Der unheimliche Erfolg der Partners Group

Die Bilanz bezeichnet die Partners Group in ihrer Ausgabe von Ende 2016 als einen „Orden“. Als die erfolgreichste Firma der Schweizer Finanzindustrie. Sie fragt: „Wie schafft sie es, Jahr für Jahr den Markt zu schlagen?“

Eine wichtige Frage, zu deren Beantwortung für einmal ein unkonventioneller Ansatz erlaubt sein soll.

Wie erkennt man ein Schneeball-System? Auf der Webseite der amerikanischen Behörde SEC kann man dies nachlesen. Die unten genannten Punkte sind „rote Flaggen“.

Was würde in einem hypothetischen Fall für Partners Group zutreffen, was nicht?

1. Hohe Investement-Returns mit wenig oder kaum Risiko – Ja

2. Sehr konsistente Returns. Verdächtig ist, wenn ständig positive Returns generiert werden, unabhängig von Marktkonditionen – Ja

3. Unregistrierte Investments – Ja

4. Nicht lizenzierte Verkäufer – Ja

5. Geheime oder komplexe Strategien – Ja

6. Schwierigkeiten mit der Dokumentation – Nein

7. Schwierigkeiten bei der Auszahlung (in Ponzi-Systemen werden die Investoren oft dazu gedrängt, ihre Investments zu verlängern und ein sogenanntes „roll over“ zu vollziehen); Schwierigkeiten bei der Auszahlung gibt es nicht, und den “Roll over” machen die Investoren momentan gerne freiwillig, also Nein.

Im Ergebnis kommt man auf 5 von 7 roten Flaggen für die Partners Group.

Charles Ponzi bei der Arbeit (Bildquelle: Wikipedia)

Jetzt der Unterschied: Bei den Private Equity Investments von Partners Group gibt es natürlich ganz legitime returns, und Geld von Neukunden wird sicherlich nicht dafür genutzt, um „Altkunden“ auszubezahlen.

Die Frage der Zeitschrift Bilanz bleibt aber bestehen: Wie schaffen die eine solche Performance?

Die Antwort ist ein ganz einfaches und bekanntes Prinzip: Buy low, sell high. Dies führt zum Finanz-Erfolg.

Folgendermassen ist vorzugehen: Billig einkaufen und dann einfach nicht verkaufen, falls die Preise runtergehen, sondern nur dann verkaufen, wenn die Preise für die Investments höher sind als beim Einkauf. Und in der Zwischenzeit die Preise der Assets einfach selber festlegen.

Genial. Das genau ist das Geheimnis von Private Equity.

Zu „Buy low“ liefert die Bilanz schon einen Hinweis, wieso Partners Group hier besonders erfolgreich ist. Die guten Zahlen basieren „zum grossen Teil auf Investments aus der Zeit der Finanzkrise, die günstig erworben wurden, sich positiv entwickelten und für die damit eine Kundenkommission fällig wurde“.

Die Hohepriester des „Ordens“ in Zug gehören also sicher zu den talentiertesten Dealmakern der Welt.

Aber das allein reicht nicht. Es braucht mehr.

Was also macht Partners Group zusätzlich derart erfolgreich?

a) Der Anlagehorizont ist langfristig und seit 2008 gab es keine nennenswerte Korrektur mehr an den Finanzmärkten. In einem solchen Umfeld blüht Private Equity natürlich auf, und der Aktienkurs (PGHN) stieg stetig von 60 Franken per Ende 2008 auf nun über 500 Franken.

b) In Jahren mit steigenden Börsen, steigenden Immobilienpreisen und steigenden Unternehmens-Bewertungen können auch die Private-Equity-Bewertungen stetig nach oben angepasst werden.

c) In Zeiten niedriger Zinsen steigt die Nachfrage nach “harten” Assets und Firmenbeteiligungen, was Private Equity Funds hilft.

d) Die Neugelder von Kunden stiegen ständig an, aufgrund professionellem Management und guter Performance; aussteigen wollen nicht viele, denn die Returns sind ja fantastisch. Welcher Kunde will schon sein Principal zurück haben, wenn man jährlich wunderbare Coupons bekommt und die Bewertung des Investments in einem Fonds auf dem eigenen Balance-Sheet praktisch nie nach unten anpassen muss?

e) Und vielleicht das Wichtigste: Es besteht überhaupt kein Verkaufsdruck für Private Equity Assets. Investments können genau dann verkauft werden, wenn sich einmal ein “Greater Fool” findet. Falls nicht, können die Assets auch gehalten werden (und die Bewertung auf der Bilanz nur wenn unbedingt nötig nach unten angepasst werden).

Auch wird die Private Equity Branche wohl weniger streng von den Regulierungsbehörden begutachtet als Banken oder Versicherungen. Und das lässt Spielraum für Optimierung.

Aber Compliance nimmt natürlich auch bei Private Equity ständig zu. Auch bei Partners Group. Momentan wird für 5 Monate (temporär) ein AML/CDD Officer gesucht.

AML steht für Anti Money Laundering und CDD für Customer Due Diligence. Dieser Mitarbeiter soll dann an einem Projekt mitarbeiten, das mit der weltweiten Koordination mit externen und internen Parteien in Bezug auf Geldwäsche und Due Diligence für verschiedene Fond-Domizile zu tun hat.

Genannt werden als Beispieldomizile Luxemburg, Guernsey und Delaware, in der EU, UK, und den USA. Die absoluten Steuerparadiese.

Und nach dem 5-monatigen Projekt, was dann? Wenn der Mitarbeiter hart anpackt, dann hat er vielleicht die Chance auf eine Festanstellung beim “Orden” und kann auf einen tollem Bonus hoffen – der 5 Jahre später ausgezahlt wird.

Das Rezept für den Erfolg von Partners Group könnte man also so zusammenfassen: Gute Deals machen beim Einkauf, hart arbeitende Mitarbeiter, eine gehörige Portion interne Zahlenmagie (“Mark to Model”, völlig in Ordnung und legal, denn es gibt ja keinen Markt), Ausnutzung aller legal möglichen Steueroptimierungen für die Fonds, ständig steigende Kundengelder und last but not least in Krisenzeiten kein Verkaufsdruck bei den Assets.

Funktioniert perfekt. So lange, bis es einmal eine längere Flaute geben sollte (vielleicht mehrere Jahre?) und viele Kunden ihr Geld zurückbezahlt haben wollen/müssen, und gleichzeitig weniger neue Interessenten nachrücken.

Das wird zwangsläufig einmal kommen, denn grenzenloses Wachstum kann es ja nicht geben. Dann wird es interessant werden.

Partners Group ist keine Schneeballsystem. Aber erst wenn einmal grosse Mengen an Kundengeldern abezogen werden, was bisher noch nicht passiert ist, wird sich zeigen, wie es wirklich um den langfristigen Erfolg des Highflyers steht.

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11 Kommentare zu “Der unheimliche Erfolg der Partners Group

  1. „wenn die Kunden einmal ihr geld zurückwollen“ – der Artikelschreiber scheint nicht gerade viel vom Private Equity Konzept verstanden zu haben? jedes Jahr bis jedes zweite Jahr werden diverse Funds bzw. Fund of Funds lanciert, die jeder zwischen 7 und 10 Jahre laufen (bis zur vollständigne Rückzahlung). Da es unmöglich ist, Private Equity zu timen, (da jeder Fonds ja über ca. 3-4 Jahre das comittete Geld investiert), wird ein rationaler Investor einen Investmentplan verfolgen, bei dem er immer wieder in neue Fonds alloziert.

    Die Maschine kann also noch sehr lange weiterlaufen.

    Allerdings ist Private Equity ebenfalls mit dem Business Cycle korreliert – wer in Fonds investierte, die zwischen 1999/2000 oder 2006/2007 lanciert wurden (also auf dem Höhepunkt der jeweiligen Business Cycles), hat wesentlich schlechtere Returns als jemand, der 2002/2003 oder um 2008/2009 lancierte Fonds investierte.

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar Herr Druten.
      In anderen Worten bestätigen Sie genau das, was der Artikel zum Ausdruck bringen wollte. Ein grosser Teil des Erfolgs von Private Equity ist durch das Konzept wie vorgegeben.
      Dadurch, dass immer wieder neue Fonds lanciert werden, machen „rationale“ Investoren am besten den permanenten Roll-Over. Das Kapital bleibt bei der Private Equity Gesellschaft. Beim Anleger/Investor ist das Investment einfach eine Zahl in der Bilanz.
      Aber auch diese „rationalen“ Investoren könnten sich eines Tages dazu entscheiden, völlig irrational zu werden und ihr Geld in etwas anderes investieren zu wollen und zum nächstmöglichen Zeitpunkt ihr „Geld“ wieder zurückhaben zu wollen (aber wie kämen die nur dazu? das wäre ja dumm!). Möglicherweise könnte es auch sein, dass die Investoren das Kapital schlicht und einfach zurückhaben müssen, weil andere Investments nicht so gut liefen!
      Die Maschine kann lange laufen. Klar. Der „Niedergang“ von manchen Private Equity Gesellschaften käme aber dann trotzdem, halt ein paar Jahre zeitverzögert.
      Oder wollen Sie etwa sagen, dass man sein investiertes Kapital nie wieder zurückbekommen kann? In diesem Fall habe ich es wirklich nicht verstanden…
      Beste Grüsse
      Bear’s Advocate

  2. Hätte die Group ihren Sitz in den USA, würde die
    U.S. Securities & Exchange Commission diese tatsächlich
    mal unter die Lupe nehmen.
    Slogan der SEC: „We are the investor’s advocate“

  3. Grüezi,
    Die Private Equity Fonds tragen kein Risiko!. Das Prinzip der Private Equity Transaktion unterscheidet sich von denen der Hedgefonds wesentlich. Hedgefonds tragen die Zinslast für die von ihnen eingesetzten Kredite, für die sie, wie jeder private Kreditnehmer auch, haften und die sie zurückzahlen müssen. Alle diese mit Krediten verbundenen Pflichten übernehmen die Private Equity Fonds nicht!. Sie übertragen die Kredite und die damit verbundenen Pflichten und Risiken auf die erworbenen Unternehmen. Das erworbene Unternehmen haftet für die von dem Investor über eine New Co zum Beispiel, aufgenommenen Kredite. Steuerminimierung ist ein wesentlicher Bestandteil aller Private Equity Transaktionen.

    Herzliche Grüsse

    • Sorry, aber für einmal stimme ich lh vollkommen zu, the higher they fly, the deeper they fall.

  4. Die Oppenheim-Esch-Fonds, an denen sich der heute insolvente Dr. Thomas Middelhoff (Amtsgericht Bielefeld, Aktenzeichen: 43 IN 250/15) u. a. aus steuerlichen und Renditegründen kreditfinanziert beteiligte, waren auch „Private Real Estate Investment“.

    An so etwas sieht man exemplarisch, was geschieht, wenn der Strukturwandel in den jeweiligen Mieterbranchen die Investitionsobjekte erfaßt. Wobei der Mittelzufluß aus den Investitionsobjekten aus der Anfangszeit mit hohen Mieten regelmäßig kaum ausreicht, diese nach Ablauf des Erstmietvertrags zukunftssicher zu renovieren und verändern. Entsprechend sind die meisten internationalen Konzerne nur mittelfristiger Mieter der für sie paßgenau erstellten Mietobjekte.

    Es gab einmal eine Zeit bis ungefähr in den 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, da war ein Wohn- und Geschäftshaus in 1 A – Innenstadtlage so etwas wie eine sichere Bank: im Rahmen der damaligen Teuerung und des knappen Angebots stieg der Immobilienwert ständig bzw. konnten die Mieten fortlaufend erhöht werden.

    Beides gibt es heute aber nicht mehr.

    Vor der letzten Wirtschaftskrise war es noch opportun, privat in Schiffe oder Ölförderanlagen zu investieren, was zu dem heutigen Überangebot in den beiden Branchen geführt hat. Viele der aktuell inserierten Möglichkeiten für private Investitionen steht zukünftig vergleichbares bevor.

    Die Überschrift könnte übrigens aus der Welt – Redaktion stammen.

    • Ich kannte eine Dame, die war zum Glück sehr wohlhabend. Statt, dass sie wie von der Bank versprochen jährlich eine schöne Auszahlung aus ihren Immobilienfonds bekam, musste sie jedes Jahr neues Geld einschiessen (also genau das Umgekehrte dessen was abgemacht wurde). Sie hatte eine solidarisch begründete Nachschusspflicht. Andere wären Pleite gegangen, die Dame konnte nachschiessen. Aber enttäuscht und verärgert war sie allemal. Wer braucht solche Investitionen ?

    • Das Dilemma an geschlossenen Immobilienfonds ist stets die mehr oder weniger ausgeprägte Fremdfinanzierung.

      Da angedachte Vollvermietung und regelmäßige Mieterhöhungen durchwegs NIE erreicht werden (lasse mich diesbezüglich gerne eines besseren belehren) schwindet das Eigenkapital bzw. die Mietzuflüsse reichen nicht aus, die laufenden (Kredit-)Ausgaben zu decken.

      Dann beginnt die Nachschußpflicht.

  5. Investiert wird in die üblichen, eher renditearmen Anlagemöglichkeiten mit stabilen Mittelzuflüssen aber hohem Abwertungspotenzial durch technische Veralterung, wie sie für klassische Anleiheinvestoren im Umfeld finanzieller Repression durch die großen Notenbanken neuerdings attraktiv sind:

    (Büro-)Immobilien, Infrastrukturinvestitionen, Pipelines, Solaranlagen, Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie, etc.

    Ob einem das wert ist, langfristige Limited Partnership Strukturen mit zehn bis zwölf Jahren Laufzeit einzugehen, muß jeder für sich selbst entscheiden.