Bei Twint lief gestern gar nichts mehr

Bargeldlos-System crasht bei Postfinance, Raiffeisen, CS, BCV – Problem ist Swisscom – Techniker mit Nachtübung.

Twint soll Apple Pay, Revolut und wie die neuen Banken-Herausforderer alle heissen in Schach halten. Nur: Twint ist ein Problemkind.

Das zeigte sich einmal mehr gestern. Bei Twint-Hauptpartnerin Postfinance ging gar nichts mehr. Wer mit Twint im Coop oder anderswo bargeldlos zahlen wollte, kam nicht weiter.

Out of Order. Und zwar flächendeckend.

Denn der Crash betraf nicht nur Twint-Partnerin Postfinance, sondern auch die CS, die Raiffeisen und die Waadtländer Kantonalbank BCV. Bei allen lief gestern gar nichts mehr.

Ein Sprecher von Twint bestätigt, dass es „ein technisches Problem bei Swisscom“ gebe. „Dadurch sind einige der TWINT-Apps beim Login respektive bei der Registration betroffen.“

Der Grund liege bei einem Software-Fehler von Partnerin Swisscom. „Die Swisscom arbeitet zusammen mit TWINT mit Hochdruck an einer Lösung“, meint der Sprecher.

Und fügt an: „TWINT bedauert diese Unannehmlichkeiten.“ Dann lässt er einen Werbespot in eigene Sache vom Stapel.

„Anzahl Schweizer Banken, die mittlerweile TWINT ihren Kunden anbieten: 65; Wachstum des Volumens an den Verkaufspunkten, und zwar +328%.“

Und so weiter. Kurz: Twint, eine einzige grosse Success-Story.

Die Realität ist eine andere. Twint wächst zwar, aber genutzt wird die Applikation spärlich. Das Ganze erinnert an andere Vorhaben des Finanzplatzes mit der Devise:

Egal, was es bringt. Es muss einfach sein.

Kopf runter und durch die Wand. So die Twint-Architekten. Sie verbreiten stets Schönwetter-Meldungen, selbst an einem Tag wie gestern, wenn gar nichts mehr lief.

Hintergrund ist Panik pur. Die Banken sehen sich von Apple, von Revolut, von Paypal und von vielen weiteren dynamischen und innovativen Finanz-Angreifern herausgefordert.

Ihre einzige Antwort lautet: Bollwerk, Wagenburg, Gotthard-Verteidigungswall.

Statt sich mit modernen Partnern zu verbünden oder kundenfreundliche Angebote zu lancieren, drücken sie allen ihr Twint aufs Auge.

Kosten? 500 Millionen Franken.

Nutzen? Fragwürdig.

Bereitschaft? Absturz.

Und sollte Twint wieder verschwinden oder in etwas Grösserem aufgehen, wird niemand für das Kostengrab verantwortlich sein.

Kommentare

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  1. Ausfälle, dies ist eben eines der Hauptprobleme des elektronischen Zahlungsverkehrs. Was gerne verschwiegen wird. Daher bin ich auch total gegen Bargeldabschaffung. Wenn das Kreditkarten Zeugs nicht mehr funktioniert kann man dann in den Geschäften anstehen bis die Milch sauer wird.

  2. Bei Twint herrscht Chaos und hohe Personalfluktuation.

    Transaktionen sind viel zu komplex und deshalb unzuverlässig, wenn das Handy keine gute Netzwerkverbindung hat.

    Um eine Transaktion erfolgreich durchzuführen, müssen mehrere Systeme von verschiedenen Firmen verfügbar und vernetzt sein. (Twint, Six, Postfinance, Swisscom, AdNovum, usw) Ist ein System nur momentan nicht verfügbar, werden Transaktionen abgebrochen. Die App auf dem Handy bleibt sogar eventuell blockiert.

    Die Komplexität der gesamten Architektur und der Transaktionen ist die Achillesferse von Twint.

    Das Testing wird überhaupt nicht ernst genommen, darum crascht es eben danach in der Produktion.

  3. Twint ist ein Remake des Panzer 68. Genau dasselbige wie die SwissID und das elektronische Patientendossier. Gadgets, die niemand braucht. Falsch verstandene Digitalisierung. Bei Aliexpress lachen die mich aus, wenn ich mit Twint oder der SwissID kommen würde. Seit Jahren kann man problemlos mit PayPal bezahlen. Da braucht es kein Twint. Und wenn jemand an der Kasse für unter Fr. 100.– mit der Kredit- oder Debitkarte oder eben mit so etwas wie Twint bezahlt, dem ist eh nicht zu helfen. Mit Bargeld bin ich x-mal schneller. (Und der Hausarzt würde zuerst aufhören als seine Praxis zu „digitalisieren“.)

    Die Swisscom mit ihrer veralteten Infrastruktur ist das andere Problem. In Südkorea ist das Internet im Schnitt vier Mal schneller als in der Schweiz. Aber gut; für Industrie 4.0 ist dies, nach der schleichenden Abwanderung des sekundären Sektors, sowieso nicht mehr relevant.

    • genau.. 38,85 CHF kann man viel schneller mit Bargeld bezahlen als kontaktlos mit einer Kredit/Maestro Karte…….. 😉

  4. Die SiX ist nunmal ein riesiger Beamtenladen mit 50% a…kriechenden Nixkönnern, die sich gegenseitig hoch schaukeln und aus jedem kleinsten sinnlosen Programmiercode als eine Innovation präsentieren.

    F10 Incubator und Twint sind da als Paradebeispiel zu nennen.

    Die anderen 50% der Belegschaft haben sich eingenistet und geniessen einfach die feudalen Anstellungsbedingungen fuers nix tun (8k an Hypo jedes Jahr, 6 Wochen Urlaub, Pensionskasse).

  5. Ha ha, habe die gratis Migros Kreditkarte. Zahle auf der ganzen Welt. Bei kleinen Beträgen kontaktlos. Mache das Portemonnaie nicht mehr auf und bekomme alle 2 Monate etwas Geld. Was willst Du mehr!

  6. Gerade via SMS reingekommen

    „Für unsere Kunden entwickeln wir PostFinance TWINT weiter. Die Dienstleistung steht dieses Wochenende deshalb nur eingeschränkt zur Verfügung“

    Dieses Wochenende soll ja Postfinance auf neue Softwär migriert werden, und zwar aus Indien 😆😆

    • Tun sie interessanterweise *gerade* bei ApplePay (und SamsungPay) nicht. Die übertragen nämlich keine Kartennummer an den Verkäufer sondern nur eine Transaktionsnummer. Keiner der Beteiligten hat alleine genug Information um die ganze Transaktion zu rekonstruieren. Das Protokoll stammt zwarvon den Kartenbetreibern, kann aber mit einer passiven Karte allein nicht realisiert werden und kommt deshalb außerhalb der Handys nicht zum Einsatz. Effektiv aber das beste an Datenschutz was es im vollelektronischen Bereich gibt.

    • Richtig – Apple handelt nicht mit User- und Transaktionsdaten …

      Apple ist über diverse US nahe Organisationen im Besitz der amerikanischen Rgierung und finanziert von NSA und Homeland-Sec.

      DIE wollen und brauchen die Daten um weltweit die Transaktionen möglichst vieler Nutzer zu analysieren (IBM „Watson“ und Datentechnik sei Dank ….) und ihre global imperialistischen Ziele durchzusetzen!

  7. Nun gestern habe ich in X Shops (inklusive Coop) mit Apple Pay ohne Probleme bezahlt. Als Daily Apple Pay Nutzer ist mir aber gestern in allen SIX terminals aufgefallen, dass das Twint und QR Code angezeigt wurden. Hier scheint eine SIX Initiative am laufen zu sein und der Upgrade hat vermutlich seine Problemfelder. Doch ich werde „NIE“ Twint brauchen, da ich Apple Pay Weltweit ohne Probleme verwende. Mir kommt dieses Twint Pressing vor wie eine Kunden-Erziehungsmassnahme der Banken. Doch ich habe Schweizer Gene in mir und die lassen sich nicht Unterjochen. Meine Freiheit ist mein höchstes Gut.

  8. Veränderung (Zeit-)Ärgernis an den Kassen: bis Anfang 2000 = Kartenzahler, bis 2016 = Bargeldzahler, heute = Twint-Zahler.

  9. Eine neue Zahlungslösung zu etablieren ist kein Zuckerschleck, ABER was wohl niemand versteht:

    – Warum ist die IT so wackelig?
    – Warum ist der Ablauf zu kompliziert (PIN unter 40.-, etc.)?
    – Warum ist die App so langsam (20 Sekunden Startzeit)?
    – Warum ist Höchstverfügbarkeit keine Priorität (Unterbrüche …)?

    Innovation ist nicht erste Priorität, aber ZUVERLÄSSIGKEIT, ZUVERLÄSSIGKEIT, zuverLÄSSIGkeit, ZUVERlässigKEIT 🙂

    • Seien Sie doch ehrlich, die Schweizer IT-Entwickler sind einfach nicht gut genug. Schauen Sie doch mal das Ghetto mit Avaloq an. Ich kenne die Implementierer, die in den Banken zugange sind. Sie sind entsetzt ob dem System und fluchen tagtäglich darüber und wie blöd die ITler in den Banken seien. Banken werden zudem ca. 100x täglich angegriffen – hören tut man davon nichts. Warum? Weil die Banken CTOs Angst haben, ihre völlig überbezahlten Jobs zu verlieren und die CEOS bangen um die Kunden. Also, lieber alles verheimlichen. So sieht „guter“ Kundenservice aus.

    • @B-Klasse-Kunde:
      Ich bin in der IT zuhause. Sehe aber überhaupt keinen Unterschied zwischen euren achso tollen Grosskantönlern aus dem Norden zu den CH-ITler. Nimmt man neben der fachlichen Kompetenz dann noch die Sozial-Kompetenz hinzu schneidet ihr sicher nicht besser ab.
      Keine Angst: bin selber kein Schweizer! Aber dafür Realist.
      Und da ja mittlerweile sehr viele von euch in der Schweizer IT unterwegs sind, kanns ja bei der von dir angerüchteten Qualitäts-Sache nicht nur an den CH-Leuten liegen, oder?
      Heute schon mal in den Spiegel geguggt?

  10. Seit Mitte Oktober habe ich Apple Pay. Seit ich Apple Pay habe, habe ich – bis auf vier Zahlungen (Terminal war defekt, d.h. Twint hätte auch nicht funktioniert) – auf drei verschiedenen Kontinenten sämtliche Zahlungen via Apple Pay (contactless) erledigt. Bei gewissen Verkäufern hat die Tatsache, dass ich zwei Mal auf meine Apple Watch drücken muss und die Sache dann bereits erledigt ist (auch bei Beträgen grösser als CHF 40), grosses Erstaunen ausgelöst. Für mich gibt es nichts Praktischeres. Ich wüsste nicht, wieso ich auf eine Eigenbrötler-Lösung, die anscheinend darüber hinaus noch mit gewissen Problemen zu kämpfen hat und im Ausland nicht funktioniert, wechseln sollte. Die entsprechenden Banken hätten wohl besser dafür gesorgt, dass ihre Lösungen mit Apple bzw. Samsung Pay kompatibel sind (ich musste deswegen bei der (für mich dubiosen) Corner Bank eine Keditkarte machen lassen)…

    • Ich hatte auch das Problem mit der Viseca Kreditkarte und Samsung Pay. Mit einer Karte der Corner Bank, und neu auch Cembra, funktioniert Samsung Pay super. Ich bezahle auch nur noch so. 🙂

  11. 500 Millionen Franken Kosten – Geld von uns Schweizer Bankkunden, bezahlt u.a. aus den Konto- und Kreditkartengebühren. Twint ist wie eine Art Billag-Gebühren: der Bankkunde finanziert mit indirekten Zwangsgebügren die Beschäftigungswerkstatt Twint – ob es genutzt wird oder nicht, ob das System läuft oder nicht. Zukinft Schweizer Retailbanking 2018; nichts tun.

    • Gratulation, Sie haben das Prinzip der Marktwirtschaft verstanden! Der Unternehmensgewinn (ja, der entsteht durch zahlende Kunden) wird investiert um Fortschritt und Innovationen zu fördern und damit ein Wirtschaftswachstum zu generieren (= gleich mehr Jobs, stabile Wirtschaftslage, Wohlstand etc.). Wäre dies nicht so befänden wir uns in einer Planwirtschaft… ist es das was Sie sich wünschen?

  12. Die Swisscom hat etwas viele Ausfälle seit 6 Monaten. Die Firma ist nicht gerüstet für die Zukunft und verkauft nur noch ihre Produkte wie VoIP, das auch schon öfters ausgefallen ist. Sind unsere Firmen für die Zukunft wirklich gerüstet – NEIN, offenbar nicht. Auch Banken werden noch Probleme kriegen, zumal die sich nicht um die Sicherheit der IT kümmern. Deshalb zeigen wir nach Ostern eine Live-Präsentation, wie man das neue eBanking einer der beiden Grossbanken hackt. Die CEOs, auch wenn sie schon älter sind, müssen langsam lernen, dass Abwarten keine Lösung für die Probleme ist.

    • Voll geil – der neuste Sport der Hacker Kids: nicht Banken Bashing … SONDERN Banken Hacking live!
      Das wird lustig für Weisse Weste und Hilfskräfte.

      Uns siehe da: Wir werden es alle noch in den nächsten Jahren erleben, dass unsere Zahlungs- und High-Tech-Digi-Pigi-Hacking Welt mal für ein paar Tage – oder mal Wochen? – still steht. Ich bin gerüstet – und werde keine Probleme haben!

    • Etwas viele Probleme! Kein
      Wunder bei dem Chef und der ewig grinsenden CVP-.Oberaufseherin

  13. Twint ist eigentlich gar nicht schlecht sofern es läuft. Eine Totgeburt nach wie vor, denn warum sollte man Twint nutzen bei deutlich einfacher und massiv weiter verbreiteten Methoden wie ApplePay oder PayPal? Es braucht keine Kreditkarte ist das Hauptargument. Benötigt PayPal auch nicht und ich kann damit bei fast jedem Onlinehändler der Welt bezahlen. Unter dem Strich ist Twint eine sackteure Lösung für 8Mio Einwohner ohne Mehrwert zu schaffen.

    Aber unsere Banken haben sowieso noch nicht kapiert das die Zukunft kommt. PSD2 kommt und sich abschotten bringt nichts. Mitmachen und selbst Innovativ werden lautet die Devise. Die einzige Bank die Momentan Innovation zeigt ist Zak. Doch selbst da sind unsere Nachbarländer schon massiv weiter – siehe N26.

    Ganz spannend wird es wenn die Techgiganten ins Banking einsteigen oder die Asiaten mit AliPay oder WeChat zu uns kommen. Ich freue mich schon drauf :-).

    • ApplePay funktioniert auch mit Maestro-Karten wie man sie in Italien schon heute benutzen kann – es mangelt bloss am Willen unserer Banken dies ebenfalls umzusetzen.
      PSD2 ist leider für die Schweiz nicht verpflichtend, daher bezweifle ich, dass dies so bald bei uns kommen wird…

  14. Offenbar werden Personen, die sich mit Zuverlässigkeit bei der Technik auskennen, entlassen, oder gar nicht erst eingestellt.

    • Schaue ich die Twint Kurz-Porträts der Mitarbeitenden an: alle haben irgendwie eine Funktion mit „Head …“.

  15. Also ich habe bis heute noch niemanden entdeckt, der Twint am POS einsetzt. Nur schon vor diesem Hintergrund zweifle ich die Zahlen sehr stark an.

    • Die Anmelde-Zahlen stimmen, es wird mit CHF 10.- belohnt wer sich anmeldet, warum sollte ich das nicht tun, Nutzen muss ich dieses unbrauchbare Ding ja dann nicht.