Credit Suisse spannt UBS Anlage-Crack aus

José Blanco, Investmentchef Europa und grosse Nummer, wechselt Lager; Coup von CS-Anlageboss Strobaek.

Das neue Zauberwort bei den beiden Schweizer Grossbanken heisst „House View“. Gemeint ist, dass die UBS und die CS sich eine klare Meinung zum Markt bilden und diese nach aussen tragen.

Der Wettbewerb um die beste Performance verlangt nach hellen und erfahrenen Köpfen. Um diese geht jetzt ein Seilziehen los.

Besonders gefragt ist José Blanco, Spanier und seit Urzeiten in der Division Asset Management der UBS. Dort war Blanco zuletzt Anlage-Chef Europa und Schweiz.

Nun geht Blanco, wie UBS-Insider bestätigen; nicht in Pension, auch nicht ins Ausland, sondern über den Paradeplatz zur helvetischen Erzrivalin, der Credit Suisse.

Die Gründe sollen im Verhältnis zu Blancos direktem Vorgesetzten liegen. Curt Custard heisst der, ein Amerikaner mit Arbeitsort USA.

Blanco soll mit Europa und Schweiz den Laden im UBS Asset Management geschmissen haben. Doch die Lorbeeren heimste Custard ein, sagt eine Quelle. Das habe zum Bruch geführt.

Die UBS wollte offiziell nichts sagen, auch die CS nahm keine Stellung zum Wechsel.

Der ist aus zwei Gründen von Bedeutung.

Erstens gelingt der CS in einem Bereich, wo sich das Rennen um die Kunden entscheidet, ein Coup. Die Bank stärkt ihre Investmentexpertise, und das erst noch zu Lasten der direkten Konkurrenz.

Blanco gilt in der Szene als Grösse, tritt auf an Konferenzen und bei Bloomberg, verfügt über einen Leistungsausweis beim Strukturieren von Investmentvehikeln.

Bei Profikunden wie Pensionskassen und anderen Grossinvestoren ist Blanco ein Name. „Blanco wird geschätzt“, sagt ein Insider. „Der weiss nicht nur, wohin die Märkte gehen, sondern er kann auch die dafür nötigen Strukturen bauen.“

Blanco engagiert sich auch ausserhalb der Bank. Er sitzt im Führungsgremium der Swiss Financial Analysts Association, eine für den Finanzplatz wichtige Standesorganisation.

Der zweite Grund, warum Blancos Wechsel zu reden gibt, liegt beim neuen Fokus auf die Performance.

Nach dem jahrzehntelangen „Free lunch“ mit Schwarzgeld zählt in Zukunft nur noch Leistung. Die Banken müssen mit ihren Investmentideen zeigen, dass sie richtig liegen und für ihre Kunden Mehrwert generieren.

Die UBS und die Credit Suisse investieren massiv in zentrale Investmentbüros. Während die UBS für jede einzelne Division einen Chief Investment Officer hat, führt die CS alles an einem Ort zusammen.

Zum Chef aller Investmentchefs machte die Credit Suisse vor wenigen Monaten Michael Strobaek. Der Däne war früher lange Jahre bei der UBS und zuletzt bei einem grossen Family Office.

Im CS-Mitarbeitermagazin „One“ sagte Strobaek kürzlich, dass er „einen einheitlichen Anlageprozess und übereinstimmende Anlagestrategien für die Vermögensverwaltungs- und Anlageberatungskunden“ etablieren wolle.

Top-down die Welt analysieren, daraus die richtigen Investments ableiten und dies in der ganzen Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden umsetzen – das ist Strobaeks Job.

Der neue CS-Investmentchef überlegt sich Grundsätzliches. Die Bank müsse „die Bedürfnisse der Kunden berücksichtigen, anstatt einfach nur Einzelprodukte“ anzupreisen, führte er im Interview aus.

„Man sollte einen Anlageplan haben und sich daran halten, der Plan muss diversifiziert sein, und man sollte sich nicht zu kurzfristig orientieren oder zu emotional auf die Entwicklungen an den Finanzmärkten reagieren“, meinte der CS-Mann.

Alle Kundenberater der Bank müssten „diese Philosophie in wenigen Sätzen“ erläutern können.

Im Gespräch gab sich Strobaek als Teamplayer. „Ich möchte die Credit Suisse als globales Investmentunternehmen mit einer starken regionalen Ausrichtung etablieren. Die Rolle der lokalen CIOs wird also wichtiger – sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Bank.“

Das könnte für den Blanco-Transfer entscheidend gewesen sein. Der Spanier soll im Team Strobaek weiter auf der grossen Bühne tanzen dürfen – etwas, das Blanco offenbar am Herzen liegt.

Bei der UBS, so macht es den Anschein, wurde ihm das mehr und mehr von der Amerikaner-Fraktion verwehrt.

Kommentare

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  1. Ständig wechselt Personal von UBS zur CS, und umgekehrt. Das Personal-Karussell ist doch ein Nullsummen-Spiel, was man auch an den Aktienkursen sehen kann.

  2. Diese Strategie von Mr. Strobaek könnte man auch als „minus 50 Prozent Kommissionsertrag“ betiteln. Aber eine nette Idee langfristige Anlagen im Sinne der CS-Kunden zu tätigen… Ob sie es zu schätzen wissen?

  3. es erstaunt mich nicht, dass immer mehr amerikanische „Kollegen“ zu Top-Managern werden. Ich hatte vor einigen Monaten die Ehre, an einem Town-Hall Meeting auf English teilzunehmen (Schweizer „Top“-Manager). Dessen Englisch war so schlecht, dass mir da die Augen aufgingen: der verstand einfach nicht, was die Amis sagten, nickte wohlwollend mit dem Kopf und zack: schon wurde wieder etwas super-duper gutes entschieden. Würden wir ja auch so machen, wenn man im Ami-Land Deutsch als Sprache akzeptieren würde. Nur machen die das nicht, weil die genau wissen, dass es ihnen nichts bringt. Aber unsere Manager nicken immer schön fleissig.

    Wie dem auch sei: scheinbar eine weitere Figur, welche durch einen Ami ersetzt wird. „Schweizer Bank“ ade… es wird Zeit für eine Vorsprache an der nächsten GV. Aber die versteht ja dann kein Ami.

  4. Jose Blanco ist ein Topmann und war während meiner Zeit mit ihm zu allen korrekt und inspirierend. Ein genialer Top-Manager den man selten noch antrifft und man sich überall als Chef wünscht. Als überlegter Zeitgenosse konnte er wohl leider nicht mit dem Blender Curt Custard bestehen und hatte wohl auch nicht die Gunst vom Topchef welcher ja auch ein Anglo-Sachse war. Nun ja aber so läufts ja immer mit den Anglo-Sachsen und den Schweizern. Die Schweizer schaffen und die Anglo Sachsen quaseln und fahren das Ganze an die Wand…

  5. Leider wird die Amerika Fraktion, welche der Bank gar nichts bringt, mehr geschätzt als die Einheimischen. Dass diese fachlich und menschlich auch noch besser sind interessiert dort leider niemanden.
    José ist fachlich und menschlich eine Perle, welche für einen amerikanischen Manager geopfert wurde. Wenn man weiss, was oben im Asset Mgmt sitzt, dann verwundert das niemanden. Ob das CH Asset Management immer noch in der Lage ist das angelsächsische Versagen aufzufangen wage ich zu bezweifeln. Spannen zu verfolgen, was passieren wird und wer die CH PK‘ abwerben wird. Das wird die logische Konsequenz sein.

  6. Ich vergleiche seit längerem die Performances der verschiedenen Strategiefonds aus dem UBS Asset Management nach Risikoklasse und Währungen. Anhand deren Performances lässt sich sagen, dass die UBS in den vergangenen 5-10 Jahren mittelmässig bis unterdurchschnittlich abgeschnitten hat. Entweder ist die Leistung dieser Abteilung schlecht und/oder die Kosten sind zu hoch. Ob die CS, welche im Vergleich zur UBS etwas bessere Strategiefonds-Resutate lieferte, nun glücklich sein sollte über diesen Wechsel? Eventuell nur ein weiteres, sinnloses Personalkarussell auf dem Bankenplatz.

    • @mal ehrlich: darum kaufe ich keine fonds, ganz egal von welcher bank – ausser etf.

    • @clude: die lässt sich sehen: kein Jahr mit einer negativen performance seit 30 jahren. Prost!

    • @stardust: genau…Sternenstaub hoch drei. Sie sind doch irgendein Student der sein Kapital schon beim ersten Mal mit einem Optionsgeschaeft verjubelt hat

    • Nennen Sie mir doch 2 Beispiele von Strategiefonds die in den letzte Jahren -netto nach Kosten- besser waren als die der UBS!? JB, CS, Swisscanto, ZKB, Raiffeisen,… sind es nachweislich nicht. Bin offen für Inputs. Ich sprechen von Strategiefonds und nicht von HF oder anderen Dynamischen Portfolios ohne Rahmenbedingungen.

  7. Es geht kein Tag vorbei,an welchem in der UBS der falsche sich die Lorbeeren holt oder der falsche eine Position innehat. Es herscht Ausverkauf der guten Mitarbeiter.

  8. José Antonio Blanco war und ist wahrscheinlich eine der beste in Asset- / Investment Management, die ich je gekannt habe. Leider, wie bei viele Schweizer, er ist zu bescheiden und Bescheidenheit zahlt sich in einen internationalen Kontext wenig aus. Sehr gut für CS und für die Schweiz!