CS bringt Rob Shafir in CEO-Stellung

Ami im Personal-Interview cool, Co-Chef Meister technokratisch – klarer Kronfavorit für Dougan-Nachfolge.

Rob Shafir trägt neuerdings Bart. Das gibt einen „Splendid Mix“ von Eastwood, Ford und Gere.

Und wirkt. Im grossen Interview im Personalmagazin One der Credit Suisse von Mitte März kommt der Shootingstar der Schweizer Grossbank souverän herüber.

Anders Sparring-Partner Hans-Ulrich Meister. Der Schweizer verliert sich in Technokratendeutsch.

Dabei geht es immer nur um eines: „Win the hearts and minds of the people“. Die Amerikaner wissen um die Bedeutung des berühmten Satzes, viele Schweizer scheitern daran.

Konkretes Ziel jedes Manager-Speeches ist es, die Mannschaft konkret und persönlich anzusprechen und zu neuem Einsatz zu motivieren.

Darum geht es im ersten grossen Doppelgespräch in der internen Postille. Die 27’000 CS-Mitarbeiter in der Division Vermögensverwaltung sollen beim historischen Umbruch mitziehen.

Die Aufgabe ist seit 2013 auf zwei Schultern verteilt. Nach einer Reorganisation, die sich weitgehend um Köpfe drehte und strategische Weichenstellungen ausliess, teilen sich Shafir und Meister die Ober-Verantwortung fürs weltweite Private Banking.

Bis Ende April will das Team Meister-Shafir seinen Plan beisammen haben und offenlegen, wie die neue Organisation mit allen wichtigen Leuten aussehen soll.

Danach gehts an die Umsetzung. Laut einer Aussage von Meister im Interview in der Personalzeitung soll die neue CS-Vermögensverwaltung ab Juli „betriebsbereit“ sein.

Spannender als die Ankündigungen ist der Subtext im Artikel. Dort geht es um Macht und die eigene Positionierung.

Wenn CEO Brady Dougan dereinst abtritt, sind Meister und Shafir natürliche Nachfolgekandidaten. Sie dürften das Rennen unter sich ausmachen. Die beiden Co-Chefs der Investmentbank sind hingegen noch nicht reif für den obersten operativen Job.

Wer das Interview liest, der kommt zum Schluss, dass die Würfel bereits gefallen sind. Shafir gewinnt, Meister macht Zweiter.

Zwischen den zwei CS-Spitzenleuten tun sich Welten auf. Hier der Amerikaner, der konkrete Vorstellungen äussert; dort der Schweizer, der sich ans „Mir nach, marsch!“ gewöhnt ist, ohne mit verständlichen Aussagen die Crew von sich und seinen Ideen zu überzeugen.

„Der Schlüssel für unseren Erfolg liegt in einer echten Partnerschaft, bei der jeder dem Urteil des anderen vertraut und wir wirkungsvoll zusammenarbeiten – und genau das tun wir“, sagt Shafir auf die Frage, wie die Doppelführung klappen soll.

Das mag nach PR-Slang klingen, aber zumindest ist es fassbar und hat theoretisch Hand und Fuss.

Meister verliert sich in der gleichen Passage in Plattitüden. „Rob und ich haben viel Erfahrung in unseren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen, unseren Fachgebieten und Einschätzungen des Geschäfts. Mit einem integrierten Team können wir das Kundengeschäft am effizientesten und …“.

An einer Stelle werden die zwei CS-Topshots gefragt, was sie von den Mitarbeitern erwarten – und umgekehrt diese von ihnen.

Sie sollen „dem Wandel offen gegenüberstehen, eine Vision verfolgen und sich durch Ehrgeiz und Teamfähigkeit auszeichnen“, meint Shafir. „Was können die Mitarbeitenden von uns erwarten? Dasselbe, was wir von ihnen erwarten.“

Das ist einigermassen kurz und prägnant.

Meister schweift ab. „Die Finanzdienstleistungsbranche durchläuft einen tief greifenden Wandel, für den wir dank unserer Grösse und globalen Präsenz gut positioniert sind.“ Das war nicht die Frage.

Zur Erwartung ans Personal sagt Meister: „Wir möchten, dass alle unsere Mitarbeitenden gemeinsam auf dieses Ziel hin arbeiten.“ Das lockt niemanden hinter dem Ofen hervor.

Meister war in den letzten Jahren nie der bestbezahlte Manager der Bank.

Shafir brachte es 2011 und 2012 auf Platz 1.

Das zeigt: Der Amerikaner kennt seinen Marktwert, und er weiss sich zu verkaufen.

Das liebt die Amerikanerbank Credit Suisse. Mit Shafir dürfte sie auf einen der ihren als nächsten CEO setzen.

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Kommentare

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  1. Wenn man die Interviews liest, muss man sich 2x überlegen für die Schweizer arbeiten (schuften) zu gehen! Denn der Hr. Brunner hat folgende (fast schon manische) Ansichten zur letzten Frage:

    „Interview-Frage“: Stichwort: Work-Life-Balance. Wie finden Sie
    einen Ausgleich zum Beruf?

    „Antwort Hr. Brunner“: Das brauche ich in diesem Sinne nicht, denn mein Beruf ist für mich Freude und Leidenschaft zugleich. Ich begeistere mich auch in meiner Freizeit für die Finanzmärkte.

  2. Ist Rob Shafir nicht einer der Verantwortlichen, die den Credit Suisse Skandal im Zusammenhang mit der Lehman Brothers-Pleite 2008 verursacht hat?

    • sie haben es erfasst, er ist es. höchstpersönlich. ich glaube, dass er IB chef bei der L-B war.

  3. Das grosse Problem in der CS ist dass sie overmanaged ist, man sollte 1/3 aller MD’s rauswerfen und die Entscheidungsträger müssten dort loaklisiert sein wo der Hauptaufwand/Ertrag eines Geschäfts anfällt.
    Heute haben wir z.B. eine IT-Einheit in Zürich deren Chef einsam mit einer Sektretärin in London sitzt.
    Ich weiss nicht wo die GL ihr MBA erschlichen hat, aber so eine miserable Organisation bringt sonst kein Organisations-Anfänger zustande.

    Wenn Rohner nicht mal endlich den Finger rausnimmt und richtige Manager anstatt Dampfplauderer an die Macht kommen dann wird das ein schlimmes Ende nehmen.

    Mittlerweile ist die CS eine in der Schweiz domizilierte Firma die zum Selbstbedienungsladen angelsächsicher MD’s verkommen ist. Was früher eine solide schweizer Firma ausmachte (die stillen Reserven) werden verscherbelt, dafür Millionen-Boni für fiktive Kursgewinne ausbezahlt (US-GAAP sei Dank).

    Etwas ganz wichtiges sollte sich die GL mal vor Augen führen:
    Sparen alleine ist keine Strategie, Offshoring in COE bringt auf dem schöngerechneten Papier vielleicht was, effektiv werden aber die Prozesse gebremst und es fällt soviel Overhead an dass die Rechnung effektiv nicht mehr aufgeht.
    Durch ständigen Abbau von Service gewinnt man keine Neu-Kunden, Produktbundles sind auch kein Bringer, trotz RF als Werbe-Botschafter.

    • Der guten Ordnung halber sei darauf hingewiesen, dass die CS (wie auch die UBS) nicht mehr den Schweizern gehört. Es ist nur folgerichtig, dass die neuen Besitzer machen was sie wollen. Nur die Schweizer Politiker und Aufsichtsbehörden haben das noch nicht gemerkt, resp. wollen sich selbst wichtig machen, indem sie auch am grossen Tisch mitmischen möchten. Die Amis lachen sich tot und kassieren ab (eine Busse nach der anderen).

  4. habe die interviews in one gelesen. im vergleich macht HUM echt einen nüchternen, und bemühten eindruck. spricht ständig über organisatorisches, also genau was allen auf den s… geht. wie auf dem foto wirken auch seine antworten etwas abgehalftert. so wird es definitiv schwierig für den nächsten move. ROB kommt deutlich emotionaler, begeisterungsfähiger, motivierender rüber. bin echt kein anglos fan, aber hier sticht die kommunikation von ROB deutlich besser. wer aber wirklich an leeren alles könner manager phrasen interessiert ist, wagt noch einen blick ins interview mit C. Brunner. schlimmer geht nimmer. nur leeres geschätz, der mann wünscht sich viel, doch was TUT er denn?

    • Wow, das ist lustig zu lesen – wäre es nicht so ernst! Danke für den Hinweis. Schön dass auch Hr. C. Brunner nun die Strategie anpassen wird. ist wohl geheim was denn die Förderung von Innovation und Wachstumsinitiative beinhaltet. Irgendwie tun mir die MA leid, die werden gleich bei der ersten und dritten Frage in den Unfähigkeits-Ecken gestellt.
      Wieso zum Geier sagt der nicht, dass er als Chef genau sieht wo es durch geht. Beschuldigt der noch die Mitarbeiter sie sollen die Zeichen der Zeit mal erkennen… heieieieiei.
      Ob das etwas mit der chinesischen Gegenwartskunst zu tun hat? Man wird es wohl nie ganz sicher herausfinden.

  5. … das Interview bringt vor allem eines zu Tage: Grossbaustelle CS.

    Der Eine sagts ein bisschen eloquenter, der Andere etwas komplizierter.

    In keinem Satz ist zu lesen, „wir haben umgesetzt, die Segel im Wind und schippern der Konkurrenz davon.“

    Entlarvend der Einschub vom „Saphir“ wo er dem „Goldmeister“ indirekt fehlende Kundensegmentierung in seinem PB-Laden vorwirft. Brilliantes Theater!

    Der „Saphir“ baut sich schon die Verteidigungslinie auf, wenn sein Produktladen floppen wird… Haha!

    (siehe Frage: Wer stellt sicher, dass die richtigen Produkte dem Kunden angeboten werden).

    Wenn man das so liest kann es eigentlich nur einen Grund geben CS Aktien zu halten: es kommt ein Takeover Angebot bevor die Firma an der Wand ist.

    • Die Segel im Logo der CS sind in Wahrheit Haifischzähne. Die Amis zerfleischen das „S“ der Bank. Nichts schweizerisches wird davon übrig bleiben, wenn es so weiter geht.

    • All they stand for is:
      – short-sightedness
      – class conceit
      – lots of words and less of sustainable results
      – no sense for values
      – greed

  6. Um diesen Artikel umfassend zu verstehen und sich eine eigene Meinung zu bilden wäre es interessant, das Interview im ‚One‘ zu lesen. Gibt es diese Möglichkeit für Nicht-CS Mitarbeiter?
    Übrigens ist es auch noch nicht sicher, dass nur diese beiden Herren als zukünftiger CEO in Frage kommen, von da her ist das eine gewagte Aussage…

    • Ja, es ist ein bisschen gewagt und vielleicht früh. Schlussendlich muss der Präsident sich entscheiden und für ihn den erfolgreicher Kandidat auswählen. Für die Mitarbeitern, Shareholders und Stakeholders im allgemeine sollte auch gleich sein, wer dort sitz. Wichtig ist nur, dass der CEO kommunikativ, klare Ziele verfolgt und ein bisschen charismatisch sein sollte. Zudem sollte er mit der wachsende Komplexität umgehen können. Die Geschichte zeigt, dass sehr oft nicht immer der Kronfavorit gewinnt.