UBS plant Kunst-Bunker für Superreiche

Grossbank prüft Kredit für altes Industrieareal nahe beim Airport – Dahinter soll lichtscheuer Industrieerbe aus Deutschland stecken.

An der Schaffhauserstrasse 468 in Zürich-Seebach, in der Pampa einige Kilometer weg vom Bahnhofstrassen-Glamour, deutet nichts auf eines der ambitiösesten Reichsten-Projekte hin.

Doch das kann sich ändern. Die UBS prüft derzeit, einen Kunst-Bunker für die Vermögendsten und Diskretesten ihrer Kundschaft zu finanzieren.

Es geht um einen riesigen Umbau eines denkmalgeschützten Industrieareals. Sein Name: Stierli. Das Vorhaben: 100 Millionen für ein Kunst-Center, mit Beizen, Handwerker, Galerien.

Soweit die offizielle Version. Nun zeigt sich, dass im Kern des Projekts ganz andere Interessen stehen könnten.

Nämlich ein geheimer Treffpunkt für äusserst vermögende Kunst-Sammler. Diese suchen sichere Plätze für ihre Schätze, und sie wollen geschützt vor Medien und Schaulustigen dealen und kassieren.

Kunst-Bunker für die Super-Betuchten. Das ist der wahre Zweck von Art 468, wie das Projekt mit dem bekannten Berliner Architekten Max Dudler postmodern heisst.

Die UBS steckt mitten drin. Die Grossbank soll unter der Führung der von der Ab- zur Aufsteigerin mutierten Christine Novakovic viel Geld bereitstellen und Ankermieterin des Areals werden.

Novakovic war nach ihrem Ausscheiden aus dem deutschen Banking Mitte der Nullerjahre eine Zeitlang Kunst-Galeristin, bis Oswald Grübel und Ulrich Körner, die beiden damaligen Schlachtrösser, sie zur Schweizer Grossbank lotsten.

Die Bank wollte sich nicht zu Art 468 äussern. Sie verwies auf den neuen Job von Novakovic, die im weltweiten Private Banking den Europa-Vorsitz übernimmt.

Treiber des Kunst-Bunkers ist laut einer Quelle ein geheimnisumwitterter, öffentlichkeitsscheuer Industriellen-Erbe aus Deutschland.

Alexander Knapp Voith heisst er, er stammt aus der bekannten Voith-Industriefamilie, die ein Milliardenvermögen besitzt. Ein anderer aus der Sippe gab schon mehr zu reden.

Laut der Auskunftsperson handelt es sich bei Alexander Knapp Voith um einen Millionär, der zwischen dem Zürichberg und St. Moritz pendelt.

Vor allem sei Knapp Voith eng vertraut mit einigen der bekanntesten und glamourösesten Kunst-Sammlern der Schweiz, darunter Dolder-Besitzer Urs Schwarzenbach, der gerade in einem riesigen Zoll- und Steuer-Verfahren steckt, sowie Rolf Sachs.

Schwarzenbach lagert seine Kunst gemäss NZZ am Sonntag in einem eigenen Kunstbunker hoch oben über dem Zürichsee. Wegen Helikopter-Flügen wurde der Lagerort zum Thema in der Nachbarschaft.

Kommt der geplante Kunst-Bunker in Zürich-Nord, nahe dem Airport, zustande, so schlüge Schwarzenbach zwei Fliegen auf einen Schlag.

Er wüsste seine Werke diskret in Sicherheit. Und er könnte in einem geheimen Raum im Art 468-Center versteckt mit seinesgleichen Werke versteigern.

Geheim-Auktionen im Hinterhof des alten Stierli-Industrieareals – darum gehe es in Tat und Wahrheit, sagt die Quelle.

Die offiziellen Projektverantwortlichen dementieren. „Das Art Center 468 besitzt einen sozialen und öffentlichen Charakter“, meint Fausto De Lorenzo, der frühere Basler Museumsdirektor, der das Stierli-Projekt leitet.

Laut De Lorenzo geht es um einen „Begegnungsort für breite Öffentlichkeit sowie die Kunstbranche“. „Ein Konzept das es in dieser Form bislang noch nirgends realisiert wurde.“

Nur: Für den Kunst-Bunker sind 20’900 Quadratmeter vorgesehen, viel mehr als für alle anderen Nutzungen. Galerien haben 3’100m2, Gastronomie 12’050m2, Parkplätze 9’150m2.

Damit ist klar: Der Kunst-Bunker dominiert alles. Er steht im Zentrum.

De Lorenzo meint dazu: „Das Kunstlager finanziert die denkmalgeschützte Halle mit ihren Ateliers sowie sonstige Co-working Spaces.“

Die „Kunden des Lagers werden Museen und Sammlungen sein, die in der Schweiz einen sicheren Ort sehen“ würden.

Finanziert wird das Projekt formell von einer Stierli Real Estate AG. Dort ist der Präsident ein Asset Manager, der eng verlinkt ist mit dem Swiss Private Banking.

„Ich begleite das Bauvorhaben von Beginn weg als Geschäftsführer und VR-Präsident der Stierli Real Estate AG“, sagt Markus Schad Müller.

Die Stierli sei die „Eigentümerin & Initiantin des Bauvorhabens Art Center 468“, betont Schad. „Dabei vertrete ich die Interessen der Gesellschaft und bin bei strategischen sowie operativen Geschäften involviert und aktiv beteiligt.“

Auf die Frage nach Alexander Knapp Voith, der laut Insider der wahre Financier sei, meint Schad Müller:

„Nein, die Stierli Real Estate AG gehört nicht Alexander Knapp Voith. Das Unternehmen ist im Besitz von europäischen Investoren, welche nicht in der Schweiz ansässig sind.“

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40 Kommentare zu “UBS plant Kunst-Bunker für Superreiche

    • Aber sicher nicht rittlings zwischen den Panzer-Einmarschachsen vom unteren Glattal in die Stadt Zürich (Schaffhauser- und Thurgauerstrasse)! Sondern im Tösstal oder so.

  1. …genau darum geht es: Money Laundering. Der Focus ist auf Alexander Knapp Voith und sein Umfeld zu legen. Wake up!

  2. Ein Kunstbunker ist auf jeden Fall eine gute Investition. Warum sollen das nur Museen so halten riesige Vorratskammern anzulegen als Rohmateriallager für Kuratoren.

  3. … die Berechnung der Quadratmeter sagt alles: die Wahrheit quillt aus allen Ritzen. Eben: Mathe lügt nie. Good job lh. Bonne journee encore.

  4. Sehr schade, dass ein positives Projekt, welches u.A. auch Arbeitsplätze für Künstler schaffen würde und ein tristes Quartier enorm aufwertet nur negativ dargestellt und auf die Schattenseiten des Kunsthandels reduziert wird. Eine etwas objektivere Betrachtung wäre wünschenswert, aber das kann der Autor leider nicht …

    • Da bin ich gebau ihrer Meinung. Würde mich mal wunder nehmen wer von der UBS auf die Idee kommt solche Informationen an IP weiter zu geben. Wohl jemand der es nicht verträgt das andere mehr Geld haben.

  5. Goldrichtig, es handelt sich um eine soziale Einrichtung von äusersten Notwendigkeit.
    Spass beiseite: Die TBTFs müssen diversifizieren, seitdem
    die Kassen nicht mehr klingeln…

  6. Bei einflussreichere Zirkeln, sagt man:
    “ die UBS ist die bessere Raiffeisen…
    Und die CS ist die bessere ZKB!“
    Ob das stimmt…
    Diese Geschäfte waren immer versteckt in Chisso oder anderswo
    es ist schon richtig, dass sie besser Platz finden, nahe an Zentrum…
    Somit alles in allem “ keine Änderungen“…aber never forget,
    because dust remains dust…

    • das sagen nicht die einflussreichen zirkeln; das sagen volldeppen 🙂

  7. Wieder etwas für die gesellschaftliche Dekadenz des 21Jh. Bravo. Zu denken gibt auch der Umstand, dass es für so ein Projekt eine solche internationale Verflechtung und Beteiligung benötigt. Können Schweizer nicht mehr etwas aus eigener Kraft und in Eigenregie auf die Beine stellen?

  8. zum Glück kommt jetzt bald das „Stierli“,
    dort lade ich dann alle zu einem Bierli !
    Und staune ob der grossen weiten Welt,
    die sich hier partout nicht zu mir gesellt.

    Denn das Ziel des geheimen Art-Palast :
    Ist potentieller Umgang der Steuerlast!
    Falls ich mich trotzdem täuschen sollte;
    ich finde da niemand der was verzollte?

    Bald bietet hier eine Bank gute Dienste;
    Eine Diversifikation im dunklen Lichte……
    Ein neuer Tempel, speziell für alte Kunst?
    nicht für mich , auch nicht für den Kunz!

    Nun weiss ich, es wird nichts mit dem Bierli,
    da bewegen sich bald nur sehr grosse Tierli 🙂
    welche inkognito dort sich werden zeigen:
    Dazu muss die Bank dringend schweigen !

  9. Und wenn die UBS 5 Räppler sammeln würde, mit dem Zweck diese in einer Berghütte mit Freunden zu bestaunen und zu tauschen, würde das hier schwarzmalerisch und verbunden mit einer Verschwörungstheorie, publiziert.

    • Dann denken Sie vielleicht mal nach, woher das kommen mag? Aus dem Nichts? Selbst wenn es um ein 5 Räppler Berg Fondue ginge, könnte man annehmen, dass da im Hintergrund noch was läuft? Oder wie war das mit Art Basel Miami etc?

    • Ganz bestimmt. Das Sammeln von Fünfräpplern ist ja auch total dasselbe wie der planmässige Schwarzhandel von Kunst, die ebenso planmässige Steuerhinterziehung und planmässige Geldwäsche.

    • Es geht nicht darum Maximalpreise zu erzielen, sondern die effektiv erzielte Preise vor dem Fiskus geheim zu halten.

  10. Vielen Dank Herr Hässig. Ihr investigativer Journalismus tut gut.

    Klotzen im Dracula Club, sich rühmen keine Steuern zu zahlen und ein Kunstbunker für seinesgleichen. Herr Alexander Knapp Voith’s Projekt passt zu dieser dekadenten Gesellschaftsschicht. Muss die durch den Staat gerettete UBS tatsächlich Teil davon sein? Ich meine Nein! Was sagen die Stadt Zürich und die Steuerbehörden dazu?

    In Zeiten der Transparenz sollten solche unter dem Mantel der Kunst versteckte Konstrukte aufgedeckt werden. Inklusive den dahintersteckenden Personen.

  11. In besagtem Bunker ist offenbar auch eine kleine, schnuckelige Einliegerwohnung für ausrangierte Raiffeisen-Protagonisten vorgesehen – Flugsimulator inklusive.

  12. Urs E. Schwarzenbach hat vor Gericht behauptet, dass die Kunstwerke nicht ihm gehören. Er ist damit Kunst-TREUHÄNDER.
    Und das gleiche dürfte für „seine“ Immobilien gelten, wo man dann eben auch von „Strohmann“ reden könnte.
    Ich weiss, Herr Schwarzenbach hat sein Vermögen mit einer einzigen Pfund-Spekulation über rund CHF 25’000’000’000 (25 Mia) gemacht. Wie war wohl die Sicherstellung für die Limite? Wo sind die Terminabrechnungen?

    • Und ich weiss noch mehr als Du Revisor: ich weiss von anderen insidern dass Schwarzenbach sich die Marge für diesen einen Deal von Arabern geholt hat: aber noch viel brisanter: Schwarzenbach hatte damals keinen guten „Riecher“ bei dem Pfund Deal, sondern es war ein knallharter Wissens Deal. Er war bestens vernetzt mit SNB und englischer Notenbank. Das ist Fakt. Damals war solches ein „Kavaliersdelikt“.

    • Zum 3. Absatz: Das Geheimnis dazu wurde von einem ehemaligen Bankverein-Mitarbeiter 2006 mit ins Grab genommen. – Herr Schwarzenbach wird es verstehen. 😉

    • @Stalder
      Ob sich eines Tages doch noch die BA oder die Staatsanwaltschaft Zürich für die verschiedenen „Geheimnisse“ von Herrn Schwarzenbach (inkl. Bankverbindungen) interessieren wird?
      Die jahrelange „Bedenkzeit“ müsste langsam abgelaufen sein.

    • Sehr cool Herr…. ich hoffe, das ist die grosse Innovation, die die UBS braucht. Ich zweifle etwas aber nette Marketing-Idee.

  13. Gut hat er schon selbst vergessen wo‘s ist…

    Oder ist das gezielte Irreführung mit Schaffhauserstrasse und Seefeld…

    Sehr schlau, der lichtscheue Industrielle..

    • Das würde der grundehrliche Schwarzenbach doch nie machen für seine Kunden. Dem genügt die Devisen-Kristallkugel auf seinem Pult ….

    • ……….ewigi pessimischte 🙂 öpis mache ich nöd rächt, nüd mache isch au nöd rächt.

  14. Die entscheidende Frage wäre, ob in dem Areal ein offenes Zollager (OZL) bereitgestellt wird. Das wäre eine Basisvoraussetzung für einen erfolgreichen internationalen Kunsthandel ohne In- / Re-Export der Güter, legal versteht sich. Ob sich das die Eigentümer überlegt haben?

  15. Wird Kunst nicht erst dadurch besonders wertvoll,
    wenn sie einer großen Öffentlichkeit bekannt ist?

    Mancher nutzt öffentliche Museen als „Durchlauferhitzer“
    zur Wertsteigerung des eigenen Bestands
    mit zeitlich begrenzten Leihgaben und späterem Verkauf:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/museen-in-deutschland-die-jahre-der-wilden-sammelwut-1253235.html

    http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/museum-fuer-moderne-kunst-gegengewicht-gesucht-zu-schirn-und-staedel-1513465.html

    https://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/598403/streit-um-baselitz-bilder-trugerische-leihgaben#gallery&0&0&598403