Boris Collardi holt Geldwasch-Beschuldigte

Ex-HSBC-Spitzenfrau wird Lateinamerika-Chefin bei Julius Bär – Ist im Visier Spaniens – Kosten hoch, Gewinn schwach.

Boris Collardi war schon immer ein Gambler. Nun riskiert er besonders viel. Collardi macht eine der Geldwäscherei beschuldigte Bankerin zu seiner neuen Lateinamerika-Chefin.

Beatriz Sanchez heisst die Frau, sie kommt von Goldman Sachs. Doch bis zum Untergang des alten Bankgeheimnisses war sie in der Geschäftsleitung der HSBC Schweiz.

Jener Bank, die wie kaum eine Zweite von einem Datenklau erfasst worden war. Der Datendieb ist inzwischen in Spanien, wo er die Ermittler mit Informationen für deren Angriffe versorgt.

Im Mai gingen die spanischen Behörden in die Offensive. Sie erhoben massive Vorwürfe gegen die damals Verantwortlichen, darunter die neue Bär-Spitzenfrau.

Die Anschuldigungen umfassten „delitos de organización criminal y blanqueo de capitales“, ausgeführt durch die Spitze der HSBC Schweiz in den Jahren 2006 und 2007.

„Delikte von organisiertem Verbrechen und Geldwäscherei“ also. Insgesamt sind 7 Manager aus der damaligen HSBC-Zeit beschuldigt.

Sie müssen sich nun im Zusammenhang mit der „Liste Falciani“ verteidigen, wie die Ermittlungen in Spanien mit Bezug auf den Datendieb genannt werden.

Dass eine der sieben Beatriz Sanchez ist, hat Boris Collardi nicht davor abgeschreckt, sie zu seinem neuen Aushängeschild zu machen.

Mit der Wahl von Frau Sanchez, dem versüssten Abgang des bisherigen Lateinamerika-Chefs Gustavo Raitzin und der Frage von Compliance verstärkt Collardi ein wenig vorteilhaftes Bild von sich:

Jenes des Sonnenkönigs, der sich alles erlauben kann.

Collardi schart mit Vorliebe Leute um sich, die ihm zu Dank verpflichtet sind und ihm deshalb nie gefährlich werden können.

Gustavo Raitzin war längst eine Lame Duck, gefangen in den Sünden von Korruptionsfällen wie Petrobras, Fifa, PDVSA; das ist die Ölgesellschaft von Venezuela.

Raitzin musste kürzlich im Fall Fifa, wo die Bank Bär eine zentrale Rolle spielt, gegenüber der US-Justiz aussagen.

Heute darf Raitzin geordnet das Steuer an die Neue, Beatriz Sanchez, übergeben. Er erhält einen gut klingenden Auftrag an Harvard, der US-Eliteuniversität.

Doch es kommt noch besser. Raitzin wird neuer „Chairman Latin America“ von Julius Bär. Er verdient weiterhin gross und viel.

Und bleibt damit unter Collardis Segen – und Kontrolle.

Der Sonnengott der Julius Bär belohnt seine treuen Diener und Helfer. Wer sich aber gegen ihn auflehnt, den trifft der Bannstrahl.

So bleibt alles in Collardis Händen. Die heute präsentierten Zahlen passen dazu. Collardi und seine Bär sprechen von neuen Rekordassets, einem Wachstum über der Bandbreite und einer tollen Zukunft.

Die frisch angeheuerten Kundenberater würden bereits deutlich zum angestrebten Wachstum beisteuern. Alle Zeichen stünden auf Sieg und Triumph, lässt sich Collardi in der Pressemitteilung widergeben.

„From this position of strength, we are ensuring leadership – by deepening client relationships, enhancing the quality of our revenue base, increasing efficiency and remaining the destination for industry talent.“

Das klingt gut. Nur: Die Realität ist eine andere.

Der Gewinn stagniert, ja er ist in einer harten Betrachtung nach IFRS, dem Buchhaltungsstandard, gar 2 Prozent rückläufig.

Hintergrund sind die Personalkosten. Sie liefen von Januar bis Ende Juni mit einem Sprung um über 20 Prozent völlig aus dem Ruder.

Und das Kapital ist mit 11,9 Prozent nach Basel III – das ist der Goldstandard ab 2019 – am unteren Rand.

Ja, für eine Privatbank, die auf besondere Solidität angewiesen ist, handelt es sich gar um einen extrem tiefen Wert. Bär ist damit kaum in der Lage, eine grosse Übernahme zu tätigen; ausser mit frischem Kapital.

Besonders zu denken gibt die sich öffnende Schere zwischen Kosten und Einnahmen. Während letztere um 12 Prozent stiegen, schossen die Kosten um 17 Prozent in die Höhe.

Bär begründet dies mit Extrafaktoren in der Vorjahresperiode. Doch Fakt ist, dass die Luft draussen ist. Die Julius Bär kann unter Collardis Führung nicht weiter zulegen.

Das zeigen zwei Zahlen: die verwalteten Kundenvermögen und die Kosten für IT und Übriges.

Die Kundenassets stiegen im ersten Halbjahr um 6 Prozent. Während Collardi dies als Superwert bezeichnet, fällt der Anstieg unterdurchschnittlich aus. Der SMI legte fast 9 Prozent zu.

Die IT- und übrigen Kosten stiegen derweil um 3 Prozent; angesichts des versprochenen IT-Neuanfangs ein Rinnsal.

Das heisst: Collardi und seine Bank Bär investieren viel zu wenig in die Zukunft. Trotz der Sparübung stagnieren sie beim Gewinn und wachsen unterdurchschnittlich.

Ende der Fahnenstange.

Kommentare

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  1. Zuerst sind die Kosten zu hoch, dann die Investitionen in die Zukunft zu klein. Bitte Analyse andern ueberlassen. Uebrigens, schoen wenn man den SMI mit dem AUM Wachstum vergleicht wenn alle Kunden 100% Aktien haetten. Die JB ist eine Fuedli Bank, aber nicht aus den hier aufgefuehrten Punkten.

  2. was für ein wirr und zusammenhangloser Seich… AuM und SMI. Ich lach mich tot. Herr Hässig, hat das Ihr Lehrling geschrieben, oder halten Sie uns hier alle für völlig blöd?

    Vielleicht kann der Golflehrer das ja aufklären, der welche Kompetenz hier hat? 🙈

  3. OT, Jordan T. macht’s am besten, am besten auch ohne Latam.
    Falls mir jemand der geschätzten Foristen Nachhilfeunterricht geben kann, lasse mich gerne belehren. Wahrscheinlich Sauregurkenzeit, deshalb schreibe ich auch OT, seht es mir nach.

    • Die BC-Blase ist nur dank der MB-Blase möglich, die zuerst platzen muss.

  4. Die Dame weiss wenigstens wie’s geht! Oder wie’s eben nicht gehen sollte.

    Und lässt sich hoffentlich nächstes Mal nicht mehr erwischen. Irgendwie muss ja die Show im Swiss Banking weitergehen.

  5. „Die Kundenassets stiegen im ersten Halbjahr um 6 Prozent. Während Collardi dies als Superwert bezeichnet, fällt der Anstieg unterdurchschnittlich aus. Der SMI legte fast 9 Prozent zu.“

    6% New Assets sind schlecht, weil der SMI 9% hoch ist?!?!Kann mir jemand den Zusammenhang von Anstieg der Kundenassets und Anstieg SMI erklären, oder was will der Autor mir damit sagen? Hier wären die 6% mal besser gegen Zuwachs bei den Kundenassets anderer Banken verglichen worden, so sagt das ja nix aus….

    • schaltet man das Gehirn aus (oder man sitzt mit einem Bier am Strand wie ich), versteht man das sogar😉 L.H. wollte mitteilen, dass die Performance für den Anstieg der AaM verantwmortlich ist. In eine einfache Welt haben alle Kunden ETF auf SMI🤑🤑🤑🤑🤑🤑

  6. Collardi schart sich ein Team um sich, damit er gedeckt wird und bei Fehlern den anderen Schuld geben kann, schliesslich muss er sein Einkommen vom Mio. CHF 6 verteidigen, auch ist er ein Schwätzer, das bestätigte sogar sein Golflehrer in Nuolen.

  7. wenn ich aber die aktienkurs entwicklung anschaue, ist ja nicht alles falsch gelaufen oder hat etwa die börse unrecht?

  8. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Glück – es liegt so nah. Ich meine das gar nicht persönlich oder politisch, sondern eher beschreibend: die Latinisierung der Schweiz – wie der Welt gesamthaft (Trump, Putin Erdogan, alles fürstenhafte Machiavellisti, vom Vatikan nicht zu sprechen, Infantino und die Fifa sprechen für sich) nähert sich ihrer Vervollkommenung, auch die Zentralbank macht Lira. Zürich und München sind mittlerweile Teil des Roman Empire, auch wie man politisiert (CSU u SVP mit ihren Leadern).
    Julio Bruno mit Lateinamerikageschäft ist da nur die Speerspitze und Avangarde eines globalen Musters. No hard feelings.

  9. Bin bestimmt kein JB-oder Collardi-Fan. Aber immerhin lässt Boris die Unschuldsvermutung gelten, die LH ab und an auch gut anstehen würde!

  10. Wieso hat IP nur immer Negatives über Julius Bär und
    die Grossbanken zu berichten? Die Börse sieht das bei
    Julius Bär ganz anders! (+ CHF 3.23 oder + 6.48%)

    Der hässige Hässig soll einmal lesen, was die Analysten
    zu sagen haben und nicht immer diesen „Mist“ von sich
    geben.

    • @Wädi

      IP ist keine Zeitung wie die NZZ, die zu neutraler Berichterstattung verpflichtet ist. IP ist vielmehr eine Sammlung an Kommentaren. Und Kommentare sind etwas persönliches. Und fallen unter die Meinungsfreiheit.

      Wenn Sie der Meinung sind, dass die Kommentare von Herrn Hässig Mist sind, dann müssen Sie sie ja nicht lesen.

      Fakt ist jedoch, dass nicht alle Anleger wissen, was tatsächlich bei Julius Bär läuft. Welche Fehlentscheidungen Collardi getroffen und welchen Mist er gebaut hat. Bei weitem nicht.

      Fakt ist, dass sich viele Anleger nicht daran stören lassen.

      Und Fakt ist auch, dass sich die Märkte manchmal konträr den eigentlichen Indikatoren verhalten. Daher sagen Börsenkurse nur bedingt etwas über die Zustände in einem Unternehmen aus.

      Fakt ist auch, dass Collardi schon so einigen Mist gebaut hat, seit er das Steuer übernommen hat. Und er daher – wie LH richtig erkannt hat – vor allem Leute wie sich um ihn schart. Leute, die ihm bedingungslos folgen, weil sie ihm zu Dank verpflichtet sein müssen. Und die entsprechend die Klappe halten und die Drecksarbeit für ihn machen, wenn es so weit ist. So ist es für ihn am bequemsten und sichersten. Sonst würde ja vielleicht doch mal jemand vom Verwaltungsrat auf die Idee kommen, dass er nichts weiter als ein Blender ist.