Falschverdacht von CS-Manager in BVK-Skandal

Chef Externe Vermögensverwalter schwärzte Kollegen an – die sind weg, er bleibt – Wädi Berchtold involviert.

Ein neues Dokument im unendlichen Skandal um die Zürcher Beamtenversicherungskasse (BVK) wirft ein fragwürdiges Licht auf die Chefetage der Credit Suisse.

Involviert in den Fall war die damalige oberste Spitze der CS, allen voran Walter Berchtold. Dieser spielte mit seiner Befragung vor einem US-Gericht auch im Steuerdisput eine zentrale Rolle.

Berchtold hat die CS Ende 2012 verlassen. Die zweite Hauptfigur Daniel Renner, Chef der Externen Vermögensverwalter, ist weiterhin bei der Grossbank.

Im Zentrum steht der Verkauf von fast 4 Millionen CS-Aktien der BVK über eine Mittelsfirma im Oktober 2002. Abwickelt wurde der Deal durch die CS. Dabei wurden der BVK rund 4 Millionen Franken zu viel belastet respektive vorenthalten.

Die BVK musste saniert werden. Den Schaden trug letztendlich der Steuerzahler.

Im neuen Dokument, bei dem es sich um eine Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Zürich, datiert mit 7. März 2013, handelt, kommen CS-Spitzenmann Daniel Renner und Ex-CS-Chef Walter Berchtold prominent vor.

Die Zürcher Ermittler sind diese Woche im BVK-Berufungsprozess vor dem Zürcher Obergericht gegen Ex-BVK-Anlagechef Daniel Gloor und weitere Verurteilte aktiv.

Sie werden Ende Oktober ihren nächsten grossen Auftritt haben, wenn es um den zweiten Teil der BVK-Aufarbeitung geht. Dann stehen 5 Ex-CS-Leute vor dem Richter.

Dort geht es um insgesamt 196 Transaktionen rund um die BVK, die illegal gewesen sein sollen. Die CS erklärte sich verantwortlich und zahlte dem Kanton im Herbst 2012 knapp 19 Millionen Franken.

Nicht beschuldigt sind Daniel Renner und Walter Berchtold.

Beim neuen Dokument, das in einer englischen Übersetzung vorliegt, geht es um falsche Angaben durch Daniel Renner.

Dessen Aussage in einem E-Mail an interne CS-Inspektoren führte Anfang 2011 zur Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Ex-Kollegen aus dem obersten Management der CS.

Konfrontiert mit dem Inhalt der Einstellungsverfügung der Zürcher Staatsanwaltschaft, welche die entlassenen CS-Manager vollständig entlastet, reagierte die CS gestern Abend unwirsch.

Der Fall der ehemaligen Mitarbeiter, die im Frühling 2003 von Bord gingen, kommentiere man nicht, meinte ein CS-Sprecher.

Im Herbst 2002 war die Transaktion mit dem Verkauf der 4 Millionen CS-Aktien über die CS-Handelsabteilung intern eskaliert.

CS-Mitarbeiter sprachen von Betrug, weil der Deal gegenüber Verkäuferin BVK nicht zu den tatsächlichen Kursen abgerechnet wurde, sondern zu einem deutlich tieferen Netto-Kurs.

Das führte zu einem Kursschnitt im Umfang von rund 4 Millionen Franken. Davon profitierten die CS und der Mittelsmann, ein hoher Ex-CS-Kadermann, welcher sein erstinstanzliches Urteil derzeit vor Obergericht anficht.

Die CS führte eine interne Untersuchung des Vorfalls durch. Dabei wurden zahlreiche Personen befragt und mussten Stellung beziehen.

Im Verlauf dieser Untersuchung änderte sich auch das Verhältnis zur BVK respektive deren für Käufe und Verkäufe von Wertpapieren berücksichtigen Mittelsmanns.

Liefen diese bis dahin über die Firma BT&T, schloss CS-Manager Daniel Renner als zuständiger CS-Chef für die Externen Vermögensverwalter im März 2003 einen neuen Vertrag mit der Firma Argus ab.

Die beiden Entwicklungen – die Eröffnung der Kontobeziehung zur Argus und die interne Abklärung des Aktien-Deals von Herbst 2002 – verliefen zeitlich parallel.

Walter Berchtold gab am 17. März 2003 seine Zustimmung zu einer Retro-Abmachung mit der Argus als neuer externer Vermögensverwalterin. Am 19. März wurde der Vertrag zwischen der CS und der Argus unterzeichnet.

Berchtold sagte auf Anfrage, dass er „nie etwas mit der BVK-Geschichte“ zu tun gehabt hätte.

Gemäss Gerichtsdokument gaben die internen CS-Prüfer an, dass der Ex-CS-Manager, der hinter der Argus stand, erneut auf einen Vertrag mit „Netto-Deals“ gepocht hätte, so wie dies mit der Vorgängerfirma BT&T der Fall gewesen war.

Dies sei zuletzt vom damaligen CS-CEO Oswald Grübel abgelehnt worden. Auf eine Rückabwicklung des Deals mit der BVK und eine Information der Behörden wurde verzichtet. Grübel war laut einer parlamentarischen Untersuchung (PUK) im Bild über die Vorgänge.

Der CS-Chef hatte damals den internen Bericht über die Vorkommnisse erhalten. Das sei Standard, sagte Grübel diese Woche auf Anfrage.

Im Zuge der internen Ermittlungen wurde Daniel Renner, der für die alte und für die neue Verbindung zum Externen Vermögensverwalter zuständige CS-Manager, zur Transaktion vom Herbst 2002 befragt.

„The business referred to was approved by C.M, S.P. and U.G. and the resulting retrocession payments were approved by Arthur Vayloyan“, steht dazu in der englischen Version des Gerichtsdokuments. Vayloyan war Ende 2012 als Chef des Schweizer Private Bankings der CS zurückgetreten.

Die Aussage führte dazu, dass die beiden CS-Manager S.P. und U.G., welche Ende März 2003 von der CS entlassen worden waren, Anfang 2011 von der Staatsanwaltschaft strafrechtlich ins Visier genommen wurden.

Die Ermittler fanden dann aber im Zuge ihrer Untersuchung keinen Beleg für die von CS-Mann Renner aufgestellte Behauptung, wonach die beiden Manager S.P. und U.G. in die Geschehnisse involviert gewesen seien.

„The description of events by Daniel Renner in relation to the accused (…) canot be confirmed“, steht in der übersetzten Einstellungsverfügung eines der Entlasteten.

„In conclusion it must be asserted that at the end of the process no criminal suspicion has been corroborated“, schliesst die Staatsanwaltschaft.

Auf CS-Seiten hatte die falsche Verdächtigung keine Folgen, wie die Zürcher Staatsanwaltschaft ausführte.

„The (misleading) remark contained in his statement whereby S.P. approved the transaction provoked no further cause for action from the audit side as S.P. had already been dismissed at this point“, schrieben die Ermittler.

Der zu Unrecht beschuldigte S.P. sprach in der Untersuchung gegen ihn von einem „cover your ass“ Audit-Memorandum, das CS-Topshot Daniel Renner geliefert hätte.

Er habe keine Ahnung gehabt von der laufenden Untersuchung und sei am 31. März 2003 von Walter Berchtold über seine Kündigung informiert worden.

Diese sei damals für ihn völlig überraschend erfolgt. Inzwischen denke er, dass er möglicherweise als ein „Scapegoat“ – Sündenbock – missbraucht worden sei.

Die Staatsanwaltschaft sieht diese Möglichkeit als gegeben.

„With the information which has become apparent during the process of the investigation and in particular in relation to the CS internal processing of said information, the resulting picture presented shows that such a correlation cannot be wholly excluded“, hielt Staatsanwalt Oliver Otto in seiner Verfügung vor Jahresfrist fest.

Otto verwies gestern auf seine Erklärungen in den Akten und wollte sich darüber hinaus nicht zum Fall äussern.

Der Prozess gegen die Ex-CS-Mitarbeiter ist für den 29. und 30. Oktober am Bezirksgericht Zürich angesetzt.

Kommentare

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  1. Stimmt.Aber schon steht die naechste Kalamitaet ins Haus. die britische Aufsicht hat angekuendigt, Libor Suender haerter zu packen. Die fuehlen sich ziemlich unabhaengig von den Europaeern und Amerikanern. Ich bin gespannt wie sich die CS diesmal verhaelt. Und die Devisenmanipulationen muessen auch noch aufgearbeitet werden. Wahrscheinlich waren es wieder nur mal ein paar subalterne Mitarbeiter die das veranstaltet haben.
    Und sie koennen’s nicht lassen. Im Moment wird wieder daran gearbeitet das Hochgeschwindigkeits Trading zu proliferieren. Als ob es nicht genuegend Zeitbomben in der Finanzwirtscgaft gaebe. Die allermeisten Menschen sind es leid, fuer krankhafte die Geldgied der Bankmanager zu buessen.
    Wenn sich diese Firma nicht aendert wird sie Schiffbruch erleiden. Dann ist Schluss mit der allzu bekannten “ most admired bank“ Traeumwrei.

  2. Mitarbeiter verraten und anschwärzen hat bei der CS leider Tradition. So geschehen auch im US Steuerstreit wo ein paar subalterne Mitarbeiter als kriminelle und allein verantwortliche Schuldige hingestellt wurden.

    Von all den betroffenen Banken in der Kategorie 1 mit angeklagten Mitarbeitern ist die CS die einzige Bank, welche immer wieder öffentlich ein paar wenige an den Pranger stellt und behauptet von allem nichts gewusst zu haben. Kein anderer CEO oder VR von betroffenen Banken hat dies bei seinen Mitarbeitern gemacht.

  3. Kollegen anschwärzen, „cover your ass“-Memos, Sündenböcke…

    Solange die CS solche Leute wie diesen Renner duldet, wird es immer wieder zu Skandalen kommen. Schlimm, dass in diesen Fall noch der Steuerzahler betroffen ist.

    • die CS hat noch nie etwas dazugelernt. einen grauenvollen Umgang, die diese Menschen dort miteinander pflegen.Dazu das Topmanagement, die sich nur über Geld definieren, aber von Wertkultur keine Spur. So viele kaputte Menschen, die keinen Ausweg sehen.

  4. Es hat aber alles doch begonnen bei F. C selber. Der Mann aus Windlach mit seinem BMW 7-Serie der so gerne grosse Runden drehen möchte und jetzt verurteilt ist ?
    Dass es ein paar kleine Typen gegeben hat die gerne F. bedienen möchten und fast ahnungslos gewisse Transaktionen abwickelten ohne Acht auf die Signale aus der Abwicklung zu schlagen ist Nebensache und Kleinkram.

  5. Traue keinem Banker, niemals! That’s the only conclusion. – Und der schöne Wädi B. sollte sich bitteschön irgendwohin verkrümeln!

    • Genau, verstecken gehen sollte sich der Wädi. Vielleicht bei seinen Freunden in den USA, wo er ja – so sagt man einen Deal aushandeln konnte (Aussage gegen „Freiheit“). Wollen wir nicht mehr sehen hier mitsamt seinen Kumpanen!

  6. Seit wann verfasst die Zürcher Staatsanwaltschaft ihre Untersuchungsberichte auf Englisch? Ist das bereits eine Amtssprache? Jedenfalls äusserst praktisch für interessierte Kollegen im DOJ oder bei der U.S. Bundesanwaltschaft.

    PS: Die Story ist echt brisant und bestätigt u.a. wieder mal, dass man bei Grübel und Berchtold nicht sehr tief graben muss, bis man auf Unschönes stösst. Wo gehobelt wird, fallen Spähne, werden sich die zwei sagen. Aber gerade bei Grübel ist es längst an der Zeit, den Heiligennimbus zu beerdigen.

    • Könnten meine Worte sein 😀

      Ich attestiere Grübel schon längst nicht tugendhafte Charakterzüge. Postivie, mediale Präsenz ist für diesen Mann wichtiger als harte Arbeit.

    • Herr Grübel war in seiner Zeit als Chef Private Banking in den Jahren ab 2000 einer der grössten Befehlsgeber und Antreiber beim Vertrieb von teuren Fonds. Täglich wurde eine Fondsstatistik geführt, um über die Berater besser gesagt dann bereits Verkäufer zu urteilen. Es wurden Ranglisten erstellt und die besten wurden dann ausgezeichnet. Beratung war so nicht mehr möglich, denn es durften nur Fonds gekauft aber nicht verkauft werden wegen der Statistik und natürlich der hohen Erträge für die Bank durch die Fonds. Ob Herr Grübel als ehemaliger Händler diese 08.15 Fonds wohl selber auch gekauft hat. Ich denke eher nein.

    • @Wahrheit: Vor allem war Herr Grübel nicht hart arbeitend!

      Wie schön wenn man über eine 20 Jahre + Karriere mit einer weissen Weste wie Herr Rohner weglaufen könnte. Das kann nicht mal ein McDonalds Angestellter, jeder spuckt einmal in einen Burger, vergisst mal eine Pommes oder verwechselt ein Diet Coke…