Bank Rothschild in Turbulenzen

Gewinneinbruch, Kundenflucht, Machtgerangel, IT-Crash; jetzt klagt auch noch reiche Adlige in den USA.

Veit de Maddalena ist nicht zu beneiden. Der junge Strahle-Banker, der seit 7 Jahren die feine Rothschild Privatbank in Zürich leitet, durchlebt seine schwierigste Berufsphase.

An allen Ecken und Enden sieht sich de Maddalena mit Problemen konfrontiert. Der Rothschild-Gewinn sackt viel stärker ab, als dies in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird; die Kunden suchen nach Performance-Problemen das Weite; das neue Avaloq-System beschert Albträume.

Obendrauf wird de Maddalena von einem Krimi aus der Vergangenheit eingeholt.

Ein Ex-Direktor seiner Rothschild Bank mit Namen Baron von P. soll eine adlige Millionärin aus dem Luzernischen Nobelort Meggen schlecht beraten haben.

Gemäss Spiegel hat die Frau nach einem behaupteten Verlust von 44 Millionen Dollar in Boston Klage eingereicht. Rothschild Zürich trage eine Mitschuld und müsse deshalb teilweise für den Schaden geradestehen, fordert die Klägerin.

Baron von P. wollte sich gegenüber der Zeitung nicht äussern. Die Bank Rothschild wies Anfang Juli gegenüber dem Spiegel alle Vorwürfe „kategorisch zurück“ und kündigte harten Widerstand an.

Der Gerichtsprozess an der US-Ostküste ist am Laufen. Der US-Richter forderte die Rothschild Ende Mai auf, interne Unterlagen offenzulegen.

Auch ohne Gerichtsfälle steht de Maddalena das Wasser am Hals.

Zwar gibt es keine Hinweise, dass Baron Eric de Rothschild als Haupteigentümer und Präsident der Privatbank einen Wechsel an der operativen Spitze plant.

Doch die Zahlen und jüngsten Ereignisse zeichnen das Bild einer Institution in Nöten.

Aus dem Jahresabschluss per Ende März, der immer erst mit ein paar Monaten Verzögerung publik wird, geht bei genauer Betrachtung hervor, dass die Bank einen eigentlichen Gewinneinbruch erlitten hat.

Verdiente die Bank Rothschild in der Periode 2011-12 unter dem Strich noch 31 Millionen, so waren es im 2012-13 gerade noch 13 Millionen – ein Minus um 59 Prozent.

Es handelt sich um die Fortsetzung eines sich beschleunigenden negativen Trends. Im Jahr zuvor war der Gewinn der Bank um über 40 Prozent eingebrochen.

Ebenso stark zu denken geben muss die Entwicklung beim Neugeld, also dem Zufluss von Kundenvermögen.

Während UBS, CS, Vontobel und Julius Bär wie Magnete neue Vermögen anziehen, verläuft der Geldstrom ausgerechnet bei der noblen Rothschild, die zu den vermeintlich feinsten Adressen auf dem Schweizer Bankenplatz zählt, in die umgekehrte Richtung.

Das Net New Money war in der Berichtszeit 2012-13 um fast eine halbe Milliarde negativ, sprich: Rothschild-Kunden brachten kein neues Geld, sondern zogen im Gegenteil fast 500 Millionen Franken an bisher dem Baronen-Haus anvertrauten Vermögen ab.

Die Entwicklung lässt aufhorchen. Noch im Jahr zuvor zog die Privatbank neue Vermögen im Umfang von über 600 Millionen an.

Im Jahresbericht tönt das ganz anders. Baron de Rothschild schreibt von 8 Prozent mehr verwalteten Kundenvermögen und Neugeldzuflüssen „der Division“ von mehr als 300 Millionen.

Auch der Gewinnrückgang wird vergleichsweise undramatisch gezeichnet. Das Nettoresultat sei von 20 auf 15 Millionen zurückgegangen, hauptsächlich wegen höheren Kosten, darunter vor allem für die Informatik.

Die Erklärung für die unterschiedlichen Sichtweisen ist einfach. Baron von Rothschild hebt das Gruppenergebnis hervor, das neben dem Bank-Business auch jenes des globales Trust-Geschäfts umfasst.

Dabei handelt es sich laut einem Rothschild-Insider vor allem um Anlagen von Kunden in Rennpferde, Immobilien und andere illiquide Vermögen.

Die Frage wird sein, wie stark die internationalen Bestrebungen hin zu Steueroffenlegungen diese Güter betreffen könnten.

Erst im hinteren Teil des Jahresberichts ab Seite 40 kommen jene Zahlen zum Vorschein, welche die Realität bei der Bank Rothschild ungeschminkt aufzeigen und eher Schlüsse über die Zukunft zulassen.

Dort wird dann auch ersichtlich, dass die Privatbank nur noch die Grösse eines Family Office wie beispielsweise jenes der Genfer Milliardärsfamilie Bertarelli aufweist. So belaufen sich die Assets under Management in der Bank Rothschild auf bescheidene 11 Milliarden.

Rothschild-CEO Veit de Maddalena begründet die veränderte Darstellung von Gewinn- und Asset-Entwicklung mit der neuen Informatik.

„Seit der Einführung der neuen Betriebs- und IT-Plattform weisen wir auch diejenigen Volumen aus, die über den Hub in Zürich abgewickelt werden“, sagte er gestern Abend.

De Maddalena bestreitet, dass es unter dem neuen Avaloq-System Probleme beim Jahresabschluss gegeben habe.

„Nein“, meinte er gestern, es habe für den Jahresabschluss nicht auf manuelle Excel-Tabellen ausgewichen werden müssen, weil das neue System nicht funktioniert habe.

Dies aber behauptet eine Rothschild-Quelle. Bilanz, Erfolgsrechnung und die übrigen Zahlen seien „regelrecht zusammengebastelt“ worden, sagt der Insider.

Zudem seien nach Vorbehalten der externen Revisionsstelle Nachbesserungen nötig geworden.

Auch hier folgt das „Nein“ von Rothschild-CEO de Maddalena auf dem Fusse. KPMG habe keine Vorbehalte gegen die erste Version des Abschlusses vorgebracht.

Dass die neue Informatik nicht reibungslos eingeführt werden konnte, das wollen aber selbst die obersten Verantwortlichen nicht bestreiten.

Doch selbst diese Konzession tönt bei Eric de Rothschild nach Courant normal.

„Obwohl eine leichte Verzögerung in der Implementierung zu höheren Kosten“ geführt habe, betrachte Rothschild die neue Plattform als „eine wichtige Investition“, hält der Baron im Jahresbericht fest.

Trotz höheren Kosten bei sinkenden Erträgen wollten die Rothschilds ihre eigenen Bezüge nicht straffen. Sie bezogen 20 Millionen Dividende, dies bei einem Gruppen-Nettogewinn von 15 Millionen.

Damit entzog die Familie der Privatbank faktisch Eigenkapital.

„Die Dividende ist im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben“, sagt dazu Rothschild-Statthalter de Maddalena. „Gleichzeitig haben wir grosse Investitionen getätigt, was ein Zeichen für das Vertrauen der Familie in die langfristige Strategie der Bank ist.“

Für Insider ist die Bank unter de Maddalena zum Stillstand gekommen. Der CEO und sein Co-Chef Rick Martin würden sich gegenseitig misstrauen und dadurch bei der Entscheidfindung blockieren.

„Rick Martin und ich sind Co-CEOs der Division Wealth Management der Rothschild Gruppe“, umschreibt Veit de Maddalena die spezielle Aufgabenteilung. Zudem sei er, de Maddalena, „CEO der Rothschild Bank Schweiz“.

Wie diese Doppelführung funktioniert, dazu enthielt sich de Maddalena eines Kommentars.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Baron, Baronin, Baroness, Adlige, Maddalena Inseln, Roth und andere Farben Schilde können mich. Man, was für eine Finanzwelt!!!

  2. An der Bankensoftware Avaloq kanns nicht liegen. Diese ist eigentlich top. Nur muss sie richtig und überlegt installiert und eingesetzt werden.

  3. Doppelführungen funktionieren nie. Das lernt man schon in den Grundkursen (echter) solider Führungslehre (damit beziehe ich mich ausdrücklich nicht auf die teilweie idiotischen Angebote an (theoretisch-aufgeblasener)Führungslehre an Universitäten und anderen Bildungsinstitutionen.

    • Sie beziehen sich sicherlich auf die solide Führungslehre der Schweizer Armee. Danke.

  4. Die ‚Perlen-Kette‘ der CH-Banken mit einer ungünstigen Bilanz-/Gewinn-Entwicklung wird von Monat zu Monat länger!

    Und neuerdings verspäten sich auch noch die
    Berichts-Termine?

    Was soll man nur davon halten:
    Das Business ist am Erkalten!

    • alle haben sie doch nur noch weissgeld und doch ist net new Money bei sehr vielen negativ. wer holt denn immer Geld vom Konto ?

      viele kleine und mittlere banken unter 20 Mrd AuM wird es in Zukunft nicht mehr geben, da alle banken noch immer viel zu hohe kosten haben. die Fusionen werden zunehmen und arbeitsplätze im finanzsektor inklusive wirtschaftskanzleien in 1000enden verschwinden. EWS lässt grüssen !

  5. …au Backe! Bei Versagen des Avaloq-Systems hätte der Finanzchef doch wieder einmal seine Bilanzierungskenntnisse aktivieren müssen. – Hoffentlich hat er es noch ‚draufgehabt….

    • Lieber Zampano, Ruedi vermutet in Ihnen an anderer Stelle in diesem Blog einen ‚bezahlten Lobhudel-Büttel‘. Ich glaube dafür sind Ihre Kommentare viel zu trivial. Das reicht allenfalls für einen Leserbrief in der Glückspost.