Neuer Aargau-Topbanker schob bei Post ruhige Kugel

Pascal Koradi schrieb als Finanzchef des Gelben Riesen nebenbei Doktorarbeit – happiger Lohnsprung dank Kantonalbank-Chefjob.

Der Blick kürte Pascal Koradi diese Woche zum „Discount-Banker“. Der Wechsel von der Post-Geschäftsleitung an die Spitze der Aargauer Kantonalbank führe zum Lohn-Deckel bei 600’000.

Mitleid ist fehl am Platz. Koradi macht erstens einen saftigen Lohnsprung, der weitgehend unbemerkt blieb.

Zweitens ist seine Wahl angesichts der bisherigen Leistung eine Überraschung. Der 43-Jährige hat wenig Erfahrung im Banking und verriss keine grossen Stricke bei der Post.

Koradi war bei der Neuen Aargauer Bank, einer Tochter der grossen Credit Suisse. Dort machte er nicht das Rennen um die Spitzenposition.

Im Frühling 2012 heuerte Koradi als Finanzchef bei der Post an, einer der grössten Arbeitgeberinnnen des Landes.

Dort verdiente Koradi im Jahr rund 450’000 Franken, gleich viel wie seine Kollegen in der Konzernleitung.

Koradi blieb nicht lange. Nach nur dreieinhalb Jahren räumt er seinen Stuhl in Bern bereits wieder. Und erhält am neuen Ort 150’000 Franken mehr.

Ein Sprung um über 30 Prozent in gut 3 Jahren – nicht schlecht für einen, der behauptet, Geld sei nicht so wichtig.

Seine knappe halbe Million bei der Post scheint für Koradi leicht verdientes Geld gewesen zu sein. Offenbar war er unterbeschäftigt und hatte viel freie Zeit.

Das geht aus seiner nebenberuflichen akademischen Karriere hervor. Der zukünftige Spitzenmann in der Kantonalbanken-Szene schrieb nämlich während seiner Zeit beim Gelben Riesen seine Doktorarbeit.

„Pascal Koradi hat seine Dissertation als externer Doktorand an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich in den Jahren 2010 bis 2015 verfasst“, bestätigt ein Post-Sprecher.

Finanzchef bei einem der grössten Unternehmen der Schweiz, das durch technologische Schübe an allen Ecken und Enden herausgefordert ist – und nebenbei ein halbes Studium machen?

Für den Berner Riesen kein Thema. „Die Post dankt Pascal Koradi für sein ausserordentlich grosses Engagement während seiner Zeit als Finanzchef der Post“, heisst es dort.

Koradi, der Teilzeit-Boss, der es gerne ruhig nimmt. Er wechsle zur Aargauer Staatsbank, um „lange zu bleiben“, meinte er im Blick.

Auch sonst kann Koradi rundum zufrieden sein. Er muss nicht mehr nach Bern pendeln. Und dass er beim Staatsmoloch je den Sprung nach ganz oben geschafft hätte, ist unwahrscheinlich.

Dazu braucht es den richtigen politischen Stallgeruch – und am besten noch eine Herkunft aus der Romandie. Auch das Geschlecht hätte nicht für Koradi gesprochen.

Eine ruhige Kugel schieben wäre das Falsche für den Chef einer mittelgrossen Kantonalbank. Die Staatsinstitute wissen in einer Welt mit anhaltend negativen Zinsen bald nicht mehr, was tun.

Koradi muss also gute Leute um sich scharen und einen Weg nach vorn entwickeln, wie seine 700-Mann-Bank die Erträge für die Zukunft sicherstellt.

Ob er ein CEO mit Führungsstärke ist, bleibt abzuwarten.

Bei der Post macht ein Insider dazu ein Fragezeichen. Koradi habe als Finanzchef bei wichtigen Personalentscheiden nicht mutig und rigoros gehandelt, meint die Quelle.

Als Beispiel wird ein Spezialist im Controlling genannt, also der wichtigen Kontrollabteilung innerhalb des von Koradi geführten Finanzbereichs der Post.

Die Stelle sei von einem dafür wenig geeigneten Mann besetzt gewesen, meint der Gesprächspartner. Das Controlling habe dadurch Schaden genommen.

Trotz den offensichtlichen Mängeln hat Koradi zugeschaut und nichts unternommen. Einen Wechsel auf der Position gab es nicht.

Kommentare

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  1. Interessant, all die Kommentare zu lesen von Leuten, die Pascal Koradi nicht kennen. Als langjähriger Arbeitskollege kann ich einfach nur feststellen, dass die Aussage von Bankratspräsident Egloff, man hätte eine sehr guten Mann gefunden, viel näher bei der Wahrheit liegt als die nebulösen Verunglimpfungen in den Kommentaren hienach.

  2. Trotz ach so schwierigem Umfeld und gerade wegen den Negativzinsen steuert die AKB einmal mehr auf das beste Ergebnis in der Firmengeschichte zu. Wo ist da also das Problem

    Ob man da um 16.00 oder 17.00 nach Hause geht dürfte wenig ändern. Die GL Löhne sind trotz Plafonierung eh total übertrieben.

  3. Das miesreden der Diss ist nicht sehr nett. Der Zusammenhang mit der hohen Arbeitsleistung jedoch schon. Was kostet eingentlich ein Ghostwriter für eine Doktorarbeit?

  4. Als mehrjähriger ehemaliger Berufskollege von Pascal Koradi auf gleicher Hierarchie-Stufe kann ich aus eigener Erfahrung belegen, dass der neue CEO der AKB eine Persönlichkeit mit hohem Einsatzwillen, Leistungsbereitschaft und einem beeindruckenden fachlichen Rucksack ist. Als echter Team-Player in mehreren Geschäftsleitungen verschaffte er sich Respekt für seine Glaubwürdigkeit und Integrität sowohl bei Mitarbeitern und Unterstellten wie auch bei Kunden. Er gibt klare Ziele vor und motiviert seine Mitarbeiter mit Engagement und Begeisterung. Dass er neben anspruchsvollen beruflichen Aufgaben zusätzlich in seiner Freizeit die Energie zur Ausarbeitung einer empirisch fundierten Dissertation findet, beweist primär sein hohes Leistungsniveau und seine Effizienz. Mit seinem leistungs- und mitarbeiterorientierten Führungsstil ist Pascal Koradi ein echter Gewinn für die Aargauische Kantonalbank. Es wäre zu wünschen, dass auch IP einem neuen Funktionsträger die Chance gibt einen guten Job zu leisten, anstatt ihn aufgrund fadenscheiniger Argumente abzuurteilen. Aber auch und gerade hier gilt wohl: eine (Dis-) Qualifikation sagt mehr aus über den Qualfizierenden (hier: IP) als über den Qualifizierten.

    • Werter M.P.
      Es ist mir klar, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Als aktuell Unterstellter von Koradi stelle ich nichts von Ihrem Lobgesang fest. Er besitzt allerdings grosse rhetorischen Fähigkeiten (wie auch etliche seiner Direktunterstellten), welche offenbar und leider in der heutigen Zeit höher gewichtet werden.

  5. Vom Monopolbetrieb (Staatsbetrieb) Post zu einer mittelgrossen Bank, die sehr stark im Wettbewerb steht. Da hat man wohl wirklich auf die 2. Garnitur zurückgreifen müssen bei der AKB. Herr Koradi muss zuerst noch beweisen, dass er unternehmerisch erfolgreich Führen kann. Die AKB hat wo oder so schwere Zeiten vor sich (Minuszinsen, Margendruck, Kostendruck usw.)

  6. Na ja, so lange er bei der Post nur brav die „Ruhige Kugel“ geschoben hat…, konnte ja gar nichts, was Hand und Fuss hat, dabei ‚rauskommen…

  7. …ruhige Kugel schieben…..
    Ob bei Post, s.zt. Staatsbetrieb oder bei AKB Staatsbetrieb – wo liegt denn der Unterschied? Kein Stress, top-sicherer Job, bei Underperformance kein Entlassungsrisiko sondern Versetzung, automatische Lohn- und Rentenanpassung, konkurrenzlose(r) Betrieb und wenn die Einnahmen nicht mehr genügen werden Steuern und Abgaben erhöht. Ein echtes Paradies im Vergleich zur Privatwirtschaft.

  8. Welch unglaublich unqualifizierter Beitrag. Wären z.B. wirklich Insider gefragt worden, hätten die gesagt, dass Koradi an 5 Tagen der Woche jeweils der erste im Büro war und der letzte, der sich wieder auf den Heimweg machte. Aber dann hätte man ja nicht über ihn herziehen können…

    • Genau, die anderen kamen um 0900 und gingen um 16:00, dazwischen Kaffee-Pause und Mittagessen, gemäss Insider.

    • Die Präsenzzeiten sagen noch gar nichts aus über die Qualität der Arbeit. Im Gegenteil, die hohen Präsenzzeiten können auch auf Überforderung hinweisen. Ich sage das ganz generell und nicht bezüglich P.K.

  9. nachdem die staatsgarantien bei länderbanken in deutschland vorbei sind, wird die osce bald auch die schweiz davon überzeugen. abgesehen davon, dass die kantone darüber froh sein sollten, nicht mehr über die immensen garantien haften zu müssen, werden dann die kb’s, die den letzten crash überlebt haben, bzw. massiv gerettet werden mussten, zu regionalbanken. dann wird man auch für viel weniger geld ceo’s bekommen, wenn dann überhaupt noch soviele ceo’s nötig sind.

    • Endlich mal ein toller Kommentar! Sie sehen dies genau richtig, dieser überflüssige Zopf gehört abgeschnitten. Internationales Private Banking und ähnliches hat nichts mit dem Leistungsauftrag zu tun – nur haften müssen WIR trotzdem noch.

  10. Ein Blick in sein CV mit den vielen Funktionsänderungen, Stellenwechseln, Weiterbildungen etc. in kurzer Zeit spricht Bände eines Typus Menschen mit ausgeprägten opportunistischen Gedankengut. Egloff und Co. wissen sehr wohl, der Koradi wird nicht 20 Jahren bis zu seiner Pensionierung sein Leben sinnlos bei der AKB absitzen. Zürich mit den Millionengehältern liegt da zu nahe an Aarau. Dennoch, der Koradi muss sich für Zürich einen Namen erarbeiten. Ich vermute, Koradi hat den Auftrag, unliebsame (Spar-)Veränderungen einzuleiten und konsequent durchzusetzen. Stellenabbau und die Auslagerung von Verarbeitungseinheiten und der Informatik sind da einige deutliche (Spar-)Möglichkeiten: die geografische Linie BS, BL, AG und LU haben alle Avaloq; es liegt auf der Hand.

  11. Ein treffendes Zitat dazu aus Wikipedia:
    Die relative Dominanz von Psychopathen in der Ökonomie sind keine Einzelfälle, sondern strukturell bedingt: Wird das diagnostische Instrumentarium auf das herrschende Menschenbild der Volkswirtschaftslehre, das Modell des sogenannten homo oeconomicus angewandt, so erfüllt dieses die Kriterien für die Diagnose „Psychopathie“. Die Basis der Wirtschaftheorie bildet damit faktisch ein homo psychopathicus.
    Weitere Informationen dazu sind abrufbar unter http://www.ich-1prozent.ch .

  12. Herrlicher Kommentar, insbesondere bezüglich Stallgeruch und Geschlecht. Wäre toll, mehr vom gelben Riesen zu lesen, da gäbe es sicherlich einige spannende Stories!

  13. AKB-Bankratspräsident Dieter Egloff, RA und SVP-Politiker, ist ganz stolz darauf, dass er jetzt doch noch jemand gefunden hat, welcher den Job für 600k macht.

    In der AKB-GL sitzen auch heute noch ehemalige Mitglieder aus der legendären Volksbank/BKB-Truppe, welche damals Kumpel Andreas Waespi nach Aarau holen wollten.

    • Hies früher Chef-Buchhalter, also wenn man so will „CBH“. Viel mehr sind die meisten CFO auch gar nicht. Die meisten haben sehr viel Zeit zum Totschlagen, ausser vielleicht in Budget- und Abschlussphasen. Die Leistung, die am Ende auch die „Compensation“ des CBH erarbeitet, wird anderswo im Betrieb erbracht. Dort sitzen auch die Leistungsträger.

  14. Dann passt der Neue doch prima in die Firmenkultur der AKB. Auch seine Vorgänger verbrachten ihre Zeit mit Vorliebe auf den Golfplätzen und die jeweiligen CEO’s konnten locker einen 9 to 5 Job schieben. Unter diesem Gesichtspunkt reicht auch das Gehalt vollkommen aus, die Golfclubmitgliedschaft kann man der Firma belasten, somit gibt es in solchen Dingen keine privaten Belastungen. Und da die AKB über gute und langjährige Mitarbeiter verfügt, werden diese sich schon um das Banking kümmern.