Julius Bär versetzt Devisen-Crack

Warum kauft Staatsfonds bei „Mini“-Bank? Jobwechsel nach Anruf – Milliarden-Deals via Nummernkonto.

Devisen sind das nächste Schlachtfeld. Wie beim Libor-Skandal gehts um Verschwörung von Bankern zum eigenen Vorteil.

Während die UBS offizielle Ermittlungen bestätigte, hält sich die Zürcher Privatbank Julius Bär bedeckt.

Nun tauchen Informationen über einen grossen Staatsfonds aus dem Osten auf, die auch Bär in den Devisen-Strudel reissen könnten.

Es geht um einen langjährigen Bär-Devisenmann im Range eines Managing Directors. C.S., wie die Initialen sind, stiess vor 7 Jahren zur Bank.

Zuvor war der Bär-Crack ein paar Jahre bei US-Riese JP Morgan. Von dort nahm er einen Topkunden mit: einen der grössten und vermögendsten Staatsfonds der Welt.

Kenner fragten sich, warum ein solcher Big-Player seine Devisenkäufe über die „kleine“ Bär abwickeln würde. Immerhin ging es teilweise um Milliardendeals in Dollar, Euro, Pfund und Can-$.

Konfrontiert mit der Frage, dementierte C.S. vor 4 Wochen, einen solch grossen Fonds als Kunden zu haben. Er kenne niemanden in der entsprechenden Region.

Ende November, also zwei Wochen nach dieser ersten Anfrage, wurde C.S. überraschend versetzt. Nach einer jahrzehntelangen Karriere im Devisengeschäft, dem grössten aller Märkte, wechselt der Managing Director ins Private Banking.

„Wir können bestätigen, dass Herr S. nach einer langen Karriere im Devisenhandel bei Julius Bär per Anfang 2014 als Senior Kundenberater ins Private Banking wechselt, um seine Kunden noch umfassender betreuen zu können“, sagte gestern Abend ein Sprecher von Julius Bär.

„Dies ist ein weiterer Karriereschritt für Herr S. und im Interesse der Bank.“

Der Devisen-Mann fiel auf durch Deals am Handy. Das ist bei den Grossen wie UBS strikt verboten, da diese Gespräche zwischen Banker und Kunde nicht aufgezeichnet werden.

Julius Bär bestätigt indirekt die Handy-Deals ihres Direktors. „Transaktionen über das Handy sind möglich, aber nicht im Tradingraum, sondern beispielsweise ausserhalb der Präsenzzeiten“, sagt der Sprecher.

Wichtig sei, dass „das Geschäft sofort im System bestätigt“ würde. „Das war immer der Fall, wir tolerieren keine Unregelmässigkeiten.“

Teil des Setups rund um den mächtigen Staatsfonds war offenbar ein Nummernkonto, das Devisen-Direktor C.S. bei Bär genutzt haben soll, sagt ein Insider.

Sollte dies zutreffen, dann stellt sich die Frage nach den Beteiligten. Wer ist der „Beneficial owner“ des Geheimkontos? Wer profitiert?

Bär wollte sich nicht zum Kunden äussern. Der Sprecher betonte, eine zu enge Eingrenzung auf den Auftraggeber „könnte sehr schädliche Folgen“ haben.

Der Insider berichtet von Hektik in der Bär-Chefetage, nachdem Devisen-Senior C.S., der sich auf der Managerplattform LinkedIn als einen der global Zuständigen bei Bär bezeichnet, intern zum Thema geworden sei.

Von einer Entlassung habe man abgesehen, sagt die Quelle. Die Gründe, dass C.S. statt ganz weg neu im Schweizer Private Banking sitzt, wo er keine Erfahrung mitbringt, sind unklar.

Sein Chef ist Stephan Jaeger, ein altgedienter Devisen-Banker, der bei Bär für das ganze Fremdwährungs- und Edelmetallgeschäft zuständig ist.

Jaeger erklärte auf Anfrage, dass die hohen Gewinne seiner Bank im Geschäft mit Devisen auf langjährige Erfahrung zurückzuführen sei. Bär habe tiefwurzelnde Beziehungen zu guten Privatkunden.

Die Devisengewinne der Julius Bär stechen ins Auge. In den letzten zwei Geschäftsjahren lagen sie zwischen 250 und 350 Millionen Franken, etwa gleich hoch wie der Reingewinn nach Goodwill.

Mit Direktor C.S. sollen sich weitere Bär-Devisenleute um den Grosskunden kümmern, sagt der Insider. Es handle sich um eine Truppe von 3 bis 4 Leuten.

Für den Ost-Staatsfonds hätten die Bär-Manager grosse „Tickets“ ausgeführt. Gemeint ist, dass sie im Auftrag des Klienten Devisen über 1 oder mehrere Milliarden kauften oder verkauften.

Ein Devisenexperte meint, dass Staatsfonds oder andere Mega-Investoren ihre Aufträge üblicherweise von den bekanntesten und grössten Devisen-Banken ausführen liessen.

Die 4 Global-Player Deutsche Bank, UBS, Barclays und Citi halten den Löwenanteil des Geschäfts, in dem jeden Tag über 5 Billionen Dollar („trillions“) umgesetzt werden.

Die UBS rückte Anfang Oktober in den Fokus einer weltweiten Untersuchung, nachdem bekannt wurde, dass die Bank Händler suspendiert hatte. In der Schweiz ermitteln die Finma und die Wettbewerbsbehörde.

Entgegen der bisherigen Annahme, dass Devisenkurse wegen des gigantischen Volumens nicht manipuliert werden können, prüfen die Ermittler, ob Banker auch hier im grossen Stil betrogen haben.

Im Zentrum steht die Frage, ob beim „Fixing“ in London systematisch getrickst wurde. Die Londoner Währungspreise sind massgeblich für viele Kundendeals. Stimmen sie nicht, ist der Kunde der Verlierer.

Innerhalb einer Bank kann es auch um anderes gehen. Front- oder Parallel-Running sind die Stichworte.

Weiss ein Devisen-Banker von einem Milliarden-Auftrag in einem Währungspaar, den er im Verlauf des Handelstags ausführt, dann können er und eventuell weitere Informierte sich durch eigene Deals „richtig“ positionieren.

Das Ausnützen des Informationsvorsprungs war in der Schweiz noch in den 1990er Jahren Teil des Bankings, ist aber inzwischen verpönt. Auch können solche Insider-Transaktionen gegen das Strafrecht verstossen.

Kommentare

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  1. Getrickst wird nicht beim London Fixing selber, sondern kurz davor, nachdem grosse Kunden-Orders bei führenden FX-Dealern eingetroffen sind.
    Sind Verkaufsaufträge von zB 10 Mrd CHF gegen £ eingegangen, wird der CHF beim Fixing schwächer notieren.
    Ein FX-Dealer nutzt natürlich dieses Wissen und verkauft seine eigene Franken-Position und geht dazu noch short vor dem Fixing.

  2. @Charles A. Tan. alles ist hier möglich und kein Problem solange Kohle damit gemacht wird. Revisoren und Chefs mussten es gewusst haben, denn in einem normalen Devisenhandel werden alles Gespräche auf Tondband aufgenommen, sofort erfasst und verbucht, um Risiken abzusichern. Der Handy-Handel ist fahrlässig und praktisch, denn die geheimen ungewünschten Informationen hinterlassen keine Spuren und zudem werden in vielen Fällen solche heiklen Deals (Währungen im allg Derivate) geschickt über Vehicles in Verdunklungs- und Verschleierungsoasen abgewickelt. Der Nummernkonto-Trick ist für Anfänger, wenn man solche Dinger dreht! Die Julius Bär Bank hält sich jedoch an die örtlichen Gesetze etc. blablabla

    • der herr elmer… jezt ist er auch noch ein devisenexperte. das einzige wo er sich auskennt ist doch, wie man seinen arbeitgeber unter Druck setzt. ich frage mich, ob er auch dafür ein nummernkonto nutzen wollte?

  3. *) Ein Nummernkonto für einen Staats-Fond?
    *) Milliarden-Abschlüsse via mobile phone?

    – Wieviel Retro floss an den Mittelsmann?
    – Täglich ein paar Bips in die Taschen?
    – Könnten Revisoren auch davon wissen?
    – Nur dumme Fragen: An Mann mit weissem Kragen

    Der Krug ging zum Brunnen ……….

    • Sehr gute Frage, die wollte ich auch stellen, habe es dann aber in meiner Frage an Primus wieder gelöscht.

  4. Die Konklusion: Wir nehmen einen Staatsfonds aus und die jeweiligen Gewinne verschieben wir auf ein Nummernkonto, damit alle happy sind – alles dank unserer langjährigen Erfahrung

  5. So ein Schwachsinn. Es gibt für den Devisenhandel weltweit kein Gesetzt gegen Insidergeschäfte. Das wird es auch nie geben, weil nicht kontrollierbar. Ich sehe da schreiben wieder mal *Fachspezialisten* die keine Ahnung haben was Usanz ist im FX.

    • @David Brader: Entweder Sie arbeiten auch bei JB und wollen uns erzählen wie sauber alles ist, oder Sie haben keine Ahnung bzw verstehen die Zusammenhänge nicht. Aber raten Sie mal: warum werden die Ausführungen über das Handy gemacht und warum gibt es ein Nummernkonto? Und genau weil der Markt nicht reguliert ist, gibt es hier seeeehr viel Handlungsspielraum – natürlich zu Ungusten des Kunden (Staatsfonds und somit ein ganzes Volk). Wären Sie begeistert, wenn es unsere AHV wäre, die ausgenommen wird?

    • @ C
      Anhand Ihres Kommentars erkennt man, dass Sie definitiv keine Ahnung haben vom Devisenhandel! Man muss nicht bei JB arbeiten, um zu wissen wie der Devisenhandel funktioniert! FX ist nicht gleich Börsenhandel! Wer davon keine Ahnung hat, sollte besser schweigen!

    • @ Felix: Wie funktioniert denn der Devisenhandel? Weil eben FX-Handel nicht gleich Börsenhandel ist, kann hier sehr viel „gemischelt“ werden. Emtsprechend zeigen Sie direkt in Ihrer Aussage, dass Sie die Prozesse nicht ganz verstehen… Im Anschluss noch kurz eine Frage: sind Sie auch ein Bär-Mann?