Liebe Banken: Speed is the Game

In diesem Jahr feiert iTunes sein zehnjähriges Jubiläum. Wer hätte vor einer Dekade gedacht, dass ein einziger Computerhersteller den weltweiten Musikmarkt komplett umkrempeln würde? Apple hat mit dem Onlineverkauf von Einzeltiteln und Alben nicht nur die Branche verändert, sondern zwischenzeitlich fast abgemurkst. Zehn Jahre reichten aus, um eine milliardenschwere Industrie in eine Sinnkrise zu stürzen. Die Spielregeln in der Musikindustrie haben sich grundlegend verändert, seit Apple den Startschuss für die Digitalisierung gab. Apples Musikdienst gehört zu den grössten digitalen Erfolgsgeschichten. Dabei geht es nicht nur um den Verkauf von Songs: In erster Linie ist der iTunes Store ein unverzichtbares Mittel zur Kundengewinnung und -bindung geworden. Digitale Transformation ist das Stichwort. Doch was hat das nun mit Banken zu tun?

In diesem Jahr feiert iTunes sein zehnjähriges Jubiläum. Wer hätte vor einer Dekade gedacht, dass ein einziger Computerhersteller den weltweiten Musikmarkt komplett umkrempeln würde? Apple hat mit dem Onlineverkauf von Einzeltiteln und Alben nicht nur die Branche verändert, sondern zwischenzeitlich fast abgemurkst.

Zehn Jahre reichten aus, um eine milliardenschwere Industrie in eine Sinnkrise zu stürzen. Die Spielregeln in der Musikindustrie haben sich grundlegend verändert, seit Apple den Startschuss für die Digitalisierung gab. Apples Musikdienst gehört zu den grössten digitalen Erfolgsgeschichten. Dabei geht es nicht nur um den Verkauf von Songs: In erster Linie ist der iTunes Store ein unverzichtbares Mittel zur Kundengewinnung und -bindung geworden. Digitale Transformation ist das Stichwort.

Doch was hat das nun mit Banken zu tun? Ganz einfach: Von Erfolgsgeschichten soll man lernen. Denn die Finanzinstitute laufen Gefahr, dass sie – so wie die Musikbranche in den guten alten Zeiten – entscheidende Herausforderungen vernachlässigen; mit der Folge, dass ihnen branchenfremde Anbieter in kleinen Schritten Teile ihres Kerngeschäfts abluchsen.

Der Treiber dieser Veränderungen ist eben die Digitalisierung. Aufhalten lässt sie sich nicht, auch wenn Banken sie teilweise ignorieren. Einzelne Institute stecken noch in der 1.0-Welt. Während sie ihren Weg ins 2.0 noch suchen, steht bereits 3.0 vor der Tür.

Wie so oft zählen die Banken nicht zu den Innovationstreibern. Im Gegensatz dazu haben in anderen Branchen neue Technologien, mobile Kommunikationskanäle und soziale Netzwerke längst Einzug gehalten. Allen voran in der Konsumgüter- und Medienbranche hatten Internet und Web 2.0 riesige Auswirkungen auf das Kerngeschäft.

Wer schläft, wird bestraft, gilt eben nicht nur in der Musikindustrie, sondern überall. Auch der ehemalige Weltmarktführer Kodak versäumte den Anschluss an digitale Technologien und musste schliesslich Insolvenz anmelden.

Und nun erreicht die Digitalisierung auch den Bankensektor – mit voller Wucht. Dass eine in der Vergangenheit extrem gewinnträchtige Branche dies nachholen muss, zeigt vor allem eines: Offensichtlich fielen die Gewinne in der Vergangenheit, dank risikoreichem Eigenhandel und margenträchtigen Produkten, derart hoch aus, dass die Notwendigkeit, sich für die Zukunft zu wappnen, schlichtweg nicht gesehen wurde.

In den nächsten Jahren wird sich die Finanzbranche stark verändern, so wie es in den letzten Jahren vielen Industrien erging. Neben den unzähligen Alltagssorgen – verschärfte Regulation, Steuerstreitereien, Weissgelddebatte, sinkende Margen – sollten sich die Institute also auch noch mit dem digitalen Wandel und der neuen Kundenmacht auseinandersetzen. Sie müssen sich fast schon neu erfinden.

Gleichzeitig müssen sie die branchenfremden Anbieter im Auge behalten, die ihnen Marktanteile wegnehmen; und das nicht in Nischenmärkten, sondern im Kerngeschäft: zahlen, sparen, anlegen, finanzieren.

Wie diese jungen, dynamischen Schnellboote die langsamen und schwer manövrierbaren Supertanker überholen, zeigt übrigens die Konferenz Finance 2.0 in Zürich, die diesen Oktober erstmals stattfindet. Künftig entscheidet die Community, ob ein Anlageprodukt oder eine Dienstleistung etwas taugt. Für eine Aktienmarktanalyse reichen Analysten allein nicht mehr, die „Crowd“ wird miteinbezogen. Und für den Zahlungsverkehr braucht es schon lange keine Banken mehr. Afrika beweist seit vielen Jahren, dass es auch anders geht.

Einige Banken haben dies erkannt, doch die sitzen in den USA, Deutschland oder in den skandinavischen Ländern, aber nicht in der Schweiz. Doch gerade die Schweiz ist weltweit dafür bekannt, dass Banking eine Kernkompetenz darstellt. Dazu kommt noch, dass mit der SIX-Gruppe die Schweiz über eine hervorragende Infrastruktur verfügt. So heisst eine der modernsten und dazu noch die schnellste Börse überhaupt auf der Welt SIX Swiss Exchange.

Das ist aber nur die eine Seite. Die andere bestimmen die Bankkunden, die heute oft weiter sind als die meisten Banken. Sie sind an den Umgang mit dem Web 2.0 und Social Media gewohnt und konsumieren die unterschiedlichsten Dienstleistungen mobil. Der Bankkunde von heute verlangt Transparenz, Interaktion, Personalisierung und vor allem Mobilität. Retailkunden und High Network Individuals wollen – unabhängig von Zeit und Ort – auf Finanzdienstleistungen Zugriff haben. Der Kunde muss im Mittelpunkt der Bemühungen stehen, nicht umgekehrt.

Dennoch glauben einige Banken immer noch, Digitalisierung sei gleichzusetzen mit digitalem Erfassen von Kundentransaktionen, standardisierten Informationen und ein wenig „Bloggen“. Aber dass in der „Crowd“ über ein Institut gesprochen wird, dasd Produkte diskutiert werden – das hören viele Institute nicht; wie auch, wenn keine richtige Strategie definiert wird.

Da sie die Veränderungen verschlafen, übernehmen die Kunden die Rolle des Innovationstreibers: Banken werden künftig digitale Angebote machen müssen, da die Kunden dies von ihrem Institut schlichtweg erwarten.

Dabei geht es – und das ist wichtig – nicht allein um digitale Kanäle. Offline und Online müssen zusammenfliessen, denn der Kunde will und soll sich nicht zwischen den beiden entscheiden müssen. Der Kunde will selber entscheiden, wann, wo und vor allem wie er mit seinem Institut in Kontakt treten möchte. Banken sollen nicht Plattformen anbieten, sie sind die Plattform. Dennoch trennen beispielsweise viele Banken das Filialgeschäft und ihr digitales Dienstleistungsangebot komplett voneinander. Solche Strukturen machen ein integriertes Plattform-Denken unmöglich.

Die Bank von morgen zeichnet sich aus durch Innovationsgeschwindigkeit, Ehrlichkeit, Transparenz und klaren Kundenfokus. Eine der wesentlichen Herausforderungen für Banken wird also sein, den Kunden wiederzuentdecken und vor allem auch zu begeistern. Daran führt kein Weg vorbei. Liebe Banken: Speed is the Game.

Kommentare

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  1. schöne argumentationslinie! banking könnte man durchaus mit kochen vergleichen. sieht einfach aus, doch wenns schief geht, schmeckts fast jeder. die hohe kunst beherrschen wenige. insofern könnten sich die banker ja mal bei jamie et al. orientieren. da gibt es köche die sind mittlerweile auf allen kanälen präsent und machen gut business ohne ständig in der küche zu schwitzen.

  2. Sehr geehrter Herr Borini,

    es ist sehr viel Wahres an Ihrem Artikel.
    Leider ist Digitalisierung nur eine der grossen Herausforderungen insbesondere für die Schweizer Banken: Globalisierung und die Wissensgesellschaft schaukeln sich gegenseitig hoch und führen zusammen mit der Digitalisierung zu grundsätzlich anderen Bedürfnissen an Banken als bisher.

    Es ist fraglich ob alle Banken es schaffen, mit mehr der alten Tugenden und Ansätze diese Herausforderungen zu bewältigen. Loslassen statt festhalten wäre nötig, um gute Services rund um „zahlen, sparen, anlegen, finanzieren“ Kundengerecht anzubieten.

    Nur wenige Grosskonzerne haben ein Gen wie IBM oder CocaCola, welche sich regelmässig aus sich selbst heraus neu erfinden können. Bei den Schweizer Grossbanken und in einem Grossteil der Schweizer Banker-Szene ist dieses Gen aktuell noch nicht zu erkennen. Ich hoffe, dass es sich sehr kurzfristig doch noch zeigt.

  3. Sehr geehrter Herr Borini

    Ihren Artikel habe ich mit Interesse gelesen. Ich kann Ihnen nur beipflichten. Die Entwicklung, welche die Computerindustrie ausgelöst hat verändert unsere Welt unglaublich schnell. Ich sehe das bei meinen Schülerinnen und Schülern. Ohne Smartphones etc. läuft gar nichts mehr.

    Wir von der älteren Generation müssen und sehr bemühen, wenn wir den Anschluss nicht verlieren wollen. Das gilt auch für den verstaubten Paradeplatz.

    Noch verstaubter ist der Bürkliplatz. Da wird Geldpolitik betrieben aufgrund einer Geldtheorie, die in die Steinzeit gehört – und selbst damals schon falsch war. Innovationsgeschwindigkeit, Ehrlichkeit, Transparenz sind dort Fremdwörter.