Valartis Bank hat Vaduz-Verfahren am Hals

Privatbanken-Gruppe in „aufsichtsrechtlichen Verfahren“ – „wesentlichen Einfluss auf Finanzlage“ – Krise im Fürsten-Ländle.

Das Valartis-Bankengebilde steht auf der Kippe. Nach einem astronomischen Verlust von 73 Millionen und dem CEO-Wechsel von gestern kommt jetzt ein Verfahren des Regulators zum Vorschein.

Dieses hat es in sich. Es geht wohl ums Überleben der börsenkotierten Finanzgruppe, deren Aktie von ihrem Höchststand von 250 Anfang 2000 auf noch rund 14 Franken abgestürzt ist.

Im Geschäftsbericht für 2014 enthüllt die Valartis-Gruppe weit hinten eine Untersuchung des Liechtensteiner Regulators, dem das Unternehmen nach einem Umbau letztes Jahr untersteht.

„Sollten eines oder mehrere dieser laufenden Verfahren einen negativen Ausgang haben, könnte dies einen wesentlichen Einfluss auf die Gruppenstruktur und Finanzlage der Valartis Gruppe haben“, offenbart die Valartis.

Ein Sprecher der Liechtensteiner bestätigte gestern, dass „die (Aufsicht in) Liechtenstein gegen die Valartis Bank (Liechtenstein) AG ein aufsichtsrechtliches Verfahren führt“.

Darüber hinaus wollte die Finanzaufsicht nichts sagen. „Zu laufenden Verfahren erteilen wir generell keine weiteren Auskünfte“, meinte der Sprecher.

Wie gefährlich die Lage für die Valartis geworden ist, lässt sich aus dem gestern kommunzierten CEO-Wechsel ableiten.

Der starke Mann von Valartis, Grossaktionär Gustav Stenbolt, zieht sich auf das Präsidium zurück. Neuer operativer Steuermann wird Stephan Häberle.

Häberle kann ein Lied singen von Untergangskandidaten im Finanzsektor. Er war bis vor kurzem Chef der MediBank, einem kleinen Institut, das im Zuge eines Aktionärsstreits „heruntergefahren“ wird.

Ob Häberle nun auch die Valartis-Gruppe in ein „Soft landing“ überführen soll, bleibt abzuwarten.

Sicher ist, dass die eröffneten Verfahren der Liechenstein-Aufsicht für die Valartis und deren Verantwortlichen gefährlich werden könnten. Hinzu kommt ein Verfahren in Wien, über das österreichische Medien bereits berichtet haben.

Gemäss Valartis-Geschäftsbericht geht es bei den Ermittlungen der Behörde einerseits um den Eigentümerwechsel bei der Valartis Bank in Österreich.

Andererseits gelten in Vaduz seit Februar dieses Jahres verschärfte Kapitalvorschriften und mehr Risikokontrollen.

Schliesslich – und das ist besonders brisant – geht der Regulator „der Qualifikation der gruppeninternen Finanzierungen“ nach.

Dort arbeiten die Liechtensteiner Behörden mit den Kollegen der österreichischen Aufsicht zusammen.

Die beiden Aufsichtsstellen „unterziehen“ dabei „Gesellschaften und Personen der Valartis Gruppe aufsichtsrechtlichen Überprüfungsverfahren“, heisst es im Valartis-Geschäftsbericht.

Mit anderen Worten: Es wird geprüft, ob die Valartis-Verantwortlichen sauber geschäftet haben.

Im Fokus steht der starke Mann der Gruppe.

Gustav Stenbolt zimmerte aus mehreren Banken, die bis auf die Zürcher Derivateboutique OZ Gruppe und Ex-Börsen-Zauberer Martin Ebner zurückreichen, ein kleines Finanzimperium.

Im Verwaltungsrat tummelten sich honorige Figuren. Vor allem Finanzprofessor Erwin Heri war lange Präsident der Valartis-Gruppe.

Heri, der heute mit eigenen Aufklärungsvideos durch die Schweiz tourt und sich auf seiner eigenen Homepage als „‚Hybrid‘ der internationalen Finanzmarktszenerie“ anpreist, war als oberster Kopf von 2003 bis 2013, also über 10 Jahre lang, verantwortlich für die Entwicklung.

Als er vor 2 Jahren ausschied, geschah das zunächst still und leise.

Erst mit einiger Verzögerung wurde bekannt, wie sehr sich Heri seinen Abgang vergolden liess. Insgesamt kriegte der bekannte Ökonom eine halbe Million ausgeschüttet.

Als Gegenleistung führte Heri Vorträge und Beratungen ins Feld, die er nach seinem Ausscheiden als VR-Präsident für die Valartis erbracht hätte.

Noch unter Heris Präsidium brach ein erbitterter Streit zwischen dem deutschen Milliardär Georg von Opel und Valartis-Grossaktionär Stenbolt aus. Es ging um ein russisches Private-Equity-Vehikel namens ENR, dessen Mittel Stenbolt zweckentfremdet haben soll.

Der scharfe Niedergang der Valartis-Gruppe beschleunigte sich nach Heris Ausscheiden.

Letztes Jahr kam es zur grossen Bereinigung. Die Tessiner Cramer-Bank übernahm die Schweizer Aktivitäten der Valartis.

Diese versuchte einen Neustart im Ländle.

Nun zeigt sich, dass das Ausweichmanöver möglicherweise nicht glückt. Für das Ländle könnte der Fall Valartis ungemütlich werden.

Kaum hat das kleine Finanzparadies den US-Steuerkrieg gegen den Verrat von Kundennamen überlebt, droht ihm ein nächstes Fiasko.

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9 Kommentare zu “Valartis Bank hat Vaduz-Verfahren am Hals

  1. Werfen Sie doch mal einen tieferen Blick auf die Hauptaktionaere, vor allem die indirekten. Vielleicht eine (bald ex-Bank) vom Laendle, aber da steht unter anderem eine grosse Hedge Fund Legende dahinter.

  2. Diese Meldung und die gestrige CEO und VR-Präsident-Ablösung wirft viele Fragen mit Ausrufezeichen auf: Hat der CEO-Abgang mit dem aufsichtsrechtlichen Verfahren gegen Gesellschaften und PERSONEN zu tun? Wie ist es der Führung der Valartis Bank Liechtenstein angesichts der Untersuchung im eigenen Haus zumute, die letztes Jahr einen Rekordgewinn von 18 Mio. Fr. erzielte? Löst dieses Verfahren die schon längst fällige Veräusserung aller Aktiven der Valartis Gruppe aus, um der weiteren Vernichtung des hohen Buchwerts Einhalt zu gebieten, oder darf der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung weiterhin rund 3 Mio. Fr. pro Jahr kassieren, solange es noch möglich ist?

  3. Zugegeben, eine kleine und unbedeutende Nummer, die Valartis Bank. Allerdings ist die lokale Schadenfreude auf diesem Forum fehl am Platz, denn die Bären, die Sarasins und die Vontobels dieser Erde kämpfen ebenfalls allesamt mit unschönen Vorkommnissen aus der jüngeren Vergangenheit:

    Julius Bär erwartet eine rekordhohe US-Busse.

    Safra Sarasin steht wegen überaus fragwürdiger Finanzprodukte im Fokus der deutschen Behörden.

    Und Vontobel dürfte in Deutschland im Nachgang an die Affäre Hoeneß in Bälde eine saftige Ablasszahlung leisten.

    Die Zeche zahlen am Ende, wen wundert’s, die Mitarbeiter und die Aktionäre. Und die CEOs der besagten hiesigen Institute glänzen mit leeren Worten und einem in der Regel überaus schwachen Leistungsausweis.

  4. Experten beurteilen die Konkurswahrscheinlichkeit von Valartis als hoch:

    http://www.macroaxis.com/invest/ratio/OZH.F–Probability-Of-Bankruptcy

    Google findet mit den Begriffen Geldwäsche und Valartis eine erschreckend grosse Anzahl Treffer:

    https://www.google.li/webhp?sourceid=chrome-instant&ion=1&espv=2&ie=UTF-8#q=geldw%C3%A4sche%20valartis

    Das erinnert stark an die aktuellen Geschehnisse in Andorra. Dort steht eine Bank wegen ähnlichen Geschichten vor dem Konkurs:

    http://www.reuters.com/article/2015/03/16/bpa-bancomadrid-idUSL6N0WI1O720150316

    Dies hat zu einem downgrade des Länderratings von Andorra geführt.

    Ist das S & P AAA Länderrating von Liechtenstein durch Valartis möglicherweise auch gefährdet?

    http://www.foxnews.com/world/2015/03/13/andorra-credit-rating-downgraded-by-sp-amid-us-accusations-bank-money/

    Ich möchte derzeit weder in der Haut der zuständigen FMA noch in jener der verantwortlichen Bankorgane stecken. Low-Performer hat vollkommen recht: armi Sieche!

    • interessante Links. Man sollte aber darauf hinweisen, dass diese Seite zB Apple mit einem Konkursrisiko von 30% ausweist. Wenn ich so etwas sehe, dann zweifle ich stark an der Seriosität der Seite:
      http://www.macroaxis.com/invest/market/APC.DE–fundamentals–Apple-Inc

      Valartis hat auch irgendwann mal ein Buch gegen Geldwäsche publiziert, das sich in sehr vielen Bibliotheken findet. Allein das dürfte schon viele „positive“ hits in Google der beiden gemeinsamen Begriffe erklären.

      Mal sehen was dahinter steckt. Man sollte erst urteilen, wenn man richtige Fakten am Tisch hat.

    • Cost/Income Ratio der Valartis Bank in Liechtenstein liegt bei ca. 50%, was für eine Bank einen Spitzenwert darstellt; siehe deren Geschäftsbericht. Die Verluste der Valartis Group kommen also aus ganz anderen Bereichen.