Banken stellen immer mehr nur temporär an

Neue Zahlen zeigen: Temporärjobs schiessen durch Decke – Explosion seit CS-Krise – UBS: 50% temporär – Vollzeit sinkt.

Die Sparübungen der Banken auf dem Finanzplatz wirken sich auf die Anstellungsverhältnisse aus. Immer mehr Leute werden nur noch temporär und auf Abruf beschäftigt.

Dies zeigen Zahlen der Schweizerischen Nationalbank. Demnach explodieren die Temporärjobs im Schweizer Banking derzeit.

Der Schub nach oben setzte letzten Herbst ein. Seither boomt Teilzeitarbeit bei den Geldhäusern.

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Umgekehrt zeigte der Trend bei den Vollzeit-Angestellten lange und stetig nach unten und erholte sich zuletzt nur leicht.

Temporär und fest zusammengezählt gehen Jobs weiterhin verloren. Erreichte die Beschäftigung vor 4 Jahren noch fast den Level von Ende 2008, liegt sie nun deutlich darunter.

Die sich öffnende Schere zwischen Voll- und Teilzeit hat Folgen: Wenn immer mehr Mitarbeiter bei den Banken nur noch temporär beschäftigt sind, verdienen auch immer mehr immer weniger.

Zudem sinkt für die Teilzeitbeschäftigten der Versicherungsschutz und die Vorsorge.

Der dramatische Anstieg bei den Zeitarbeitsverträgen auf dem Schweizer Finanzplatz stimmt zeitlich eins zu eins überein mit der Krise bei der Nummer 2 des Finanzplatzes.

Seit die CS im letzten Oktober ihre Sanierung mit vielen Tausenden Jobverlusten angekündigt hat, schiessen die Temporärjobs in der Branche in die Höhe.

Haben die Grossbanken eine Grippe, dann haut es den ganzen Sektor mit eine Lungenentzündung um, könnte man in Abwandlung des berühmten US-Spruchs sagen.

Was, wenn eine oder beide Grossbanken selbst schwer krank sind?

Beide suchen zwar weiterhin massenhaft Leute. Vor 2 Wochen waren je 1’300 Stellen offen. Derzeit sind es gemäss den jeweiligen Job-Seiten bei der UBS 1’094 und bei der CS 1’328.

Eine Auswertung der gesuchten Stellen zeigt, wie viele davon temporär sind.

Von den 1’094 bei der UBS zu besetzenden Jobs befinden sich 225 in der Schweiz. Und davon figurieren 106 unter Teilzeit.

Bei praktisch der Hälfte aller Jobs, welche die UBS im Heimmarkt neu besetzen will, handelt es sich somit um Teilzeitpensen. Bald könnten die Teilzeitler bei der UBS Schweiz in der Mehrheit sein.

Bei der CS sind im Inland derzeit 372 freie Stellen auf der Homepage der Bank aufgeführt. Davon sind nur 26 Teilzeit, als geteiltes Pensum oder auf Abruf.

Doch die tiefe Zahlt täuscht. Tatsächlich bietet auch die CS Schweiz immer mehr Stellen als Teilzeitjobs an.

118 Stellen waren bei einer Auswertung von Mitte Juni zu finden, die entweder als volles Pensum mit 100 Prozent in Frage kamen oder aber auch mit reduziertem Einsatz besetzt werden konnten.

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Diese grosse Anzahl an offerierten Jobs, bei denen die CS sich flexibel zeigt, was die Arbeitsleistung der zukünftigen Mitarbeiter angeht, legt einen weiteren Trend nahe.

Nämlich dass die Banken davon ausgehen, dass viele Leute nicht mehr voll arbeiten wollen.

Das würde beide Seiten zufriedenstellen. Die Banken könnten Kosten sparen, die Mitarbeiter sich ihren Wunsch nach einem Job ohne viel Verantwortung und nicht zu 100 Prozent erfüllen.

Billigjobs für Billig-Inländer.

Ob der Hang zu Teilzeit allerdings einem Bedürfnis auf Seiten der Angestellten entspricht, ist umstritten.

Der Tages-Anzeiger berichtete gestern von immer mehr Schweizern, die über das offizielle Pensionsalter hinaus im Arbeitsprozess bleiben.

Die Zeitung brachte Beispiele von Leuten, die aus freien Stücken länger arbeiten.

Doch es könnten auch immer mehr sein, die aus ökonomischen Gründen dazu gezwungen sind, da sonst die Rechnung im Alter nicht mehr aufgeht.

Ebenso ist denkbar, dass der massive Trend hin zu mehr Temporärjobs im Swiss Banking hauptsächlich aufgrund der Kosten stattfindet.

Die Banken sparen dort, wo’s einschenkt: bei den Löhnen. Die Mitarbeiter müssten sich dann bald mit mehreren Jobs über Wasser halten.

Hamburgerjobs auch in der Schweiz.

Kommentare

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  1. Mich wundert und ärgert dass ich z.B in der Pflege als Fachfrau in der Schweiz fast nur noch über Tämporärbüros an eine Anstellung komme.Ich fühle mich als Jonggliermasse , Schachfigur auf dem Arbeitsmarkt. Kettenverträge werden somit einfach legalisiert und man lockt mit Festanstellung wie der Esel mit der Karotte.Das geht schon lange so. Natürlich ohne Konsequenz.

  2. Wer zu 100% arbeitet hat kaum Zeit für Erholung und Hobbies. Man ist wie in einem Hamsterrad! Bei 80% sieht man mehr vom Leben.

    Bei Temporärstellen arbeitet ich hingegen 100% und ferienfrei. Die Kostenoptimierer aus dem Management werden schon zuschlagen, und die Stelle abbauen.

    Die AHV kann mich mal! Sie soll sich das Geld bei den Indern und Managern holen! Beide kosten mehr als ich bei einer Festanstellung verlangen würde.

    Die Endstation aller Ersparnisse ist eh das Altersheim. Für die Erben bleibt gar nichts.

    • Ja, 80% ist ideal. Unsere Materialisten und Konsumidioten sind natürlich dagegen, weil sie 4x im Jahr in die Ferien müssen. Nicht zu vergessen: Das Prestige-Auto muss auch finanziert werden, man will ja etwas vorzeigen können.
      Unterm Strich arbeiten die Mitarbeiter mit dem 80%-Job nicht weniger als diejenigen mit dem 100% Pensum, nur eben zielorientierter und effizienter ohne die Zeit mit sinnloser Tätigkeit zu vergeuden.

    • Vorsicht mit AHV…kann privatisiert werden und Sie sind selber verantwortlich fuer Ihre AHV. Inder Chinese hin oder her…

  3. The real challenge for the banks is not part-time work, but the fact that the amount of contracted work/resources is spiraling out of control. At CS, there are apparently over 15,000 contractors and 3rd-party workers. In other words, the total workforce of Credit Suisse is not 47,180 as disclosed (page 2 2Q16 Financials) but north of 60,000 – and growing rapidly (in the thousands every quarter). This begs few questions: how is CS able to deliver their cost savings targets if their total workforce continues to grow (while revenues are shrinking)? Why is TT not able to control/limit the use of external workers? And why are analysts not focused on the total workforce number?

  4. Lange nicht alle teilzeit ausgeschriebenen stellen können auch mit teilzeit besetzt werden.
    Ich habe mich auf eine 80-100% stelle beworben. 80% sei aber keine option meinte der vorgesetzte. Es werden einfach alle stellen 80-100 ausgeschrieben.
    Die auswwrtung taugt also nichts.

    Viel interessanter wäre die substitutuon von internen durch externe!

  5. Steigende Nachfrage nach Teilzeitjobs

    Monika Waldburger, Mediensprecherin der Raiffeisen-Gruppe bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten, dass die Nachfrage nach Teilzeitstellen steigt. «Als Arbeitgeber sind wir bestrebt, für die Arbeitnehmer das entsprechende Angebot zu schaffen und damit die individuelle Gestaltung der Work-Life-Balance zu fördern.»

    Ähnlich klingt es bei der UBS: «Wir sehen ein erhöhtes Bedürfnis nach Teilzeitstellen seitens unserer Mitarbeiter.» Oft bestehe der Wunsch nach grösserer Flexibilität sowie nach einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aus diesem Grund würden neu alle Stellen im 80- bis-100-Prozent-Pensum ausgeschrieben. Auch die Zürcher Kantonalbank ZKB bestätigt den Trend. Bei der Bank arbeiten bereits 31 Prozent der Mitarbeiter Teilzeit, wie der Nachhaltigkeitsbericht des Instituts zeigt. In den letzten Jahren ist der Anteil ausserdem stetig gestiegen ist.

    Für Personalexperte Matthias Mölleney ist klar, warum ausgerechnet in der Bankbranche die Nachfrage und das Angebot an Teilzeitstellen steigt. «Der Grundlohn in diesem Sektor ist hoch und auch mit einem 80-Prozent-Pensum können die Leute noch genug verdienen», so Mölleney zu 20 Minuten. Den Trend zur Teilzeit spüren übrigens sogar die Hochschulen. Ausbildungsgänge in Teilzeit sind bei uns sehr populär geworden, erklärt Christoph Kley, Dozent für Banking & Finance an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

    http://www.20min.ch/finance/news/story/Banker-arbeiten-immer-haeufiger-Teilzeit-24988957

    • Leider werden die Stellen oft nur mit 80-100% ausgeschrieben. Beim Bewerbungsgespräch erfährt man jedoch, dass ein tieferes Arbeitspensum als 100% nicht möglich ist.

  6. Lukas manchmal hast Du grobe Aussetzer…..wie viele bereits bemerkt haben, besteht zwischen temporären Stellen und Teilzeit Stellen (temporäre Stellen können problemlos aus einem 100% Pensum bestehen).

    Die Krönung des Artikels ist aber diese Schlussfolgerung: die Hälfte aller zu besetzender Stellen sind Teilzeit Stellen. Bald könnten die Teilzeiter in der Mehrheit sein. Also weil die UBS Schweiz knapp 100 Stellen als Teilzeit Stellen besetzt, sind diese unter den Tausenden UBS Mitarbeitern in der Schweiz bald in der Mehrheit??

    Schon mal an all die alleinerziehenden Mütter oder Studenten gedacht, die um eine Teilzeit Stelle sehr froh sind?

    A propos Kosten: eine Teilzeit Stelle ist unter dem Strich oft teurer als eine Vollzeit Stelle. Aber das ist nur ein Detail. Und Details sind hier ja nur überflüssig – so wie jeweils die Fakten. Oder wolltest Du gar über Abrufstellen einen Bericht schreiben?

  7. Statistisch gesehen sind von all den arbeitslosen Bänkler 30% $VP Wähler. Für diese 30% freut es mich so richtig, dass es die erwischt hat. Ich wünsche denen eine lustige Arbeitslosigkeit und einen fröhlichen Bittgang zum Sozialamt. Aber erst, wenn alles privat gesparte verbraucht ist. Dann merken diese Vollpfosten, was und wen sie gewählt haben und bessern sich evtl das nächste Mal. Den anderen 70%: mein Beileid. Da ihr keine Lemminge seit und nicht blind dem am lautesten bellenden Vorreiter nachlauft, werdet ihr auch wieder einen Weg finden. Denn ihr seit es gewohnt selber zu denken und zu handeln.
    Ferner hoffe ich auf ein baldiges Ende der CS und der UBS. Beide dieser sogenannten Banken sind schlicht dem Graubereich zuzurechnen. Gedeckt durch die rechtsnationalistische Regierung mit dem absoluten Finanzgenie Ueli Maurer als Finanzminister. Lächerlicher und inkompetenter hätte man diese Position kaum mehr besetzen können. Darum bleibt mein Wunsch nach einer Pleite der beiden genannten wohl leider ein Traum. Den Ueli wird auf geheiss des CB aus H lieber die AHV Gelder zur Rettung dieser „Banken“ hergeben als diese krachen zu lassen. Ist ja Systemrelevant.

  8. So ist „unsere“ Finanzmaschinerie eben aufgebaut: „wir“ möchten auf „eure“ Kosten möglichst viel verdienen und pressen euch aus wie Zitronen. Wir haben auch kein schlechtes Gewissen, weil es gibt genug Nachschub: geht einer drauf, fällt er aus dem Arbeitsmarkt, krankheit ….was auch immer, wir wissen genau, es gibt genug bettelnde, dahinsiechende und verzweifelte Bänker, die ihre Hosen so richtig runterlassen, nur damit sie für „uns Elite“ schaffen dürfen!

    …..und wir haben nicht einmal ein schlechtes Gewissen :)))

    • So ist es nicht nur bei den Banken. Auch in der Pflege geht das schon lange so. Sehr beunruhigend. Die Spitäler halten dich tämporär auf warmer Platte und wenn nötig katapultieren sie dich wieder von heute auf morgen an die frische Luft. Der GAV ist eine Lachnummer.

  9. Wenn ich die Statistik oben (Excel-Tabelle) richtig deute
    so ergibt sich folgendes:
    80-100% Stellen (Annahme: 80%-Stelle entspricht etwa einer Vollzeitstelle) so sind die Vollzeitstellen immerhin noch etwa bei 80%.
    Bei den restlichen Teilzeitstellen ist unklar welche Art von Tätigkeiten (Fachkraft oder Aushilfskraft?) dies sind und ob dieses Arbeitspensum freiwillig ist oder nicht.
    Don’t panic!

  10. Lieber 10 Teilzeit-Angestellte zu je 10% Pensum als einen Franzosen mit 100% Pensum, der – wie ich – heimlich die französische 35-Stunden-Woche zelebriert und lebt, n’est-ce pas?

  11. Eigenartige Zählung in der Statistik der Ausschreibungen. Man könnte genau so gut auch sagen, dass 102 von 118 Stellen bis zu 100% ausgeschrieben sind oder dass Vollzeitstellen zumeist mit 80%-100% angegeben werden und die in 92 von 118 Fällen vorkommen. Oder anders herum, dass 22% der Stellenausschreibungen Teilzeitpensen unter 80% seien.

  12. Und AHV- und Pensionskassen jammern, dass die Geldmittel nirgends hinreichen werden. Was wunder wenn die arbeitende Bevölkerung nur noch in Teilzeitpensen arbeiten kann bei welchen nur noch minimale PK Beiträge fällig werden, weil der AHV Koordinationsabzug vom Arbeitspensum unbesehen unverändert hoch bleibt. Politiker wacht endlich auf und schliesst dieses Schlupfloch umgehend.

  13. Auch die global operierenden Banken sind sich nicht zu schade neue Mitarbeiter, wie die Detailhändler Lidl, Aldi, Migros, Coop oder die Gastgewerbler SV Service, mehr und mehr in Teilzeitpensen von maximal 70% oder noch schlimmer im Stundenlohn ohne festes Beschäftigungspensum anzustellen.
    Dabei wird volle Flexibilität zu jeder Tags- und Nachtzeit sowie an Wochenenden und Feiertagen verlangt. Unter diesen Bedingungen ist es einem unmöglich eine weitere Arbeitsstelle anzunehmen um wenigstens mit 2 Jobs ein Einkommen zu erzielen, mit dem man seine laufenden Rechnungen bezahlen kann. Dass sich die Firmen mit dieser Anstellungspolitik zudem massiv Beiträge für die 2 Säule sparen können haben wir unseren untätigen Politikern und Gewerkschaften zu verdanken. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir in der Schweiz auch €400 Jobs bekommen. Dann werden wir 4-5 Jobs brauchen um über die Runden zu kommen. Zur gleichen Zeit gewähren sich die Topkader von Jahr zu Jahr Lohnerhöhungen von 10 – 25% nebst allen möglichen steuerfreien Goodies, die auf keinem Lohnausweis erscheinen.
    Ich frage mich wirklich wie lange die Politik und Gewerkschaften hier noch die Augen verschliessen wollen. Schlussendlich wird der Steuerzahler für die Working poor aufkommen müssen, wenn sie die Miete, Krankenkasse und Steuern nicht mehr von ihrem Einkommen zahlen können.

    • wir sind halt ein volk von jammeris. Ich heule gerne mit.
      Genau, umschulen und etwas weniger Geld verdienen.
      Und: der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür kriegen, sondern dass, was wir dadurch werden!
      Wenn jemand Teilzeit arbeiten will soll er doch, ich lebe heute. Irgendwann kollabiert eh das gesamte System, was vermutlich auch nötig ist, besser wird’s nicht mehr.

  14. Ich habe gehört, dass bei einer grösseren Auslandsbank in der Schweiz die temporären Arbeitskräfte (sind zum Teil schon 4 Jahre als Temporäre angestellt) nicht im Stellenpensum erscheinen und die Lohnkosten aus der Zentrale im Ausland bezahlt werden. Somit steht das Management in der Schweiz recht gut da.

    • Das ist nicht nur bei Banken, sondern bei fast allen mir bekannten Konzernen so: Praktikanten, Werkstudenten und Termporärstellen (idealerweise über einen Sub-Unternehmer / Personalverleiher) zählen nicht in den „Head Count“ des Unternehmens und befeuern damit die Performance in den xls-Tabellen des mittleren Managements. Das führt zu absurden Situationen, wie in einem mir bekannten Fortune500-Unternehmen mit Niederlassung in Zürich, in dem über 25% der Stellen von Studenten besetzt sind, sogar client facing Positionen.

  15. So gerne ich die Berichte hier lese… Zwischen Teilzeit und temporärem Vertrag besteht ein grosser Unterschied. Der Titel ist schlichtweg reisserisch und falsch.

  16. Mir scheint hier Begriffsverwirrung zu herrschen. Ein Temporärjob ist eine zeitlich befristete Arbeitsstelle. Z.B. Arbeitseinsatz befristet auf ein Jahr, danach endet das Arbeitsverhältnis ohne weiteres. Eine Teilzeitstelle dagegen ist üblicherweise eine unbefristete Stelle, die jedoch in einem reduzierten Pensum ausgeübt wird, z.B. 80%. Die Grafik spricht von „Part-time“ und „Full-time employees“, beschlägt somit nicht die Dauer der Stellen, sondern das Pensum. Teilzeitstellen sind weniger schädlich als befristete Arbeitsstellen, besonders wenn sie hintereinander gereiht werden, da der Arbeitnehmer dann dauerhaft einer unsicheren Zukunft mit unsicherem Einkommen entgegensieht. Zeitarbeit ist dann wieder etwas anderes, der Begriff wird vor allem in Deutschland verwendet und beschreibt den Personalverleih, bei welchem der Arbeitnehmer vom Entsender – die Temporärfirma – an Drittunternehmen zeitlich befristet ausgeliehen wird. Der Arbeitnehmer muss dort im Vergleich zu beim Drittbetrieb fest Angestellten zu einem reduzierten Lohn mit schlechteren Sozialleistungen arbeiten, obwohl er oft genau die gleiche Arbeit wie fest Angestellte erbringt. Sobald er vom Drittbetrieb nicht mehr benötigt wird, wird er „entsorgt“. Mit der Legalisierung dieses Beschäftiungsmodells in Deutschland vor einigen Jahren sind die Zahlen der Zeitarbeitsverhältnisse explodiert, da sie letztlich nichts anderes als eine Umgehung des Kündigungsschutzes darstellen, „hire and fire“ eben.

  17. Wird im Text „Temporär“ und „Teilzeit“ gleichgesetzt?

    „Die sich öffnende Schere zwischen Voll- und Teilzeit hat Folgen: Wenn immer mehr Mitarbeiter bei den Banken nur noch temporär beschäftigt sind, verdienen auch immer mehr immer weniger.“ … sowie andere Stellen

    • Temporär kommt vom lateinischen Wort Tempus= Zeit
      somit handelt es sich hier um komplett zwei verschiedene Verträge, auf Zeit= bristet oder eine Festanstellung im Teilzeitpensum

  18. Und wo bleibt der so viel propagierte Inländervorrang? Ich glaube bei den Banken wird sogar das Gegenteil praktiziert. Ein gutes Indiz dazu sind die Stellenausschreibungen, die ja fast immer auf Englisch sind. Wir sind da viel zu gutmütig. Auch innerhalb der Banken werden Sitzungen in x-welchen Sprachen abgehalten, so dass der Ausländer auch ja nie Deutsch lernen muss. Glaubt jemand, dass man bei einer Deutschen Bank in Frankfurt etwas anderes als Deutsch spricht, oder bei einer BNP in Paris was anderes als Französisch, oder bei einer Barclays in England etwas anderes als Englisch….etc. etc. ???

  19. @Sir Galahad und Billige Hilfsarbeiter
    treffend bemerkt!
    Einen weiteren längerfristig aber ebenso wichtigen Aspekt möchte ich hinzufügen: mit den temporär Angestellten verlässt aber auch das know how die Firma und das kommt sehr teuer zu stehen.
    Allerdings dürfte dies das Management kaum kümmern, kurzfristig muss die Kasse stimmen!

  20. Und all das passiert zu Lasten des Arbeitnehmers. Der Lohn wird viel kleiner, die Sozialleistungen schlechter und die Kündigungsfrist (falls überhaupt) ist gerade mal noch 1 Monat!
    Krank werden gibt’s nicht, denn dann wirst Du nicht mehr bezahlt!
    Ich begreife nicht, wieso immer auf den Schultern der Arbeitnehmer alles ausgetragen werden muss. Wir sind ja sowieso diejenigen, die die Sozialkassen auch auffüllen müssen. Aber wie bitte schön machen wir das, wenn es nur noch Temporärangestellt gibt?
    Am liebsten mag ich es, wenn sich die Grossfirmen damit brüsten, dass die den Headcount beibehalten (genau: mit Angestellten in ihren Businesscenters in Polen, Indien, etc.)

  21. Irgendwie bringt der Bericht einige Dinge sehr stark durcheinander:
    1. Teilzeitjobs sind nicht gleich Temporärstellen.
    Teilzeit = weniger als 100% (auch festangestellt)
    Temporär = befristet
    2. Dass Leute nach dem Pensionsalter weiter arbeiten wollen hat doch keinen Zusammenhang mit dem Wunsch nach Teilzeitarbeit. Ich würde gerne Teilzeit arbeiten, kann mir aber durchaus vorstellen, über das Pensionsalter hinaus zu arbeiten.
    Alles in Allem ein ziemlich wirrer Bericht…. (auch wenn ich ansonsten IP schätze)

  22. Willkommen in der „schönen, neuen UBER-Welt“.
    Jeder ist nur nur noch ein selbständiger Teilzeit-Angestellter, der auf Abruf arbeiten geht.
    Sozialbeiträge sind mein Problem, Arbeitslosenversicherung gibts nicht (ich bin ja selbständig) ob’s Sozialhilfe gibt ist fraglich ( … Dabei gilt es allerdings zu vermeiden, dass das Gemeinwesen auf Dauer das Betriebsrisiko einer nicht gewinnbringenden Erwerbstätigkeit zu tragen hat. Daher muss die wirtschaftliche Tätigkeit oder das Projekt von Selbständigerwerbenden langfristig Erfolg und eine anhaltende Selbstständigkeit versprechen (Charlotte Alfirev-Bieri, Leistungen der Sozialhilfe für Selbständigerwerbende, ZeSo 1997, S. 129 ff…)

    Wieso die „Abzocker“ auf der Teppichetage immer festangestellt sind erschliesst sich mir nicht,,,auch diese Herren können im UBER-System angestellt werden; um das Filmvestival zu eröffnen oder Verluste zu verkünden würde eine Bezahlung im Minutentarif ausreichen.

    Erst recht wird mir schlecht, wenn durch eine Umfrage bewiesen wird, dass die Mehrheit der Arbeitnehmer eine solche Zukunft Wüchen soll ( .. flexible, ich kann Arbeiten wann ich möchte, Teilzeit ist ja möglich ..).

    • Wenn man wenigstens als Angestellter auf Abruf ein Standgeld erhalten würde, aber nicht mal dies ist der Fall.
      Übrigens ist der Hass in der Schweiz auf die EU genau auf diese Praktiken der Großbanken zurückzuführen. Die Leute sehen auch die dauernden Auslagerungen, hauptsächlich nach Polen und schlussendlich in die Karpaten und nach Indien. Resultat wir sind am Katzentisch in Brüssel und können uns nicht genügend für unsere Interessen wehren.
      Dagegen verlangen unsere Großbanken den vollen Schutz unserer Nationalbank und nicht nur für die Schweizerfranken Verpflichtungen, sondern auch für die Dollar Verpflichtungen in New York, die eigentlich Sache der FED wären.

  23. Besten Dank für diesen interessanten Bericht. Teilzeit-Jobs werden auch in diversen Unterlagen der Bank nicht „offiziell“ aufgeführt und somit ist der Vorgesetzte höchst zufrieden, wenn immer mehr Feststellen „abgebaut“ wurden. Versicherungsschutz und Vorsorge und die später folgende Pensionierung sind die weiteren grossen Probleme in diesem Zyklus. Aber das interessiert ja die Bankspitze nicht, das Personal wird ja auf die Strasse gestellt.
    Fazit: eine traurige Angelegenheit, wenig durchdacht.

    • Das Konzept ist äusserst klug durchdacht.
      Modus operandi: „Der Gewinn mir die Kosten der Allgemeinheit“
      Ferner bedeutet Langfristigkeit noch maximal 6 Monate.
      So führt die Branche heute die Gesellschaft langsam und zielsicher an den Abgrund..