UBS hat Hoflieferantin der NSA ins Haus geholt

IT-Riese CSC arbeitet für US-Geheimdienst – Amerika kontrolliert Datenfluss – Back to Gotthard-Banking!

Die amerikanische IT-Firma CSC hat sich grosse Teile der Schweizer Informatik-Infrastruktur unter den Nagel gerissen. Das ist brisant, weil die CSC eng mit der US-Abhöragentur NSA kooperiert.

Teil der Expansion ist ein UBS-Grossauftrag. Seit 3 Jahren betreibt der Schweizer Ableger der CSC das globale Netzwerk der Grossbank, inklusive deren inländische Datenleitungen.

Von internen Videokonferenzen bis zum weltumspannenden E-Mail-Verkehr hat der IT-Multi bei der UBS überall seine Finger im Spiel. Damit kontrolliert die amerikanische Firma faktisch den internen Datenstrom der wichtigsten Bank des Finanzplatzes.

Tagtäglich hat die CSC Zugriff auf Trillionen von internen Daten der UBS. Einzig Kundendaten blieben geheim, heisst es aus Kreisen der Grossbank.

Offiziell wollte sich dort niemand zum Thema äussern.

Die CSC schrieb letzte Woche Schlagzeilen. Der Tages-Anzeiger berichtete von einer engen Zusammenarbeit zwischen dem US-Geheimdienst NSA und dem bis dahin in weiten Kreisen unbekannten Informatikmulti.

Unter anderem habe die CSC einen 5-Milliarden-Auftrag der National Security Agency erhalten. Dieser umfasse die Erneuerung von Hard- und Software für das riesige IT-System der NSA.

Trotz der engen Verbandelung zwischen der CSC und der NSA würde die Schweizer Regierung in Bern der US-Informatikfirma Grossaufträge zuschanzen. Jährlich käme die CSC auf diese Weise auf ein Millionenvolumen.

Das IT-Unternehmen hat laut Zeitung „Zugriff auf Daten der Pensions- und Arbeitslosenkasse und auf vertrauliche Dokumente des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements“ erhalten.

Die Computer Sciences Corporation, wie die CSC mit vollem Namen heisst, ist im US-Bundesstaat Virginia zuhause. Dieser grenzt an die Hauptstadt Washington. Dort hat die NSA ihr Headquarter.

Die Übernahme der internen Netzwerke der UBS gab der CSC im Markt Schweiz viel Schub. Im Juli 2010 teilte das Unternehmen in einem Communiqué mit, dass sie dank dem UBS-Auftrag bis 2015 rund 580 Millionen Dollar Umsatz machen würde.

Der Auftrag umfasse „the provision of voice and data network, security and telecommunication services“, also Stimm- und Datenverkehr, Sicherheit sowie Telekommunikation.

Die CSC gibt rund um den UBS-Auftrag Arbeiten weiter an die Schweizer Swisscom IT Services, eine Tochter der führenden nationalen Telekom-Firma, sagt ein Insider der Bank.

Mit dem Grossbanken-Vertrag wechselten rund 300 Mitarbeiter von der UBS zur amerikanischen CSC, davon etwa 100 in der Schweiz. Heute beschäftigt die CSC laut Tages-Anzeiger rund 600 Angestellte in der Schweiz. Ohne deren Services würde die UBS stillstehen.

Die Abhängigkeit ist Teil eines grossen Outsourcing- und Offshoring-Trends. Die UBS als einstmals grösste „IT-Firma“ des Landes setzt dabei neue Massstäbe.

Vor über einem Jahrzehnt verlagerte die Bank IT-Dienstleistungen ins Ausland. Grosse Teile landeten in Indien, und zwar sowohl in eigenen Rechenzentren als auch bei indischen Zulieferern.

Immer wieder führte das Outsourcing zu riskanten Datenunfällen. Mindestens einmal lagen die Namen von UBS-Kunden offen bei einem indischen IT-Lieferanten herum.

Trotzdem wurde das Outsourcing-Programm beschleunigt. 2010 schaltete die UBS mehrere Gänge hoch und beschloss ein Megaprojekt namens „Industrialisierung“.

Unter der Leitung von Chief Operating Officer Ulrich Körner wurden die externen IT-Grössen Claudio Cisullo und Eros Fregonas für zentrale Projekte zur Bank geholt.

Fregonas, ein Ex-Chef der Swisscom IT Services, übernahm die Oberleitung der UBS-Industrialisierung. Mit einem kleinen Team begann er, die Bank in ihre Einzelteile aufzusplitten mit dem Ziel, möglichst viele Prozesse auszulagern.

Trotz dem Auftrag von ganz oben und höchster Dringlichkeit erlebte das grosse Fregonas-Projekt einen Geburten-Stillstand. Es kam nicht vom Fleck.

Trotzdem wurde Fregonas diesen Frühling in die Kaste der 80 wichtigsten UBS-Manager befördert. UBS-CEO Sergio Ermotti machte den Tessiner zum Group Managing Director.

Zu reden gab der kürzliche Entscheid, den weltweiten Einkauf der UBS einer neuen Cisullo-Firma namens Chain IQ zu übertragen. Statt dass die Bank mittels Aktienanteil am Erfolg von Chain IQ beteiligt wäre, kriegt der Startup zusätzlich zum Grossauftrag auch das ganze Upside.

Die NSA-CSC-Verstrickung wirft die Frage auf, ob die Schweizer Banken ihre IT-Infrastruktur nicht völlig neu überdenken sollten.

Immer mehr Experten raten zu einem Weg zurück zum „Gotthard-Banking“. Im Zeitalter der weltumspannenden Spionage durch Amerika verspricht allein die Hoheit über die eigenen Daten die gewünschte Sicherheit.

Kommentare

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  1. Ich finde, die UBS hat eine gute Lösung getroffen. Sie ist die erste Bank, die den geforderten Datenaustausch umsetzt, und dabei keine Schweizer Gesetze verletzt. Clever!

    • Und wenn, wäre es nur ein Papierproblem. Da viele Leser und Kommentarschreiber die Banken sowieso weg haben wollen, kommt das ja gerade recht.
      Es wird als wichtig erachtet, dass die Arbeitsplätze, die Steuern und die Löhne im Ausland anfallen. Wir CH werden wieder alle als Handwerker und Bauern tätig sein. Mit etwas weniger Wohlstand und nur noch 2 Wochen Ferien, aber das wollen wir ja. Freude herrscht…

  2. Diese IT-Konstellation mit der USA Firma bei der UBS dürfte sogar die Bundesanwaltschaft interessieren nach den Aussagen von Herrn Snowden. Zumindest ist Industriespionage der USA (Barack Superstar)nicht auszuschliessen. Dass die CH-Grossbankenbosse mit ihren riesigen Salären sehr naiv, wenn nicht dumm sind, ist schon länger offensichtlich, haben sie doch in sehr wichtigen Vertrauenspositionen Deutsche und Amerikaner installiert (u.a. in der Kundenberatung mit direktem Zugang zu Kundendaten, aber auch in der IT selber !). Es scheint so zu sein, gerade auch nach dieser heutigen Enthüllung auf dem IP, dass die beiden Grossbanken UBS und CS wirklich alles daran setzen, den Finanzplatz Schweiz zu schwächen ! Es ist traurig was bei den beiden Grossbanken läuft ! Viele Generationen guter Arbeit wird innert weniger Jahre vernichtet !

    • Glaubt denn jemand, das Telefon von Angie wurde/wird abgehört, um den nächsten Al Kaida-Anschlag zu verhindern? Wenn die EU-Delegation in Washington zu den Verhandlungen über das Freihandelsabkommen eintrifft, kennen die US-Teilnehmer die EU-Verhandlungsposition bereits.

    • Vielleicht ist die Angie ja ein Maulwurf der Al-Kaida 🙂 ? oder die USA haben die volle Paranoia ? Diktaturen egal ob linke oder rechte begannen in der geschichte bisher immer mit der vollen ueberwachung ihrer bürger, da ja jeder ein feind sein kann ! schade für diese wunderschöne land und für die ganze welt !

    • Was heisst hier Naivität? Gut möglich dass voll beabsichtigt, Angelsachsen sind auch bei der UBS-IT am Drücker.

  3. „…bis dahin in weiten Kreisen unbekannten Informatikmulti“.
    Da ist der Autor dieses Artikels schecht informiert oder kennt die Outsourcing Szene nicht: CSC ist seit Jahrzehnten in diesem Metier tätig und ist einer der grössten IT Outsourcer. PS. Bin/war weder MA von CSC noch liiert mit CSC!

    • Kann ich nur bestätigen. Frage mich je länger je mehr, wie gründlich die Parade-Blick- Beiträge recherchiert werden. Es gab mal eine Zeit da waren Sie gut, aber …

  4. ‚Wir werden nicht ruhen!‘ heisst einer der UBS – Werbesprüche. Weisheiten, ausgedacht nach dem Quadratatsch von 2008.

    Dank ihrem IT-NSA-Partner CSC verstehe ich endlich die Aussagekraft dieses Slogans -:)

    UBS mach nur weiter so!
    Geht vorbei an meinem Po.

  5. Der letzte Satz ist wohl zentral. ALLE Banken müssen sich ernsthaft Gedanken machen, wie sie mit Daten WIEDER höchst vertraulich umgehen.