Abkassieren mit Boris

Bär-CEO gibt seinen Vasallen mehr als ausgewiesen – Kosten schiessen durchs Dach – Sanierungsfall.

Boris Collardi gilt als einer der besten Bankenchefs des Landes. Derzeit wird er gar als Retter der schlingernden Credit Suisse gehandelt.

Dabei macht der CEO der Privatbank Julius Bär nur vordergründig einen Topjob. Hinter der Kulissen explodieren seine Kosten.

Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag, das schon bisher ausserhalb des versprochenen Zielbereichs lag, hat sich von Januar bis April weiter verschlechtert.

Es habe „die im zweiten Halbjahr 2013 erzielten 73.3% leicht“ überstiegen, gab Bär gestern bekannt. Man erwarte, dass sich Bär „in der zweiten Jahreshälfte 2014 näher zum mittelfristigen Zielbereich von 65-70% verbessern“ würde.

Selbst das wäre alles andere als ein Traumwert, sondern nur das Minimum. Und: Collardis Ziel liegt in unerreichbarer Ferne.

Nimmt man die ungeschminkten Zahlen inklusive Rückstellungen und Goodwill, dann erlebt die Julius Bär einen wahren Kosten-Albtraum. Ende 2013 betrug das Cost-Income sagenhafte 85 Prozent.

Aufgrund der gestrigen Mitteilung ist die Zahl inzwischen weiter angestiegen. Der Kosten-Pegel steigt und steigt.

Die grosse Bär, deren Aktie gut läuft, ist damit zu einer unrentablen Bank geworden. Sie hat ihr Geschäft und ihre Prozesse nicht mehr im Griff.

Boris Collardi vertröstet auf später. Sobald der Merrill-Lynch-Brocken verdaut sei, würde seine Julius Bär reiche Ernte einfahren.

Die schwache Performance ist vor allem eine Folge der steigenden Löhne. Diese schossen letztes Jahr um 27 Prozent auf erstmals über eine Milliarde hoch. Die Bank verweist auf 29 Prozent mehr Personal.

Am stärksten abkassiert wird naturgemäss ganz oben.

Was dort an Bezügen ausgewiesen wird, ist jedoch nur halbe Wahrheit.

Das ist die Folge einer Struktur, die elegant zur Verschleierung der tatsächlichen Ausschüttungen ans Topmanagement genutzt werden kann.

Die Gruppe Julius Bär besteht aus einer scheinbar schlanken Führung mit 7 Leuten, angeführt von CEO Collardi.

Für diese wurden im Geschäftsbericht 2013 Löhne und Boni von knapp 17 Millionen ausgewiesen. Das sind fast 2 Millionen mehr als im Vorjahr, als erst noch ein Merrill-Lynch-Sonderbonus dazukam.

Von den 17 Millionen landeten fast 6 bei Boris Collardi. Lässt man dessen Sonderbonus weg, dann waren dies genau gleich viel wie im Jahr zuvor.

In dieser 7-köpfigen Geschäftsleitung der Julius-Bär-Gruppe sitzen unter anderem der Rechtschef, der Kommunikationschef und der Risikochef. Diese dürften verhältnismässig geringe Saläre und Boni erhalten haben.

Die Fronteinheiten werden in diesem Gremium von Bernard Keller vertreten. Keller steht kurz vor der Pensionierung und dürfte als „Representative“ des Private Bankings nicht vergoldet werden.

Die wahren Macher und Grossverdiener sitzen im Management Board der Tochter. Diese heisst Bank Julius Bär und ist praktisch das einzige Asset, das die „Julius Bär Gruppe AG“ besitzt.

Im Spitzenteam der Bank Julius Bär hat es deutlich mehr Leute. Mit Boris Collardi, der auch hier das Zepter schwingt, sind es 12.

Es finden sich alle Leiter der Markteinheiten und Frontorganisationen, vom Chef Schweiz über die CEOs von Europa und Lateinamerika bis zum Spitzenmann für Asien.

Auch der Leiter des Handelsgeschäfts, das für einen vermeintlich reinrassigen Vermögensverwalter ungemein gross ist, gehört zum Gremium.

Die Geschäftsleitung der Bank Bär ist das eigentliche Macht- und Führungszentrum der Gruppe. Sie ist nur formell dem Spitzengremium der Bär-Gruppe unterstellt.

Die Löhne und Boni für die Topleute der Bank bleiben im Dunkeln. Die Regeln zur Offenlegung der Spitzenentschädigungen gelten ausschliesslich für die Gruppe, nicht für die Tochter.

Die Aktionäre der Julius Bär, die nach einem Aufstand im Vorjahr diesen Frühling das Bonusregime der Bank abnickten, wissen somit nicht, wie viel sie für ihr Topmanagement tatsächlich hergeben.

Ein Bär-Sprecher begründete die Struktur mit einer Mutter, die faktisch aus einer Tochter besteht, mit der historischen Entwicklung.

Vor ein paar Jahren wurde die Assetmanagerin GAM abgespaltet und separat an die Börse gebracht. Die Boni und Löhne von GAM gelten als einsame Spitze in der Branche.

Ohne Verschachtelung müsste Bär viel höhere Entschädigungen offenlegen. Die Summen könnten für Aufsehen sorgen.

Allein Collardis Lohn zählt zu den höchsten der Schweizer Finanzindustrie – dies für eine Bank, die einen Zehntel der Credit Suisse ausmacht.

Collardi könnte sein Kostenproblem durch tiefere Löhne rasch entschärfen. Das ist offenbar nicht in seinem Sinn.

Kommentare

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  1. Der Mann hat offensichtlich Qualitäten wie ein Brady Dougan von der CS. Sollte Brady demisionieren und Collardi übernehmen, geht es bei der CS also genau gleich weiter. Tolle Aussichten! (für Collardi)

  2. Das „Abkassieren“ wird solange möglich sein, wenn weiterhin, weitgehende Freiheiten bei der Bilanzierung herrschen, d.h. auch die Erwartungen der Anleger nach Belieben manipuliert werden können. Die zeitgemäße Definition des periodenrichtigen Gewinns lautet daher: Periodenrichtig ist der Gewinn, wenn er in jener Periode anfällt, die der Bilanzersteller wünscht! Daher ist es auch möglich die Kosten völlig im dunkeln zu lassen; und die Boni sind nur die Spitze des Eisbergs!

    Ein privater Verein in London, das International Accounting Standards Board (IASB), der im Auftrag der großen internationalen Prüfungsfirmen die internationalen Bilanzierungsregeln, die International Financial Reporting Standards (IFRS), weiterentwickelt und auch von diesen dafür bezahlt wird ist für die „Dunkelheit“ verantwortlich.

    MfG
    Zerschlagung!

    • @Lieber Reto, Politisch sind Ermittlungen gegen Steuerhinterzieher und Mithilfe zur Steuerhinterziehung trotz gegenteiliger Behauptungen nicht unbedingt erwünscht. Steuerschlupflöcher in Finanzoasen sollen nicht geschlossen werden, könnte es doch die Finanzmärkte beunruhigen, die zur Staatfinanzierung so wichtig sind.

      Es ist ein Paradox, dass Luxemburg zwar ein Gründungsmitglied der EU ist, aber gleichzeitig eine bedeutende, undurchsichtige Drehscheibe für Schwarzgeld.

      Solange unversteuerte Vermögen durch Banken in Finanzoasen transferiert werden können, von wo sie z.B. über mächtige Anlagefonds wie z.B. BLACKROCK Einfluss mittels Staatsfinanzierungen auf politische Entscheidungen nehmen, bezahlt der einfache Bürger die Rechnung mehrmals selbst.

      Was nicht verboten ist, gehört zum Bankgeschäft.

      @Zerschlagung, tja, die meisten Bänker inkl. Nationalökonomen, (habe ich selbst in der Praxis erlebt), wissen nicht einmal das die Geschäftsbanken Geld mittels Buchungssatz (Forderung der Bank gegenüber dem Kreditnehmer an Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Kreditnehmer)aus dem Nichts „Produzieren“ und dieses Nichts sich Dinglich besichern lassen; und dazu dieses Nichts Zinsen aus den Wirtschaftsteilnehmer ohne Banklizenz herauspresst! Da kommen Sie, mit komischen Abkürzungen wie IASB oder IFRS…:)
      Grüsse
      Der Praktiker

    • @Praktikus, nun ja, wie sagten die Römer:

      multum apud plebem valere….ich vermute, im konkreten Fall, dass das grösste Problem der JB derzeit die Schulden auf ihren Interbank-Kreditkonten sind. Da versuchen sie Zeit zu gewinnen.

      MfG
      Zerschlagung!

  3. Boni-Boni-Boni. Bestimmt ist BC eine Mogelpackung und verdient zu viel.

    Trotzdem wäre es angebracht mehr über Schwarzgeld, Geldwäscherei, Offshore-Trusts, Steuerproblematik und Konkurrenzfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz vis-a-vis Liechtenstein, Luxembourg, Channel Islands, Gibraltar, etc. zu erfahren. Denn dies sind die wahren Probleme die wir haben.

  4. Na ja in kürze wird herr Collardi sich mit seinem neuen Ferrari La Ferrari trösten können – Kaufpreis €1.3mio, klar bei solchen Boni’s – danke an alle Bank Baer Aktionäre. Mit dem Fiat 500 zur Bank fahren ist wirklich eine Augenwäscherei! Luxus lässt grüssen
    Gregory Riva (B Baer Aktionär)

  5. Die letzten Artikeln zeigen auf das es sich bei den heutigen Banken, um einen Betrugsmodell handelt. Wenn Banken eine Sammelverwahrung betreiben, dann bedeutet dies, dass die Identität einer Sache in ihren Lagern nicht gewährleistet ist – der Kunde erhält auf Verlangen nicht genau seine Sache aber eine in Beschaffenheit und Wert völlig gleiche Sache zurück. Solange es sich dabei um Geldscheine handelt wäre aus Kundensicht tatsächlich nichts dagegen einzuwenden, wenn man an Stelle seines eigenen Hundert-CHF-Scheins einfach einen mit einer anderen Seriennummer erhielte. Dabei übersehen wir aber die Informationsfunktion des Geldes, denn nur über die exakte Erfassung der Seriennummern ist, bzw. wäre theoretisch, überhaupt die exakte Nachverfolgung der GELDFLÜSSE möglich!.

    Da dies aber für die Banken ohnehin kein Anliegen ist, sondern sogar die größte Gefahr für ihre Geschäftsmodelle wäre, wollen wir diese Idee gleich wieder vergessen.

    Wenn also Sparer ihr Geld zur Bank bringen und die Bank verleiht dieses Geld an Kreditnehmer und die Sparer wollen ihr Geld dann wieder zurück, so werden eben nicht genau die gleichen Geldscheine retourniert, sondern x-beliebige andere. Es sind diese Geldflüsse (Interbankensystem) die es ermöglichen diese Betrügereien (Boni usw.) munter weiterzuführen.

    Mit freundlichen Grüssen
    Albert Schweitzer

  6. Ha, endlich mal wieder ein Artikel mit dem zentralen Unterbauchthema „Boris bashing“ . Das war lange her, konnte nicht ausbleiben. Sagen wir, nächster Termin nach der Sommerpause ?

  7. Also nach Brady ist heute nun wieder mal Boris dran …. morgen dann evtl. Vincent …. Der goldene Mike ist ja zur Zeit von der Bildfläche verschwunden und aktuell keine Zeile wert …

    Ich lese Inside Paradeplatz wirklich gerne, aber wenn es sich immer nur um die Boni der „Top-Banker“ dreht wird es schon ein wenig langweilig …

    Als Kunde von JB habe ich vor allem mein Betreuungsteam sehr schätzen gelernt und finde die Leistung der JB an der Front sehr sehr gut! (das darf nebenbei ja auch mal gesagt werden)!

    Das Cost-Income-Ratio kann ja gar nicht wirklich tiefer werden. JB und fast alle grösseren Mitbewerber hatten in der Vergangenheit mit der Abwicklung der Internationalen Steuer-Sünden und Steuer-Problematiken ja auch keine andere Wahl, als mehr Ressourcen in den Bereichen Legal und Compliance sowie Infrastruktur (Technik) zu investieren. Diese Services gibt es ja nicht gratis. Die Abwicklung bindet zudem an der Front Ressourcen, welche wieder für Geschäftsaktivitäten fehlt. Zudem kommt eine Integration einer anderen Bank/Einheit immer teurer als vorher angegeben.

    Also für heute einmal gibt es wieder nur die Note „gähn“ für Herr Hässig!

  8. Collardi ist doch in Tat und Wahrheit der „Dany Bahar“ (als Negativqualifikation auf tiefem Level zu verstehen) des Swiss Banking. Würde mich nicht wundern, wenn da bei einem Audit dann ‚mal ganz tolle Dinge zum Vorschein kommen.

  9. Schon verrückt, wie Collardi jemals so gehypt werden konnte. Schon verrückt, wie oft in Schweizer Unternehmen eigentlich die falschen Leute an der Spitze stehen bzw. sitzen. Es sind sehr oft gerade nicht die Leistungsträger als die sie sich selbst darstellen.