UBS-Kronzeuge Liechti war Espirito-Insider

Hauptquelle im US-Steuerkrieg ist Vertrauensmann der gecrashten Portugal-Bank – empfahl den Kauf der BSI.

Martin Liechti ist wieder aktiv im Schweizer Banking. Der Ex-UBS-Topshot, der am Anfang des Niedergangs des Schweizer Bankgeheimnisses steht, war ein enger Berater der Espirito-Bank.

Liechti hatte ein Mandat des Managements der Schweizer Niederlassung der gecrashten Portugal-Grossbank. Diese musste übers Wochenende mit 6 Milliarden Franken gerettet werden.

Liechti wurde zum Vertrauten einer der 5 Espirito-Santo-Besitzerfamilien. Er beriet Ricardo Salgado, der nach Jahrzehnten Espirito-Leitung vor kurzem zurücktreten musste.

Salgado wurde vor wenigen Tagen verhaftet und gegen eine 3-Millionen-Kaution freigelassen. Er war bis zum Notverkauf auch Verwaltungsrat der Schweizer Espirito.

Salgados Tochter Catarina sass bis zur Zwangsliquidation ebenfalls im VR des Schweizer Ablegers mit Sitz im Waadtland. Catarina Salgado gilt als weitere Vertraute von Martin Liechti.

Der langjährige Zürcher Private Banker, der um die Jahrtausendwende aus Genf heraus die UBS-Region Iberien leitete, wurde 2001 zum Americas-Chef der Grossbank.

In dieser Funktion verantwortete er unter anderem das Offshore-Geschäft reicher US-Privatkunden. Im Frühling 2008 wurde Liechti aus einer startbereiten Maschine am Flughafen Miami verhaftet.

Liechti wurde zum Kronzeugen der US-Justiz für deren Feldzug gegen das Schweizer Bankgeheimnis. Verraten hatte Liechti UBS-„Whistleblower“ Bradley Birkenfeld.

Die uneingeschränkte Kooperation Liechtis führte im November 2008 zur US-Anklage gegen dessen Chef und damalige Nummer 3 der UBS, Raoul Weil.

Im Februar 2009 wurde die UBS als konspirative Organisation zu einer hohen Busse verurteilt. Am 14. Oktober muss sich Raoul Weil vor einem US-Gericht verantworten. Liechti gilt dort als Hauptzeuge der Anklage.

Liechti war nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Sommer 2008 offiziell nie mehr im Banking tätig. Ob er von der Finanzmarktaufsicht dafür grünes Licht erhalten würde, ist unklar.

Die Finma sah in Liechti den hierarchisch höchstrangigen Schuldigen für das illegale Verhalten der UBS im US-Offshoregeschäft. In ihrem Bericht sprach sie hingegen Weil und dessen Chefs frei, obwohl die USA Belege für deren Engagement vorgelegt hatten.

Martin Liechti pflegte laut einer Quelle ein sehr enges Verhältnis zu Espirito-Patriarch Ricardo Salgado. Dieser steht heute im Verdacht, ein kriminelles Kartenhaus geleitet zu haben.

Letztes Jahr empfahl Liechti Familienoberhaupt Salgado, dessen Tochter sowie deren Vertrauensleuten in der Banque Privée Espirito Santo, wie der Schweizer Ableger offiziell heisst, den Kauf der Tessiner BSI.

Diese gehörte seit Jahren der italienischen Versicherung Generali, die sich unter neuer Führung von ihrer Privatbanken-Tochter mit Sitz in Lugano trennen wollte.

Generali hatte Mühe, einen Käufer zu finden. Die Schweizer Privatbanken wie Julius Bär, die für einen Deal in Frage gekommen wären, winkten ebenso ab wie die Raiffeisen.

Ausländer hingegen zeigten Interesse. Die schweiz-brasilianische Familie Safra, die 2011 bereits die Basler Sarasin für eine Milliardensumme erworben hatte, prüfte eine Übernahme.

Ebenso war unter der Beratung von Martin Liechti die portugiesische Espirito Santo im Rennen. Zuletzt erhielt André Esteves mit seiner brasilianischen BTG Pactual für 1,5 Milliarden Franken den Zuschlag.

Unklar ist, ob Liechti bereits als UBS-Chef für Ricardo Salgado und dessen mächtigen Familienclan tätig gewesen war. Ein Insider mit Kenntnissen der Situation dementiert das.

Als Chef des gesamten UBS-Offshore-Gebiets für Nord- und Südamerika bis 2008 pflegte Liechti sehr enge Beziehungen zu vermögenden Familien aus dem spanischen und portugiesischen Einflussbereich.

Unter anderem betreute Liechti brasilianische Privatkunden mit grossen Vermögen. Er kannte die portugiesisch geprägte Kultur des aufstrebenden Reichs auf dem Südkontinent.

Dass Liechti eng für die Espirito Santo und deren Besitzerfamilie Salgado aktiv war, war der Aufsicht Finma bekannt.

Deren langjähriger Verwaltungsrat Jean-Baptiste Zufferey, ein Westschweizer Professor, sass seit Jahren im Verwaltungsrat der Schweizer Espirito-Niederlassung.

Im Juli, als das Reich der Espirito Santo in Schieflage geraten war, flüchtete Zufferey Hals über Kopf aus dem VR der Finma, dem er zuvor seit Urzeiten angehört hatte.

Zufferey war im Bild über Liechtis Beratertätigkeit für die Familie Salgado und deren Espirito Schweiz. Er hatte offenbar keine Einwände.

Eine weitere Schweizer Finanzfirma rückt ins Zentrum des Espirito-Debakels, das sich innert weniger Wochen zu einem der vermutlich grössten Wirtschaftsskandale entwickelt hatte und das weltweite Finanzsystem erschütterte.

Es handelt sich um eine Aktiengesellschaft in Lausanne namens Eurofin Holding und deren Unterfirmen.

Wie portugiesische Medien vor ein paar Tagen vermeldeten und gestern das renommierte Wall Street Journal (WSJ) ausführte, spielte die Eurofin eine zentrale Rolle im Espirito-Santo-Geflecht.

Offiziell ein unabhängiger Vermögensverwalter hatte die Lausanner Eurofin personelle Links zur Spitze der Espirito-Gruppe.

Ein Manager der Eurofin Holding namens Francisco Machado da Cruz agierte laut WSJ als alleiniger Revisor der Espirito Santo International, der Mutter der Banco Espirito Santo, die soeben mit EU-Milliardengeldern gerettet werden musste.

Machado da Cruz sass in weiteren Espirito-Holdingfirmen. Anfang 2014 gab er sein Revisions-Mandat der Espirito International ab.

Mit Eintrag im Handelsregister vom 24. Juni trat Machado da Cruz auch aus dem Verwaltungsrat der Lausanner Eurofin Holding zurück.

Bei der Eurofin weiterhin aktiv ist Joao Poppe, ein Neffe von Espirito-Übervater Ricardo Salgado.

Poppe sass laut WSJ in einem Londoner Hedgefund, der ursprünglich mit Espirito-Geldern gegründet worden war. Von dort stammt auch Joao Rato, der neue Finanzchef des Banco Espirito Santo, der das Finanzinstitut stabilisieren muss.

Die Finma wollte gestern nicht sagen, ob ein Verfahren rund um die Espirito-Aktivitäten in der Schweiz im Gange sei. „Über mögliche Abklärungen und Verfahren erteilt die FINMA keine Auskünfte“, meinte ihr Sprecher Vinzenz Mathys.

Die Schweizer Eurofin zimmerte Finanzprodukte für die Espirito-Gruppe. Unter anderem wurden Schulden der Obergesellschaften verbrieft und – offenbar zu überhöhten Kursen – in die Portefeuilles von Espirtio-Kunden gelegt, darunter auch viele kleine.

In der Schweizer Espirito Santo soll das nicht passiert sein, sagt eine Quelle.

Laut Portugals Notenbankchef sollen solche verbriefte Schuldpapiere dem Banco Espirito Santo per Mitte Jahr 1,25 Milliarden Euro Verluste verursacht haben. Insgesamt betrug der Halbjahresverlust der Bank 3,6 Milliarden Euro.

Die Banco-Espirito-Aktie raste in den Keller. Am Ende blieb nur noch die Notrettung.

Kommentare

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  1. Lieber Praktiker,

    Gefährlich ist die Lage, in der sich unsere Welt gerade befindet mit Sicherheit. Gleichzeitig wird aber auch sehr deutlich, worum es geht: Wird die Finanzoligarchie sich durchsetzen, was das Ende für die Zivilisation und vielleicht der Menschheit bedeuten würde, oder werden sich die Kräfte durchsetzen, die für den Aufbau einer neuen gerechten Weltwirtschaftsordnung kämpfen?

    Als Laie ist für mich unverständlich, weshalb noch immer in diesen Situationen der Steuerzahler einspringen muss.

    Was um Himmels Willen kann passieren wenn die Bank pleite geht? Kann man die Konten der Kunden nicht sicherstellen und die Bank pleite gehen lassen?

    Mit freundlichen Grüssen
    Friedrich Thommen

    • @Friedrich Thommen,

      Selbstverständlich können und müssen sie nicht gerettet werden!

      Das Fallenlassen der Banken ist gerade unter Berücksichtigung der kapitalistischen Dogmen die einzige Antwort auf größenwahnsinnige Dummheiten. Das gilt natürlich nicht nur für die Grossen, sondern auch für die kleinen Anleger bzw. Spekulanten. Selbstverständlich tut es mir leid, wenn auch kleine Sparer im Rahmen von Bankenpleiten ihr Erspartes verlieren würden. Aber so funktioniert nun einmal der Kapitalismus. Irreal hohe Zinsversprechen beinhalten nun einmal hohe Verlustrisiken.

      Sie schreiben Zitat:

      Als Laie ist für mich unverständlich, weshalb noch immer in diesen Situationen der Steuerzahler einspringen muss.

      Zitat Ende.

      Vor 150 Jahren entsprachen alle neuen Informationen im Leben eines Menschen ungefähr der Masse an Nachrichten in einer heutigen Tageszeitung.

      Die Informationsflutung macht uns letztlich krank und wir verlieren den Überblick. Es geht bei diesen Nebelbomben letzten Endes, um die Gläubiger von denen man niemals die Namen erfahren wird.
      Grüsse
      Der Praktiker

  2. Hammer-Story, die sich liest wie ein Finanzkrimi! Das Tüpfchen auf dem i ist (wieder mal) die Rolle der Finma und ihrer angeblich unabhängigen Organe. Schlicht skandalös! Aber die oberste Verantwortliche besucht lieber Zirkusvorstellungen mit ihren Enkelkindern als endlich einmal ihren Job zu machen!

    • @Dr.B. Lugosi,

      skandalös sind Ihre Beiträge. Vollkommen ignorant!

      An den Strukturen der Finanzwirtschaft muss angesetzt werden, um zukünftigen Schaden für Wirtschaft und Gesellschaft abzuwenden. Die Finanzwirtschaft muss marktwirtschaftlichen Regeln unterworfen werden, die sich in der Realwirtschaft bewährt haben. Glücksspiele und Wetten müssen als solche behandelt werden, auch wenn sie Finanzinnovation genannt werden. Hierbei können nationale Regeln sehr effektiv sein. Spanien hat seinen Banken verboten, strukturierte Finanzprodukte in Zweckgesellschaften auszulagern und damit vor Verlusten aus diesen Geschäften bewahrt. Der Verweis auf internationale Regelungen darf nicht Entschuldigung sein für fehlende nationale Regelungen. Sparer und Steuerzahler können und müssen geschützt werden durch nationale Gesetze.

      Die FINMA hat ohne die erforderlichen und notwendigen poitischen Rahmenbedingungen und Sanktionsmöglichkeiten keinerlei (sehr limitiert) Chancen gegen ein solches Betrugs,- und Enteignungsmodell auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung einzugreifen.
      Grüsse
      Der Praktiker

    • @Praktiker: Von einem salbadernden Weltverbesserer und Möchtegern-Finanzmarkt-Theoretiker als Ignorant betitelt zu werden, ist schon fast eine Auszeichnung. Beati sunt pauperes spiritu.

    • @Dr. B. Lugosi,

      salbadernden Weltverbesserer und Möchtegern-Finanzmarkt-Theoretiker?

      Ihren fachkenntnisreichen Argumentationen in allen Ehren.

      Mit diesem Zitat bestätigen Sie Ihre Ignoranz und fügen auch Inkopetenz hinzu. Keine Argumente, sondern nur die Fähigkeit mit dem Finger auf andere zu zeigen.

      Beati qui esuriunt et sitiunt iustitiam
      quoniam ipsi saturabuntur.
      Grüsse
      Der Praktiker

  3. Seit 1986 ist die UBS/SBG bei der Banco Espirito Santo involviert.
    Siehe Wikipedia
    Banco Espirito Santo -History-
    „They formed Espirito Santo Sociedade de Investimentos (ESSI) together with Swiss bank UBS and KBC Luxembourg.

    • Achtung, Achtung, wenn Liechti wieder aktiv im Suisse Banking ist, dann wird es Zeit für einen neuen Vertrauten familiär Debakel…