Bernie Hodler gibt Gas, Bär-Compliance kracht

Neo-CEO auf Spuren von Vorgänger Collardi – Holt Berater und Neugeld – Riesenprojekt in Compliance läuft aus dem Ruder.

Bernhard Hodler galt nach seiner überraschenden Kür letzten Herbst als Übergangs-CEO. Nun scheint Hodler fürs Erste sicher im Stuhl des Chefs zu sitzen.

Dies dank viel Schub heute. Hodlers Halbjahreszahlen für die Zürcher Privatbank Julius Bär stehen unter einem Wort: mehr.

Mehr Kundenassets, mehr Kundenberater, mehr Gewinn, mehr Marge. Hodler spricht von neuem Rekordgewinn für die ersten sechs Monate des Jahres, mit 480 Millionen, einem Plus um 19 Prozent.

Umgekehr stiegen die Kosten um „nur“ 10 Prozent. Das verbesserte naturgemäss das Kosten-Ertrags-Verhältnis. Dieses sank auf 67 Prozent, deutlich tiefer als noch zu Boris Collardis Zeiten.

Der Vorgänger auf dem CEO-Thron zieht bald ins historische Gebäude gleich neben dem Bär-Sitz an der Zürcher Bahnhofstrasse. Dann können sich Hodler und Collardi ein Wettrennen liefern.

Dass Hodler dieses nicht vorzeitig verloren gibt, das zeigen seine präsentierten Gewinn- und Wachstumszahlen. Nix da mit Abbremsen: Bernie macht gleich weiter wie Boris.

Das aber heisst auch, dass die Risiken hoch bleiben. Umso wichtiger wäre es, dass die Julius Bär bei der Kontrolle von neuen Kunden und den heissen Deals exponierter Klienten ein effizientes System in Betrieb hätte.

Ist dem so? Derzeit gibt es eher wieder neue Fragen – und dies, obwohl ein sogenanntes Enforcement-Verfahren der Finanzmarktaufsicht gegen die Julius Bär wegen vieler Altlasten läuft.

Das Projekt, das die Bär-Bank bei der Compliance zum neuen Industrie-Standard machen sollte, lautet auf den internen Namen „Atlas“. Es ist das wichtigste Vorhaben hinter der glamourösen Kulissen mit neuen Beratern und soll verhindern, dass die Privatbank erneut tief in den Sumpf gerät.

Wie beim Fall Pierin Vincenz, wie bei der brasilianischen Petrobras, wie bei der venzolanischen PDVSA, wie bei der Fifa, wie im Russen-Waffenfall rund um die Berner Waffenschmiede Ruag.

Ging es um Compliance-Versagen, war Bär stets vorne dabei. Deshalb Projekt Atlas. Dieses ist riesig, teuer. Und: chaotisch.

Das Kommando haben längst nicht mehr die Internen. Der Projektleiter – er heisst Roman Riederer – ist nicht mehr dabei. Er verlässt die Bank, wie eine Quelle sagt.

Auch dessen Chef, der offiziell die gesamte Compliance bei der Julius leitet, ist laut Beobachtern nur noch auf dem Papier zuständig. Er heisst Martin Eichmann und gilt als reine Alibifigur.

Die tatsächlichen Taktgeber für eine neue, funktionierende Compliance stammen von ausserhalb der Bank. Sie kommen von einer externen Spezialfirma namens CapCo.

Deren Leute gehen ins Geld. Laut einem Auskunftsgeber sollen bereits rund 20 Experten von CapCo bei der Julius Bär ein- und ausgehen. Sie würden sagen, wohin die Reise geht.

Die stolze Zahl externer Cracks droht, das Budget zu sprengen. Was tun? Ganz einfach: Unter hochbezahlten CapCo-Machern tummeln sich unzählige Temporäre. Die machen die Fleissarbeit.

Von ihnen wimmelt es derzeit nur so in den Hinterzimmern der Bär an ihren verschiedenen Standorten in Zürich. So soll Projekt Atlas derzeit gegen 100 Temporäre beschäftigen.

Viel Lärm und Aufregung rund um Atlas. Bringt das Projekt aber auch das Gewünschte? Wird die neue Compliance verhindern, dass Bär bald wieder hohe Bussen und Strafen zahlen muss?

Und dass sogar die Finma einschreitet?

Insider zweifeln. Die offiziellen Chefs rund um Eichmann und dessen Vorgesetzten Roman Baumgartner, die beide von der CS stammen, würden mit frische Kräfte installieren.

Nur, damit viel Zeit ins Land streicht, bis diese sich einen Überblick verschafft hätten. Mit dem alten Trick könne sich das Gespann Baumgartner-Eichmann an der Macht halten.

Und der neue Risk-Chef? Oliver Bartholet heisst er, er stiess dieses Jahr von der UBS zur Julius Bär. Auch Bartholet, der einen guten Ruf geniesst, muss noch zeigen, dass er sich gegen die „Compliance der Würste“ bei der Bär durchsetzen kann.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Ui nei, die Würste von Capco gehen bei den Bärlis ein und aus? OMG, was für ein Armutszeugnis….

  2. Sind das wohl nur kurzfristige Mehrerträge, erwirtschaftet mit erst später auftretenden Risikoerscheinungen? Bei solchen Zahlen heisst es meist sehr skeptisch hinzuschauen.

    • Muss es immer gleich rufschädigend sein? Hr. Euchmann ist immerhin Gründungs Mitglied des SACO, die Berufsorganisation der Swiss Compliance Offizieren. Er hat sich seine Sporen weissgott abverdient. Merken Sie sich das!!!

  3. DIE Bank welche seit 2000 den Personal Bestand kontinuierlich erhöht, auch wenn u.a. externe MA dabei sind.
    Dass B.H. diesen trend hochhalten kann verdient Anerkennung. Well done!

  4. Klar. Capco bezahlt einem senior consultant ja auch stolze 160k ohne boni pro jahr da muss auch was reinkommen. Daher auch dienhohen daily rates von chf 2000 +

  5. Weiss keine Details zu den Protganisten dieser Story, aber eines ist klar: die FINMA schreitet allerhöchstens dann ein, wenn Hodler oder einer seiner Adlaten Johann „Rire c’est bon pour la santé“ oder Atom-Doris überfährt mit dem Firmenauto.
    Ansonsten spielen die FINMA-Leute weiterhin Beamtenmikado.

  6. Man kennt M.E. von früher bei der CS. Er ist ein guter Mann.
    Diese CapCo. kann Hodler vergessen. Nur Kosten, wie die sogenannten Berater McKinsey etc.

    • Korrekt….frag mal bei postfinance und ubs nach…….

      Taeglich abrechnen, aber selten liefern. Bei dem gescheiterten capco management ist dies aber auch verstaendlich.

      Bei capco geht es um gewinnmaximierung, schliesslich gehoert man zu einer US private equity bude und das heisst, gewinn abliefern um jeden preis. PE first, management second, client third.

      Aus meiner erfahrung mit ihm kann ich nur sagen, hodler ist ein sehr guter mann, stets mit uebersicht und weitblick, aber problem durch ceo position jetzt ist sicherlich, dass er den complaince laden nicht mehr selbst leitet.

    • Gescheitertes Management 😂

      Korrekt, kenne es noch aus meiner CS zeit, da hatten die den kleine deutschen partner, der immer versuchte uns schweizern zu erzaehlen, was wir machen sollten. Er selbst hatte null ahnung und davon viel.

      Man gab ihm dementsprechend auch sehr lustige namen intern und selbst das hatte er nie gechecked.

      typisch deutsch, typisch arrogant

    • ‚Taeglich abrechnen, aber selten liefern. Bei dem gescheiterten capco management ist dies aber auch verstaendlich.‘

      😂 korrekt., die kenne ich noch aus meinen CS zeiten.was war das fuer ein chaos mit denen.vor allem der kleine deutsche, der intern sehr spassige namen hatte und der uns immer was erzaehlen wollte, wovon er null ahnung hatte.

    • M.E. „ein guter Mann“, da fragt man sich, wieso es dann bei JB zum Enforcement-Verfahren im Bezug auf Compliance gekommen ist?

    • Capco, nein, dort sind echt viele Würste beschäftigt die null Ahnung von nichts haben. Noch weniger als die Komplianze Fritzen von Bär!

  7. Das mit Capco (wie oftmals bei anderen Beratungen auch) verwundert sicherlich nicht.immer die gleiche Geschichte.

    Aber in dem Fall hoert man viele Beschwerden von Internen, dass dort Leute auf ein solch sensibles Compliance Projekt gesetzt wurden, die zum einen das Private Banking der JB absolut nicht verstehen und zum anderen auch nicht aus dem Compliance Umfeld kommen, aber gerade im Moment lokal verfuegbar sind und dies……mit Kampfpreisen und Paketskonti, die die Konkurrenz erblassen lassen.

    Heute bei der UBS oder CS auf Operations Projekten und morgen bei der JB auf Compliance…….unglaublich…..aber auskunftsgemaess wohl Capco-Style…

    • Capco beschäftigt grösstenteils Leute aus Deutschland, die dem Kunden gegenüber als „in der Schweiz lebende“ deklariert werden. Und ja, Sie haben recht, diese Leute von Capco kommen nicht aus dem Compliance Umfeld und haben wirklcih absolut keine Ahnung von Tuten und Blasen!

    • Das kanst du dir ausrechnen….wenn es denn 20 berater sind (?) …wohl mit tagessatzschnitt ca 2.000 und das ergibt pro tag x, pro woche y, pro monat z…….das jahr ……..knapp den bonus der compliance abteilung……. 🙂

  8. Ich kenne Bernie noch zu alten Julius Bär Zeiten. Ein auf dem Boden gebliebener Mensch ohne Arroganz und Staralüren. Ein CEO welcher den JB Laden in und auswendig von der Pike auf kennt. Ausserdem ist er bei den meisten Mitarbeitern sehr beliebt und ein exzellenter Skifahrer noch dazu.

    • Der Skifahrer reisst’s raus. 😀

      BC fährt ja lieber Italienisch. Vielleicht aber auch irgendwann mal Anderes. Er war bei Bär in genug „Skandale“ involviert um mal genauer hinzuschauen.

  9. Pierin Vincenz, Petrobras, PDVSA, Fifa …… etc. etc.
    Bei 1MDB gab es sogar Tote und Verschollene (Bruno Manser).

    Und wie haben die Wattebäuschchen-Werfer der FINMA reagiert? Obwohl der Bär jahrelang jeden Honigstock geplündert hat, ist nichts von Berufsverboten für die Waschbären-Truppe an der Zürcher Bahnhofstrasse bekannt geworden – «Schutzpatron Branson» sei Dank!