UBS zahlt ihren PK-Versicherten Mini-Zins

Trotz Rekord-Rendite und hohem Deckungsgrad gibts nur 1,5 Prozent; Bär und CS sind viel grosszügiger.

Bei Adoboli, Libor und Subprime setzte die UBS-Spitze alles aufs Spiel. Bei der Pensionskasse für die eigenen Angestellten und Rentner gibt sich die Grossbank hingegen hyper-konservativ.

Die Verzinsung der PK-Guthaben liegt bei der UBS aktuell bei 1,5 Prozent. Das entspricht dem vom Bundesrat beschlossenen Minimum

Andere Häuser zeigen sich grosszügiger. Die CS hat für 2012 rückwirkend eine Verzinsung der Altersguthaben von 2,5 Prozent beschlossen. Bei Julius Bär sind es laut einem Sprecher sogar 3 Prozent.

Die ZKB hat kürzlich den Zinssatz für die Altersguthaben auf ebenfalls stolze 3 Prozent gesenkt, dies nach einem Systemwechsel.

Die auffällige Tief-Verzinsung der UBS PK könnte auf eine schwierige Finanzlage des Vorsorgewerks hindeuten.

Das ist offenbar nicht der Fall.

Im Gegenteil, die UBS PK wies per Ende 2012 einen hohen technischen Deckungsgrad von 123,4 Prozent aus.

Damit schlägt die PK der Grossbank jene der viel kleineren Privatbank Julius Bär um Längen. Dort betrug die Deckung nur 106 Prozent, bei der CS waren es 107 Prozent.

Ein hoher Deckungsgrad bedeutet, dass die UBS prima vista gesünder dasteht. Und doch zahlt sie nur das Minimum an Zinsen.

Dies trotz guter Leistung. Im letzten Jahr erzielte die UBS PK mit dem Rückenwind der Märkte eine Rendite von 7,9 Prozent, mehr als die Bär-PK mit 7,2 Prozent.

Wieso also zahlt die UBS Pensionskasse ihren Versicherten nur einen Mini-Zins?

„Das langfristige finanzielle Gleichgewicht der Pensionskasse und somit die Sicherung der Leistungen an die Versicherten und die Rentner steht im Fokus der Pensionskasse der UBS“, sagte gestern eine Sprecherin der Bank.

Deshalb orientiere man sich beim Zins nicht allein an der Rendite, die „kurzfristige Finanzmarktbewegungen“ widerspiegeln könne.

Mit dem „ökonomischen Deckungsgrad“ beziehe die UBS PK auch eine „marktnahe Betrachtung der finanziellen Verfassung“ mit ein.

Da sehe die Lage weniger rosig aus. „Mit einem ökonomischen Deckungsgrad von 95,9 Prozent per 31. Dezember 2012 sind die Verpflichtungen der PK UBS nicht vollständig gedeckt, marktnah betrachtet besteht ein Defizit“, sagt die Sprecherin.

Um die Kasse in der langen Frist gesund zu halten, müsse „dieses Defizit adressiert“ werden.

Heute darben, morgen frohlocken, sagt die UBS somit ihren 23’000 Versicherten und 17’000 Rentnern, die meisten aus der Schweiz.

Die UBS Kasse ist weit grösser als jene der CS mit gut 10’000 Pensionierten. Ihr kommt Signalwirkung zu.

Finanzprofessor und PK-Experte Martin Janssen meint, dass er für eine Beurteilung Details wie technischer Zins, Verhältnis von Rentner- und Erwerbstätigenkapital und Anlagestrategie brauche.

„Auf den ersten Blick scheint die Verzinsung tatsächlich tief“, meint Janssen aber.

Ein UBS-Insider mit Kenntnissen der PK verteidigt den tiefen Zins. „Auch in schlechten Jahren erhielten die Versicherten einen Zins und mussten keine Sanierung finanzieren.“

Die Performance der letzten Jahre zeigt nun aber, dass die UBS PK einzig in der grossen Krise eingebrochen war.

Auf ein Minus von 13 Prozent im 2008 folgte ein Plus von 10 Prozent. Im 2010 waren es plus 5 Prozent, 2011 plus 1 Prozent.

Insgesamt ist das Loch der Krise längst mehr als aufgefüllt.

Im Stiftungsrat der UBS sitzen Schwergewichte der Bank.

Präsidiert wird die UBS PK von Ulrich Körner, der als Chief Operating Officer und Stellvertreter von Konzernchef Sergio Ermotti die halbe Bank unter sich hat.

Auch Schweiz-Chef Lukas Gähwiler, Risiko-Urgestein Walter Stürzinger und Alain Robert, einer von 5 Vice Chairmen der UBS Vermögensverwaltung, zählen zu den „Fürsten“ der UBS.

Körner, Stürzinger, Robert und Gähwiler können die übrigen Mitglieder im 10-köpfigen Stiftungsrat allein durch ihre Position beeindrucken.

Die „Gegenseite“ vertritt Roger Bartholdi, ein UBS-Manager mittleren Hierarchierangs.

Der langjährige Präsident der internen Arbeitnehmervertretung dürfte gegen die Topshots einen schweren Stand haben.

Hinweis an Redaktion

Anonymous Box

  • Senden Sie Ihren Hinweis hier oder an +41 79 605 39 52. Lieber per Post?

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Viel schlimmer erscheint mir die Tatsache, dass die UBS-Pensionskasse seit über 15 Jahren keine Teuerung ausgeglichen hat!
    Das heisst die heutigen Renten sind etwa 25% kleiner, als bei Beginn! Kaufkraft korrigiert.
    Und das während der ganzen Horrenden Boni-Zeit.
    Unglaublich wie hier gewirtscaftet wird. Es wäre interessant zu Wissen, wie die Verantwortlichen mit einem 25% tieferen Lohn auskämmen.

  2. ich werde die firma in diesem jahr verlassen. wäre ich letztes jahr gegangen hätte ich nochmals 0.5% zins weniger auf mein kapital erhalten, als die kollegen, die blieben. sprich, ich hätte ein volles jahr beitrag gehabt, wie alle anderen auch, aber 0.5% weniger zins erhalten. hmm? fand ich gar nicht ok. dieses jahr ist es ja eh nur 1.5% für alle 🙂

  3. Als UBS Angestellter ist mir diese Strategie viel sympathischer und die PK der UBS arbeitet seit langer Zeit sehr erfolgreich und gut. Der Kommentar von „Wahrheit“ ist wohl eher als Witz denn Ernt gemeint, sonst disqualifiziert er sich selbst.

    • Als UBS Bänkler würde ich in etwa den selben Diab. schreiben- wenn ich es denn überhaupt für nötig finden würde, was nicht weiter zu beleuchten ist! Der Punkt ist der, dass hochgerechnet auf sagen wir mal 20 Jahre, die 1.5% sehr viel nicht erhaltenen Zins ausmachen, die sich die UBS wie vieles drittes einfach einbehält, da muss eine Grossmutter lange für schtricken… Wer da von „Strategie viel sympathischer“ reden will, hat mit Realität nichts am Hut sondern in Tat und Wahrheit mit Ilusion. Aber, Bänkler, sind e eine Spezies die sich gerne mal in die eigene Tasche lügen- um u.a. beim „Vorgesetzten“ nicht anzuecken. Eine allgemein festgehaltene Tatsache und hat mit Ihrem Kommentar wenig bis garnichts zu tun.

  4. Ich finde es eher einen anprangernden IP-Artikel wert, dass die PK der Bär soviel Zins gutschreibt, obwohl der Deckungsgrad nur knapp über 100% beträgt…

  5. Der technische Deckungsgrad sagt rein gar nichts über die finazielle Lage einer PK aus. Allein schon die Senkung des technischen Zinses führt – wenn man es direkt macht – zu einem tieferen, technischen Deckungsgrad. Obwohl genau gleich viel Geld in der Kasse liegt.

    Andere technische Grundlagen wie die Wahl von zB Perioden- vs. Generationstafeln oder die Rückstellungspolitik sind elementar um eine Beurteilung machen zu können.

    Neben Anlagestrategie ist das gesamte Risikomgmt wichtig (Thema Prognoserisiko, Zufallsrisiko, etc.)

    Ich bin NICHT bei der UBS tätig, aber wenn ich es wäre, wäre ich stolz auf eine hervorragend und mit viel Weitsicht geführte PK, die die Zeichen der Zeit erkannt hat und als eine der wenigen mit versicherungsmathematisch korrekten Umwandlungssätzen arbeitet etc., so dass die Pensionierungsverluste in einem vernünftigen Rahmen sein dürften.

    Klar kann man argumentieren, dass die nächsten 20 Jahre sehr gute Börsenjahre sein werden, die Zinsen kontiniuerlich steigen werden und die Lebenserwartung auf einmal nicht mehr zunimmt und sich das Problem somit von selber löst.

    Mir ist ein eher konservativer Approach der UBS da deutlich lieber…

  6. Verzinsung ist nicht gleich technischer Zinssatz (ZKB 3%!). Etwas komplexe Materie für ein Schrei-Medium wie IP.
    Und Bartholdi ist SVP-Kantonsrat, könnte also ein harter Hund sein.

  7. erstaunlich, dass die UBS nur 1.5% zins zahlt, denn bald wird der zürcher stimmbürger ein präzedenzfall schaffen und das loch in der BVK als folge gravierenden missmanagements mit steuergeldern zuschütten.
    somit soll mir jemand erklären, warum man ubs-bankern vorenthalten soll was beamten des kantons zugute kommt!
    jedes loch kann zugeschüttet werden – wir können uns sonst bei der SP erkundigen wo wir das geld hernehmen – die haben immer eine idee!

    • Die BVK verzinste 2012 ebenfalls mit 1 1/2 % und ab 2013 mit 1 % bzw. dem BVG-Mindestzinssatz abzüglich 1/2 %. Noch Fragen?

    • @angst: Die BVK Versicherten bekammen eine Einmaleinlage zur Kompensation der Reduktion des Umwandlungsatzes. Bekommen das die UBS Versicherten auch?

    • Von einer Senkung des Umwandlungssatzes bei der PK der UBS ist dem obigen Artikel nicht ansatzweise etwas zu entnehmen. Aus meinen früheren Zeiten als Aktionär der UBS bzw. SBG ist mir indes noch in guter Erinnerung, dass aus dem Reingewinn – und damit zu Lasten der Aktionäre – jährlich immer recht grosszügige freiwillige Zusatzbeiträge an die PK geschüttet wurden (ich mag es den Mitarbeitern gönnen). Mit ihren Leistungen an die Pensionierten steht die UBS-PK jedenfalls besser da als die kantonale BVK (und auch das sei den Mitarbeitern herzlich gegönnt).

  8. Gewagt: Die UBS PK könnte der IB sehr viel Geld leihen und so das Casino wieder ankurbeln.

    Weiter ist erstaunlich, dass die Körner die UBS PK präsidieren darf und sicherlich über kurz oder lang diese auch marktgerecht verschlechtern wird.