivseite – die Schulden werden dadurch nicht „bedient“ oder verkleinert, sondern vergrössert. Passivseite verlängert.

Als die SNB im August vergangenen Jahres die Giroguthaben der Geschäftsbanken innert zweier Wochen von 30 auf 200 Milliarden erhöhte, sagte der Sprecher der Tagesschau: „Die Nationalbank erhöht die Guthaben bei den Geschäftsbanken.“

Korrekt hätte die Meldung lauten sollen: „Die Nationalbank erhöht ihre Schulden bei den Geschäftsbanken.“ Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB sind Kredite der Banken an die SNB – nicht umgekehrt.

In seiner Stellungnahme zur Motion der SVP bezüglich Verschuldungsgrenze der SNB verwechselt auch der Bundesrat die Währungsbestände mit den Währungsreserven und behauptet, die SNB könne nie zahlungsunfähig werden.

Er übersieht, dass Schulden nur durch Vermögen (Aktiven) beglichen werden können – nicht durch zusätzliche Schulden (Passiven). So kommt die Exekutive zum fatalen Schluss, das Eigenkapital der SNB dürfe negativ werden. Sie missachtet unsere Verfassung.

Fällt der Euro, so fällt das Vermögen der SNB. Sie wird zahlungsunfähig, kann ihre Schulden nicht mehr „bedienen“. Ihr Eigenkapital wird negativ. Das ist verfassungswidrig.

Wird das Eigenkapital der SNB negativ, so müssen die Banken ihre Kredite an die SNB entsprechend abschreiben. Das ist vergleichbar mit einem Immobilienkredit, der teilweise abzuschreiben ist, wenn der Wert der Immobilie unter den Wert des Kredites fällt.

Negatives Eigenkapital der SNB überträgt sich eins zu eins auf das Eigenkapital der Banken und frisst dieses weg. Fällt das Eigenkapital der SNB beispielsweise auf minus 50 oder minus 100 Milliarden, müssen die Kredit gewährenden Geschäftsbanken diesen Betrag abschreiben.

Das wird dazu führen, dass viele Geschäftsbanken nun ihrerseits negatives Eigenkapital aufweisen und deshalb ihre Bilanz deponieren müssen. Viel klüger wäre es, die SNB würde selbst ihre Bilanz deponieren, damit sich keine Kettenreaktion auf die Banken überträgt.

Falls die SNB jedoch ihre Bilanz nicht deponiert, wie sie das tun müsste, werden die Bankaktien ins Bodenlose fallen und die Banken Konkurs gehen. Bankangestellte werden massenweise entlassen. Aufschrei am Paradeplatz – taube Ohren am Bürkliplatz.

Bei negativem Eigenkapital muss die SNB ihre Bilanz deponieren; sie darf ihre Gläubiger – die Geschäftsbanken – nicht unterschiedlich bevorzugen. Sie behauptet, sie könne dieser Situation ausweichen und einfach Noten drucken. Eine Illusion.

Banknoten, die nicht durch Eigenkapital der SNB gedeckt sind, müssen entsprechend abgeschrieben werden. Ein Novum in der Geschichte der Buchhaltung in Franken – genauso wie negatives Eigenkapital der SNB.

Wenn die Banken kein Buchgeld, sondern Hunderte Milliarden Bargeld besitzen, werden Banküberweisungen mit Buchgeld unmöglich. Löhne, Rechnungen müssten mit Bargeld bezahlt werden. Unsere Wirtschaft würde zusammenbrechen.

Banknoten haben nur einen Nutzen bei kleinen Geldbeträgen, nicht bei Hunderten von Milliarden. Ihr Nutzen wäre geringer als der Nutzen von Buchgeld. Sie müssten deshalb tiefer bewertet werden – auf Kosten des Eigenkapitals der Banken.

Die SNB müsste „1-Milliarde-Franken“ Banknoten drucken. Erinnerungen an die deutsche Hyperinflation werden wach. Die deutsche Kriegsschuld wurde über die Notenpresse finanziert. Eine hohe, aber begrenzte Schuld.

Unsere SNB will aber „unbegrenzt“ Euros kaufen. Dadurch vergrössert sie unsere Staatsschuld und das Verlustrisiko „unbegrenzt“. Dafür will sie „unbegrenzt“ Banknoten drucken. Sie riskiert eine „unbegrenzte“, noch schlimmere Hyperinflation.

Griechen, Italiener und Spanier wollen keine Franken-Banknoten. Deshalb haben sie in Geldanlagen qualitativ hochstehender Schweizer Banken investiert. Zuerst werden diese ausgeblutet.

Kauft die SNB Devisen wie bisher, besitzen wir in zehn Jahren mindestens 5 Billionen. Fällt bis dann der Euro um weitere 60 Rappen (nicht unrealistisch), steigen unsere Schulden auf über zwei Billionen – ca. 300‘000 Franken pro Kopf.

Bankrott der Schweiz. Aus diesem Dilemma gäbe es nur einen Ausweg: Bundesrat und SNB müssten den Beitritt der Schweiz zur EU anstreben und einen Kurs von 1.20 aushandeln, damit die SNB ihre Schulden bezahlen kann.

„Normalerweise“ müsste der Bundesrat bei Beitrittsverhandlungen einen hohen Franken- bzw. tiefen Eurokurs aushandeln – die Schweiz möglichst „teuer verkaufen“. Wegen den Schulden der SNB bleibt nur: „Schweiz zu 1.20 verscherbeln.“

Wenn die SNB ihre Kursuntergrenze nicht sofort aufgibt, droht entweder der Konkurs der Banken und der gesamten Schweiz oder der Beitritt der Schweiz zur EU zu einem Spottpreis. Beides wollen wir nicht. Stopp Nationalbank!

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29 Kommentare zu “Bürkliplatz – massive Bedrohung für Paradeplatz

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer
    Bevor sie einmal mehr den Moral-Zeigefinger aufhalten zunächst dies:
    Ihr Artikel wurde gerade Mal von 5 Kommentatoren aktiv zur Kenntnis genommen. Diese nehmen ca. 30% des Raumes in Anspruch; die restlichen 70% nehmen sie ausholend und wiederholend in Anspruch . Von den 5 Kommentatoren belegt einer – gemäss ihren eigenen Angaben („Oekonom“, „Oekonom und Jurist“ plus „Beppi“) ca. 60% der Kommentare. Eigentlich eine magere Ausbeute für so ein brisantes Thema; besonders wenn es – um ihre eigenen Worte zu gebrauchen – um den „Bankrott der Schweiz“ geht. Aber sie geben die Antwort auf Einwände ja gleich selbst: „Erneut wieder keine einzige wissenschaftliche Aussage. Nur Polemik. Reines Spiel auf die Person. Sind Ihnen die Argumente ausgegangen?…Meine zentralen Aussagen bleiben unwidersprochen“. Ich gebe ihnen Recht: das Thema ist zu ernst als daraus Satire zu machen, und ich wünsche Ihnen ernst zu nehmende Kritiker; schämen tu ich mich deswegen nicht, da ich unabhängig bin und auch keinen Draht zur SNB habe wie sie das fiktiv unterstellen.
    Meine Empfehlung: Wenn ihre zentralen Aussagen (die sie nochmals konkretisieren müssten) offenbar landesweit unwidersprochen sind, dann wäre es für sie ja ein leichtes für Ihre Anliegen eine starke Anhängerschaft zu mobilisieren. Ihre Antwort können sie diesmal kurz fassen, da ich sie gleich vorwegnehme: „Erneut wieder keine einzige wissenschaftliche Aussage. Nur Polemik. Reines Spiel auf die Person. Sind Ihnen die Argumente ausgegangen?…Meine zentralen Aussagen bleiben unwidersprochen“… All the best…

  2. Sehr geehrter Herr Dr. Meyer

    sie sind extrem phantasiebeflissen. Ich schlage vor, dass sie ihren Artikel im „Comics for Central Banks“ platzieren.
    Was sie darlegen ist weder eine Vision, noch ein wissenschaftlicher Ansatz. Es lässt sich einreihen in die Gilde der „rocket scientists for accounting“.
    Kreativ sind ihre Wortschöpfungen allemal:
    „negatives Eigenkapital“; sie sollten ein Buch schreiben über neue Begriffe in der Buchhaltung: frei nach Dr. Meyer!

    • Hallo Bebbi

      Zuerst haben Sie einen Kommentar geschrieben zu meinem Artikel unter dem Namen “Oekonom”, dann als “Oekonom und Jurist” und jetzt als “Bebbi”. Alle drei Kommentare also anonym, mit wechselndem Pseudonym, sehr polemisch und diffamierend.

      Sie scheinen zudem einen direkten Draht zur Nationalbank zu haben. Wie denn können Sie sonst schreiben, man nehme meine vielen Vorstösse, weder die mündlichen noch die schriftlichen, selten ernst.

      Und genau hier liegt das Problem der Nationalbank: Sie nimmt nur sich selbst ernst. Kritiker werden nicht ernst genommen – müssen sogar mit Repressionen rechnen – werden der Lächerlichkeit preisgeben.

      An Ihrer Stelle würde ich mich schämen – Sie sind ein schlechter Verlierer – Sie haben überhaupt keine Argumente mehr. Ihre Kommentare mir gegenüber sind jedoch eine Frechheit. Sie machen es sich sehr einfach.

      Übrigens: Der Ausdruck “negatives Eigenkapital” stammt nicht von mir sondern von der Nationalbank.

      Mit freundlichen Grüssen

      Marc Meyer

  3. @Marc Meyer – Ihr Szenario scheint mir doch stark an klassische Fantasyliteratur angelehnt. – Nur ein Beispiel: für den Konkurs von Geschäftsbanken gibt es weit plausiblere Szenarien als „negatives Eigenkapital der SNB“. – Die Politik hat die UBS gerettet, vergessen ?

    • @Peter
      Sie vertrauen also ganz auf die Steuerzahler? Diese werden negatives Eigenkapital der Notenbank schon ausgleichen und so die SNB und unsere Banken retten? Wie viele hunderte Milliarden Steuergelder können noch aus dem Schweizervolk zusätzlich herausgepresst werden? SNB-Chef Jordan hat ja glaubhaft angekündigt, die SNB werde „unbeschränkt“ Euros kaufen – ohne irgendwelche oekonomische Bezugsgrösse. Somit drohen „unbeschränkte“ Verluste bei der SNB. Oder denken Sie, Jordan hat nur geblufft und wird dann schon noch vernünftig? Hoffen wir es… Oder denken Sie, die Devisenmärkte werden die Schweiz schon schonen? Hoffen wir es…

  4. Kritikfähigkeit scheint nicht ihre Stärke zu sein. Andere Meinungen als die ihre sind für sie – um ihre eigenen Worte zu gebrauchen -unwissenschaftlich oder Platitüden. Wenn sie als Lehrer so mit ihren Schülern umgehen, dann habe ich Mitleid mit diesen.
    Missionarischer Eifer in Sachen SNB ist nicht neu. Das war auch bei der Freigeldlehre von Gsell so. Der Unterschied zu Ihnen ist, dass Prof. Gsell diskussions- und kritikfähig war…
    Und noch dies: Sie erwähnen die kritische Haltung von Herrn Grübel der SNB gegenüber. Da geb ich ihnen Recht: als ehemaliger Händler war er deutlich gegen die Aufstockung der Eigenkapitalbasis (siehe auch sein Auftritt im Albisgüetli bei seinen Anhängern); damit wäre das Eldorado im Investmentbanking weitergegangen. Herr Ermotti hat jetzt die Bremse gezogen.
    Haben sie sich auch schon gefragt, weshalb ihre vielen Vorstösse (schriftlich und mündlich) selten Ernst genommen wurden?
    Freundliche Grüsse

    • Sehr geehrter Herr „Oekonom und Jurist“

      Erneut wieder keine einzige wissenschaftliche Aussage. Nur Polemik. Reines Spiel auf die Person. Sind Ihnen die Argumente ausgegangen?

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • Meine zentralen Aussagen bleiben unwidersprochen:

      1. Negatives Eigenkapital der SNB überträgt sich auf jene Banken, welche der SNB Kredite gewährt haben, um Euros zu kaufen. Gemäss OR 960 müssen diese ihre Guthaben bei der SNB entsprechend abschreiben. Das kann zum Konkurs von Geschäftsbanken führen.

      2. Negatives Eigenkapital der SNB widerspicht unserer Bundesverfassung (Art. 99).

      Herr „Oekonom und Jurist“ – da gehe ich mit Ihnen tatsächlich keinen Kompromiss ein.

  5. @ Sandra Niggli

    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Die-Risiken-sind-in-jedem-Szenario-hoch/story/12968731

    Zur Geldschöpfung der Notenbank (Zentralbankgeldmenge od. monetäre Basis; bestehend aus Notenumlauf plus Giroguthaben) können Sie auch die Homepage der SNB konsultieren. Es handelt sich dabei nicht um Fremdkapital im Sinne einer Geschäftsbankenbilanz (das ist der grosse Unterschied). Die „Bilanz“ oder besser der Ausweis einer Zentralbank muss anders gelesen werden als die Bilanz einer Geschäftsbank. Damit haben Juristen allerdings oft Mühe; nicht weil sie es nicht begreifen, sondern weil sie sich nie damit befasst haben.
    Freundliche Grüsse

    • @“Ökonom und Jurist“
      Ihr Beitrag ist eine Plattitüde – eine leere Worthülse – hat nicht den geringsten wissenschaftlichen Gehalt. Weshalb soll die Bilanz einer Notenbank anders zu lesen sein als die einer Geschäftsbank? Welches ist der „grosse Unterschied“, von dem Sie reden? Sie behaupten das einfach. Erklären können Sie das aber nicht – wie wollten Sie auch?

      Ihre Behauptung basiert auf der Illusion der SNB, sie können nie illiquide werden, weil sie jederzeit „unendlich“ Geld „schöpfen“ bzw. erschaffen könne – dem „Schöpfer“ gleich. Wie „Manna“ vom Himmel. Die SNB sagt ja von sich selbst, sie sei für die „Ewigkeit“. Welche Anmassung! Wie Recht hatte Oswald Grübel als er bei Roger Schawinski sagte, das seien „göttliche“ Ausdrücke, welche unsere Nationalbank gebrauche, und diese sollte der Mensch nicht für sich in Anspruch nehmen. Die SNB hat sich verspekuliert – wettet auf einen höheren Euro – chancenlos. Auch da gebe ich Oswald Grübel Recht. Nun versuchen Sie und die SNB das mit einer abstrusen Argumentation irgendwie zurechtzubiegen.

      Die SNB ist ein Staatsbetrieb. Ihre Schulden sind Staatsschulden. Wird das Eigenkapital der SNB negativ, so müssen die Geschäftsbanken ihre Guthaben bei der SNB entsprechend abschreiben. So sieht es OR 960 vor. Das wird unseren Banken das Genick brechen. Jeder Staat und damit jeder Staatsbetrieb kann Konkurs gehen – auch unsere SNB. Sonst könnte ja jeder Staat einfach Geld drucken und die Welt damit aufkaufen – auch Griechenland könnte das. Überlegen und argumentieren Sie doch bitte etwas realistischer.

      Ihre Utopie basiert auf der falschen Vorstellung der SNB, sie könne – im Gegensatz zu einer Geschäftsbank – jederzeit ihre sämtlichen Schulden abbauen bzw. „bedienen“, indem sie Geld druckt oder sich in Giroguthaben verschuldet. Sie haben immer noch nicht begriffen, dass die monetäre Basis eine Schuld der SNB darstellt – und wenn die SNB ihre Schulden verringern, also „bedienen“ muss, so kann sie keinesfalls noch mehr Schulden machen. Sie und Jordan verwechseln Vermögen und Schulden. Bitte lesen sie meinen Text richtig.

      Ihre irrige Behauptung, die SNB-Bilanz sei anders zu lesen als jene einer Geschäftsbank basiert einzig und allein auf dieser verhängnisvollen Verwechslung. Und noch etwas Herr „Ökonom und Jurist“: Ich stehe zu dem was ich schreibe mit meinen persönlichen Namen…Mit freundlichen Grüssen: Marc Meyer

    • Vielen Dank, Marc Meyer, für Ihre ausführliche Replik! Der Herr Oekonom & Jurist scheint an derselben Hybris zu leiden wie unsere Nationalbank-Oberen. Natürlich können sie endlos (und letztlich virtuelles) Geld „schöpfen“, um selbst nicht abzusaufen. Aber das geht nur auf die Kosten der realen, wertschöpfenden Wirtschaft sowie der Anleger, Pensionskassen und Kleinsparer.

  6. Herr Meyer:
    Zur Bilanz der SNB konsultieren Sie:

    http://www.snb.ch/ext/stats/balsnb/pdf/defr/A1_Ausweise_der_SNB.pdf

    1) Das Wort „Devisenreserven“ erscheint nirgends im SNB Ausweis (dagegen das Wort Devisenanlagen (Pos. 2) in den Aktiven). Ihre buchhalterischen Kenntnisse können Sie dort auffrischen.
    2) Die Girokonten inländischer Banken und der Notenumlauf (Pos. 16 u. 17) werden unter den Passiven geführt, also als Verpflichtungen (entgegen Ihrer Behauptung)
    3) Der Auftrag der SNB geht aus Verfassung und Notenbankgesetz hervor; Einsatz und Art des Instrumentariums sind dort beschrieben. Dies ist weltweit im IMF-Standard so. Wenn Sie den Auftrag ändern wollen, können Sie eine Initiative ergreifen.
    4) Die SNB spekuliert nicht mit „Volksvermögen“ wie dies populistische Kreise, denen Sie offenbar auch angehören, immer wieder suggerieren.
    5)Es ist nicht Aufgabe der SNB Strukturpolitik zu machen,sondern eine dem Gesamtinteresse des Landes dienende Geldpolitik zu betreiben; dies schliesst den Aussenwert des Geldes mit ein.
    6) Die SNB muss Ihre Anlagen weltweit diversifizieren. Anlagen nur im Inland sind ein Klumpenrisiko.
    7) Ohne Mindestkursfestsetzung gegenüber dem Euro wäre der Markt bei ca. 1.00. Die Folgen für die Exportwirtschaft (und damit für die ganze CH-Volkswirtschaft) wären verheerend. Das übersehen Sie und Ihre populistischen Anhänger geflissentlich.
    8) Ihre Vorschläge wirken diffus und entbehren weitgehend einer verantwortungsvollen ökonomischen Begründung; zumal Sie Bilanzpositionen erwähnen, die nicht so vorhanden sind.
    Bitte konsultieren Sie die Webseite der SNB, wo Auftrag, Ziel und Instrumentarium klar umschrieben sind.
    Freundliche Grüsse

    • Lieber würde ich Sie mit Namen ansrpechen anstatt mit einer anonymen Bezeichnung.
      1. Die Bundesverfassung schreibt vor, dass die SNB Devisenreserven zu bilden hat. Die Bundesverfassung steht über den internen Publikationen der SNB. Bei Devisenreserven handelt es sich um Eigenkapital der SNB. Gemäss SF TV Tagesschau vom 5. Oktober dieses Jahres habe die SNB angegeben, ihre Devisenreserven seien um 9 auf 429 Milliarden Franken gestiegen. Entweder weiss das Schweizer Fernsehen nicht, wovon es spricht, oder die Nationalbank selbst weiss es nicht: Es sind nicht die Devisenreserven und damit das Eigenkapital der SNB gestiegen, sondern die Devisenbestände sind gestiegen. Die Devisenreserven und damit die Eigenkapitalquote wurde in den vergangenen zwei Jahren bedrohlich klein. Letztes Jahr drohte sie sogar, negativ zu werden. Sollte der Euro bei 1.20 nach unten durchbrechen, kann das Eigenkapital der SNB innert kürzester Zeit weg sein und endgültig negativ werden. Negatives Eigenkapital widerspricht der Bundesverfassung. Es geht deshalb nicht an, dass der SNB-Chef durch die Schweiz reist und behauptet, die SNB dürfe negatives Eigenkapital ausweisen. Auch der Bundesrat verstösst gegen die Bundesverfassung, wenn er behauptet, die SNB dürfe negatives Eigenkapital ausweisen. Die Unterscheidung zwischen Devisenbeständen (Devisenanlagen) und Devisenreserven ist deshalb sehr wichtig. Es darf nicht sein, dass wir aufgrund eines solchen Irrtums der EU beitreten müssen.
      Übrigens: Ihre Polemik bezüglich meiner buchhalterischen Kenntnisse können Sie weglassen. Diese bringt Sie nicht weiter.
      2. Die Tagesschau meldete am 17. August 2011, die SNB habe die Guthaben bei dern Geschäftsbanken um 200 Milliarden aufgestockt. Diese Aussage ist falsch: Richtig ist: Die SNB hat ihre Schulden bei den Geschäftsbanken um 200 Milliarden aufgestockt. Ein entscheidender Unterschied. Wir werden von der SNB über die Tagesschau falsch informiert. Absichtliche Täuschung oder Unvermögen? Hier geht es um Beträge von hunderten Milliarden. Es ist entscheidend zu wissen, ob die SNB den Geschäftsbanken einen Kredit in dieser Höhe gewährt oder von ihnen aufnimmt. Denn bei den Schulden der SNB handelt es sich um Staatsschulden.
      3. Der Auftrag der SNB ist es, zum Gesamtwohle der Schweiz zu investieren. Es kann nie und nimmer der Auftrag der SNB sein, die Staatsschulden von Deutschland, Frankreich, Holland usw. zusammen zu 50 Prozent zu finanzieren. Und das mit unseren Staatsschulden – trotz Schuldenbremse.
      4. Die SNB spekuliert nicht mit Volksvermögen, sondern mit Volksschulden – das ist noch viel schlimmer. Zudem setzt sie einen noch spekulativeren Hebel ein als mancher Hedge fonds.
      5. Die SNB muss die Inflation tief halten. Der starke Schweizerfranken führt zu tiefen Importpreisien und zu tiefen Zinsen. Beides ist inflationshemmend. Ein starker Franken unterstützt die Aufgabe der SNB. In ihrem irrwitzigen Devisenrausch untergäbt die SNB ihre ureigenste Aufgabe.
      6. Das Klumpenrisiko ist der Franken. Alle Devisenkontrakte hat sie gegen Schweizerfraken abgeschlossen. Zudem haben wir eine Schuldenbremse. Es kann nicht Aufgabe der SNB sein, die Staatsschulden um hunderte Milliarden auszudehnen, um damit ausländische Volksiwrtschaften zu unterstützen.
      7. Das Wort “populistisch” können Sie nun auch weglassen.
      Der starke Franken hat auch viele Vorteile: Tiefe Importprese und tiefe Zinsen. Insbesondere von den tiefen Zinssen profitieren sämtliche Unternehmen in unserem Lande. Sie sind der Hauptgrund für die Vollbeschäftigung in unserem Lande. Das hilft der Schweizer Wirtschaft enorm. Der Dollar ist von 4.30 auf 0.7 gefallen und die Exportwirtschaft hat gut überlebt. Zum Teil ist der Dollar noch stärker und schneller gefallen als der Euro.
      8. Nicht meine Vorschläge sind diffus. Was die SNB tut und sagt ist diffus. Der Rest ihrer Argumentaiton ist Polemik – nicht wert, darauf einzugehen.
      Freundliche Grüsse: Marc Meyer

  7. Dr. Marc Meyer kann nicht hoch genug geschätzt werden! Trotz Rückschlägen und Diffamierungen hält er beharrlich den Finger auf die aberwitzigen und verfehlten Auslandinvestitionen der SNB. Seine Analyse ist stringent und die Schlussfolgerungen überzeugend – im Gegensatz zu Dr. Thomas Jordans einlullendem Gesäusel (z.B. http://www.snb.ch/de/mmr/speeches/id/ref_20110928_tjn/source/ref_20110928_tjn.de.pdf )
    Der einsame Rufer wird aber leider nicht gehört!

  8. Machen wir’s doch wie Al Thani in Quatar

    Für unsere SNB

    Müsste Folgendes auf dem Einkauszettel stehen

    Apple
    Coco Cola
    McDonald’s
    HP
    Nike

    Damit hätte die ch sämtliche wichtigen Konsumgüter der Welt.
    Und das weltweite Marketing sowieso.
    Und es bleiben immer noch 340 Milliarden bei der SNB.
    Cool, oder ?

  9. Mit diesen vielen Euros könnte die Schweiz die besten Firmen im Euroland aufkaufen. Damit verkauft Sie ja nicht Euro gegen Schweizerfranken weshalb der Kurs ja nicht beeinträchtigt wird. Wäre für mich eine gute Variante die grossen Eurobestände abzubauen. Genauso wie es die Chinesen mit dem Dollar gemacht haben.

  10. Lieber Herr Meyer
    Ihre Dramaturgie in Ehren. Was schlagen Sie eigentlich konkret vor?
    Ich erlaube mir, Sie zu zitieren:
    Als Lösung und Ausweg geben Sie an:
    „Bundesrat und SNB müssten den Beitritt der Schweiz zur EU anstreben und einen Kurs von 1.20 aushandeln, damit die SNB ihre Schulden bezahlen kann.“
    Und ganz am Schluss erwähnen Sie:
    „Wenn die SNB ihre Kursuntergrenze nicht sofort aufgibt, droht entweder der Konkurs der Banken und der gesamten Schweiz oder der Beitritt der Schweiz zur EU zu einem Spottpreis. Beides wollen wir nicht. Stopp Nationalbank“.
    Was wollen Sie eigentlich? Was ist ihr umsetzbarer Vorschlag? Sie belehren die SNB-Leitung und den Bundesrat über den Unterschied zwischen Bestandes- und Flussgrössen; zwischen Vermögen und Schulden. Hier haben Sie sich gar weit hinausgelehnt. In Ihrem Artikel schwingt viel Politik und durchaus Phantasie mit, aber m.E. wenig ökonomischer Realismus.
    Die Bilanz eine Zentralbank mit Geldmonopol kann nicht verglichen werden mit der Bilanz einer Geschäftsbank; da das „Geschäftsfeld“ ein völlig anderes ist (siehe Notenbankgesetz). Lieber Herr Meyer, ohne Preisuntergrenze befände sich die Schweiz in einer schweren Rezession. Vielleicht könnten Sie Ihre Ratschläge an die SNB-Leitung – auf den Punkt gebracht – nochmals widerspruchsfrei präzisieren. Besten Dank.

    • Lieber Mathis
      Besten Dank für Ihre Antwort. Es ist keinesfalls so, dass ich SNB und Bundesrat über den Unterschied zwischen Bestandes- und Flussgrössen belehre. Ich belehre SNB und Bundesart über den Unterschied zwischen Devisenbeständen und Devisenreserven. Beides sind Bestandeskonti. Sie scheinen in Buchhaltung auch nicht unbedingt sattelfest zu sein… Ersteres ist ein Aktivum und letzteres ein Passivum. Ich belehre Bundesrat und SNB auch darüber, dass es sich bei den Giroguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB um Kredite der Geschäftsbanken an die SNB handelt und nicht umgekehrt. Es ist von zentraler Bedeutung für die Geldpolitik der SNB, dies nicht miteinander zu verwechseln.
      Sie fragen mich, was ich vorschlage. Ich habe schon sehr viele Vorschläge unterbreitet. Bereits im Jahre 1996 stand ich als Aktionär vor der GV der SNB in Bern und riet der SNB, ihr Vermögen vermehrt in der Schweiz anzulegen, um damit die Schweizer Wirtschaft anzukurbeln. Mit ihren Auslandinvestitionen kurbelt die SNB ausländische Volkswirtschaften an auf Kosten der Schweizer Wirtschaft. Das kann nie und nimmer der Auftrag der SNB sein. Auch riet ich der SNB schon damals zu Investitionen in Aktien allerdings mehrheitlich in Schweizer Aktien, um die Schweizer Wirtschaft anzukurbeln – und wohlgemerkt: finanziert mit Eigenkapital der SNB – nicht mit Fremdkapital. Ein Staatsfonds, finanziert mit Schulden widerspricht der Schuldenbremse. Mein damaliger Vorstoss kostete mich übrigens meine Stelle bei der UBS. Die SNB ist nicht so „lieb und nett“, wie Sie meinen.
      Wenn Sie weiteres erfahren möchten über meine Vorschläge, welches die Aufgaben der SNB sind, so empfehle ich Ihnen mein Interview bei Tele Basel oder meine Beiträge als „Nationalbankbeobachter“ „SNB: Erbärmliche Unterstützung der Schweizer Wirtschaft.
      Freundliche Grüsse: Marc Meyer

  11. Das sehe ich im Moment auch so! Der grösste Spekulant den ich kenne ist die Nationalbank. Diese Institution ist nicht mal Vorbild von dem was sie den Geschäftsbanken predigt.

    • Sehr geehrter Herr Blatter
      Wie Recht Sie haben! Heute hat die SNB einen Gewinn von rund 17 Milliarden für die ersten neun Monate dieses Jahres bekanntgegeben. Wow! Bei oberflächlicher Betrachtung ist das ja super! Ein nüchterne Analyse zeigt aber: Bei einer Bilanzsumme von über 500 Milliarden entspricht das einer Gesamtrendite von rund 3 Prozent. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die SNB keine Refinanzierungskosten hat: Sowohl auf den von ihr emittierten Banknoten als auch auf den Girokonten der Geschäftsbanken bei der SNB muss sie keinen Zins bezahlen. Der Steuerzahler garantiert für die Schulden der SNB. Diese eingesparten Refinanzierungskosten sind von der Rendite abzuziehen. Die SNB hat also aufs Jahr hochgerechnet eine Rendite von 1 – 2 Prozent erzielt. Das ist weniger als mickrig. Zieht man dann noch das enorme Klumpenrisiko in Betracht, welches die SNB sowohl auf ihrer Aktiv- als auch Passivseite besitzt (was sie den Grossbanken verbietet), so sehen wir, wie hochspekulativ die SNB ist. Ausser Kontrolle! Es gibt nur einen Rat an die SNB: die Untergrenze sofort aufheben und die Bilanz auf rund 80 Milliarden herunterfahren.
      Freundliche Grüsse: Marc Meyer