Was wäre, wenn Google eine Bank gründen würde?

Die Musikindustrie hätte es sich wahrscheinlich nicht einmal erträumen lassen, dass Apple irgendwann ihr grösster Konkurrent werden würde. Ebenso wenig hatten die Versandhändler gedacht, dass plötzlich das Auktionshaus Ebay und der Online-Buchhändler Amazon ihnen das Wasser abgraben könnte. Und die Fotoapparatehersteller dieser Welt hatten einander im Auge, was ihre Wettbewerbsposition betraf, aber sicherlich nicht die digitale Konkurrenz. Für Kodak endete dies tödlich. (…)

Die Musikindustrie hätte es sich wahrscheinlich nicht einmal erträumen lassen, dass Apple irgendwann ihr grösster Konkurrent werden würde. Ebenso wenig hatten die Versandhändler gedacht, dass plötzlich das Auktionshaus Ebay und der Online-Buchhändler Amazon ihnen das Wasser abgraben könnte. Und die Fotoapparatehersteller dieser Welt hatten einander im Auge, was ihre Wettbewerbsposition betraf, aber sicherlich nicht die digitale Konkurrenz. Für Kodak endete dies tödlich.

Wie steht es um die Banken heute? Was wäre, wenn ein gänzlich Branchenfremder käme und ihnen ernsthaft Konkurrenz machen würde? Was würde geschehen, wenn sich zum Beispiel Google dazu entschliessen würde, eine Bank zu gründen?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass das Geld dafür da wäre. Mit rund 60 Milliarden US-Dollar sitzt Google derzeit auf einem Berg von Cash, das eine sinnvolle Verwendung sucht. Die Eintrittshürde Kosten wäre im Fall von Google somit vernachlässigbar. Man könnte sogar so weit gehen zu behaupten, dass Google selbst einen Totalabschreiber für ein Banking-Abenteuer verkraften könnte.

Hinzu kommen Kostenvorteile, welche durch die Technologieführerschaft von Google entstehen. Banken kämpfen heutzutage oftmals mit IT Legacy-Systemen, die in den 1980er Jahren gebaut wurden. Diese Systeme basieren nicht nur auf Programmiersprachen, die heute kaum mehr bekannt sind, sondern sie folgen auch einem prozesstechnischen Verfahren, das angesichts der heutigen Objektorientierung als antiquiert bezeichnet werden kann.

Allein das Am-Leben-erhalten dieser  Systeme frisst bei zahlreichen Banken einen Grossteil des IT-Budgets auf. Google hätte diese Legacy-Probleme nicht. Die Google-Leute könnten mit der neuesten Technologie auf der grünen Wiese – oder besser gesagt, in einer „grünen Cloud“– ihre Google-Bank aufbauen.

Aber hat Google das notwendige Image, um Bankgeschäfte zu betreiben? Allenthalben wird von Banken erwartet, dass sie stets seriös, konservativ, ja vielleicht sogar verstaubt wirken.

Auf den ersten Blick passt dies nur sehr beschränkt zu einem verspielten Service-Anbieter, dessen Corporate Identity durch die Farben von Lego-Bausteinen geprägt wurde und der im Internet gross geworden ist.

Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch, dass es Google schon heute mit diesem Image gelingt, dass Kunden sich ihr mit fast jeder Art von Information anvertrauen. Das Vertrauen der Kunden in Google scheint grenzenlos zu sein, was Daten anbelangt. Warum sollte dies mit Geld anders sein?

Weiterhin könnte man fragen, wie es um potenzielle Kunden bestellt ist. Wer würde sein Geld der Google-Bank anvertrauen?

Hierzu ist festzustellen, dass Google bereits heute mehr als 400 Millionen Nutzer mit User-Accounts hat, welche die verschiedensten Produkte und Services von Google beziehen, von Email-Konten über Übersetzungs- oder Navigationssystemen bis hin zu Hardware wie dem Google Tablet.

Die Liste ist fast beliebig erweiterbar. Wenn nur ein Bruchteil dieser Kunden auch Kunden der Google-Bank würden, wären dies Millionen.

Vereinfacht ausgedrückt besteht das Businessmodell von Google aus der Sammlung, Kondensierung und benutzerfreundlichen Aufbereitung von Daten. Dieses Modell hat Google zur Perfektion verfeinert.

Wenn sich Google nun auch dazu entschliessen sollte, Banking Services anzubieten, werden wir dies auch hierzulande erwarten können. Im Extremfall würde dies bedeuten, dass Google den Gmail-Account eines Kunden scannt (wie dies heute schon geschieht) und feststellt, dass der Kunde eventuell ein Haus bauen möchte und Google dann pro-aktiv ein Angebot für einen Hypothekarkredit unterbreitet.

Google hätte somit das Poteztial, Kundenbedürfnisse zu entdecken und die entsprechenden Angebote zu machen, bevor sich der Kunde möglicherweise selbst im Klaren darüber ist.

Last but not least hat Google einen hervorragenden Ruf als Arbeitgeberin. Wenn es darum ginge, Mitarbeiter für die neue Google-Bank zu gewinnen, könnte Google – zumindest unter den bis 35-Jährigen – problemlos mithalten.

Als Neustarter in der Branche könnte sich Google zudem abheben von den vermeintlichen Verursachern der Finanzkrise. Es wäre denn auch davon auszugehen, dass die Google-Bank im Kampf um Talente beste Karten hätte.

Wenn die Voraussetzungen für Google also derart günstig sind, warum ist das Silicon-Valley-Unternehmen dann nicht schon längst in den Bankenmarkt eingestiegen?

Eine plausible Erklärung ist, dass Google die Bankenbranche derzeit einfach als zu unattraktiv erachtet. Dies könnte sich schon bald änder,n und erste Schritte in diese Richtung hat Google mit Google Wallet und dem Erwerb einer „Electronic Money Institution“-Lizenz ja bereits unternommen.

Für etablierte Banken ergeben sich in der Zwischenzeit zwei Optionen. Die erste besteht darin, sich als Bank in eine Partnerschaft einzubringen und zu versuchen, mit Google eine Allianz zu bilden.

Die zweite wäre, so schnell wie möglich die Finanzen auf Vordermann zu bringen, das Image aufzupolieren, die Kundenbasis zu erweitern, den Kundenservice besser zu gestalten und das Verhältnis zu den Mitarbeitern zu verbessern – schlicht, sich in diesen Dingen an Google zu orientieren.

Es könnte sich somit lohnen, sich nicht ausschliesslich an der Bankenkonkurrenz zu orientieren, wenn es um die eigene Position in der Finanzbranche geht. Ein Blick über den Tellerrand hinaus zur besten Non-Bank könnte durchaus wertvoll sein.

Kommentare

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  1. Ein Bereich wo sie Banken verdrängen können ist Research.

    Sie haben alle Notwendigen Informationen.
    Können über Android (und Apple über iPhöne) Insiderinformationen von CEO-Kommunikation abfangen und diese wirklich wertvollen Informationen vertreiben.

  2. Die Spekulation, ob Google eine Bank gründet kursiert ja schon etwas länger. Ich denke, dass solche Pläne mit Sicherheit auch schon existieren.

    Google ist aber in vielen Punkten schon zurückgerudert und zum Beispiel ist Google+ ja bei weitem nicht so erfolgreich geworden, wie es geplant war.

    Hierbei ist eine Frage sehr wichtig:

    „Wie“ würde Google eine Bank gründen?

    Und genau da liegt das Problem bei Google. Die Programmierer werden wieder sehr viel Wert auf Innovation und Technik legen – versuchen „andere“ zu übertreffen.

    Dabei ist eine Überweisung ein zu einfacher Vorgang, der kaum noch optimiert werden kann. Ich gehe also davon aus, dass ein Versuch eine Bank zu gründen nur dann Erfolg haben könnte, wenn man echte Branchen-Insider anwirbt. – die dann Kernfragen wie Sicherheit etc. ausarbeiten.

    Also eine Bank mal eben so zu programmieren halte ich für nicht sehr vertrauenswürdig. Für eine echte Neugründung fehlt ein Alleinstellungsmerkmal.

    Als Zahlungs(dienstleistungs)anbieter oder vielleicht im Zusammenhang mit Cryptowährungen wäre es allerdings bestimmt interessant.

    LG

    • Überweisung kann nicht mehr optimiert werden? Wie wäre es mit kostenfreien internationalen Zahlungen und keiner Bearbeitungsdauer von mindestens einem Tag?

  3. Warum sollten globale Technologiefirmen, wie z.B. Google, mit hohen Margen und Skaleneffekten in ein Geschäft mit viel tieferen Margen und grossen regulatorischen Aufwänden gehen (z.B. ein notwendiges Market Management,..)?

    Ein Ansatz mit Services für Banken in den Bereichen Distributions-/Marketing Kanäle (z.B. Search Engine, Video Portale,.)und ebenso eine Bereitstellung von Kundeninformationen aus dem Internet (Client Insight/Big Data) ist wohl naheliegender.

    • Das wird aber eine lustige Brave New World, wo alle nur noch Fintech sein wollen und niemand mehr Bank. Frage mich nur, wer dann noch Anzeigen bei Google schalten und Microsoft seine überzogen teuren Produkte abkaufen soll…

  4. wahrscheinlich hat google keine lust, ausfallrisiken mit schlechten kunden einzugehen. datenverlust kostet ha nichts. da ist es viel besser, sich in die wertschöpfungskette der banken reinzuschieben mit zahlungsabwicklung oder einem vermögensportal wie moneyland oder so. andererseits hätten die banken auch das geld, einfach was in diese richrtung zu versuchen. zb mit crowdfunding könnten sie kmus im finanzierungsprozess schon früher begegnen als sie es heute tun.

    http://www.bankingundfinance.ch/produkte/warum-banken-auf-crowdfunding-setzen-sollten-diplomarbeit/

    • Google kennt das Problem ‚Datenverlust‘ nicht. Eher das Gegenteil trifft zu.

  5. Das ist eine recht interessante Geschichte. NUR: ich traue Google nicht und meiner Bank schon lange nicht mehr.

  6. Frage mich eh schon lange, warum niemand eine Direktbank eröffnet.

    90% der Kunden brauchen nur ein Giro- sowie ein Sparkonto. Um eine solche Online-Bank hochzuziehen braucht es evtl. 20 IT Spezialisten. Dazu noch ein paar Anwälte, Marketingleute etc. Alles in allem mit 40-50 MA könnte man eine schlanke, und moderne Online-Bank fahren.

  7. Ob Google, Zuckerberg oder Gates: Es kann nur besser sein als das, was die (Casino-)Ermottis, Fitschens, Dougans & Blankfeins dieser Welt mit ihren Kumpanen mit Unterstützung von Politik und Kontrollorganen abziehen!

  8. Dreambrands (Apple/Google/etc.) und Lovebrands (LVMH/Hermes/etc.) haben ALLE das Potenzial zur eigenen Bank (Retail – Private / WM – Investment).
    Wenn die den wollen übernehmen die „angeschossene“
    Finma/Bafin/etc.-Institute oder machen Private Label Desk mit internationalen Playern.
    Das besonders gefährliche ist nur, die klassischen Banker Brains können sich das nicht vorstellen. Die klassischen Autobauer konnten sich auch einen TESLA nicht ausdenken.

  9. Die Idee ist nicht neu. Bill Gates erklärte schon in den 90-er Jahren, die Banken seien Dinosaurier. Und man hat ihm (zu Unrecht) die Urheberschaft des Satzes „banking is necessary, banks are not“ nachgesagt. Man erwartete, dass er ein Bank gründen würde, mit den gleichen Argumenten, die Patrick Schüffel vorbringt. Diese Argumente sind technisch richtig, aber es fehlt eine Überlegung: Eine Bank bracht eine Lizenz (in der Schweiz von der FINMA) und wird überwacht. Und damit wäre halt eine Google Bank einfach eine weitere Bank. Die Kunst dürfte für Google (und andere) eher darin bestehen, alle Finanzgeschäfte für Privatkunden anzubieten, die keine Bankenlizenz erfordern. Also sicher keine Kontenführung und keine Depotverwaltung. Da dürfen wir etwas erwarten in den kommenden Jahren.

    • Lieber Herr Geiger, wir haben das Jahr 2015, nicht mehr 1998! Das grundlegend Neue ist hier, dass Google heute Möglichkeiten zur Datenauswertung hatte, von der Sie zu Ihrer aktiven Zeit nur träumen konnten und darüber hinaus regelrechte Fans, die einer Google Bank die Tür einrennen würden – was Bill Gates bis heute nicht hat. Und von einer allfälligen FINMA-Unterstellung zu schliessen, eine Google-Bank würde sofort zu einer UBS oder CS mutieren, ist an den Haaren herbeigezogen. Darüber hinaus sind Ihre Kenntnisse in Sachen FINMA-Unterstellung auch nicht auf dem neuesten Stand. Lesen Sie mal die aktuelle „Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die ausländischen Banken in der Schweiz“. Die FINMA muss Auslandsbanken nicht notwendigerweise den Bestimmungen für inländische Banken unterstellen. Eine Google Bank könnte also bspw. auch unter der Beaufsichtigung durch den Luxemburger Regulator in der Schweiz geschäften. In einem Punkt haben Sie allerdings Recht: der Spruch „Banking is necessary. Banks are not.“ kommt tatsächlich nicht von Bill Gates, sondern von Richard Marco Kovacevich, dem ehemaligen Chairman von Norwest, vgl. Nocera, Joseph. „Banking is necessary-Banks are not.“ Fortune 11 (1998): 2.

    • Sie können eine Internet Bank von irgendwo her betreiben. Dazu brauchen sie keine FINMA. Und wenn Google dahintersteht haben sie auch eine faire Chance, dass ihr Geld sicher ist (die IT Infrastruktur dürfte es zumindest ganz gewiss sein).

  10. Google hat wahrscheinlich auch noch kein Interesse daran weil im Retail Banking nur wenig Geld mit viel Aufwand zu verdienen ist und für Investment Banking – wo das grosse Geld zu verdienen ist – braucht es mehr als gute IT und es passt nicht zu Googles Retail Ansatz.

    • Vor 15 Jahren waren Retailkunden ein bunter Hund im Investmentbereich. Google Finance hat inzwischen die wichtigsten Infos zum Laien gebracht – gratis.
      Warum dort halt machen?