Coup des Fürsten: LGT holt grosses Sarasin-Team

Gegen 7 Berater mit über 1 Milliarde Inland-Assets wechseln vom Rhein an die Limmat – schlagen Boni in Wind – Safra-Wahnsinn.

Die LGT zieht ein grosses Beraterteam unter Führung von Claudio Chicchini an Land. Wie ein LGT-Sprecher bestätigt, sind die Arbeitsverträge unterschriftsreif.

Insgesamt rund 7 Vermögensberater wechseln damit von der Basler Safra Sarasin zum Zürcher Ableger der Liechtensteiner Fürstenbank LGT.

Chicchini und seine Leute, die jahrelang bei der Sarasin und danach Safra Sarasin waren, betreuen Vermögen von Schweizern und Ausländern, die in der Schweiz leben und hier steuerpflichtig sind.

Die verwalteten Assets umfassen mehr als eine Milliarde Franken. Wie viel davon von der Safra Sarasin zur LGT wechseln wird, muss sich weisen.

Die LGT habe in Zürich schon länger Verstärkung für ihr Inland-Privatebanking gesucht, meint der Sprecher. Mit dem Safra-Sarasin-Team sei dies nun geglückt.

Der Transfer ist aus zwei Gründen interessant.

Erstens bestätigt die LGT ihre Ambitionen, im Private Banking mit Zukäufen von ganzen Teams und Kundenbüchern von Konkurrenten zu wachsen.

Zweitens wirft der Abgang des Schweiz-Teams von Claudio Chicchini und seinen Leuten ein fragwürdiges Licht auf die Basler Safra Sarasin.

Chicchini & Co. waren nach einem Exodus vor 2 Jahren von gegen 50 Leuten zur Notenstein Privatbank mit lukrativen Boni geködert worden.

Wenn sie fünf Jahre am Rheinknie bleiben würden, dann würden sie lukrative Zusatz-Entschädigungen erhalten.

Das viele Geld konnte nun die Truppe mit den Schweizer Kunden nicht halten. Sie kehrte ihrer alten Bank den Rücken schon im Frühling den Rücken, ohne etwas Neues zu haben.

Der Grund liegt laut einem Insider bei der Safra-Führung. Nach der Übernahme der alteingessesenen Sarasin hätten nur noch Manager des Clans etwas zu bestimmen.

Die alte Sarasin-Führung hingegen sei abgehalftert, verstossen, machtlos. „Wenige Leute, alle von der Safra, sagen, wo’s langgeht“, sagt der Insider.

Die Safra-Führung machte durch unorthodoxe Entscheide auf sich aufmerksam. Am alten Sarasin-Hauptsitz in Basel wurden jüdische Glücksbringer installiert.

Treue Kunden wurden mit Gebührenerhöhungen vor den Kopf gestossen. Auf Kritik reagierte die neue Führungscrew mit eisernem Schweigen.

Nach der Minuszins-Einführung durch die Nationalbank im Januar war die Safra Sarasin die erste Privatbank, welche den Kunden die Strafe weitergab.

Nach massiver Kritik krebste die Bank zurück, allerdings nur halbpatzig. Für einen Teil der Kunden blieben Minuszinsen, die ihnen von den Baslern in Rechnung gestellt wurden.

Gebühren für Offshore-Banking sowie Kontoschliessungen und Schrankfächer stiegen teilweise exorbitant. Auf Anfrage gab es meist ein „No comment“.

Der Abgang von Team Chicchini könnte vor dieser Entwicklung stattfinden. Die Frage ist, ob weitere Manager und Berater folgen.

Die LGT hat sich umgekehrt durch eine Offensive im Private Banking einen Namen in der Szene als jenes Institut gemacht, das investiert statt abwrackt.

Vom Genfer HSBC-Ableger übernahmen die Fürstenbanker vor Jahresfrist Offshore-Teams mit 70 Bankern und Kunden-Anlagen von mehr als 10 Milliarden Franken.

Auch bei der Safra Sarasin gab es einen Zukauf. Noch vor dem LGT-HSBC-Deal übernahmen die Safra-Sarasin-Banker das Nicht-Asien-Privatebanking der Schweizer Morgan Stanley.

Schon da meldete die NZZ Zweifel an. Wie viele der maximal 10 Milliarden Kundenassets zu den Baslern wechseln würden, sei „abzuwarten“.

Während nun bei der Safra Sarasin die langjährigen Berater und Chefs flüchten, freut sich die LGT über wachsende Assets.

Ihren grössten Coup hatten die Fürstenbanker im 2013 mit einem 15-köpfigen Team der alten Sal. Oppenheim gelandet.

Dieses luchsten sie der Deutschen Bank Schweiz ab, welche die Sal. Oppenheim zuvor mühsam zu integrieren versuchte. Die LGT gewann dank den Oppenheim-Bankern mehrere Milliarden Assets.

Nun setzen die Fürstenchefs mit dem Team von Safra Sarasin ihre Privatebanking-Offensive fort.

Kommentare

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  1. Dieser Claudio Cecchini und „seine Leute“ scheinen keine Moral zu haben. Gestern bei Sarasin, heute bei LGT und morgen bei ???

    Und wie dumm ist eigentlich die LGT, die solche unloyalen Mitarbeiter einstellt? Wer von der Sarasin zur LGT wechselt, nur weil der Geldbeutel grösser ist, wird auch keine Hemmungen haben, von der LGT zum nächsten Arbeitgeber zu wechseln…

    Ich hoffe nur, dass die Kunden nicht so dumm sind und diese Spielchen mitmachen.

    • Bitte nennen Sie uns Beispiele loyaler Bankmitarbeiter!

      Was versuchen Sie hier eigentlich zu vermitteln?

  2. einmal hier, einmal dort, einmal woanders mit den Geldbeutel. Sind die Kunden wirklich zufrieden mit Checcheti oder ohne Checcheto einmal da, einmal woanders? Arme Kunden mit solche Banksters am Werk!

    • Ob jetzt teure Mitarbeiter mit billigen oder billige mit teuren ersetzt werden ist egal. Das Niveau von Wissen, Erfahrung und Teamgeist geht tendenziell verloren. Alte teure Mitarbeiter die nur schliefen mit teuren Mitarbeiter ersetzten die nur Luft produzieren, farbige Projektfolien malen (lassen) und nach Prozessschema xy arbeiten lassen wollen bringt ja auch nichts.

  3. Es brodelt gewaltig bei der Safra Sarasin, in den letzten Monaten haben zahlreiche Personen das Handtuch geworfen (auch im Research) und es werden noch viele weitere Kündigungen folgen…..die Stimmung in der ex-Sarasin Belegschaft ist auf dem Nullpunkt angelangt. Die Bank hat sich komplett verändert und der Unmut der Kundschaft hat schon länger stark zugenommen. Der Umgang mit den Mitarbeitern ist schlicht inakzeptabel und die Kunden werden laufend mit negativen Botschaften konfrontiert (falls Sie überhaupt transparent über Änderungen informiert werden…….). Die ehemals renommierte Basler Privatbank ist nur noch ein Schatten seiner selbst und mit der aktuellen Führung wird sich diese Negativspirale noch lange weiterdrehen

  4. Es ist wahr, die Sarasin Leute welche die erfolglose Sarasin geleitet haben werden zurückgebunden und die weit erfolgreichere Safra Truppe übernimmt, wir Mitarbeiter (nicht Manager) würden uns freuen wenn noch mehr erfolglose überbezahlte CRM’s die Bank endlich verlassen.

    • Da frage ich mich ob die „wir Mitarbeiter“ auch mal überlegt haben wie man ein so stark sinkendes CIR zu Stande bringt. Ich glaube nicht dass Safra so gute Performance aus Ihrer L/S-Strategie oder den FHFs generieren kann. Okay die teuren MA mögen tröpfchenweise gehen, aber die neuen sind auch nicht gratis und wenn keine HCs gesprochen werden, die Arbeit bleibt gleich. Mit Verlaub eine Zusatzfrage: Wem bringt ein tiefes CIR am meisten?

  5. Da schreiben ja ein paar sehr frustrierte.
    Rom wurde ja auch nicht an sinem Tag aufgebaut. Aber an einem einzigen abgefakkelt

  6. 7 Berater teilen sich 1 Milliarde – die grossen top shot’s sind das aber auch wieder nicht. Mal schauen wieviele KUnden erhalten bleiben?

  7. Eine Genugtuung sondergleichen. Nach nur einer kurzen Zeit bei der Möchtegern ‚Sustainability-Bank‘ wundern mich solche Abgänge nicht. Da werden in den nächsten 2 Jahren noch einige Folgen. Aber auch Kunden. Unprofessionelles Verhalten Kunden gegenüber, intern hat man Leute in Schlüsselpositionen gehievt (nach dem Notenstein Exodus) die Sozial Kompetenz im Minus Bereich aufweisen geschweige denn die eigenen Schnürsenkel zubinden können. Aber sind ja alle die selbsternannten ‚besten Sales und Advisor’… die immer noch meinen, jeden Vermögensverlust wieder locker reinholen zu können. Wenn da das ‚Schiff‘ nicht doch mal die Segel im Wind verlieren könnte, Herr J. Safra Senior….

  8. Ein weiterer brillianter Schachzug des Zürcher LGT Heads Dr Florian Dürselen. Fraglich ist nur ob das Safra Team bei der LGT wesentlich glücklicher wird.. Bei LGT „pusht“ die Führung den Abverkauf des „fürstlichen Portfolios“, ein breiter Fonds mit nicht gerade herausragender Rendite und unsäglich hohen versteckten Kosten. Aber wer weiss, vielleicht goutieren die Safra Kunden ja den Move und das „dranhängen“ an die Fürstliche Aktienstrategie.

    • @A. Ungemach: Einer der keine Ahnung hat. Der Züricher LGT Head ist Dr. Heinrick Henckel. Zudem pusht man die fürstliche Anlagestrategie lange nicht so aggressiv, wie von ihnen beschrieben. Es wird ein transparenter Best-In-Class Ansatz gefahren, eigene Produkte machen einen Minderanteil der Portfolios aus. Thats facts.

    • @scary hary: sorry, sie haben eben auch keine ahnung. HH ist ceo schweiz. FD head pb europe. und sonst das interne telefonbuch studieren ?

    • @insider: Ja Head PB Europe = Europ. Ausland, eben ex-Schweiz. Hier handelt es sich ja um ein Team mit Schweizer oder in der Schweiz wohnhaften Kunden, also klar nicht der Bereich Europe.

  9. Nicht nur bei den ehemaligen Sarasin Leuten „stinkt“ es. Auch Leute aus dem alten Safra Team haben die Schnauze voll. Grosse Versprechen, welche gegeben werden, werden kaum eingehalten.

    Auch beim Banking selbst mangelt es. Wenn die Leute an der Spitze (Michaan, J. Safra jun. etc.) im Elfenbeinturm entscheiden, lassen sie nachher die Kundenberater allein im Regen stehen bzw. die negativen Entscheide den Kunden gegenüber soll dann der Relationship Manager selbst irgendwie erklären/hinkriegen. Nur wenn dann grosse Kunden entscheiden weg zu ziehen, dann kommen plötzlich die höheren Kader anmarschiert – so müssen sämtliche grösseren Kundenabgänge zuerst über den Tisch von Michaan gehen bzw. von ihm „genehmigt“ werden ….). Management bei Chaos; Safra gibt das Beispiel, wie eine Bank nicht geführt werden sollte. Der Joseph Safra kennt das Banking – für seine „Buben“ (Edmond Michaan, Jacob Safra jun.) sind die Schuhe halt immer noch viel zu gross. Da hilft es dann auch nichts, wenn dann plötzlich altgediente Leute wie Sassoun zu Hilfe gerufen werden, um den wegzugswilligen Kunden vom Verbleib zu überzeugen.

    Allein das Verhalten Safra anlässlich des Schliessens einer Kundenbeziehung, bietet allen Anlass, die Kundenbeziehung auch tatsächlich zu schliessen.

  10. giut nachvollziehbarer move hin zur fürsten-familie: klarer businesscase, zuverlässige besitzer, von christlichen und marktwirtschaftlichen motiven geprägt – und von offensivem marktverhalten. die fürsten handeln smart, die schweizer können lernen. safra clique schaut in die röhre, selbstverschuldet.

  11. Irgendwann funktioniert dies nicht mehr. Bis jetzt wird dies in der Branche aus diversen Gründen akzeptiert. Würde mich nicht wundern, wenn in Zukunft die Arbeitsverträgen mit Abwerbeverboten versehen werden.

    • Da teile ich Ihre Meinung teilweise, doch dieser Fall ist differentzierter zu betrachten. Das war und ist kein Zusammenschluss zweier Institute, das war eine Übernahme mit einem kompletten Strukturwechsel. Die Familie und der Glaube wird ins Zentrum gerückt und dass stösst nicht nur den Mitarbeitern vor den Kopf, selbst für langjärige und liberale (Sarasin-)Kunden ist „das“ zu viel. Meiner Meinung nach ist der Sustainability-Claim nur eine Phrase.

    • Abwerbeverbote/Konkurrenzverbote etc.: Das ist das Papier nicht wert sind, auf das es geschrieben ist. Damit muss man gar nicht vor Arbeitgericht gehen, der Arbeitgeber ist eh chancenlos. Was auch gut so ist.

    • das ist nicht als abwerbe/konkurrenzverbot einzustufen, sondern als eine dringend notwendige aktion des sarasin-beraterteams. gut gemacht! sarasin ist selber schuld an diesem dilemma, laufen dieser bank seit monaten die bestend berater davon…