Fricks Büropartner ist bekannter Bankenanwalt

Partner Max Roesle sitzt in Banken-VR und soll Ackermann-Freund sein; Frick für Finma unabhängig?

Bruno Frick lanciert den Mediensommer 2013. Der Vielfach-VR und Ex-Ständerat soll trotz Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung ab August im Finma-Verwaltungsrat sitzen.

Das Verfahren machte die „Schweiz am Sonntag“ publik. Bei Fricks Berufung ins oberste Gremium der Schweizer Bankenaufsicht tauchen nun weitere Fragezeichen auf.

Dabei geht es um die Unabhängigkeit Fricks bei der Aufsicht von Banken und Versicherungen. Als Verwaltungsrat der Finanzmarktaufsicht ist eine kritische Distanz zu den Beaufsichtigten zentral.

Vor allem Mandate aus dem Finanzbereich sind heikel. Gemäss „Schweiz am Sonntag“ habe Frick erklärt, dass er „in Absprache mit der Finma nach seiner Wahl alle Mandate niedergelegt habe, welche zu einem Interessenkonflikt führen oder den Anschein einer Befangenheit erwecken“ könnten.

Tatsächlich wirken Fricks VR-Mandate mit Blick auf seine Finma-Aufsichtstätigkeit wenig problematisch. Umso brisanter könnte Fricks Nähe zu seinem Kanzleipartner sein, mit dem er zusammen an der Stiftsschule Einsiedeln und an der Universität Zürich war und mit dem er seit Jahren grosse Mandate teilt.

Die Rede ist von Wirtschaftsanwalt Max Roesle und der gemeinsamen Wirtschaftskanzlei Roesle Frick & Partner Rechtsanwälte mit Büros in Zürich und Pfäffikon Schwyz. Roesle Frick & Partner zählt laut Insidern zu den renommierten Wirtschaftskanzleien auf dem Finanzplatz Zürich.

Max Roesle ist einer der Köpfe der Kanzlei und agiert als Gründungspartner. Der Zürcher gehört gemäss „Bilanz“ zu den einflussreichsten Wirtschaftsanwälten der Schweiz.

Roesle sitzt in mehreren Banken-Verwaltungsräten. Gemäss Handelsregister ist er Präsident einer Luganeser Bank namens Banca del Ceresio der Tessiner Familie Foglia, und er wird als Vizepräsident der Banque Sal. Oppenheim in Genf aufgeführt, einer Tochter der Deutschen Bank.

Die Deutsche Bank hat die Sal. Oppenheim übernommen. Die Sal. Oppenheim in Zürich, wo Roesle ebenfalls als Vize agierte, ist im öffentlichen Register bereits gelöscht worden.

Weitere Finanzmandate von Roesle sind Unternehmen mit Namen wie CRH Finance Switzerland in Baar ZG und Genco Capital in Oberägeri, zwei Beteiligungsfirmen.

Hinzu kommen VR-Mandate bei Private Partners sowie Zuri-Invest, zwei Vermögensverwaltungen mit Sitz in Zürich.

Roesle soll als Anwalt Mandate von Banken übernehmen, heisst es in der Branche.

Besondere Nähe wird Roesle zudem zu Josef Ackermann nachgesagt. Roesle war vor langer Zeit selbst als Jurist bei der Credit Suisse angestellt. Nach seinem Abgang blieb die Verbindung zu Ackermann.

Von der grossen Reorganisation von 1996 habe Roesle vor hohen CS-Kadern gewusst, die davon direkt betroffen waren, sagt ein Zürcher Insider. Roesle habe Ackermann bei der damaligen persönlichen Kommunikationsstrategie geholfen.

Diese führte zur bis heute geltenden Meinung, dass Ackermann die CS wegen strategischen Differenzen mit Präsident Rainer Gut verlassen habe. Ackermann konnte sie so geschickt als Gegner eines grossen Jobabbaus positionieren.

Max Roesle und „Joe“ Ackermann sollen bis heute privat eng befreundet sein, sagt die Quelle. Den Verkauf von Sal. Oppenheim Zürich im 2010 an die Deutsche Bank, wo Ackermann Chef war, habe Roesle als damaliger VR eingefädelt.

Die langjährige enge Verbindung wäre mit Blick auf die Finma bemerkenswert. Ackermann ist immer noch eine der einflussreichsten Schweizer Persönlichkeiten der hiesigen Finanzindustrie.

Als langjähriger CS-Topshot kennt Ackermann alle wichtigen Bankenplayer der Schweiz. Und als jahrelanger Chef des Finanzmultis Deutsche Bank unterhielt der Schweizer beste Beziehungen nach Berlin und auf der globalen Ebene.

Heute ist Ackermann Präsident der Zurich, ein Multi im Versicherungswesen. Die Versicherungen unterstehen ebenfalls den Finma-Aufsehern in Bern.

Unabhängig davon, wie nah Wirtschaftsanwalt Roesle dem bekannten Ackermann steht und wie stark er von Banken-Mandaten lebt, ist klar: Aufgrund von Roesles Banken- und Beteiligungs-VR-Sitzen gilt er als Anwalt der Finanzbranche.

Das könnte den durch das laufende Strafverfahren unter Druck geratenen Frick weiter belasten. Frick und sein Anwaltskollege Max Roesle sind seit langem ein eingespieltes Gespann.

Roesle und Frick gehören zum auserwählten Kreis der Wirtschaftsanwälte, die regelmässig bei Konkursen ins Spiel kommen.

Bei der Abwicklung des Swissair-Konzerns, der grössten Liquidation eines Schweizer Unternehmens der jüngeren Geschichte, wurden Roesle und Frick in den Gläubigerausschuss der Muttergesellschaft SAirGroup gewählt. Auch beim Konkurs der Biber Holding, einer Papierfabrik, vertraten Frick und Kollege Roesle die Interessen der Gläubiger.

Dass immer wieder die gleichen Anwälte im Gläubigerausschuss grosser Konkursfälle sitzen, sei kein Zufall, schrieb die Handelszeitung in einem Artikel von 2002.

„Nicht dass Aufträge nur wegen der Bekanntschaft vergeben würden, doch der Kreis der Know-how-Träger ist eben klein“, gab die Zeitung die Einschätzung von Insidern wider.

Mit Blick auf Fricks Finma-Mandat fragt sich, ob die Verantwortlichen in Bern dessen Nähe zu Büropartner Roesle genügend abgeklärt haben.

Wie unabhängig könnte Frick als Finma-VR in Banken- und Versicherungsfragen agieren, solange er mit Bankenanwalt Roesle unter gemeinsamem Kanzlei-Dach arbeitet?

Wie gravierend der Fall Frick ist, muss sich noch weisen. Frick selbst spricht von einer alten Geschichte und will die Sache aussitzen.

Die Handelszeitung Online sieht hingegen Indizien, dass es zu gravierenden Verzögerungen durch die Schwyzer Ermittlungsbehörden gekommen ist. Diese sei lange untätig geblieben.

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14 Kommentare zu “Fricks Büropartner ist bekannter Bankenanwalt

  1. es passt zur FINMA, sich eine solche koryphäe ins boot zu holen. ich bin sicher, wir werden uns dank der unendlichen kompetenz und fachkraft von b.frick auf weitere regulierungen freuen dürfen.
    vermutlich wird es dann auch pflicht, den kunden beim kauf eines moneymarket-fonds auf die verlustrisiken aufmerksam zu machen und ihn sieben versch. formulare unterzeichnen zu lassen.
    der laden ist echt nur noch ein witz! genau wie hr frick.

  2. Der abgehalfterte Ständerat Frick macht sich wahrlich gut in der Finma. Hier sind offensichtlich alle willkommen, die eine gewisse Anzahl Hits auf Google generieren. Wer ist der oder die nächste: Shawn Fielding, Roger Schawinski…?

  3. Einmal mehr disqualifiziert sich der Schweizer Regulator als wenig Ernst zu nehmende Lachnummer. Frick ist eine Hypothek, die Personalie schlicht und ergreifend unglaubwürdig.

  4. Es ist nicht das erste Mal, dass bei der FINMA Exponenten mit zum Teil problematischer Vergangenheit den Marsch durch diese Institution machen. Einige sind dann wieder – mit dem entsprechenden Know How – in die Privatwirtschaft zurückgekehrt. Es scheint ein Unikum der FINMA zu sein, dass sich die Kontrollierten gleich selber kontrollieren. Ausstandsregeln scheinen nicht bekannt zu sein. Zudem erstaunt mich, dass die Wahlbehörde offensichtlich von einer detaillierten Überprüfung der Kandidaten absieht, was den Schluss zulässt, dass es sich hier vorwiegend um ein politisches Mandat handelt. Mit dieser Vorlage wird die FINMA nie eine unabhängige Überwachungsinstanz werden und weitere Banküberraschungen sind vorprogrammiert. Das ganze hat – zumindest von aussen betrachtet -System. Auch was die Verschleppung von Verfahren betrifft!

    • Teile die Meinung 1:1

      Die FINMA als verlängerter Arm der Banken. Bananenrepublik-mässig.

    • Warum hat man bei der Finma nicht sofort den Rotstift angesetzt als der Name Frick auf der Kandidatenliste auftauchte?!

  5. Ich wundere mich, dass sich Frick weiterhin halten kann. Offenbar totally connected äh verfilzt. – Neben Nottwil: Wie war das mit GNR? Haben damals nicht viele langfristig und nachhaltig denkende Investoren Aktien gekauft in der Meinung, der Saubermann Frick komme ans Ruder? Irrtum. Alle haben ihr Geld verloren. Und in Nottwil waren es ja nicht nur die Spesenabrechnungen, es war auch die Kompensation, welche für gemeinnützige Stiftungen unüblich war. Damals schon hätte man Frick absägen sollen.

  6. Geschätzte Kolleginnen und Kollegen

    Was regt ihr euch so auf? Es ist nur nochmal eine Person mehr in der FINMA, die den (Gross-) Banken sicher nichts anhaben kann/wird und sehr wahrscheinlich nicht all zu saubere Geschäfte gemacht hat.

    Relax und geniesst das nächste Desaster (es wird garantiert kommen!)

  7. Der CVP-Frick mit den vielen Filz-Mandaten?

    Sein kurzes Gast-(Spiel) bei der Paraplegiker-Stiftung, Nottwil, wurde bis heute nie transparent kommuniziert. Angeblich waren es die exorbitanten Spesen-Abrechnungen welche dem Stiftungsrat rote Köpfe bereitet hat.

    Bei der FINMA sind m.W. die Spesen-Reglemente fest geregelt. Nach dem Thomas Minder Löhne und Boni vielleicht in den Griff bekommen hat, verlagern sich Bezüge neuerdings (und schon früher) über das Spesenkonto. So einfach?

    • Genau, das waren wohlgemerkt die Spesen die zu dem sagenhaften Lohn von (auf 100% gerechnet) 400’000 dazu kamen. Und das für eine Tätigkeit, die jeder andere ehrenamtlich ausgeführt hätte.