Wahnsinn der Minuszinsen erfasst Cembra-Pensionäre

Kreditbank streicht Vorzugszins für ehemalige Mitarbeiter – Schreiben 1 Tag vor Jahresende – Management vergoldet sich.

Die Cembra Money Bank ist eine Erfolgsstory. Seit dem Börsengang 2013 stieg ihr Kurs um einen Drittel.

Das lässt sich das Management mit mehr Lohn und Bonus vergüten. Umgekehrt werden die Pensionierten zur Ader gelassen.

Ihnen wurde soeben der Vorzugszins gestrichen. Neu gibt es nur noch 0,01 Prozent auf dem „Einlagekonto“ bei der Cembra.

Grund seien „insbesondere“ die Negativzinsen der SNB, begründete die Cembra in einem Brief, den sie am 29. Dezember abschickte und der am letzten Freitag bei den Betroffenen ankam – ein Tag vor Silvester.

Bisher habe ein „Vorzugszinssatz für Mitarbeitende und deren Familienangehörige sowie für Pensionierte und deren Angehörige“ gegolten.

Die Geschäftsleitung habe nun entschieden, die „Vorzugskonditionen nur noch den aktiven Mitarbeitenden der Bank zu offerieren“.

Wirkung ab sofort, sprich 1. Januar 2017.

Unterzeichnet wurde das Schreiben vom Finanzchef und vom obersten Personalverantwortlichen, zwei der best bezahlten Managern des Unternehmens.

Dieses hat seine Führung zuletzt vergoldet. Der CEO erhielt 2015 gemäss Vergütungsbericht 1,6 Millionen Franken, das ist ungefähr gleich viel, wie der Chef der Zürcher Kantonalbank eingestrichen hat.

Der aber leitet eine Bank mit 5’000 Mitarbeitern, es handelt sich um die grösste Kantonalbank des Landes und ein Institut, das nicht untergehen darf.

Die Cembra Money Bank hingegen ist ein auf Konsumkredite für Autos, Ferien, Möbel und sonstige Wünsche spezialisiertes Kreditinstitut.

Entsprechend gilt die Entschädigung für den Chef der Bank als vergleichsweiser hoch. Umso ernüchternder ist die Zinskürzung auf faktisch Null für die Pensionierten und deren Angehörige.

Die Massnahme zeigt mehr als nur, dass die Cembra-Führung keine Tabus kennt, wenn es um die Sicherung der eigenen Pfründe geht.

Der Wahnsinn der Minuszinsen wird immer greifbarer. Das Konzept der SNB zur Sicherung des Schweizer Wohlstands, das diesen auf Dauer aber zerstören kann, führt zur stillschweigenden Aufkündigung eines Generationenvertrags.

Die Pensionierten haben bei der Cembra und anderswo gearbeitet und fürs Alter gespart. Sie taten dies in Form von Zwangsleistungen für die staatliche AHV und die zweite Säule.

Im Gegenzug erhielten sie Spezialleistungen wir etwas mehr Zinsen und sonstige Vergütungen.

Nun wird ihnen der Vorteil gestrichen. Zunächst die Zinsen, später die Rente.

Der Umwandlungssatz für die PK-Rente sinkt. Die Mindestverzinsung ebenso. Die Vorzugszinsen wie im Fall der Cembra verschwinden.

Die Abmachung war, dass die Versicherten Gelder in eine Kasse zahlen und damit später ihr Alter finanzieren.

Wegen der SNB, die mit nicht überzeugenden Inflations- und Konjunkturdaten argumentiert, sinkt nun die PK-Rente flächendeckend.

Niemand läuft dagegen Sturm. Es ist wie beim Frosch, der im heissen Wasser sitzt. Die Temperatur steigt langsam, so dass der Frosch nicht aufmuckt.

Die PK-Rente war den Pensionierten garantiert worden, sie zahlten dafür ihre jährlichen Prämien. Diese nun einfach mehr und mehr kürzen, entspricht einer einseitigen Vertragsaufkündigung, die nichtig ist.

Nur müsste jemand dagegen antreten. Doch das passiert nicht. Weder die Gewerkschaften noch die Sozialdemokraten krümmen einen Finger.

Im Gegenteil, die Linke im Land ist die stärkste Verfechterin der SNB-Minuszinsen. Sonst würde der Industriestandort Schweiz untergehen, argumentieren die Genossen.

Sie lassen damit ihre Alten im Regen stehen. Diese geben die Antwort an der Urne.

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16 Kommentare zu “Wahnsinn der Minuszinsen erfasst Cembra-Pensionäre

  1. LH vermischt in seinem Kommentar einige Dinge, die wenig miteinander zu tun haben. Ja, die Minuszinspolitik der SNB ist abzulehnen, da die negativen Nebenwirkungen allfällige Vorteile bei weitem übersteigen. Vergünstigungen für Rentner sind ein alter Zopf. Mag zwar sympathisch sein, aber kaum zeitgemäss. Und nun zu den BVG-Renten: Nie und nimmer hat eine PK zukünftige Renten garantiert, wie LH behauptet. Laufende Renten hingegen sind garantiert, ausser in extremen Fällen der Sanierung, wenn andere Massnahmen (Streichung der Verzinsung und Erhöhung der Beiträge der Aktiven) nicht ausreichen um die Kasse wieder ins Lot zu bringen.

    • Junge, ich glaube DU vermischt hier einiges! Was heisst denn „alter Zopf?“ Geht’s eigentlich noch? Nicht alles was „alt“ ist, muss auch schlecht sein! Eher die „neuen Zöpfe“ sind vielfach schlecht für die breite Masse!

    • Lieber Benny, Experte für alles…achte auf Deinen Blutdruck….wenn die alten Zöpfe so gut sind wie Du schreibst, war die Aussage ein Kompliment.

  2. Weshalb der ganze Wirbel?
    Die Bank scheint die Vorzugsbedingungen für Mitarbeitende beizubehalten. Bravo! Viele andere Arbeitgeber bauen ja bereits die Benefits für Mitarbeitende ab.
    Und weshalb soll denn ein Arbeitgeber ehemalige Mitarbeiter subventionieren? Die bekommen ja schon aufgrund der früheren hohen Umwandlungssätze zu hohe Renten, welche wir Jungen subventionieren. Man sollte mal etwas an den garantieren Renten ändern, denn das ist ungerecht!
    Und das mit dem Vergleich von Managerlöhnen hinkt ohnehin immer. Die geschützte Werkstatt der ZKB ist mit der Privatwirtschaft kaum vergleichbar. Und im Gegensatz zu CS und UBS (man beachte deren Managerlöhne bereits auf unteren Stufen) schreibt Cembra einen ordentlichen Gewinn und auch die Aktie entwickelt sich gut.
    Bitte hört mit dem Gejammer auf, liebe Schweizer! Und geht mit euren hohen Löhnen und Renten weiterhin im billigen Deutschland einkaufen, denn das hilft unserer Binnenwirtschaft am wenigsten…

  3. Minuszinsen haben nichts mit einem Generationenvertrag zu tun, sondern sind ein Angriff auf alles eingelegte Geld. Eine Inflation zwingt die Leute zum Konsum oder Flucht in eine andere Währung. Negativer Zins zusätzlich gar zum Halten von Bargeld in Notenform! Einbrecher willkommen!

    Die Schweiz hätte auch den Euro übernehmen können, aber das wollte man nicht. Jetzt hält die SNB über 200 Jahresbeiträge an EU-Nettozahlungen! Nicht alles ist ein Verlust, aber genug davon, um sich eine Platin-Mitgliedschaft in der EU leisten zu können. Selbst eine Mithaftung für Griechenland würde nicht solche Löcher reissen wie der Status quo.

    Habe ich schon die währungsbedingte Deindustrialisierung der Schweiz erwähnt? Die DM war bei 0.80 CHF, und der Euro jetzt bei 1.07. Toni Brunner meint, die Unternehmen müssen sich anpassen. Aber dessen Subventionen sind ja garantiert!

    Man muss weder die EU noch den Euro lieben. Aber mit der Nicht-Ankopplung wurde wirklich der Fehler des Jahrhunderts gemacht!

    Deutschland hat den tiefsten Stand der Arbeitslosigkeit seit 1991! Das ist nah an der Wiedervereinigung, oder dem Urknall in der Astronomie.

    In der Schweiz liegt der Apostlische Palast in Herrliberg.

    • Daniel, sehr gut gebrüllt – Das sind Worte:
      „Jetzt hält die SNB über 200 Jahresbeiträge an EU-Nettozahlungen! Nicht alles ist ein Verlust, aber genug davon, um sich eine Platin-Mitgliedschaft in der EU leisten zu können.“
      Wir Schweizer sind in vielen Dinge ja schon lächerliche Witzfiguren, welche den Blick fürs ganze komplett verloren. Sichtweite ist der eigene Gartenzaun – der Rest egal.
      Ja, da hat der Jordan bereits die Jahresbeiträge für nächsten 20 Jahre gespart – und wir haben die Diskussion noch nicht einmal begonnen, in unserer ökonomischen Borniertheit.

  4. Interessiert kein Schwein. Verzugszinsen sollten sowieso durchgehend für alle gestrichen werden, gerade für wohlhabende Pensionäre oder gut verdienende Mitarbeiter.

  5. Es ist der helle Wahnsinn wie man mit den Pensionierten umgeht.

    teileweise wurden wir gezwungen, für die Einzahlung an die PK
    Kleinkredite auf zunehmen.

    so etwas sollte verboten werden.

  6. Ganz ehrlich, was ist verkehrt daran die Vorzugskonditionen nur AKTIVEN Mitarbeitern zu gewähren?

    Konkret wurden sie jetzt also für Verwandte und Pensionierte gestrichen?

    Ist das eine Meldung wert?

  7. Sie haben mehr als Recht! Dies trifft sicherlich wieder langjährige, verdiente Mitarbeiter, die sich jahre – oder jahrzehntelang für die Firma abgerackert haben.
    Management und Aktionäre werden vergoldet und die Pensionierten gehen nun leer aus.
    Einmal mehr werden hier Mitarbeitende bzw. ehemalige Mitarbeitende „in den Mittelpunkt“ gestellt. Oder steht dies nur in den Leitbildern?

    • So ein Gefasel, Rosmarie!
      Weshalb soll ein Unternehmen ehemaligen Mitarbeitenden einen hohen Zins zahlen, wenn es selbst bei der Nationalbank Minuszinsen zahlt? Das wäre ja wie eine zusätzliche Lohnzahlung ohne Erbringung einer Arbeitsleistung. Sie wären wohl eine gute Unternehmerin!
      Die Rentner erhalten ihre AHV, ihre Pension und leben teilweise von ihrem Ersparten. Punkt. Dass ein Arbeitgeber nach der Pensionierung eines Arbeitnehmers weiterhin ein „verstecktes“ Salär zahlen muss, war mir so bisher nicht bekannt. Und ich, liebe Rosmarie, subventioniere heute die zu hohen Renten unserer Pensionäre, weil diese älter werden und Renten mit zu hohen Umwandlungssätzen erhalten! Geht gar nicht! Das nenne ich mal ungerecht!

  8. Hr. Hässig spricht hier wieder mal an, was die meisten Medien konsequent tot schweigen: Die verheerenden Auswirkungen der Negativzinsen!
    Die SNB mit ihrer katastrophalen Zins- und Währungspolitik wird aus kurzsichtigem Eigennutz von den Politikern geschont.

  9. Dass sich Manager bereichern und Mitarbeiter zurückgebunden werden hat ja schon längst Tradition. Dass sich niemand dagegen wehrt hat ebenfalls Tradition. Ziel der obersten Führungsebene ist nur noch die persönliche Bereicherung. Im Fall von Cembra ist es besonders Krass. Wie alle Kreditkarteninstitute ziehen sie den Kunden nur Geld aus der Tasche und bieten wenig Service. Kreditkarten werden jedes Jahr (schleichend) teurer. Sämtliche Fremdwährungs- bzw. Auslandtransaktionen werden erstens mit dem schlechtest möglichen Kurs in CHF umgerechnet gleich Profit für das Kreditkarteninstitut und zweitens wird eine saftige Bearbeitungsgebühr von 1.5% – 2% belastet. Der Kunde schluckt dies. Wann werden die Kunden mündig, wann werden die Mitarbeiter mündig. Es ist eine Schande wie die Finanzindustrie arbeitet und wie tief der Wert des eigenen Personals ist. Wir sind alle Sklaven und sollen einfach schlucken.
    Es ist nur noch zu hoffen, dass der einfach Mitarbeiter, Bürger, Pensionär wenigstens an der Urne gegen die abgehobene Elite stimmen wird: Steuerreform III NEIN, AHV/PK-Revision NEIN dafür müssen wir Initiativen, die die Einwanderung begrenzen unterstützen.
    Einfache Leute der Schweiz wehrt euch! Wir verarmen langsam aber sicher. Beispiele: überteuerte Preise in der Schweiz, schlechte Qualität und Service, sinkende Pensionen, steigende Steuern und Gebühren. Vieles läuft schief!

    • @Martin
      Was für ein Geschwurbel, es scheint Sie haben den Sylvester-Kater noch nicht überstanden. Die Pensionierten sollen das Geld ausgeben, für das haben sie ja während der aktiven Arbeitsjahre gearbeitet. Sparen ist für die Jungen für ihre Zukunft und nicht für die „Alten“.

    • @ Martin
      Sie haben völlig Recht!

      @LH
      ja, machen Sie weiter so. Man kann nicht oft genug Aufklärung machen über das Fehlverhalten der Nationalbank. Die sind längst nicht mehr unabhängig sondern lassen sich von der abgehobenen Politikerklasse manipulieren. Die Negativzinsen sind ein Unsinn, genau so wie der angeblich schwache Franken. Leider wehrt sich das Volk (noch) nicht.