Zoff im ZKB-Investment-Office

Chefökonom verlässt Staatsbank nach 17 Jahren – brüskiert und als Vize abgesetzt – jetzt geht er zu Genfer Privatbank.

Ein Mann, eine Bank. So lautete die Gleichung für Anastassios Frangulidis, besser bekannt als Chefökonom der Zürcher Kantonalbank.

Nun hat das 47-jährige Urgestein bei der Staatsbank gekündigt – nach 17 Jahren. Damit verliert die grösste Kantonalbank einen Mann, der in Interviews Kompetenz ausstrahlte, was positiv auf die ZKB abfärbte.

Frangulidis wechselt zum Zürcher Ableger einer Genfer Privatbank. Hinter dem Abgang steckt ein Zoff im Investment-Office der grössten Kantonalbank des Landes.

Der Chefökonom hatte jahrelang das Sagen, wenn es darum ging, wie die ZKB die Welt sah und was sie daraus für ihre Kunden für Empfehlungen ableitete.

Dann erhielt „Tasso“, wie Frangulidis ZKB-intern genannt wird, vor gut 2 Jahren einen neuen Chef. Und mit diesem verschoben sich die Gewichte.

Christoph Schenk hiess der neue starke Mann, war einst bei der UBS und zuvor bei der CS gewesen. Danach versuchte er sich auf eigene Faust.

Ohne durchschlagenden Erfolg. Jedenfalls steuerte Schenk rasch wieder den sicheren Hafen einer grossen Arbeitgeberin an.

Schenk stiess als Nachfolger eines anderen Urgesteins zu den Zürchern. Er löste den von vielen TV-Auftritten her bekannten und pointierten Marco Curti als Leiter von Investment Solutions ab.

Curti ging vorzeitig in Pension. Er war bei der Staatsbank im Abseits gelandet und wollte sich nicht länger grämen.

Damit war das Feld frei für Schenk. Auf der freien Wildbahn zwar gescheitert, doch das hinderte den Mann nicht, die Zügel an sich zu reissen.

Rasch baute Schenk seine Macht im Innern der ZKB aus. Er kopierte die Grossen, also die UBS und die CS, und baute wie diese ein Chief Investment Office auf.

Ab 2015 liefen dort alle Fäden zusammen, von denen die wichtigen Anlageentscheide ausgingen.

Schenk hatte sich so ein eigenes Reich geschaffen. Und seinen wichtigsten – und vielleicht für ihn gefährlichsten – Mann brüskiert.

Frangulidis, der nach Griechenland klingt, aber einen Schweizer Heimatort hat, war zurückgestuft.

Scheinbar nur leicht, aber doch nachhaltig.

Frangulidis agierte im neuen Chief Investment Office seines Big Bosses Schenk nicht mehr als klare Nummer Zwei, wie er dies unter Vorgänger Curti getan hatte.

Keine Stellvertreterrolle mehr, nicht mehr Vizechef. Sondern nur noch den wohlklingenden Titel eines Chefökonoms durfte Frangulidis verwenden.

Das machte Schenk erst recht zur starken Figur. Von da an tauchte der Ober-Anlage-Guru der ZKB auch immer öfters selbst in den Schlagzeilen auf.

Rückenwind gab Schenk der grösste Deal der ZKB der letzten Jahre. Die Staatsbank hatte Ende 2014 von den übrigen Kantonalbanken die Swisscanto erworben, eine gemeinsame Fondsgesellschaft.

Geschickt beschloss Schenk, die Swisscanto mit ihrem Namen am Leben zu lassen und sie so zum neuen Standbein der ZKB im Anlagegeschäft zu machen.

Die Swisscanto-Experten nutzten ihrerseits die Gunst der Stunde. Sie erhielten eine neue, sichere Heimat und genossen erst noch mehr Freiräume als andere Bereiche der Bank.

An Anlagechef Schenk kam nun niemand mehr vorbei. Jetzt kann er auch locker den Abgang seines Chef-Volkswirts kommentieren.

Das tat er am Freitag in einem kurzen Telefongespräch. Frangulidis‘ Weggang, so Schenk, habe keinen Streit als Hintergrund.

Im Gegenteil, er habe Frangulidis unbedingt behalten wollen, doch dieser wolle seine Karriere andernorts fortsetzen.

„Ich finde seinen Abgang sehr schade“, sagte Schenk. „Frangulidis ist ein hervorragender Mann.“

Der Chefökonom liess eine telefonische Anfrage ebenso unbeantwortet wie Fragen per Mail. Offensichtlich zieht er es vor zu schweigen.

Hinweis an Redaktion

Anonymous Box

  • Senden Sie Ihren Hinweis hier oder an +41 79 605 39 52. Lieber per Post?

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Wie oft können sich solche Kollateral-Schäden, verursacht durch Wadenbeisser ex Grossbanken, in der der ZKB noch wiederholen?

    Das ewige Spiel mit Sesselrücken durch 2 .klassige Neuankömmlinge versaut das Klima bis in die letzten Filialen. Ist es gar möglich, dass hier System dahinter steckt?

  2. Kantonalbanken sollte man jegliche Form von Risikonahme, Gewinn-Denken und sonstige Absonderlichkeiten jenseits von der Garantie, Liquidität ins Volk/in die KMUs zu bringen, verbieten. Punkt.

    Hoffentlich fliegt so eine KB mal so richtig in die Luft, dann besinnen sich die Politiker wieder, wofür die KBs überhaupt verantwortlich sein sollten. Ausmisten ist angesagt.

    • Lieber Oskar, beende zuerst lieber mal die Primarschule. Das Geschäft einer Bank ist per Definition Risiko. Ob zocken im IB oder eine plain vanilla Hypothekenbank, es gibt immer ein gewisses Mass Risiko, ansonsten gäbe es ja auch keine Rendite.

    • JLL: ja, aber: „Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei“. Und hier, und folgerichtig auch in der Firmenkultur, dürfen die KB keine verdünnte UBS oder CS sein.

    • Nichts eigentlich. Aber die moralisch hochstehenden, einzig wahren Vouchsverdreher der $VP durch ihre Sauce ziehen ist einfach ein muss. Egal bei welchen Themen: es trifft immer zu.

      Es muss doch jeder selbst entscheiden, wohin er seine Kohle investiert. Ich verspreche mir eine top Rendite auf meiner neuen PV Anlage. 13000 kw pro Jahr. Ergibt 3000 kw Ueberschuss p/a. Dank „grüner“ Technik. Das ein Forist hier Geld bei Meyer Burger etc verloren hat, ist halt die Folge davon, dass der Staat sich lieber der Erdöl Lobby widmet. Und wereliwer hat in die laufenden Kameras am Wahlsonntag lauthals geplärrt, die Energiewende sei so gut wie tod? Genau, die $VP Heinis! Toll, noch ein bashing. Sooo geillll. Das tolle ist, meine Behauptung stimmt erst noch! Yo mann, schön gibt es die $VPler, das Kommentare schreiben wäre sonst öd und langweilig.

  3. Es war und ist ein Fehler, so viele Leute von der UBS und der CS zur ZKB zu holen. Und das mit teils horrenter „Hello“-Kohle. Die ZKB ist nicht eine verdünnte UBS oder CS, die ZKB ist die ZKB und das ist gut so und soll so bleiben. Die Partizipanten der ZKB tragen keine langen Kleider, sie sind Leute wie Du und ich.

    • Die geholten UBS/CSler sind Leute der 3./4. Garde und benehmen sich in der ZKB wie Ihre ehemaligen Chefs (der 1. Garde) ….

    • Es ist IMMER ein Fehler ex UBSler einzustellen. Arrogant, unfähig, hinterhältig. Vor x Jahren, in meinem Sklavendasein als BO Mitarbeiter, hatte ich die Freude einen solchen ? als Chef zu haben. Konnte nix, machte nix, ausser Mobben. Das dafür ausdauernd und heute noch.

    • Die ZKB hat keine Partizipanten. Sie gehört zu 100 Prozent dem Kanton Zürich. Und nicht alle Zuzüger von CS und UBS sind schädlich. Zum Teil bringen sie das dringend benötigte Knowhow in die KBs, auch in die ZKB.

    • Barth: Und wem gehört der Kanton Zürich? ZKB-Ausschüttung für 2015: Fr. 223.– pro Einwohner und Einwohnerin. Leute wie Du und ich. Nicht nur Männer mit langen Gewändern.

  4. Es ist sehr wichtig, dass der ZKB ein ganz klar bürgerlicher (= SVP) Anlagepolitik betreibt. Schliesslich ist unsem SVP der grösster Party im unsem Kanton Zürich. Bürgerliche Anlagepolitik bedeutet u.a. Investments in Produzenten von Waffen- und Kriegsmaterial, Atomenergie, Alkohol und Zigaretten. Das wollen die Bürger. Was die Bürger hingegen nicht wollen ist so alternatives Zeugs wie sog. „Nachhaltigkeit“, Grünzeugs und so. Märssi.

    • Ja Herr Straub, mit „Grünzeug“ lässt sich so wunderbar Geld verlieren. MBTN lässt grüssen.

    • @Ernst Straub: Seltendämlicher Kommentar eines frustrierten Wutbürgers. Die meisten Investmenthäuser, sicher auch die ZKB haben Sustainability und gewisse ethische Kriterien bei der Anlageauswahl schon lange im Portfeuille. Anleger haben immer selber die Wahl, in was sie investieren. Hauptsache am Montag morgen mal wieder den Frust des eigenen Lebens rausgelassen, oder gestern über den Durst getrunken?

    • Lieber Straub, die Ortografie und Aussage in ihrem Kommentar ist bemerkenswert. Ist das ein Fake oder die Aussage eines SVP-Hardcore-Fan? Wenn sie von einem Fan ist habe ich Verständnis für die schlechte Ortografie, bei den Aussagen ist eh nichts gescheites zu erwarten!

    • schön und gut, aber bis jetzt hat noch kein einziger einen messbaren mehrwert bewiesen, war alles mehr oder weniger schönes geschichtenerzählen. und übrigens die unternehmen wissen schon lange wie man die sustainable-zahlen fantasievoll erfüllen kann/muss.

    • Ernst Straub: Wieviele Jahre sind Sie in die Schule ? Ich habe mit Anlagen in Windenergie, in Wasserenergie und in Meyer Burger (Solarenergie) sehr viel Geld verloren. Wenn es darum geht, das Vermögen meiner Familie zu schützen verzichte ich in Zukunft lieber auf grüne Experimente. Lieber verdiene ich mit Investitionen in Zigaretten Geld als, als dass ich mit obgennanten Investitionen sehr viel Geld verliere. Ich finde es aber marktwirtschaftlich in Ordnung, dass Leute wie Sie bereit sind, sehr viel Geld zu verlieren für neue unwirtschaftliche Projekte. Bezüglich Anlageberatung unterscheiden sich UBS, CS und Kantonalbanken heutzutage nicht mehr wirklich. Alle bieten das Gleiche an und alle haben die gleichen Führungsmethoden bei den Mitarbeitern. Das ist auch nicht weiter überraschend, wo doch sehr viele Cs-ler und UBS-ler in die Kantonalbanken gewechselt haben. So wie eben Herr Schenk von der UBS zur ZKB. Diese Leute bringen CS und UBS-Kultur in die Kantonalbanken.

    • @Ernst Straub
      im Gegensatz zu Ihnen hat alt-Bankratspräsident Straub etwas von Rechtschreibung verstanden, war bei klarem Verstand und hatte Humor.

    • @Späher: falsche Verwendung des Genitivs, fehlerhafte Kommasetzung, mangelhafte Klein-/Gross-Schreibung und Orthographie-Mankos Ihrerseits prädestinieren Sie nicht, mit Steinen zu schmeissen.
      Dass Sie dazu noch einem Troll aufsitzen, spricht leider auch nicht für Sie.