Berufliche Fitness (21): D.S.D.S – Denken, Schnaufen, Denken, Sprechen (in dieser Reihenfolge)

Wenn wir wollen, dass der Wirtschaftsstandort Schweiz gestärkt wird und dass „die Schweiz bleibt, wie sie ist“, dann ist das legitim, aber wir sind von geschätzten 99.9% der Weltbevölkerung herausgefordert, die auf eine Verbesserung ihrer eigenen Lage hinarbeiten. Das betrifft uns, sei es

dass wir weniger konkurrenzfähig werden, weil andere sich verbessern (China: „Made in China 2025“; Singapur, …)

dass Macht brutal zu unserem wirtschaftlichen Nachteil ausgeübt wird (USA: „America First“, Sanktionen direkt: Zölle auf Stahl; indirekt mit Drittwirkung: Iran / Schweizer Exporte in den Iran), eigene Steuerparadiese, …)

dass wir für die EU wirtschaftlich weniger wichtig sind als umgekehrt (weniger wichtig auch als Grossbritannien); hilft für eine realistische Einschätzung EU / Brexit im Vergleich zu EU / Schweiz

dass die Migration aus südlichen Ländern aufgrund wirtschaftlicher / politischer / klimatischer Faktoren alles Bisherige in den Schatten stellen wird.

Was ist zu tun? Es gilt noch immer, was mein Wolfsberg-Chef Ernst Mühlemann jeweils riet: „DSDS: Dänke – Schnuufe – Dänke – Schnörre“ (oder Schreiben, je nachdem). Ich ergänze das noch: „DSDS-konkret“. In unseren Diskussionen bleibt vieles im Allgemeinen, weil es einfacher ist, generell über Unabhängigkeit, Freiheit, Souveränität, Selbstbestimmung, direkte Demokratie, Wirtschaft, Innovation zu reden als konkrete Stärken und Schwächen (=Gegenwartsbetrachtung), Chancen und Gefahren (Zukunftserwartung) aufzuzeigen.

Diese sogenannte SWOT-Analyse ist für uns doch im beruflichen und geschäftlichen Umfeld selbstverständlich. Wir sollten sie unbedingt auch in die politische Diskussion einbringen, denn nur so können wir verstehen, worum es geht, und entsprechend informiert entscheiden.

In der Praxis findet das nur statt, wenn es erzwungen wird, beispielsweise durch Fragen („Wer fragt, führt“) und Nachhaken. Wenn man es wirklich ernst damit meint, muss man sich auch der Mühe unterziehen, „gegnerische“ Informationen und Standpunkte zu studieren.

Alle wirtschaftspolitischen Fragen (wie auch die Abstimmungsvorlagen) sind so komplex, dass populistische Darstellungen, einseitige Berichterstattung und unzulässige Vereinfachungen sehr beliebt sind. Um sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden (das ist das Wesen unserer direkten Demokratie) hilft eine Gedankenstruktur, die wir aus der Kundenberatung kennen und die ich auch für die Entwicklung der individuellen beruflichen Fitness verwende: ein Kreislauf, bei dem man sich aber nicht „im Kreise dreht“, sondern immer wieder zu neuen Erkenntnissen gelangen kann.

Im Folgenden wende ich das bezogen auf die Eingangsfrage an: Wie ist die Situation der Schweiz unter Berücksichtigung von „DSDS-konkret“?

(A) STANDORTBESTIMMUNG / ANALYSE

Wo steht die Schweiz? In dieser Frage herrscht ein gewaltiges Tohuwabohu. Etwas mehr Durchatmen wäre empfehlenswert; stattdessen reagieren wir wie wild auf „Analysen“ und Provokationen, wobei die Diskussionskultur oft jenseits von gut und böse ist. Verunglimpfungen sind en vogue und erzeugen viele „likes“ – aber ist das gelebte Demokratie? Die Fakten sprechen eigentlich eine klare Sprache: Arbeitszahlen, Innovationskraft, Wohlstand, Zufriedenheit, Lebenserwartung, alles besser als im Ausland, aber leider natürlich nicht für jeden Einzelnen im grünen Bereich.

Konkret: Wie optimistisch sind wir für die Schweiz? Viele Artikel und Kommentare hier auf IP zeichnen ein eher düsteres Bild, während 99% aller Unternehmer / Manager in NZZ Executive „optimistisch für die Schweiz“ sind, sofern sie sich kontinuierlich verbessert / verändert / anpasst. Ich habe keine Erklärung für diese krass unterschiedlichen Sichtweisen.

(B) OPTIONEN / MÖGLICHKEITEN

Ich möchte, wie auch die Mehrheit der Stimmberechtigten, keinen Beitritt zur EU (u.a. weil das Modell Schweiz einfach zu gut funktioniert und mit Anpassungen auch weiterhin funktionieren wird), wohl aber eine gewisse Stabilität zum europäischen Umfeld, damit wir unseren Wohlstand und unsere Arbeitsplätze sichern können und damit uns genügend Kraft bleibt, uns mit den Zukunftsmärkten Asiens und anderen wichtigen Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Konkret: Für mich sind beispielsweise Kohäsionszahlungen Ok, weil und wenn wir dabei Zugang zu einem grösseren Markt bekommen. Oder: Wenn wir realistische Gegenleistungen erhalten, z.B. unbefristete Börsenäquivalenz, würde ich unsere 8-Tage-Regel opfern und Lohndumping mit anderen, beispielsweise technischen Mitteln, verhindern.

Meine Grundhaltung ist also ein „Geben UND Nehmen“. Sie hat natürlich Vor- und Nachteile; beispielsweise schränken wir damit die Möglichkeiten ein, alles und jedes selber zu bestimmen. Aber: Konstruieren Schweizer Verwaltungs- und Parlamentarier-Juristen „bessere“ Gesetze als EU-Juristen? Brauchen wir etwa beim Datenschutz einen Swiss-Finish? Auch bei einem Nachvollzug (ob autonom oder nicht) kann das Volk entscheiden – halt einfach mit Konsequenzen, über die man Bescheid wissen muss.

In Wissenschaft / Technologie erfinden wir ja auch nicht alles neu, sondern profitieren von global entstandenen Erkenntnissen und bauen darauf auf. Formell tun wir das „freiwillig“, aber faktisch ist es ein simpler Nachvollzug, bei dem niemandem ein Zacken aus der Krone fällt (ausser jemand wollte Nobelpreisträger werden). Und all dies, obwohl die praktischen Auswirkungen aufs tägliche Leben viel gravierender sein können als beim letzten Komma irgendeines Gesetzestextes.

(C) ENTSCHEIDEN / UMSETZEN

Allein hat man bei vielen miteinander vernetzten Themen nicht den Durchblick, wir sind auf Unterstützung angewiesen. Ich bin skeptisch gegenüber Experten, denn man findet – abhängig von politischer oder wissenschaftlicher Ausrichtung – zu jeder Position und zum Gegenteil davon einen prominenten Vertreter der Wissenschaft. Mehr Vertrauen habe ich in Unternehmer und Unternehmerinnen, denn sie liefern praktische Erfahrungen zu Vor- und Nachteilen, zu Chancen und Gefahren. Selbst wenn sie sich nicht einig sind: Man kann meistens nachvollziehen, warum die Positionen unterschiedlich sind; bestes Beispiel Magdalena Martullo-Blocher / Peter Spuhler: beide gleiche Partei, beide sehr erfolgreich, aber verschiedene Einschätzungen.

Konkret: Viel mehr sprechen sollen also diejenigen, die aus eigener Erfahrung praktische Beispiele liefern können. Ich erwarte von unseren kantonalen Sicherheitsdirektoren und Polizeibeamten eine Aufklärung über Schengen (Abwägen von Vor- und Nachteilen basierend auf Fakten), und wenn das überzeugend positiv ist, werden sich unsere Schützen damit abfinden, dass sie in ihrer Freiheit (wo genau?) etwas eingeschränkt werden; wenn nicht: dann sollen die Schützen das Referendum ergreifen, es gibt eine Abstimmung, das Volk entscheidet (gut informiert, hoffentlich), fertig.

Spannend im Zusammenhang mit „Umsetzen“ ist folgendes: Während einzelne Kantone bei der Eintreibung der Dumping-Bussen schlampen oder sich übertölpeln lassen (durch Firmen-Umgründungen), setzen andere, etwa die Kantone Jura und Thurgau, Bussen schnell, effizient, resolut durch. DAS hat Präventivwirkung; wenn alle Kantone das so machten, müssten wir uns nicht wegen der 8-Tage-Regel die Köpfe einschlagen. Dann fehlte aber auch eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung von Gewerkschaftsbossen und anderen – ich würde das nicht vermissen.

(D) ÜBERPRÜFEN / ANPASSEN

Konkret: Wie kann sich eine Kreuzlinger Mowag, deren PTT-Fourgons nicht mehr gefragt waren, zum Kompetenzzentrum für schnelle gepanzerte Radfahrzeuge eines globalen Konzerns (General Dynamics) entwickeln? Das ist aussergewöhnlich und wirklich bemerkenswert. Es hängt von verschiedenen Faktoren ab: den gesamtgesellschaftlichen, politisch-wirtschaftliche Rahmenbedingungen; dem System der beruflichen Aus- und Weiterbildung, den ETHs (um einen besonders wichtigen Erfolgsfaktor herauszugreifen); der individuellen beruflichen Fitness, also den offensichtlich überragenden Kompetenzen von Mitarbeitenden und Führung.

Darum geht es also: Anpassung / Entwicklung individuell / betrieblich / unternehmerisch / wirtschaftspolitisch europäisch und global; dazu kommen soziale und ethische Fragen (Kriegsmaterial). Obwohl Kreuzlingen ja nicht der Nabel der Welt ist: Dieses ganze Programm muss in all seinen Vernetzungen und Widersprüchen immer wieder neu ausgerichtet und erkämpft werden.

(E) ZUSAMMENFASSUNG / FOLGERUNGEN

Während ich in den meisten meiner Beiträge bisher den Fokus auf die individuelle berufliche Fitness legte, habe ich hier einige wirtschaftspolitische Aspekte herausgegriffen und so die andere Seite der Medaille des Erfolgsfaktors „Wirtschaftsstandort Schweiz“ beleuchtet.

Die Forderung diesbezüglich ist eine Verbesserung der Diskussions- und Entscheidkultur, unter anderem mit Instrumenten aus der Unternehmenswelt (Gedankenstruktur, hier: der Kreislauf, SWOT, DSDS-konkret, Change Management, Harvard Konzept in einem früheren Beitrag).

Und eine wesentliche Erkenntnis: Wir gewinnen international keinen Respekt und keinen Blumentopf durch Drohungen und Gesprächsverweigerungen, sondern indem wir schlicht und einfach besser sind als andere. Und das wiederum heisst: besser aus- und weitergebildet, motivierter, neugieriger.

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10 Kommentare zu “Berufliche Fitness (21): D.S.D.S – Denken, Schnaufen, Denken, Sprechen (in dieser Reihenfolge)

  1. Herr Weidmann,

    Diese Frage kann ich beantworten:
    „Wie kann sich eine Kreuzlinger Mowag, deren PTT-Fourgons nicht mehr gefragt waren, zum Kompetenzzentrum für schnelle gepanzerte Radfahrzeuge eines globalen Konzerns (General Dynamics) entwickeln?“

    Schlicht und einfach durch die korrupte Veterliwirtschaft der Schweiz.
    In dem wir für eine halbe Milliarde CHF die uralten Duros neu lackieren, einen Katalysator montieren und dies für korrupte 200’000.- pro Stück!!!
    Das Geld fliesst dann direkt in die Taschen der Amerikaner da die Mowag nicht mal eine schweizer Firma ist!

    Das ist ein super Beispiel als Erfolgsmodell der Zusammenarbeit korrupter CH-Politiker mit den USA.
    Erklären Sie uns doch noch was wir Bürger davon haben ausser die Rechnung? Ach ja, es geht ja immer um ARBEITSPLÄTZE, wie teuer hat der Staat nun die paar Schweizer Arbeitsplätze dann erkauft?

    500 Millionen geteilt durch 700 Leute = 714’000.-/pro Arbeitsplatz- das nenn ich mal ein gutes Geschäft!

    Sie reden übrigens wie alle anderen um den heissen Brei herum. Das Problem ist, dass es keine Nachfrage mehr gibt. Durch Produktivität ist das Angebot viel Höher als die Nachfrage. Deshalb muss immer mehr in Werbung und „neue Märkte“ investiert werden.

    Wo soll den z.B. Schindler in den nächsten Jahren noch neue Märkte finden? Bei den Marsmenschen?
    Irgendwann ist das Wachstumsmärchen ausgeträumt!
    Deshalb stellt der Staat nun die Leute ein damit er sie „beschäftigen“ kann.

    Sobald die iPhonezahlen einbrechen und die Teslablase platzt, wird unser kreatives Finanzsystem zu seinem inneren Wert zurückkehren und am Schluss sind die Ausländer, Rentner, Sozis oder religiöse Minderheiten schuld an der Misere.

    Sie sollten sich mal überlegen wie ein Mensch Geld nach Hause bringen soll in einer voll automatisierten und digitalisierten Welt?
    Was wollen Sie dann noch machen? Es gibt nur drei Möglichkeiten:
    -sich gegenseitig therapieren.
    -sich gegenseitig beraten.
    -sich gegenseitig schulen.

    Es braucht uns nur noch als Konsumenten!
    Das ist DAS Erfolgsrezept der USA- Bunte Scheine Drucken mit George Washington darauf und die anderen (China, DE und CH) arbeiten lassen.
    Für 790 Milliarden US-Dollar haben die USA Waren und Dienstleistungen erhalten ohne einen Gegenwert!

    Dazu stecken wir ihnen über die Mowag noch eine halbe Milliarde in den Hintern und unsere SNB stosst in die Techblase noch 90 Milliarden hinterher.

    Und Sie ärgern sich wenn ein Gewerkschaftsvertreter seinen Job macht und mehr Lohn fordert?

  2. Grüezti Herr Weidmann
    Grüezi Mitenand

    Zu Ihrer Zusammenfassung / Folgerung (E) meine Lebens-Erfahrung:

    Um in der Schweiz Karriere zu machen (überhaupt nachhaltig machen zu können) musste man zumindestens früher (ich bin Jahrgang 1952) folgende Voraussetzungen absolut zwingend mitbringen:

    01. Offizier im Miltär;
    02. Mitglied eines Service-Clubs;
    03. Mitglied einer Gross-Partei !

    Warum das ? Welche „Kern-Kompetenzen“ muss/te man da mitbringen ? Richtig = Unbedingten „Kadaver-Gehorsam“ ! Vergessen Sie bitte: …….. besser aus- und weitergebildet, motivierter, neugieriger. ……… Das hat noch nie gereicht !

    Ich war 45 Jahre lang zu 100% (sehr erfolgreich) selbsständig (in zig verschiedenen Branchen), vorwiegend Handel pur), weil ich genau auf diese „Kern-Kompetenzen“ überhaupt keine Lust hatte. Nie einen Job gesucht, nie einen Arbeits-Vertrag unterschrieben in 45 Jahren = Nur immer Business-Opportunities !

    Das brach mir dann ab dem 6. Oktober 1989 das Genick (nicht ganz als „Lebens-Künstler) ! Der Sperrfristen-Beschluss über Nacht (nur 9 Mt. nach der Abstimmung Stadt – Land = 70% + 100% NEIN) mittels Notrecht = Wobei Notrecht gm. BV nur 1 Jahr lang hätte in Kraft bleiben dürfen (neu 100% JA). Und nicht nur mir … !

    Offensichtlich waren damals die „Falschen“ reich geworden ?! Also ohne 01. + 02. + 03. Voraussetzungen ?! Meine Millionen und meine Villa am See waren jedenfalls u.a. futsch ! Dafür weiss ich seit dem Tag, dass mich meine Frau nicht wegen dem (damals sehr vielen) Geld geheiratet hat.

    Jetzt hole ich mir (inkl. 20 weiteren Geschädigte) mein Geld zurück mit meine Schadens-Ersatz-Klage in den USA unter dem ATCA (aliens tort claim act).

    Alles nachzulesen unter:
    https://www.gsw-global-consult.com/ = Alle Beweise online

    Mfg Giuliano Wildhaber
    Plaintiff pro se (WILDHABER v. EFV et al)

  3. Falls zutreffend bitte liken:
    „Lieber setze ich mich mit Weidmanns DSDS auseinander als dass ich mir Bohlens DSDS antue – Sommerhitze hin oder her.“

  4. Bei der Sommerhitze ist mir das alles viel zu anstrengend. Ich lese „DSDS“ und mir kommt nur „Deutschland sucht den Superstar“ und Dieter Bohlen in den Sinn. Der öde Mühlemann kann mir genauso gestohlen bleiben wie Stoelkers Opernsänger in Salzburg. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Und apropos Naserümpfen über die Streetparade: DIE muss nicht subventioniert werden wie das Opernhaus!

    • Ihr Kommentar zu DSDS mit „Deutschland such den Superstar“ bringt mich auf eine Idee: Ich hätte ohne dramatischen Sinnverlust auch folgendes nehmen können:
      – SSDD; dafür findet man dann abgewandelt: „Same Shit, Different Day“; der passt doch bestens sowohl zur Sommerhitze als auch zum Thema; oder
      – SDSS: diese Ueberbetonung des Schnaufens führt zum: „Sloan Digital Sky Survey“, und auf den wollen wir nicht nur wegen der Sommerhitze gerne verzichten.
      Vielleicht haben andere Leser noch weitere Idee, die Sommerhitze soll uns ja noch einige Zeit begleiten

  5. Nach Lektüre Sonntagspresse:
    Review (Ueberprüfen / Anpassen): Auch auf Top Level (Schweiz, Tiger Woods, Federer, …) sind Reflexion (=vornehmer für DSDS) und Weiterentwicklung nötig
    Analyse: Chaos in Grossbritanniens Brexit-Diskussion, Chaos und Gesprächsverweigerung in Schweizer EU-Diskussion, Chaos total überall (Frage: gibt es sowas wie eine hilfreiche Chaostheorie?)
    Optionen (hier nur für Rahmenabkommen):
    – BR erarbeitet selbständig Abkommen, ohne sich von Gewerkschaften u.a. erpressen zu lassen (Chance: BR zeigt Führungsstärke; Gefahr: fällt in Volksabstimmung vielleicht durch; Chance: Stimmbürger haben genug von Ränkespielen und stimmen zu)
    – BR vereinbart mit EU Stillhalteabkommen bis Brexit erledigt ist (Nachteil: kann Jahre dauern; Chance: vielleicht entsteht etwas Besseres als heute möglich ist)
    – …
    Entscheid: ich hoffe einfach, dass der BR seine Lehren aus dem gegenwärtigen Chaos zieht und nun wirklich einmal Führungsstärke zeigt; wenn die zuständigen Spitzenbeamten ihn dabei nicht wirkungsvoll unterstützen können, muss er diese im eigenen Interesse und im Interesse von uns allen auswechseln.

  6. Wirtschaftlich gesehen ist die Schweiz der EU sicher nicht wichtig. Denoch belegt die Schweiz bezüglich EU- Handelexporte den dritten Platz, hinter USA und China. Die EU-Handelsbilanz mit der Schweiz ist für die EU auch positiv. Bei den Direktinvestitionen in die EU belegt die Schweiz hinter den USA auch den zweiten Platz, auch was Dienstleistungs-importe/exporte anbelangt, ist die Schweiz auf dem zweiten Platz. Vorallem sozialpolitisch betrachtet profitiert die EU von der Schweiz (EU-Grenzgänger= 315’000, EU-Zuwanderer= 1’500’000, Kohäsions-und Ausgleichszahlungen usw.) enorm, im Gegensatz zu anderen Ländern. Man kann also unter dem Strich nicht behaupten, nur wir seien abhängig von der EU.

    • Vielen Dank. Ohne DSDS würde man jetzt daraus etwa Folgendes schliessen: „… die EU wird sich nie getrauen, die Bilateralen zu killen, auch wenn wir die PFZ kündigen.“ Mit DSDS würde man folgende Ueberlegungen machen. Die Schweiz und die EU haben starke gemeinsame INTERESSEN (vor allem Deutschland), dass die Beziehungen positiv bestehen bleiben und hart aber fair weiterentwickelt werden – etwa so, wie man sich unter Unternehmern verhält. (Diese Interessen – da mache ich ganz bewusst einen Link zum Harvard Konzept – sollten in allen Verhandlungen im Vordergrund stehen, nicht rote Linien, persönliche Animositäten oder Profilierungen). (Hier ein zweiter Link für alle Interessierte: Natürlich spielen auch EMOTIONEN eine grosse Rolle; man kann lernen, diese in Verhandlungen geschickt einzubeziehen – davon mehr in einem späteren Beitrag; googeln Sie „Beyond Reason, Fisher / Shapiro“). Und schliesslich: es ist ganz sicher einfacher, bestehende Beziehungen auszubauen als neue zu gestalten (natürlich müssen wir beides machen).

  7. Uiui, mein lieber Jolie. Jetzt musste ich zuerst lesen, atmen, dann lesen und jetzt schreiben. Loool. Soviel Text auf einmal 🙂

    Also ich sehe eher schwarz für die Schweiz. Aber gell, ich bin halt auch ein IP-Konsument.

    • Sie haben D: Denken vergessen. Schade. Trotzdem würfe ich IP Konsumenten nicht als Schwarzseher beschreiben. Es gibt viele Kommentare, die zu sinnvollen Diskussionen anregen; das ist der Wunsch und die Hoffnung. Aber Sie haben schon recht: ich versuche gegen Simplifizierungen anzuschreiben, indem ich konkrete Beispiele und praktische Ideen bringe, und dazu reicht das Twitter-Format halt nicht. Einverstanden?